Steuerfreie Eigenvorsorge und steuerfreie Erträge

Die Rentenkommission der Regierung kommt samt der Ergänzung um eine Kapitalkomponente aus dem Flickwerk der gescheiterten Umlagenrente nicht heraus. Zukunft kann nur die unwiderruflich steuerfreie Eigenvorsorge und ihr steuerfreier Ertrag sein.

picture alliance / Zoonar | Markus Grummt

Immer weniger junge Erwachsene bauen auf die gesetzliche Rente, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag von ING Deutschland und Visa, berichtete T-Online. Nur 49 Prozent der 18- bis 30-Jährigen rechnen überhaupt noch mit einer gesetzlichen Rente im Alter. Im vergangenen Jahr meinten das noch 56 Prozent. Viele Junge sorgen jedoch bereits privat vor. Mehr als die Hälfte der Befragten spart laut Umfrage fürs Alter.

Anonymisierte Kundendaten der ING zeigen: 47 Prozent der jungen ING-Depotkunden sparen regelmäßig per Wertpapiersparplan, im Durchschnitt 365 Euro pro Monat. Im Vorjahr waren es 351 Euro. Eine zentrale Rolle spielen dabei ETFs: 90 Prozent der Einzahlungen fließen nach Angaben der Bank in börsengehandelte Indexfonds. Die ING-Daten beruhen auf der Auswertung von rund 1,1 Millionen jungen Kunden im Zeitraum von Januar bis Juni 2026. Es ist also höchste Zeit, in den Schulen seriöse Informationen über private Vorsorge zu liefern, statt mit dem Märchen vom bösen Kapitalismus die jungen Leute von Aktien abzuschrecken. Regelmäßige Nachhilfe liefert jeden Tag der TE-Börsenwecker.

Die Vorschläge der Alterssicherungskommission sind kein Systemwechsel. Eine wirklich gründliche Reform müsste die Kapitaldeckung als zentralen Hebel haben.
Der aktuelle Kommissionsvorschlag will nur einen zusätzlichen Beitrag zum Umlagen-Teil von bis zu zwei Prozent des Bruttolohns, der in individuelle Kapitalkonten fließen und am Kapitalmarkt angelegt werden soll (schwedisches Modell). Junge Einsteiger sollen dadurch später spürbar höhere Zusatzrenten bekommen – laut Kommission bei einem 22-Jährigen mit rund 777 Euro monatlicher Kapitalrente. Das wäre erstens nur ein Tropfen auf den kalten Stein und zweitens stets politisch von einem Griff des Steuerstaates in die „individuellen Kapitalkonten“ bedroht.

Einige Ökonomen fordern den Übergang zu einem stärker kapitalgedeckten System mit langfristigem Aufbau eines großen Kapitalstocks (ähnlich Norwegen oder Teilen des schwedischen Systems),  eine Begrenzung des Beitragssatzes nach oben und Anpassung des Rentenniveaus nach unten (statt dauerhafter Steuerzuschüsse).

Ein kompletter Wechsel zum reinen Kapitaldeckungsverfahren wird auch jetzt wieder wie immer schon als zu teuer und „ungerecht“ in der Übergangsphase hingestellt, da die heutigen Beitragszahler sowohl die laufenden Renten als auch den eigenen  Kapitalstock finanzieren müssten. So begründet die Kommission den Mischweg der Umlage mit verpflichtender Kapitalkomponente als realistischsten radikalen Schritt.

Einen tatsächlichen Wechsel zur Marktwirtschaft schlägt bisher niemand vor: Eine Grundsicherung für alle aus allgemeinen Steuereinnahmen und die Steuerfreiheit für alle individuellen Aufwendungen zur Sicherung im Alter und bei Arbeitsunfähigkeit und sämtliche Erträge aus ihnen.

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Kommentare ( 15 )

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15 Comments
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Juergen Kempf
21 Minuten her

Es ist also höchste Zeit, in den Schulen seriöse Informationen über private Vorsorge zu liefern, statt mit dem Märchen vom bösen Kapitalismus die jungen Leute von Aktien abzuschrecken
Ich hoffe Ulrich Siegmund führt so einen Unterricht in Sachsen-Anhalt ein.
Jedenfalls besser als so eine bescheuerte und verpflichtende Queerveranstaltung.
Wenn man junge Leute früh genug an das Thema heranführt,dann denke ich haben die auch Lust dazu sich damit zu beschäftigen.Es geht ja nicht um die Rente,sondern auch um den Vermögensaufbau insgesamt.

Laurenz
22 Minuten her

Die Steuerersparnis ist sowieso schon gegeben. Renten werden voll als Einkünfte versteuert. Erträge aus Aktien oder Anleihen nur zu 25%, manche ETFs auch nur zu 18%.

Logiker
25 Minuten her

„Ein kompletter Wechsel zum reinen Kapitaldeckungsverfahren wird auch jetzt wieder wie immer schon als zu teuer und „ungerecht“ in der Übergangsphase hingestellt“ Nun ja – das muss in Deutschland (leider) kein Nachteil sein, jedenfalls nicht gegenwärtig. Noch weniger Vertrauen als in diesen Staat sollte man denjenigen Institutionen entgegenbringen, die, vom Staat zur Kapitalverwaltung und -pflege beauftragt werden. Ein Garten Eden für Lobbyisten und deren Auftraggeber. Riester oder die mehrfachen Pleiten von Berufsversorgungswerken lassen nichts Gutes erwarten. Am Ende ist nämlich keiner verantwortlich wenn’s schief geht. Nehmen Sie z.B. die Pflegpflichtversicherung und die horrenten Kosten für einen Heimplatz. Die geringsten Posten… Mehr

Last edited 18 Minuten her by Logiker
Stefan Tanzer
28 Minuten her

Das gesetzliche Rentensystem ist leider reiner Betrug. Würde man dasselbe Geld, das man in die Rentenversicherung monatlich einzahlt, stattdessen als Durchschnittsverdiener für 15 Jahre nur in einen ETF einzahlen so hätte man bei durchschnittlichen Marktraten immer noch eine signifikant höhere Rente als wenn man 45 Jahre lang stumpf einzahlt. Je jünger man ist, umso schlechter ist die gesetzliche Rente. Dazu kommen zwei systematische deutsche Eigenheiten: Erstens haben alle Rentenprodukte eine bestimmte Renditegarantie zu erfüllen. Und zweitens ist die Einzahlung in solche Produkte eigentlich eine Wette darauf, dass der persönliche Steuersatz im Alter signifikant niedriger ist als während der Erwerbstätigkeit. Wenn… Mehr

yeager
37 Minuten her

Wenn man aus der Umlagefinanzierung herauswill ist der einzig faire Weg die bisherigen Einzahler aus Steuermitteln zu bezahlen. Schließlich haben die einen Teil ihres Arbeitslebens eingezahlt, für viele ist es viel zu spät einen eigenen Kapitalstock aufzubauen. Diese Leute haben mit ihrem Geld die Renten anderer bezahlt, sie waren dazu gezwungen, als Gegenleistung haben sie ein Anrecht auf eine Rente erworben. Wer es sich leisten konnte hat vermutlich zusätzlich eine eigene Absicherung aufgebaut, aber erstens war nicht jeder dazu in der Lage, zweitens muss es eine Kompensation für das Eingezahlte geben, alles andere wäre schlicht Diebstahl. Es ist die Politik… Mehr

Haba Orwell
39 Minuten her

> Zukunft kann nur die unwiderruflich steuerfreie Eigenvorsorge und ihr steuerfreier Ertrag sein.

Ich spare ja mein ganzes Berufsleben lang, doch bisher hat die Obrigkeit mit immer heftigeren Zinsertragssteuern zugelangt. Ähnlich bei etlichen Alternativen zum Geld auf den Konten.

littlepaullittle
40 Minuten her

„Zukunft kann nur die unwiderruflich steuerfreie Eigenvorsorge und ihr steuerfreier Ertrag sein.“
Und dies sollte sogar im Grundgesetz festgeschrieben werden.
Ohne dies wird auch ein komplettes Kapitalgedecktes System wieder nur Opfer der Sozialisten. Haben sie das Geld der Kinder erst einmal zusammengerottet, dann lassen sie sich ein „soziales“ (=sozialistisches!) Gesetz einfallen.
Sie erinnern sich, dass die letzte Generation in Lebensversicherungen getrieben wurde, u.a. auch als Sicherheiten für endfällige Tilgungen von Immobilien.
Dann kam der deutschen Regierung (UND den Versicherungen!) eine Finanzkrise gut in den Kram und die regierungsfreundlichen Versicherungen/Banken wurden als „systemrelevant“ eingestuft und durften ganz legal ihre Renditeversprechen einstampfen.

GermanMichel
41 Minuten her

Die werden sich noch alle nach dem Umlageverfahren sehnen wenn der große Finanzcrash kommt.

Dein Rentenanlagekonto, deine Investment App sind dann auch einmal weg, wenn die Bank dahinter, oder die Bank hinter den App Betreiber pleite ist.

So wir früher die Banktüren nicht mehr auf gingen, die Geldautomaten kein Geld mehr ausgegeben haben, kommt dann einfach ein Error Screen auf dem Handy, oder man kann sich nicht mehr einloggen.

Logiker
50 Minuten her

Ich habe immer davor gewarnt, unsere Jugend zu unterschätzen. Was wohl damit zusammenhängt, dass man in den Medien in gewohnter Manier ein sehr einseitiges von jungen Menschen in Deutschland vermittelt. Wonach gefühlt 90% mit Regenbogenfahnen, Strapsen und Hundemasken den deutschen Alltag beglücken. Die Realität sieht anders aus. Zwischen Januar und Juni 2026 wurden in Deutschland knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge im Handwerk in die Lehrlingsrollen eingetragen. Das sind rund 4,9 Prozent beziehungsweise über 3.160 Verträge mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Trend: Es ist bereits das vierte Jahr in Folge mit steigenden Zahlen bei den neuen Ausbildungsverträgen. Vergleich: Einen so… Mehr

Last edited 37 Minuten her by Logiker
Bernd Geiss
1 Stunde her

Ist gut gemeint, aber die Gierlappen finden trotzdem immer einen Weg was zu holen. Ich hatte in 1990iger Jahren Kapitallebensversicherungen abgeschlossen. Da hieß es noch steuer-und sozialabgabenfrei. Dann haben die das Gesetz geändert und unverschämterweise auch in bestehende Verträge eingegriffen und plötzlich waren Sozialabgaben fällig. Die Allianz hat dagegen geklagt und natürlich verloren. Und jetzt haben diese Halunken auch noch einen Riegel vorgeschoben, dass man sein Geld nicht mehr außerhalb der EU in Sicherheit bringen kann. Das zeigt doch alles. Die wollen Zugriff auf jeden Euro um hinzulegen wenn sie Geld brauchen. Da gibt es dann plötzlich ein Gesetz, dass… Mehr