Sandra Maischberger bittet mal wieder zum AfD-Grillen. Inklusive der üblichen, im Publikum platzierten Kopfschüttler. Doch das Feuer verglimmt. CDU-Mann Nathanael Liminski bleibt blass und blutleer. Und AfD-Mann Bernd Baumann ist einfach viel zu fidel, um als Opfer zu taugen.
Screenprint: ARD / Maischberger
Das betreute Denken kehrt mit voller Wucht aus der Sommerpause zurück. Markus Lanz fährt im Zweiten leider nur Gäste aus der B-Liga auf, doch in der ARD stellt Maischberger einen weiteren AfD-Marterpfahl auf. Angebunden wird mit Bernd Baumann der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion. Doch für den gemeinsamen Feuertanz rund um das Opfer hat sich die Moderatorin leider den Falschen an die Seite geholt: einen CDU-Minister aus Nordrhein-Westfalen, der Bundes- und Europaangelegenheiten macht. Auch „Internationales“ und was mit „Medien“ steht auf seiner Visitenkarte. Nathanael Liminski heißt er, Freunde nennen ihn Schliminski. Muss man sich aber alles nicht merken.
Das Problem: Baumann lässt sich das nicht bieten. Fröhlich steht er da an seinem Pfahl, hat die Fesseln hinter dem Rücken längst gelöst und gibt Gegenfeuer. Als Liminski ihm allzu nonchalant das Thema Migration aus den Händen nehmen und kleinreden will („Da sind wir uns ja einig“), zieht Baumann plötzlich die Fäuste nach vorn: „Wir sind überhaupt nicht einig in der Migrationspolitik. Sie haben gerade mal 9.000 abgeschoben.“ Die angebliche Abschiebungsoffensive habe Merz lediglich versprochen. „Nichts davon hat er umgesetzt. Hunderttausende sind dazugekommen. 1.600 sind zurückgewiesen worden. Also 99 Prozent kommen weiterhin rein.“
Liminski gerät in die Defensive, greift in die Mottenkiste des üblen Rechts-Rechts-Nazisprech, holt Björn Höcke hervor, ja sogar den längst vergessenen Gauland. Alle werden zitiert, auf dass Baumann nur endlich einmal Ruhe geben möge.
Macht er aber nicht.
Dass die AfD angeblich zur Gewalt aufrufe, weil Kabarettist Steimle einen missglückten Witz ablieferte („Wo ist Stauffenberg, wenn man ihn braucht?“) lässt Baumann nicht auf seiner Partei sitzen. „Mit Gewalt kenn ich mich aus. Vor meinem Haus sind fünf Autos verbrannt worden in einem Jahr“, sagt er. Die Antifa sei das Problem, und die werde in Hamburg sogar von der CDU mitfinanziert. Zum Stauffenberg-Witz selbst sagt er: „Das ist ein Witz, den hätte ich nicht gemacht“, aber das reicht den beiden Totentänzern nicht.
Wenn sie ihn nicht gerade unterbricht, streut Maischberger ein, im Umfeld des Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, gebe es Nazis. Und wenn ihr Baumann zu ausführlich antwortet, wird sie auch schonmal beleidigend: „Wir haben ein bisschen einen Sprung in der Platte.“
Dann Liminski wieder: Die AfD brauche „ständig einen Gegner, einen Feind. Ich brauch’ das nicht für meine CDU.“ Damit meint er lustigerweise die Partei, die seit Jahren die AfD zu ihrem Hauptfeind erklärt hat. Weitere Stichworte zieht er wie feucht gewordene Pfeile aus dem Köcher: „Spione aus China“ – gemeint ist der Krah-Mitarbeiter, vor dem der Verfassungsschutz nicht warnte, obwohl er ihn als Spion längst kannte. Dann: „In Fanboy-Manier“ würde sich die AfD „irgendwelchen Big Tech-Unternehmen anbiedern“. Und schließlich malt er – gähn, bald Mitternacht – mal wieder das Bild von der bösen AfD an die Wand, die sogar gut integrierte Fachleute mit Migrationshintergrund und deutschem Pass ausweisen wolle.
Baumann dementiert – mal wieder – und sagt – mal wieder –, dass das eine erfundene Geschichte sei. Maischberger fragt trotzdem nochmal nach. Baumann dementiert nochmal, Maischberger fragt nochmal. Supergähn.
Könnte man. Tut aber keiner. Außer bei der AfD. Da immer.
Auch heute gibt sich Liminski wieder extrem traditionsverbunden. In der CDU singe man dauernd die Nationalhymne, man lebe „einen gesunden Patriotismus“ und habe „ein völlig entspanntes Verhältnis zu unserer Nationalflagge“. Steilvorlage für den munteren Baumann. Er erinnert trocken daran, „dass Merkel das Deutschlandfähnchen angewidert von der Bühne geschmissen hat“.
Der Marterpfahl gerät ins Wanken.
Apropos wackeln. Immer wenn Baumann spricht, fängt die Kamera im Publikum die pure Fassungslosigkeit ein. Mit Profi-Kopfschüttlern, wie man sie seit Jahren kennt. Also jene Gäste, die immer dann demonstrativ ihr Haupthaar durchs Bild wedeln, wenn „der böse Rechtsextreme“ spricht. Zwei Zuschauer erweisen sich dabei heute als extrem engagiert und untalentiert. Bei einem grauhaarigen Gast kann man buchstäblich zusehen, wie er auf dem Studiomonitor erkennt, dass er im Bild ist und dann völlig überraschend und geradezu kafkaesk überzeichnet den Kopf nach links und rechts dreht. Sein Laienschauspiel würde eher in eine Friseusen-Soap passen – Rollenbeschreibung: Der Kunde, der im Spiegel seinen neuen Haarschnitt kontrolliert.
Ein Liminski, so viel ist sicher, kommt dafür nicht in Frage: Er sieht bei der AfD „eine Rhetorik, die niederste Instinkte bei Menschen bedienen soll: Neid, Missgunst, Angst, Ekel, Hass.“
Immer wieder versucht Baumann es mit konkreten Fragestellungen und aktuellen Problemen. Doch Liminski winkt ab. Und stellt sich mitunter selbst ein Bein. So sei etwa das Thema Zurückweisung an der Grenze ein ganz alter Hut, behauptet er. „Das wurde übrigens schon diskutiert 2015 unter meinem alten Chef Thomas de Maizière lange, bevor die AfD irgendwas dazu sagen musste. Keine Sorge.“ Eine weitere Steilvorlage für Baumann. Der entgegnet nur knapp: „Diskutiert, aber nichts gemacht.“
Die Brandmauer bezeichnet Liminski als „völlig überdehnt und überbewertet“, zelebriert sie aber die ganze Sendung über. Selbst Konrad Adenauer vereinnahmt er für seinen Hass. „Was der zur AfD sagen würde, da bin ich mir ziemlich sicher“, posaunt der CDU-Mann. Baumann hingegen glaubt: „Konrad Adenauer wäre heute auf unserer Seite.“
Ihr Kollege Christoph von Marschall (Tagesspiegel) wandelt unterdessen auf den Spuren des Umweltministers Schneider und behauptet, die globale Erhitzung sei schon ganz entscheidend gebremst worden. Dabei zitiert er den Weltklimarat, ohne allerdings zu erwähnen, dass eben dieser die Klimaapokalypse längst offiziell abgesagt hat. Die jahrzehntelang zelebrierten Modelle seien leider unplausibel, hieß es bereits vor Monaten.
Bei Maischberger erfährt das selbstverständlich niemand.
Deutschland habe „sehr stark auf die Verhinderung des Klimawandels gesetzt“, sagt von Marschall. Das sei nicht falsch, aber die Mittel müssten nun „ein bisschen weniger in die Klimawandelverhinderung und etwas mehr in die Anpassung“ gehen. Kohl stimmt freudig mit ein, schlägt mobile Wasserstationen für die Städte vor und Sonnensegel, um die Fassaden zu kühlen.
Dann der Lacher des Abends: „Es gibt keine einfachen Antworten und vor allem keine ideologischen.“ Sagt Anja Kohl …
Übrigens: In der Sendung dauerte es exakt 180 Sekunden, bis erstmals die legendären „12.000 Hitzetoten“ dieses Sommers erwähnt wurden. Das betreute Denken muss schließlich weitergehen.








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Lächerlich: Liminski mit Merkel-Raute!
Zur Belustigung am Morgen, kann ich dazu passend den folgenden Artikel empfehlen:
https://www.focus.de/kultur/kino-tv/wer-baumann-sieht-mag-sich-ein-afd-land-ungern-vorstellen_a8c86f77-0a3c-4733-ba82-d365646986ad.html
Amüsant zu sehen, wie sich das Kartell aus Altparteien und ÖRR vergeblich bemüht, der AfD irgendwie beizukommen. Selbst so undemokratische Sauereien wie der äußerst fadenscheinige Wahlauschluß von AfD-Kandidaten bringt letztlich nichts. Mal sehen, welche Geschütze jetzt noch aufgefahren werden. Vermutlich wird das Kartell in seiner Panik derart aberwitzig überdrehen, daß die Wähler gar nicht anders können, als der AfD die absolute Mehrheit zu geben. Eigentlich gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: entweder begehen die Kartell-Parteien Selbstmord aus Angst vor dem Tod und die AfD kommt an die Regierung oder wir landen in einer diktatorischen Scheindemokratie. Wobei wir letzterem schon verdächtig… Mehr
Was? Schimanski? Schwul? Der WDR schreckt vor nichts mehr zurück! Dem ist nichts mehr heilig, scheint mir. Früher habe ich Sie ja immer bedauert, liebe Frau Plog, daß Sie sich diesen Mist ansehen müssen. Das ist hart verdientes Brot, keine Frage. Aber diesmal haben Sie doch etwas Spaß gehabt. Ja, wir sind jetzt wohl soweit, daß wir diese Leute nur noch auslachen. Ich bewundere ja Bernd Baumann für seine Schlagfertigkeit. Ich glaube, ich könnte das nicht. Aber mit 12.000 Erdverkochten nach nur drei Minuten! Und das völlig ideologiefrei! Das kriegt man auch nur noch bei den Öffis. Ich kann nicht… Mehr
„Das betreute Denken muss schließlich weitergehen.“ funktioniert halt so gut. Siehe Umfragen: im Sommer entdeckten die Deutschen ihr großes Herz für die Alten und fordern Hitzeschutzmaßnahmen. Also Schutzmaßnahmen für die Bevölkerungsgruppe, denen jede noch so mickrige Rentenerhöhung geneidet wird. Die Bevölkerungsgruppe denen 0,5 Rentenpunkte sogenannte Mütterrente für vor 1992 geborene Kinder missgönnt wird, während man gleichzeitig das volle Erziehungsgeld kassiert. Ca. 2 Wochen Sonnenschein genügt, damit die Leute in Umfragen mehr Weltklimarettung fordern und die Aufnahmen von Hitzeschutzmaßnahmen ins GG sind. Also dafür, dass steuerfinanzierte NGOs wie die DUH oder Luisa Neubauers FFF Bewegte, endlich Klagemöglichkeiten bekommen. Klagen die ebenfalls… Mehr
> Sandra Maischberger bittet mal wieder zum AfD-Grillen.
Aha. Mit dem roten Knopf der Glotze-Fernbedienung kann man aber dem leicht entgehen. In der DDR gäbe es längst große Demos: „Wir sind das Volk!“.
Das ist ja ganz unterhaltsam geschrieben. Schaue solche Sendungen schon seit Jahren nicht mehr. Danke für die Einblicke.
Herr Baumann hat ja Recht, dass Problem ist nur, dass er nicht mal sagt wie sich die AFD das Thema Migration vorstellt. Fakt ist nun mal dass D jedes Jahr ca. 350.000 Menschen (Sterbesaldo) verliert. Diese Anzahl sollte also um den Wohlstand zu erhalten als Migranten von Außen wieder zugeführt werden. Nur sollten es eben keine Menschen sein die in den Sozialsystemen hängen sondern tatsächlich arbeits- und integrationswillige Menschen. Dazu wären Herrn Baumanns Ideen gefragt. Die aber leider nicht vorhanden waren.