Yen-Intervention der USA: Irritationen zwischen Washington und Brüssel

Zur Stützung der japanischen Währung Yen verkauften die USA unter anderem einen großen Euro-Bestand – ohne die europäische Seite zuvor zu informieren. Ein diplomatischer Affront, der auf den tiefen Riss im Verhältnis zwischen den USA und der EU hinweist. Höchste Zeit für diplomatische Annäherung.

picture alliance / Consolidated News Photos | Bonnie Cash - Pool via CNP

Schockstarre im Frankfurter EZB-Tower, eisernes Schweigen bei der EU-Kommission in Brüssel. Die Intervention der USA zur Stabilisierung des taumelnden japanischen Yen sorgt für erhebliche Irritationen auf europäischer Seite.

Was war geschehen?

Ohne vorherige Abstimmung mit der EU oder der Europäischen Zentralbank veräußerte das amerikanische Finanzministerium am Freitag, dem 31. Juli, einen Euro-Milliardenbestand über die Federal Reserve Bank of New York und erwarb dafür japanische Yen – ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Es handelte sich um einen Teil der koordinierten Stützungsoperation für den Yen, der zuletzt auf gefährlich abwertete.

Keine Absprache, keine Vorab-Information, es herrscht Eiszeit zwischen Washington und Brüssel. Diese Kälte greift nun auch auf die Geldpolitik über. Es war in der Vergangenheit stets üblich, vor substanziellen Interventionen in einer der wichtigen Währungen des weltweiten Devisenmarktes die betroffene Seite zu informieren und die Kommunikation gegenüber den Märkten abzustimmen, um mögliche Reaktionen gemeinsam abzufedern.

Brüssel stellt seine Protestnote über die Medien zu

Doch ganz offensichtlich hat sich der strategische und kommunikationspolitische Graben zwischen Washington, Brüssel, Berlin und Paris in den zurückliegenden Monaten auf gefährliche Weise weiter vertieft. Allerdings sorgten Insider der europäischen Seite dafür, dass der erhebliche Unmut über die Aktion der Amerikaner über die Medien an die Öffentlichkeit getragen wurde.

Brisant sind dabei die Informationen, die aus dem Umfeld der Europäischen Zentralbank an die Öffentlichkeit gelangten. Laut Informationen der Financial Times informierte Washington die EZB erst, nachdem die amerikanische Transaktion vollständig abgeschlossen war. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bezeichneten im Hintergrundgespräch den Umgang Washingtons mit Frankfurt als ungewöhnlich und irritierend.

Besonders bedenklich: Einige hochrangige Vertreter der EZB werteten gerade den Einsatz von Euro als Verkaufswährung anstelle des US-Dollar als einen beispiellosen Bruch langjähriger Gepflogenheiten bei der Zusammenarbeit von Währungsbehörden.

Eine offizielle Stellungnahme der EZB liegt bislang nicht vor.

Die Kommunikationspolitik Washingtons ist unmissverständlich: Partner, die die machtpolitische Dominanz der USA akzeptieren, erhalten innerhalb des gegebenen Machtdesigns substanziellen Flankenschutz, wenn sich die Märkte gegen ihre innenpolitischen Ziele entwickeln. Zu diesen Partnern zählt Japan. Aber dasselbe gilt auch für Argentinien, das im vergangenen Jahr eine Swap-Line in Höhe von 20 Milliarden US-Dollar erhielt, also eine kurzfristige Liquiditätshilfe während einer volatilen Phase am argentinischen Anleihenmarkt.

Ob die amerikanisch-japanische Intervention tatsächlich den Negativtrend des Yen brechen kann, ist zweifelhaft. Japan ist mit über 240 Prozent, gemessen an seinem BIP, immens verschuldet. Und es bleibt abzuwarten, ob der Staatshaushalt bei rasch steigenden Anleihezinsen nicht doch so stark unter Druck gerät, dass die Notenbank regelmäßig intervenieren muss, um den Haushalt zu stützen und so in der Folge der Yen dennoch an Wert verliert.

Der Handelskonflikt mit den USA intensiviert sich

Aus Sicht der Europäer allerdings ergibt sich ein gravierendes Problem. Der sich langsam, aber sicher aufschaukelnde Handelskonflikt mit den Amerikanern droht außer Kontrolle zu geraten. Und die Schuld liegt nicht nur beim amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Nur zur Erinnerung: Ein Jahr nach dem vereinbarten Handelsdeal zwischen den USA und der EU hat die europäische Seite die Vereinbarung noch immer nicht ratifiziert. So verfährt man nicht mit Handelspartnern.

Die gerade von Ursula von der Leyen verantwortete EU-Handelspolitik zeugt von phänomenaler Inkompetenz und einer vollkommenen Fehldeutung der eigenen Machtposition.

Den Anfang nahm die heiße Phase des Konflikts am 2. April des vergangenen Jahres, als Donald Trump im Kampf gegen das immense Handelsdefizit der Weltwirtschaft seine Zollpolitik präsentierte. Die Antwort aus Brüssel ließ nicht lange auf sich warten. Am 23. April erfolgte ein Doppelschlag der EU-Kommission. Im Namen des Digital Markets Act wurden sowohl Meta als auch Apple mit Strafen in Höhe von 200 respektive 500 Millionen Euro belegt.

Konkret kritisierte Brüssel im Falle Metas, die Firma stelle ihre Nutzer unerlaubt vor die Wahl, entweder der Zusammenführung ihrer persönlichen Daten zur Verwendung für personalisierte Werbung zuzustimmen oder für die werbefreie Nutzung von Facebook und Instagram ein monatliches Abo zu bezahlen. Nach Ansicht der Kommission handelt es sich hierbei um ein sogenanntes Consent-or-Pay-Modell, das den Kunden keine ausreichenden Wahlmöglichkeiten bietet. Apple verstieß gegen sogenannte Anti-Steering-Vorgaben des DMA. All dies hat den Ruch einer politischen Konteraktion, weil man sich im wirtschaftlichen Wettbewerb nicht mehr auf Augenhöhe weiß.

Brüssel überschätzt sich

Seither betreibt Brüssel regelrechte Wegelagerei. Und es trifft nicht nur die amerikanischen Digitalkonzerne. Auch die chinesische Konkurrenz, von Temu bis AliExpress, zahlt inzwischen einen hohen Tribut für ihr geschäftliches Engagement in der Europäischen Union.

Die EU-Politik wirkt angesichts der tatsächlichen Machtverhältnisse erschreckend kurzsichtig. Und sie provoziert harsche Reaktionen Washingtons und Pekings.

Beide Seiten verfügen im Handelsverhältnis mit der EU über ein Waffenarsenal, das maximalen Schaden verursachen kann. Die USA beispielsweise sind der größte Exporteur von Flüssiggas in die EU, die ihrerseits 60 Prozent ihres Energiebedarfs importieren muss. Was, wenn Washington den Gashahn zudreht? Was geschieht, wenn Peking, wie es im letzten Jahr der Fall war, ein Exportverbots für seltene Erden verhängt und die europäische Industrie lahmlegt?

Dass der Konflikt mit den USA inzwischen die monetäre Ebene erreicht hat, sollte in Brüssel unbedingt als Zeichen verstanden werden, den Ton zu dämpfen und zu einer sachlicheren Form der Verhandlung zurückzukehren. Wie wäre es damit, das Handelsabkommen endlich zu ratifizieren, um ein Zeichen an Washington zu setzen, dass man in Brüssel den Realitätssinn nicht vollständig verloren hat?

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Kommentare ( 26 )

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Angela Honecker
14 Minuten her

Da sind natürlich einige wütend, weil sie die Insider-Info nicht vorher erhalten haben und nichts nebenbei verdienen konnten. Die handeln ja dann auch nicht selbst, sondern lassen das von Strohmännern abwickeln. Oder war die EZB gerade auf der falschen Seite engagiert? Oder glaubt noch jemand an den Weihnachtsmann, bzw., dass es hier um „Europa“ geht?

Last edited 12 Minuten her by Angela Honecker
tiptoppinguin
8 Minuten her

Wie man in den Wald hineinruft schallt es heraus.
Als europäischer Bürger bin ich letztendlich der Leidtragende und ärgere mich, als europäischer Untertan freut es mich, daß die verursachenden „Eliten“ vom den von ihnen verhaßten Trump eine zwischen die Hörner bekommen.

Haeretiker
36 Minuten her

„Einige hochrangige Vertreter der EZB werteten gerade den Einsatz von Euro als Verkaufswährung anstelle des US-Dollar als einen beispiellosen Bruch langjähriger Gepflogenheiten bei der Zusammenarbeit von Währungsbehörden.“ Sind diese „Gepflogenheiten“ kodifiziert? Und wenn, wie wöllte man diese „Gepflogenheiten“ durchsetzen, wenn eine Seite sie, wie im vorliegenden Fall, einfach ignoriert. Was lehrt und das? Absprachen, Gepflogenheiten, die „guten Geschäftssitten“ werden gelobt solange es allen gut geht. Sobald einer schwächelt, werden eigene Interessen zur neuen Geschäftsgrundlage. Eine konsistente Weltwirtschaft ist so nicht möglich, aber auch nie gewollt. Gewollt ist die regelbasierte Ordnung und die Regeln dabei sind, der Dominate hat immer Recht.… Mehr

Last edited 35 Minuten her by Haeretiker
Haba Orwell
16 Minuten her
Antworten an  Haeretiker

> Gewollt ist die regelbasierte Ordnung und die Regeln dabei sind, der Dominate hat immer Recht.

Normalerweise würde man versuchen, sich zum Ausgleich mit anderen Mächten zu verbünden, doch das geht schlecht, wenn man gegen diese Mächte Kriege führt – für die eine dominierende übrigens. Blöd gelaufen.

Peter Gramm
37 Minuten her

Die Amerikaner waren noch nie unsere Freunde. Sie waren immer nur an ihren Vorteilen interessiert.

Harry Charles
27 Minuten her
Antworten an  Peter Gramm

Das ist Unsinn. Sie sind wohl aus der Ex-2DDr2, wie wollen Sie das dann beurteilen können? Eines steht fest: die EU (und da vor allem der Süden), DAS sind nicht unsere Freunde. Wenn ein deutschstämmiger Präsident wie Trump etwas gegen die EU tut ist das eher in unserem Sinne.

OJ
53 Minuten her

Donald John Trump hat es nicht nötig, links-grün-woke toxische Regierungen zu benachrichtigen.
Großartig ❗

Thomas
31 Minuten her
Antworten an  OJ

Für die USA ist Deutschland ein Land wie jedes andere. Es geht den USA ausschliesslich darum ihre Interessen und ihren Vorteil durchzusetzen. Das hat nichts damit zu tun das Europa zur Zeit woke regiert wird. Das wird auch der Fall sein wenn nationale Regierungen in Europa am Ruder sind. Willy Wimmer hat beschrieben wie sich nach dem Kollaps des Ostblocks das Verhalten der USA ggü Deutschland verändert hat. Nach dem Motto friss oder stirb. Langsam wird es Zeit zu erkennen das die USA nur noch in nostalgischer Erinnerung Freund und Verbündeter sind. Eigentlich hätte die Nordstream Sprengung auch den letzten… Mehr

Last edited 31 Minuten her by Thomas
rolandino
59 Minuten her

„Die gerade von Ursula von der Leyen verantwortete EU-Handelspolitik zeugt von phänomenaler Inkompetenz und einer vollkommenen Fehldeutung der eigenen Machtposition“

Diese Frau kann rein gar nichts.

Peter Gramm
41 Minuten her
Antworten an  rolandino

Damit ist sie genau richtig im Politikbetrieb.

Haba Orwell
1 Stunde her

> Der sich langsam, aber sicher aufschaukelnde Handelskonflikt mit den Amerikanern droht außer Kontrolle zu geraten.

Handelskrieg gegen die USA, kinetischer Krieg gegen Russland, Zoff mit China, Afrikas Völker stürmen aus dem Süden, Untertanen werden klein gehalten… Übernimmt sich das Brüsseler Reich nicht zufällig?

AmitO
1 Stunde her

Ein Jahr nach dem vereinbarten Handelsdeal zwischen den USA und der EU hat die europäische Seite die Vereinbarung noch immer nicht ratifiziert. So verfährt man nicht mit Handelspartnern. Ach, meinen Sie den, wo die EU 15% auf alles Zahlt und die USA nix bzw. nicht die Pfizer-Deals von Flintenuschi preisgeben. Gerade Deutschland deindustrialisiert sich für den von den Amis losgetretenen Ukraine-Krieg und bekommt als Dank auch noch die Pipelines gesprengt. Während gleichzeitig Biden mit seinem „inflation reduction act“ bereits einen Wirtschaftskrieg mit der Eu und insb. Deutschland anfängt. Der Yen wird auch nur gestützt weil man Japan noch für den… Mehr

Donostia
1 Stunde her

Ich weiß nicht was die Europäer erwarten. Die USA macht ihre Interessenspolitik, und da scheint es derzeit besser zu sein Euros gegen Yen zu tauschen anstatt den Dollar einzusetzen. Der USA ist es prinzipiell egal was der Yen macht solange sie nicht negativ betroffen sind. Das blöde für die USA ist derzeit, dass wenn der Yen sinkt weniger amerikanische Schulden in Form von Staatsfonds durch Japan gekauft werden kann. Die USA braucht aber jemanden der dieses Staatsschulden kauft. Nicht zuletzt weil die Chinesen ihre US-Anleihen immer stärker abbauen. Bei fallendem Yen-Kurs muss die japanische Notenbank die Zinsen erhöhen, was bei… Mehr

AmpelFluechtling
1 Stunde her

Der Euro ist eine unglaublich starke Währung. Alle anderen westlichen Währungen wie CHF, USD, AUD, CAD, Yen, Kwon sind (sehr) schwach im Vergleich. Teilweise 40-50%.

Wenn der Euro an Wert verliert werden selbstverständlich sämtliche Importe teurer, aber Exporte billiger. Der starke Euro hindert die europäische Wirtschaft am Wachstum.

Neuheide
1 Stunde her

Diplomatische Annäherung mit der Grünlinken Regimepropaganda?
Warum sollte es die geben?
Kein Tag wo deutschlands Qualitätsjournalie auskommt,ohne die
„Trump ist böse“ Information in die Tagesschauhirne eingeimpft zu bekommen..

Warum sollte Trump und die Restwelt diesen Verrücktstaat noch ernstnehmen?