Linken-Co-Chef Luigi Pantisano pocht im Sommerinterview auf die Enteignungen großer Wohnungskonzerne. Die CDU, die er vor kurzem noch als faschistisch bezeichnete, will er nun unterstützen, um Faschisten zu verhindern. Und Autokonzerne könne die Linken viel besser führen, als das jetzige Management.
Screenprint: ZDF/Sommerinterview
Der Schaumschläger aus dem Schwäbischen schlägt wieder zu. Luigi Pantisano, ehemaliger Stadtrat aus Stuttgart, entschuldigt sich zwar zweimal dafür, dass er der CDU eine Nähe zum Faschismus unterstellt hat. Das sei ein Fehler gewesen, sagt er, um sich jetzt überraschend eine 180-Grad-Wende zu ermöglichen. Für Sachsen-Anhalt, wo der CDU möglicherweise eine historische Niederlage bei den Landtagswahlen am 6. September ins Haus steht, kündigt der Co-Vorsitzende offen eine Zusammenarbeit zwischen CDU und SED/Die Linke an. Mit den Christdemokraten, die er noch im Juni noch offen bei den Faschisten einsortierte, will er jetzt plötzlich die Faschisten verhindern.
Im Berliner Wahlkampf besteht Pantisano weiterhin auf der Enteignung großer Wohnungskonzerne. Die Berliner Bürger hätten das so entschieden „und diesen Auftrag nehmen wir mit. Unser Koalitionspartner sind die Berlinerinnen und Berliner.“ Große Konzerne wie Vonovia oder Deutsche Wohnen wollten sowieso keinen bezahlbaren Wohnraum für Menschen zur Verfügung stellen, sondern nur Rendite erzielen. Pantisano: „Ich finde, das muss ein Ende haben, dass die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen, die Hälfte des Monats für die Aktionäre von Vonovia arbeiten gehen.“
Auch den Autobauern spricht Pantisano ihre Fähigkeiten ab. Entscheidungen würden oftmals falsch und ohne betriebliche Mitbestimmung getroffen, obwohl die Arbeiter doch viel besser wüssten, was richtig sei. Vor allem den Mercedes-Konzern in seiner Heimatstadt Stuttgart attackiert Pantisano frontal. Der werde geführt von „Ole Källenius, der 20 Jahre lang versagt hat“. Auch Audi bekommt sein Fett weg. „Es wurden sehr viele Managementfehler gemacht.“ Wenn im Raum stehe, ganze Werke wie etwa in Neckarsulm zu schließen, dann sei das ganz klar ein Fehler in der Betriebsführung. Auch solche Unternehmen müssten dann wohl in staatliche Genossenschaften umgewandelt werden. „Wo heute Privatfahrzeuge gebaut werden, könnten in Zukunft Stadtbusse und Schienenfahrzeuge gebaut werden“, phantasiert Pantisano.
Dass der Linken für ihre fabulösen Ideen womöglich die Mehrheiten und auch die Koalitionspartner fehlen könnten, wehrt Pantisano ab. In Berlin glaubt er fest an eine linke Regierende Bürgermeisterin. Und generell sieht er die SED-Nachfolgepartei in einer „großen Koalition“ mit den Menschen da draußen. Dann werde es auch ganz bald ganz viele neue und bezahlbare Wohnungen geben. Pantisano: „Es gibt viele Möglichkeiten. Zum einen haben wir sehr viel Büro-Leerstand in vielen Städten. Viele tausende Quadratmeter leerer Bestandsbüros, dort könnten wir Wohnraum schaffen.“
Dass nur noch etwa vier Prozent der Arbeiter die Linke wählen, wie Moderatorin Diana Zimmermann einwirft, ficht ihn nicht an. Das komme daher, „weil wir zwar viel über Arbeiterinnen und Arbeiter gesprochen haben, aber zu wenig mit ihnen“. Jetzt aber habe man daraus gelernt, man gehe von Tür zu Tür, man klingele und man spreche, und alles werde besser.
Der AfD unterstellt er in alter, tatsachenverdrehender Tradition, sie wolle pauschal alle Menschen mit Migrationshintergrund „rauswerfen“, wozu er auch sich selbst zählt. Die Moderatorin hakt bei dieser Falschbehauptung nicht ein, und auch im ZDF-Faktencheck, der kurz nach der Sendung auf zdfheute.de erschienen ist, wurde der Fehler bislang nicht korrigiert.
Beim Attentat auf den CSD bemüht sich Pantisano, den islamistischen Hintergrund sofort in einen Bezug zu allgemeinen rechtsextremistischen Tendenzen zu bringen. Außerdem betont er: „Der Attentäter ist ein deutscher Staatsbürger, den wir irgendwann verloren haben.“ Man müsse „dort ansetzen, wo der Hass auf queere Menschen stattfindet“. Pantisano: „Klar verurteilen wir islamistischen Terror – so wie wir rechtsextremen Terror verurteilen.“
Die jüngsten, antisemitschen Äußerungen aus den Reihen der Linke-Jugend will Pantisano hingegen nicht pauschal verurteilen. Zwar sagt er: „Islamistische Haltungen und antisemitische Haltungen haben keinen Platz in der Linken.“ Doch wenig später lässt er durchklingen, dass er solche Äußerungen nicht grundsätzlich verurteilen mag. Man sei vielmehr als SED/Linke „stolz darauf, dass wir die einzige Partei sind, die es jungen Menschen ermöglicht, über den Krieg zu …diskutieren“.
Den Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig empfindet Pantisano als weniger schlimm als die allgemeine Angst der Menschen. Anlass für weitere Investitionen in Rüstung und Sicherheitsmaßnahmen sieht er nicht. Die „größte Unsicherheit“ sei, dass die Bürger „zur Mitte des Monats nicht mehr wissen, wie sie die Miete bezahlen können“. Man könne nicht jeden dritten Euro des Haushalts für Rüstung ausgeben, während sich die Menschen in ihrem Zuhause nicht sicher fühlen.
Die Menschen würden „einen Angriff erleben von der Politik durch einen immensen Sozial-Kahlschlag, der seit Jahrzehnten nicht stattgefunden hat. Alles wird teurer, sie können sich das Leben kaum leisten“.


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