Die italienische Großbank UniCredit hat am Dienstag (2.6.) mitgeteilt, dass sie ihren Anteil an der Commerzbank, der zweitgrößten deutschen Privatbank, weiter ausgebaut habe und nun mehr als 30 Prozent des Finanzkonzerns besitze.
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UniCredit-Chef Andrea Orcel, der das Übernahmegeschäft vor vielen Jahren bei der UBS-Investmentbank gelernt hat, kontrolliert nunmehr 34,35 Prozent der Anteile und hat damit freie Bahn für weitere Käufe, ohne ein höheres Pflichtangebot vorlegen zu müssen – da er bereits bei einem Anteilsbesitz von 26,77 Prozent im Mai ein Übernahmeangebot gemacht hatte. Der implizite Wert der angebotenen Unicreditaktien liegt bei etwa 35.80€, der aktuelle Commerzbankkurs bei etwas über 37,10€, die Marktkapitalisierung der Cobank bei knapp 42 Milliarden.
Da der aktuelle Kurs über dem UniCredit-Übernahmegebot liegt, sind die Commerzbank-Vorstände allerdings ins Grübeln gekommen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht. Sie stellen die Frage: Wer verkauft freiwillig zu einem niedrigeren Kurs an die Unicredit, wenn man an der Börse mehr bekommen kann? Das angediente Volumen stamme offensichtlich vor allem von Banken und Gesellschaften, die der UniCredit über Derivate verbunden seien. Nach Auffassung des Commerzbank-Vorstands seien die „Daten ohne ergänzende Erläuterungen irreführend“ und begründeten den Verdacht eines Handelns mit dem Ziel, die UniCredit-Position in der Wahrnehmung des Marktes künstlich aufzublähen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) solle sich die Sache genau ansehen, forderten die Commerzbanker am Mittwochabend. Von der BaFin gab es bislang noch keine Stellungnahme. Außerdem erhielten Aktionäre einen Brief, wonach das Übernahmeangebot zu gering sei – obwohl es über dem derzeitigen Kurs liegt.
Mit der abermaligen Einschaltung der Aufsicht ist der Übernahmekampf eskaliert. Schon vor einigen Wochen waren die Aufseher tätig geworden. Damals stützten sie ihr Eingreifen auf das Wertpapiererwerbs- und übernahmegesetz (WpÜG), das während eines laufenden Akquisitionsverfahrens strikte Regeln für die Kommunikation vorschreibt. Der UniCredit-Chef hatte zuvor in einer Telefonkonferenz die Strategie der Commerzbank-Spitze scharf angegriffen. Die BaFin mahnte ihn daraufhin wegen unsachliche Äußerungen und suggestiver Prognosen ab und drohte empfindliche Bußgelder an.
Die UniCredit hatte im September 2024 einen Aktienverkauf des Bundes genutzt, um in großem Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Seitdem bauen die Italiener Stück für Stück aus. Schnell etablierten sie sich als größter Einzelaktionär vor dem deutschen Staat. Mit dem freiwilligen Kaufangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien von Anfang Mau erhöhte die UniCredit, die hierzulande mit der HypoVereinsbank aktiv ist, nach gut anderthalb Jahren noch einmal den Druck. Sie bot für jede Commerzbank-Aktie 0,485 UniCredit-Aktien, die in einer Kapitalerhöhung sozusagen neu geschaffen werden sollen. Die Unicredit-Aktionäre haben diesem Vorgehen am 4. Mai in einer außerordentlichen Hauptversammlung zugestimmt. Durch diesen Aktienumtausch wollen die Italiener bis zum 16. Juni weitere Commerzbank-Aktien einsammeln, ohne ein Pflichtangebot in bar vorlegen zu müssen. Den Börsenregeln zufolge können sie die Offerte bis zum 3. Juli verlängern.
Möglicherweise könnte sich Unicredit aber auch anders schon bald mehr als 50 Prozent sichern, heißt es am Markt. Dazu bedient sich der UniCredit-Chef verschiedener Finanzinstrumente. Weitere 3,22 Prozent könnten die Italiener in jedem Fall erwerben, indem die Bank Kaufoptionen zieht, die sie von mehreren Investmentbanken erworben habe. Darüberhinaus hätte das italienische Institut noch Finanzinstrumente im Bestand, mit denen indirekt weitere rund 13 Prozent Commerzbank-Aktien erworben werden könnten.
Wäre das tatsächlich so, könnte sich Orcel sehr schnell Zugriff auf bis zu 50,8 Prozent der Commerzbank-Anteile verschaffen und damit früher oder später bei der Commerzbank durchregieren – wenn ihn denn die Bankenaufseher nicht daran hindern. Als sicher gilt, dass die europäischen Kartellwächter wohl keine Einwände gegen die Übernahme haben. Sie beobachten den Finanzmarkt nicht auf Länderebene, sondern wollen ein funktionierendes und wettbewerbliches Bankenwesen auf europäischer Ebene sicherstellen. Vor dem Hintergrund, dass die EU eine Kapitalmarktunion herbeiführen will, ist das auch nur konsequent.
Commerzbank-Chefin Bettina Orloff stemmt sich gleichwohl gegen die Übernahme durch die Italiener. Die Commerzbank könne aus eigener Kraft mehr Wert für ihre Eigentümer schaffen, sagt sie. Die Gewerkschaften sucht sie zu Verbündeten zu machen, indem sie vor einem Kahlschlag in der Belegschaft warnt. Allerdings hat sie selbst auch schon viele Tausend Beschäftigte entlassen.
Unterstützung erhalten Vorstand und Betriebsrat vom Bund, der heute allerdings nur noch gut zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Das Frankfurter Management muss die Aktionäre nun überzeugen, dass seine „Stand-alone“-Strategie ihnen mehr Wert bietet als das Angebot aus Mailand, während die Bundesregierung vor der Herausforderung steht, ihre ablehnende Haltung marktwirtschaftlich und europarechtlich sauber zu begründen.
In einer Mitte Mai veröffentlichten Stellungnahme lehnte Orloff das Angebot aus Mailand mit der Begründung ab, dass dieses die Ertragsverluste nach einer Übernahme unterschätze, die Synergien zu hoch ansetze und ausserdem einen unrealistischen Zeitplan verfolge. Die eigene „Momentum 2030“ betitelte Zukunftsstrategie schaffe mit weniger Risiko mehr Wert. Der Anfang Mai präsentierte Zukunftsplan sieht unter anderem den Abbau von 3.000 weiteren Stellen vor. Die Erträge sollen von zwölf auf 17 Milliarden Euro und die Eigenkapitalrendite von zehn auf 21 Prozent steigen.
Auch wenn der Commerzbank-Vorstand und Berliner Politiker weiter auf die Eigenständigkeit pochen, macht sich in Frankfurter Finanzkreisen die Meinung breit, dass der Kampf bereits entschieden sein könnte. Bundeskanzler Friedrich Merz und Finanzminister Lars Klingbeil haben sich zwar immer wieder gegen die Übernahme ausgesprochen. Um diese zu verhindern, haben sie jedoch kaum etwas in der Hand. Die vom Frankfurter SPD-Abgeordneten Armand Zorn formulierte Idee, die staatliche Förderbank KfW solle Commerzbank-Aktien kaufen, gilt in der Praxis als ausgeschlossen.
Der grüne Vizepräsident des Bundestages, der ebenfalls aus Frankfurt stammende Omid Nouripour, lenkt dagegen schon ein und plädierte jüngst für ein Arrangement mit den Italienern. Dem „Handelsblatt“ sagte er, man könne jetzt nur noch in Verhandlungen das herausholen, was möglich sei.

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Was ich mich immer frage: Ich denke, der italienische Staat wäre ohne billige Verschuldung über den Euro längst pleite, wie kann denn eine italienische Bank eine deutsche Großbank übernehmen? Und vor allem: Warum machen die das, wenn die Commerzbank so schlecht dasteht? Geht es um eine weitere Schuldenübernahme?
Gott sei Dank ist der Kampf verloren. Je weniger sich deutsche Politiker einmischen können, umso eher funktioniert das Geschäft.
Alles muß raus! Schlußverkauf!
Wenn wir nicht nur von den Chinesen und den Amerikanern, sondern jetzt auch noch von den Italienern (den Italienern!!!) aufgekauft werden, sollten wir uns schonmal überlegen, wo der Lichtschalter hängt, auf den der Letzte dann draufdrücken darf. Wobei das bei unserer Energiepolitik demnächst wohl auch nicht mehr erforderlich sein wird…
Was ich in dem Artikel vermisse, ist welche Auswirkungen der Eigentümerwechsel von einer deutschen zu einer italienischen Privatbank auf das ökonomische Geschehen auf Deutschland hat?
Ist die Betonung auf Deutsche Bank nur ein nationales Aufbäumen oder kann die italienische Bank signifikanten Einfluss und Angriffe auf deutsche Großkonzerne auslösen?
Eine Übernahme der Commerzbank durch die UniCredit ist unumgänglich, um den Anschluss an die amerikanischen Banken nicht zu verlieren ❗