Die Ladesäule in Luxemburg – oder: Wenn Brüssel an seiner Zukunft scheitert

Die EU-Kommission hat ein Reichweitenproblem: Die grüne Dienstwagen-Utopie überlebt nicht einmal die Reise von einem EU-Sitz zum anderen. An den Schnellladesäulen in Luxemburg erleben nun EU-Kommissare, wie sich die von ihnen verordnete Mobilitätswende anfühlt. Eine halbe Stunde Zwangspause im Nirgendwo.

Selten hat eine politische Klasse ihre eigene Lächerlichkeit so formvollendet auf die Straße gebracht. Genauer gesagt: auf die 440 Kilometer lange Pendlerstrecke zwischen Brüssel und Straßburg. Für den Normalbürger ist das eine überschaubare Distanz, für die rein elektrische Dienstwagenflotte der EU-Kommissare wird diese Fahrt jedoch zur unkalkulierbaren Expedition in die ungeschminkte Realität.

Denn die müssen regelmäßig zwischen Brüssel und Straßburg pendeln. Früher mit schnellen Dienstwagen weitreichendem mit Benzinantrieb. Jetzt müssen sie politisch voll korrekt elektrisch fahren.

Jahrelang haben exakt diese Leute vom EU-Thron herab erklärt, der Abschied vom Verbrennungsmotor sei alternativlos. Reichweitenangst? Ein psychologischer Defekt von Ewiggestrigen. Ladeinfrastruktur? Wächst quasi organisch aus dem Asphalt. Zeitverlust? Ein winziges Opfer für das Weltklima. Wer an diesen ideologischen Luftschlössern zweifelte, galt rasch als rechts und rückständig; wer schnöde Mathematik bemühte, wurde sofort als Populist gebrandmarkt.

Und nun sitzen sie selbst in ihren tonnenschweren Premium-Stromern, irgendwo zwischen Belgien und dem Elsass, und machen eine bestürzende Entdeckung: Eine Batterie lässt sich nicht mit den hohlen Phrasen aus Kommissionspapieren füllen. Die Physik reagiert auf politische Resolutionen erstaunlich ignorant.

Besonders pikant an dieser Realsatire: Geladen wird auf halber Strecke, vornehmlich im beschaulichen Luxemburg. Das Großherzogtum ist ohnehin der angestammte Ort für EU-Zwischenlösungen: horrend teuer, steuerlich diskret und nun auch noch moralisch voll aufladbar.

Dort an den Schnellladesäulen stehen nun die herrschaftlichen Limousinen, während die Kommissare am eigenen Leib erfahren, wie sich die von ihnen verordnete Mobilitätswende anfühlt. Eine halbe Stunde Zwangspause im Nirgendwo. Für den einfachen Bürger ist das jener Alltag, den Brüssel ihm mit leuchtenden Augen zumutet. Für die EU-Spitzenfunktionäre hingegen ist es offenbar eine unzumutbare Menschenrechtsverletzung mit beheiztem Ledersitz.

Um diese peinlichen Zwangsstopps zu umgehen, wird nun das nächste Kapitel absurd-europäischer Verkehrserziehung aufgeschlagen: Langsamfahren. Die EU-Spitzenbürokratie wird zum kriechenden Verkehrshindernis. Wer mit Tempo 90 über die Autobahn schleicht, schont den Akku, verpasst aber garantiert den nächsten Termin im Parlament. Aus fünf Stunden Reisezeit werden schnell mal sieben.

Die perfekte Metapher für das gesamte Konstrukt der EU: am Ende wird alles sehr viel teurer, deutlich langsamer und unvergleichlich komplizierter, aber man bekommt immerhin den moralisch einwandfreien Stempel der politischen Korrektheit dazu.

Nur eine ist von dieser pädagogischen Maßnahme völlig ausgenommen: Ursula von der Leyen. Die Kommissionspräsidentin ist fein raus. Ihr benzingetriebener Dienstwagen müsse schließlich schwer gepanzert sein, und dafür gäbe es auf dem Markt schlichtweg kein taugliches Elektromodell. Das ist vollendete EU-Symbolik, destilliert in einem einzigen Fuhrpark: Für die Funktionäre gelten kompromisslose Sicherheit und der bewährte Status quo, für die Massen die harte Transformation.

Die Verursacher der Brüsseler Klimapolitik vollziehen sehenden Auges die Zerstörung einer ganzen Autoindustrie, vernichten in Rekordzeit gigantische Werte und industrielle Wertschöpfung, doch die eigene grüne Dienstwagen-Utopie überlebt nicht einmal die bequeme Reise von einem EU-Sitz zum anderen.

Der schönste Satz dieser ganzen Posse lautet daher nicht: Die EU-Kommission hat ein gravierendes Reichweitenproblem. Sondern: Die EU-Kommission hat ein gewaltiges Wirklichkeitsproblem. Und genau dieses Wirklichkeitsproblem steht jetzt fluchend im Nieselregen an einer luxemburgischen Ladesäule. Dort summt es laut. Nicht der Akku lädt auf, sondern die späte, schmerzhafte Erkenntnis: Naturgesetze und harte Realitäten lassen sich auch durch eine qualifizierte Mehrheit nicht einfach wegstimmen.

Jetzt sitzen sie in Brüssel im elektrischen Dienst-BMW und entdecken, dass Physik nicht verhandelbar ist. Auch nicht mit qualifizierter Mehrheit.

Wobei – stimmt das alles? Oder ist das nur rechte Propaganda, wie TE-Wecker-Hörer Paul Brusselmans schreibt: „Es gibt kein Reichweitenproblem, das ist rechte Propaganda. Richtig aber ist, dass Strassburg einfach zu weit von Brüssel entfernt ist. Dies ist der Punkt, der nicht erwähnt wird. Auch, dass es durch die Ardennen geht, in denen so mancher dieselbetriebener!! deutscher und US-Panzer Anfang 1945 wegen Sprit!mangel liegen blieb. Das Gewicht umweltschonender grosser Dienstlimousinen geht ja in die gleiche Richtung. It’s the Geography – not the Battery !!“

Er hat jedenfalls den schlagenden Beweis gefunden – oder besser nicht gefunden: „Ich weiß wirklich nicht, wer diese angeblichen Nörgeleien zirkulieren lässt, jedenfalls ist auf dem Presseportal der Europäischen Kommission davon nichts zu finden, daher muss es Fake News sein.“ Er fordert: „Wir brauchen endlich alternative alternative Medien wie UE – Uschis Einblick.“

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