Enttäuschung nach Trump-Xi-Treffen – Internationale Energieagentur warnt

Laut Internationaler Energieagentur befindet sich die Welt in der größten Energiekrise der Geschichte. An den Börsen wurden die Ergebnisse des Gipfeltreffens zwischen den USA und China mit Blick auf den Iran-Krieg mit Enttäuschung aufgenommen. Eine Unsicherheit wurde indessen ausgeräumt: Kevin Warsh wird neuer Fed-Chef. Die Gewinne der DAX-Konzerne steigen.

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Wer es nicht besser wüsste, könnte es glatt übersehen: Wegen des Kriegs am Persischen Golf befindet sich die Welt, wie die Internationale Energieagentur warnt, in „der größten Energiekrise der Geschichte“. Obwohl es am Rande des Treffens von US-Präsident Donald Trump und Chinas Machthaber Xi Jinping in der vergangenen Woche in Peking zaghafte Signale einer Annäherung zwischen den USA und Iran gegeben hat, ist die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Rohöl- und Erdgastransports stattfindet, nach wie vor weitgehend gesperrt. Die Gefahr, dass Benzin, Diesel und Kerosin bald knapp werden, ist noch lange nicht gebannt, und auch bei Düngemitteln und Helium drohen Engpässe. Die wieder steigenden Preise illustrieren das eindrücklich.

Die anziehenden Ölpreise schüren auch wieder Inflationsängste und belasten die Börsen. Die Renditen am Anleihemarkt sprangen am Freitag jedenfalls in die Höhe, was den jüngsten Rekordlauf an der Wall Street abrupt beendete. Allgemein wurden die Ergebnisse des Gipfeltreffens zwischen den USA und China mit Blick auf den Iran-Krieg mit Enttäuschung aufgenommen. Vor diesem Hintergrund scheinen die Bewertungen vielen Beobachtern mittlerweile überzogen, was niedrigere künftige Renditen erwarten lässt. Die zuletzt noch im Zuge der Euphorie rund um Künstliche Intelligenz besonders stark gestiegenen, aber auch sehr konjunktursensiblen Technologiewerte verzeichneten nun Verluste. So fiel der Tech-Index Nasdaq 100 um 1,5 Prozent auf 29.125 Punkte. Das breit gefasste Börsenbarometer S&P 500 verlor 1,2 Prozent auf 7.408 Zähler. Der Leitindex Dow Jones Industrial büßte 1,1 Prozent auf 49.526 Punkte ein. Auf Wochensicht ergibt dies ein Minus von knapp 0,2 Prozent.

Neben dem erneuten Anstieg des Rohölpreises hätten auch die in dieser Woche veröffentlichten Preisdaten die Furcht vor Inflation geweckt, sagte Matt Maley, Chef-Marktstratege bei Miller Tabak + Co. Der Experte verwies darauf, dass die langfristigen Renditen derzeit auf dem höchsten Niveau seit rund zwölf Monaten notieren. Dadurch seien Anleihen gegenüber Aktien attraktiver geworden. Dies hat Maley zufolge Anleger dazu veranlasst, nach der enormen sechswöchigen Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt einige Gewinne mitzunehmen. Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners ergänzte, auch beim Handel seien einige Vereinbarungen zwischen Washington und Peking hinter den hochgesteckten Erwartungen zurückgeblieben. So habe China nach Aussagen des US-Präsidenten Donald Trump nicht wie erhofft H200-Chips von Nvidia gekauft, die speziell für generative KI entwickelt wurden. Die Chinesen hätten sich dagegen entschieden, sie wollten ihre eigenen Chips entwickeln, sagte der US-Präsident. Die Aktien von Nvidia fielen am Dow-Ende um 4,4 Prozent. Die Titel von Applied Materials gerieten mit einem Minus von knapp ein Prozent letztlich nicht ganz so stark unter Druck wie der Gesamtmarkt. Analysten hatten den Quartalsbericht und den Ausblick des Anlagenherstellers für die Halbleiterindustrie gelobt.

In dem schwachen Umfeld gaben die Anteilscheine von Cerebras Systems um fast 13 Prozent auf knapp 280 Dollar nach. Am Donnerstag hatten sie inmitten des KI-Booms einen fulminanten Börsenstart hingelegt. Die Aktien des Rechenzentren-Betreibers und Chipherstellers für KI-Anwendungen hatten knapp 70 Prozent über ihrem Ausgabepreis von 185 Dollar geschlossen. Gegen den Trend gewannen Microsoft am Freitag mehr als drei Prozent. Der Hedgefonds Pershing Square des Investors Bill Ackman hat eine neue Beteiligung an dem Software-Konzern aufgebaut. Ackman sagte, Microsoft sei stärker und widerstandsfähiger, als die Anleger glaubten. Der cloudbasierte Abo-Dienst Microsoft 365, zu dem die Office-Programme Word und Excel gehören, sowie der Clouddienst Azure seien „zwei der wertvollsten Geschäftsbereiche im Bereich der Unternehmenstechnologie“. Die Aktien von Figma schnellten gar um gut 13 Prozent nach oben. Das Softwareunternehmen hatte mit seinem ersten Quartal die Erwartungen übertroffen und seine Jahresziele angehoben. Laut Analysten sind mit den Zahlen Bedenken hinsichtlich KI-bedingter Verwerfungen gemildert worden.

Eine Unsicherheit wurde indessen ausgeräumt. Die Mehrheit der Senatoren sprach sich für Kevin  Warsh als neuen Fed-Chef aus. Dieser war von 2006 bis 2011 bereits Mitglied des Gremiums gewesen. Zuvor hatte Ende April ein Bankenausschuss des Senats grünes Licht für Warsh gegeben. Während dort alle 13 Republikaner für Trumps Kandidaten stimmten, votierten alle elf demokratischen Senatoren gegen ihn. Sie warnten vor politischem Einfluss auf die Notenbank, während Republikaner Warsh als erfahrenen Kandidaten lobten. Die Nominierung fällt in eine Phase wachsender Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der Notenbank. Trump hatte wiederholt vergeblich niedrigere Zinsen gefordert und dabei auch den bisherigen Fed-Chef Jerome Powell attackiert, dessen Amtszeit am Freitag endete. Seine Angriffe auf die Federal Reserve lösten an den Finanzmärkten Sorgen um die politische Unabhängigkeit der Institution aus.

Inflations- und Konjunktursorgen sowie die fehlende Verhandlungsfortschritte im Nahen Osten hatten am Brückentag zuvor schon den Dax deutlich unter Druck gesetzt. Zum Handelsende büßte der deutsche Leitindex 2,1 Prozent auf 23.951 Zähler ein. Damit rutschte er sowohl unter die 24.000-Punkte-Marke als auch unter die 200-Tage-Linie, aus der charttechnisch orientierten Beobachtern Hinweise auf den längerfristigen Trend ableiten. Das Wochenminus beträgt 1,6 Prozent. Die Katerstimmung bekam am Freitag auch der MDax der mittelgroßen Werte mit einem Minus von 1,7 Prozent auf 31.365 Punkte zu spüren.

Im Dax büßten die Papiere des Chipherstellers Infineon 4,2 Prozent ein. Auch beim Chipindustrie-Ausrüster Aixtron im MDax und beim Waferhersteller Siltronic im Nebenwerte-Index SDax machten Anleger Kasse. Papiere des Baustoffkonzerns Heidelberg Materials wurden als schwächster Dax-Wert mit minus 7,2 Prozent vor allem von Konjunktursorgen belastet. Dagegen stemmten sich die Aktien des Rückversicherer Munich Re mit plus ein Prozent gegen die jüngste Kursschwäche. Die Titel des Softwarekonzerns SAP konnten sich mit einem Anstieg um zwei Prozent weiter erholen und eroberten die Dax-Spitze. Quartalszahlen des Mobilfunk- und TV-Zugangsanbieters Freenet kamen gut an: Die Papiere gewannen als einer der besten Werte im MDax 3,9 Prozent. Deutlich gesunkene Passagierzahlen brockten hingegen dem Flughafenbetreiber Fraport einen Kursrückgang von 4,7 Prozent ein.

Die grundsätzliche Verfassung der Unternehmensbilanzen stimmt viele Analysten gleichwohl vorsichtig optimistisch. Trotz eines Umsatzrückgangs haben die 40 Dax-Konzerne im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt ihren Gewinn gesteigert. Während die Erlöse im Schnitt um 3,7 Prozent zurückgingen, stiegen die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 4,4 Prozent, wie aus einer Analyse des Beratungsunternehmens EY hervorgeht. Treiber war vor allem die Finanzbranche mit einem rekordträchtigen Gewinnplus von 15,9 Prozent, während die Industriewerte nur 0,5 Prozent Gewinnsteigerung berichteten. Die höchsten Quartalsgewinne verzeichneten die Deutsche Telekom (5,8 Mrd. Euro), die Allianz (4,5 Mrd. Euro) und Eon (3,9 Mrd. Euro). Einen Quartalsverlust berichteten in der Top-Liga der deutschen Aktiengesellschaften lediglich Zalando und die Porsche Automobil Holding. Besonders starkes Gewinnwachstum schafften Eon, Siemens Energy und der Rückversicherer Munich Re.

Sämtliche Autohersteller im Dax mussten Gewinnrückgänge hinnehmen. Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY, spricht von einem Fehlstart ins neue Jahr, bei dem sich allerdings bei genauerem Hinsehen ein heterogenes Bild ergebe. „Denn trotz Konjunkturflaute glänzt die Finanzbranche mit sehr guten Zahlen, sie profitiert vom anhaltend hohen Zinsniveau, günstigen Schadenverläufen bei den Versicherungen und der hohen Marktvolatilität.“ Bei schwacher Weltkonjunktur sorge die schwierige geopolitische und handelspolitische Lage für teils massive Belastungen und Einbußen bei vielen klassischen Industrieunternehmen. China trete als aggressiver Wettbewerber auf, während die Kosten in Deutschland zu hoch seien.

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Kommentare ( 1 )

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Haba Orwell
1 Stunde her

> Laut Internationaler Energieagentur befindet sich die Welt in der größten Energiekrise der Geschichte. An den Börsen wurden die Ergebnisse des Gipfeltreffens zwischen den USA und China mit Blick auf den Iran-Krieg mit Enttäuschung aufgenommen.

US-Medien meinen, dass eigentlich nichts erreicht wurde: >>>Was die US-Medien über Trumps China-Reise sagen<<< Dabei geht es nicht nur um Energie – aus der Golfregion kommt ein Großteil der Düngemittel, da für die Produktion Erdgas benötigt wird.