Neu im Kino: Glennkill – Ein Schaf, wer nur an einen Krimi denkt

Shaun-das-Schaf-Optik als knallharte Diversity-Indoktrination. Hinter der Tarnung als englischem Landkrimi wird der Zuseher mit ideologischer Dauerbeschallung in wollig-weicher Oberfläche, aber dafür umso härterem woken Kern bestrahlt.

screenshot via YouTube.com/ Amazon MGM Studios

Wer beim Titel an hügelige englische Landschaften, High Tea und schrullige britische Ermittler denkt, sollte sich nicht irreführen lassen; hier wurden wohldosiert politische Botschaften platziert, die den Anspruch eines woken Zeitgeistes auf Deutungshoheit zum Ausdruck bringen. Die Bühne aus englischer Dorfidylle, Shaun-das-Schaf-Optik und Linksverkehr dient augenscheinlich nur dazu, den nichtsahnend hereingestolperten Fan der Inspectoren Barnaby, Morse und Lewis einzulullen. In Wirklichkeit sind diese Requisiten so hohl und leer wie Werbung für das Kulturfest in „Denbrook“, dem fiktiven Dorf (tatsächlich wohl Ivinghoe, am Fuße der Chiltern Hills), wo der Krimi spielen soll. Diese Leere füllt das Drehbuch von Craig Mazin mit den politsch korrekt gemeinten bunten Inhalten.

Inspector wer?

Wo z.B. die „Barnaby“-Serie das englische Landleben mit besonderer Betonung auf Spezialitäten, Musik, Folklore und Bauten zelebriert, enttäuscht das Kulturfest im Dorf Denbrook mit einer lieblosen Anhäufung von Einmachgläsern dubiosen Inhalts, alten Ölschinken und angestaubten Medaillen unter drei Faltpavillons. Lachhaft und sinnlos, die zehn Pfund Eintritt nicht wert, wie die Organisatorin Beth Hannock (Hong Chau), selbst zugibt.

Besser kann man es nicht zum Ausdruck bringen: Hier steht nur noch die lokalkolorierte Hülle einer Kultur, die darauf wartet, nach Belieben mit buntem Inhalt geimpft zu werden. So farbenfroh wie George Hardys Schafsherde, die, wie man den Trivia-Seite der IMDB entnehmen kann, den Rassen (wenn man die noch so nennen darf) Shetland, Icelandic, Merino, Norfolk Horn, Danish Landrace, Lincoln Longwool, North Country Cheviot und Boreray entstammen. Nicht unähnlich den dörflichen Protagonisten, deren asiatischen und afrikanischen Wurzeln man jedenfalls an Hand ihrer ur-englischen Namen (…Merrow,,,Hillcoate…), nicht mehr erkennen kann.

Wolverine im wollig-wuscheligen Ruhestand

Mein Gott, was ist Hugh Jackman, der das Mordopfer, den Schäfer George Hardy spielt, doch alt geworden! Hardy hat sich, nachdem er durch die Entdeckung eines Gegenmittels gegen die Schafskrankheit „Orf“ (Ecthyma contagiosum, „Lippengrind“oder „Schafpocken“) zum mehrfachen Millionär wurde, auf dem Land zur Ruhe gesetzt und hütet Schafe. Er lebt nicht etwa im nahen Dorf, sondern in einem Wohnwagen (US-Camper-Ikone Marke Airstream), offenbar mit Stromversorgung von einem kleinen Windrad. Er liest seinen Schafen aus seinen Büchern vor (keine e-books!) und schreibt tatsächlich Briefe mit seiner Hand auf nach Rosen duftendem Papier.

Eine platte Retourkutsche jagt die nächste

Die Freude über diesen Ausflug zu längst vernachlässigbaren Tugenden währt nur kurz. Allzu plump werden der lokale Schlachter „Ham“ Gilyard (Conleth Hill) als blutrünstiger Vegetarier-Hasser, der lokale Polizist (Nicholas Braun als Officer Tim Derry) als Einfaltspinsel und die Dorfbevölkerung als repräsentativ für sämtliche Länder des ehemaligen britischen Weltreichs dargestellt. So wichtig ist diese Optik der Regie (Kyle Balda) offenbar, dass jede sich bietende Gelegenheit für einen Kameraschwenk genutzt wird, um möglichst viel des unterschiedlichen Lokalkolorits abzubilden.

So oft wird dieses Instrument des Rundumblicks auf immer mehr unterschiedliche, scheinbar zufällig anwesende Passanten eingesetzt, dass man dahinter ein besonderes Anliegen vermuten kann. Wenn es hingegen darum geht, die Zuschauer eines illegalen Hundekampfs gegen einen Schafsbock (Streuner Sebastian) abzubilden, wird auf Vielfalt eher verzichtet. Unnötig viel Zeit verwendet der Film auf die Darstellung von Diskriminierung und Rückständigkeit innerhalb der Schafsherde (soziale Ächtung von im Winter geborenen Lämmern und Angst vor der Überquerung einer asphaltierten Straße).

Weiche kuschelige Schale, harter ideologischer Kern ?

Wer die Stimmen von Bastian Pastweka (Spricht den Bock Mopple) und Anke Engelke (spricht die Aue Lily) und Computer-generierte, vermenschlichte Tiere mag, wird den Film wohl mögen. Wer sich ungern englisches Landleben vorstellt, in dem englische Landschaften, Architektur und Fauna nur noch als Kulisse für eine idealisierte und imaginäre bunte Weltbevölkerung dienen, der wird ein Unbehagen verspüren. In Kreisen der neuen britischen Rechten wird der Streifen sicher keine Fans finden.

Und ob Schafe wirklich sprechen können, und wer den Schäfer warum auf dem Gewissen hatte (sein Sohn, um an das Erbe zu kommen), ist dann wirklich Nebensache.

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Kommentare ( 1 )

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maxmink
1 Stunde her

Hm, im Cicero – den ich absolut für seriös halte – gab es eine absolut gegenteilige Bewertung des Films. Aufgrund dessen habe ich mir gleich das Buch bestellt und hatte auch eigentlich die Absicht mir den Film anzuschauen.
Tja ,was tun? Geld ausgeben für einen Film über den ich mich eventuell ärgere?
Oder glaube ich dem Cicero und AN wo er auch empfohlen wurde.