KI und Industrie brauchen immer noch mehr Energie – das geht nur privat

Für den Wiederaufstieg Deutschlands zum Industrieland ist die Kernenergie unabdingbar – aber nicht als nukleare Planwirtschaft möglich, sondern nur auf marktwirtschaftlicher Grundlage.

Zur Energiespeichertechnologie forscht André Thess an der Universität Stuttgart. Er hat die energiepolitischen Entscheidungen vom Atomausstieg über das EEG bis hin zum Kohleausstieg analysiert und kommt zum nüchternen Ergebnis: „Hätte Deutschland in den letzten 70 Jahren weder Energie- noch Klimapolitik gemacht, dann würden wir in keiner dieser drei Säulen Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit schlechter dastehen, als wir heute. Wahrscheinlich würden wir sogar besser dastehen. Leider ist der Staat nicht in der Lage, solche komplexen, schwierigen und langfristigen Dinge zu managen.“

Thess analysiert energiepolitische Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte vom Atomausstieg über das EEG bis hin zum Kohleausstieg und kommt zu einem ernüchternden Fazit: In allen Fällen habe staatliches Eingreifen die Situation eher verschlechtert als verbessert. Der Staat sei strukturell überfordert, ein so komplexes System wie Energieversorgung effizient zu steuern.

Um die ideologischen Gräben in der Energiepolitik zu überwinden, hatte Thess 2025 in seinem Buch „Der Energiegipfel. Ausweg aus dem Klimakampf“ vorgeschlagen, wie unter Ausschluss der Politik zur Zukunft der Strom- und Wärmeerzeugung im Land Vorschläge erarbeitet werden sollten. Ein Jahr später gibt es für derartig Konstruktives wie Thess‘ Vorschlag nicht die geringste Chance.

Zeit für einen optimistischen Aufbruch
Wirtschaft ist sublimierte Energie
Während der Parteienstaat von Energie sparen spricht, richten sich Industriestaaten von Amerika über China bis hin zu den Golfstaaten in der ganzen Welt auf den noch mehr und schneller steigenden Höchstenergiebedarf aus: mit Volldigitalisierung von Produktion und Dienstleistungen, künstlicher Intelligenz und Komplett-Klimatisierung des wirtschaftlichen wie privaten Raumes. Die grüne Vorstellung von schrumpfender Nachfrage ist für Thess unrealistisch. Eine Industrienation benötige ganz im Gegenteil immer mehr Energie, die rund um die Uhr verfügbar sein müsse.

Aus seiner Bilanz des Staatshandelns leitet Thess den Vorschlag ab, Energie und Klima vom Staat auf Bürger und Unternehmen zu übertragen. Der Staat müsse sich zurückziehen, den Weg für marktwirtschaftliche Lösungen freigeben. Das gelte für die Rolle des Staates insgesamt. Statt sich immer noch weiter in Detailfragen des Alltags von Heizsystemen bis hin zu technischen Vorschriften einzumischen, habe der Staat sich seinen zentralen Aufgaben wie Infrastruktur und Versorgungssicherheit zuzuwenden, die er vernachlässigt.

Thess: „Ich glaube, was wir als erstes machen sollten, ist das Atomgesetz in den Zustand des Jahres 2002 zurückzuversetzen. Das ist für mich der wichtigste Punkt. Wir müssen es zurückversetzen in einen Zustand, in dem es nicht verboten ist, Kernenergie zu nutzen.“ Danach sollten private Investoren entscheiden, ob und wo neue Kraftwerke entstehen. „Ich bin aber nicht dafür, mit Milliarden und Abermilliarden jetzt in einer ähnlichen staatlichen Planwirtschaft, wie wir das aus der Vergangenheit kennen, in die Kernenergie einzusteigen.“

Zukunfts- und Freiheitsenergie
Die dümmste Energiepolitik der Welt und der klügste Weg aus der Falle
Thess‘ wichtigste Forderung ist Deregulierung. Für ihn ist sie die entscheidende Voraussetzung, aus der energiepolitischen Sackgasse herauszukommen. Statt immer neuer Eingriffe brauche es eine bewusste Abkehr. Konkret nennt er vier „heilige Kühe“, die abgeschafft werden müssten: das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Heizgesetz, das Verbrennerverbot sowie das faktische Verbot der Kernenergie. International erlebe die Kernenergie  eine Renaissance, während Deutschland weiterhin an seinem Ausstieg festhalte. Die Aussage von Ursula von der Leyen, der Atomausstieg sei ein Fehler gewesen, wertet er als späte Bestätigung der Kritik, die er bereits 2022 mit der „Stuttgarter Erklärung“ formuliert hatte.

Technisch mahnt Thess zur Nüchternheit. „Wunderreaktoren“ seien keineswegs kurzfristig verfügbar. Thess: „Es konnte mir leider noch niemand plausibel darlegen, wie zum Beispiel der viel zitierte Dual-Fluid-Reaktor die Herausforderungen überwinden soll, bei über 1000 Grad für 40 Jahre flüssiges Salz und flüssiges Metall direkt nebeneinander zu managen. Und ich würde deshalb davor warnen zu glauben, dass diese Wunderreaktoren, die da häufig diskutiert werden, uns morgen oder übermorgen den billigen, zuverlässigen und umweltfreundlichen Strom liefern.“

Bei Kernenergie müsse man sich auf bewährte Technologien wie Druckwasser- und Siedewasserreaktoren konzentrieren. Die seien die zuverlässign „Arbeitspferde“, auf die man setzen könne, wenn Deutschland wieder Kernenergie will. Sie braucht es heute und morgen. Auf übermorgen zu warten, wäre für Deutschland zu spät.

Wer bei Kernenergie selbst urteilen und mitreden will, ist nach den 170 Seiten des Buches „Der Energiegipfel. Ausweg aus dem Klimakampf“ bestens gerüstet.

André Thess. Der Energiegipfel. Ausweg aus dem Klimakampf. LMV, Paperback, 176 Seiten, 22,00 €.


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Kommentare ( 3 )

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MaxVanMoritz
1 Stunde her

Der Abstieg ist nicht beendet und wenn der Aufschlag kommt, ist das System „UnserDemokratie“ am Ende! Deren Demokratie, ist das System der Oligarchen, die im Ausland hocken!
Was macht man mit den geschaffenen Idioten im Land? Die brutale Strategie von früher, mag ich nicht denken!

Eine Wahrheitskommision, wie in Südafrika?
Extrem hohe Steuern für die Lügner und Verursacher?
Sollen die doch das Land verlassen!

jukkad7133
1 Stunde her

Weiteres Buch. Und ändert sich damit was an der Energiepolitik? Nein. All diesen schlauen Ergüsse erzeugen kein zwingendes Handeln seitens der Regierung.

Laurenz
2 Stunden her

Herr Goergen, das sind alles Milchmädchenrechnungen. Natürlich ist es praktisch, wie die Russen es mit ihren schwimmenden Kernkraftwerken handhaben, in jedem Landkreis, bei jedem Rechenzentrum einen kleinen U-Boot-Reaktor zu installieren. Aber niemand sagt uns, auch Sie nicht, wohin mit den abgebrannten Brennstäben? Die Märchen der Brennstäbe-Aufbereitung, wie der Kernfusion, werden deswegen erzählt, damit weiter Forschungsgelder ins Nirwana genehmigt werden. Sie sehen, wie beim E-Auto, holen uns da die Entsorgungskosten & -probleme ein. Irgendeine Entsorgungsbutze entsorgt den Abfall dann auf dem Meeresgrund. Man kann den Müll auch nicht ins All schießen, viel zu teuer. Die einzig echte souveräne Alternative für die… Mehr

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