In Deutschland wächst die Angst vor Inflation – dabei war sie stets präsent

Im Iran-Konflikt einigten sich die USA und Vertreter der iranischen Regierung auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Das nimmt kurzfristig Druck von den Preisen an den Energiemärkten. Dennoch sehen Ökonomen für Deutschland einen kräftigen Anstieg der Inflation.

picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt

War dies die Wende im Iran-Konflikt? Die Vereinigten Staaten und Vertreter der iranischen Regierung konnten sich auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand einigen und damit ein Rahmenwerk für die Zukunft des wohl wichtigsten maritimen und energiepolitischen Flaschenhalses der Welt vorformulieren. Das gibt zumindest ein wenig Anlass zur Hoffnung.

Denn hinter der zum Teil panikartigen und emotional aufgeladenen Berichterstattung über die Ereignisse im Iran und rund um die Straße von Hormuz nimmt eines der eigentlichen Ziele der amerikanischen Politik Formen an: Ähnlich wie im Falle Venezuelas will Washington vor allem die Kontrolle über die zentralen Distributionswege von Öl und Gas sichern – den Lebensadern unserer Ökonomie.

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Im Fokus dieser Politik steht China, das, wie wir heute wissen, keineswegs zögert, seine eigene Rohstoffmacht in die geopolitische Waagschale zu werfen. Dies stellte Peking im vergangenen Jahr im Falle der Exportbeschränkungen bei den Seltenen Erden unter Beweis.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erfolgte dann ein vorläufiger Waffenstillstand. Die Reaktion an den Rohstoffmärkten fiel erwartbar positiv aus, der Preis für einen Barrel WTI-Rohöl gab am Morgen zunächst um 16 Prozent nach und pendelte deutlich unterhalb der 100-Dollar-Marke.

Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass energieabhängige Staaten, zu denen auch Deutschland inzwischen zählt, künftig beim Energieimport wieder auf das alte Preisniveau zurückfinden werden. Wie auch immer die Lösung für die Straße von Hormuz in der Zukunft aussehen mag: Die Durchfahrt wird nicht mehr zum Nulltarif zu haben sein, Versicherungsprämien werden tendenziell höher liegen als vor der Krise. Es ist zudem anzunehmen, dass die USA, der Iran und die Anrainerstaaten sich möglicherweise auf eine Art Zoll für die Durchfahrt einigen und die Erträge untereinander aufteilen.

In Deutschland verschärft sich im Zuge dieser Entwicklung die Energiekrise, da sich Preisänderungen im Energiebereich durch die gesamte ökonomische Wertschöpfungskette bis zu den Endverbraucherpreisen vorarbeiten. Preissteigerungen lagen zuletzt regelmäßig oberhalb der 2‑Prozent-Marke, während gleichzeitig die Wirtschaftsleistung im privaten Sektor schrumpfte.

Eine ökonomisch toxische Gemengelage, die auf erhebliche Produktivitätsprobleme, den überdehnten Staatsapparat sowie die selbsterzeugte Energiekrise und zu geringe Investitionstätigkeit im privaten Sektor hindeutet.

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Dass es mit den Preisen in Deutschland weiter bergauf gehen wird, bestätigte auch Isabella Weber, Wirtschaftswissenschaftlerin am Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), mit Blick auf die aktuelle Situation. Sie sieht die Preisstabilität nicht nur angesichts steigender Energiepreise und des wachsenden allgemeinen Energiedrucks gefährdet, sondern erwartet steigende Endverbraucherpreise in nahezu sämtlichen Lebensbereichen.

Für das laufende Jahr rechnet Weber mit einem Preissprung von vier bis fünf Prozent. Bereits im März stieg die Inflationsrate in Deutschland wieder auf 2,7 Prozent, nachdem sie im Vormonat kurzzeitig auf 1,9 Prozent gefallen war. Die Inflation war also nie weg. Lediglich der Preisauftrieb hat sich nach der Liquiditätsschwemme während der Lockdown-Zeit vor fünf Jahren ein wenig abgeschwächt.

Ohne zu tief in die Debatte um die Berechnung des Preisniveaus einzusteigen, sei der Hinweis erlaubt, dass die staatlichen Ziffern die Realität der tatsächlichen Lebenshaltungskosten deutlich unterschreiten. Es ist also davon auszugehen, dass sich das Problem manifestieren wird und für viele Haushalte in Deutschland ein gravierendes Problem darstellt.

In einem normalen politischen Umfeld würden wir wohl eine Debatte über massive Abgabensenkungen und Entlastungspolitik erleben. Doch Deutschland ist ideologisch festgefahren und kann sich aus seiner selbstverschuldeten Energiekrise unter den gegebenen politisch‑arithmetischen Bedingungen nicht befreien. Es wäre Zeit, die CO₂‑Politik zu begraben. Das Experiment des Umbaus der Wirtschaft in ein Net‑Zero‑Utopia ist sichtbar gescheitert.

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Ein Frieden mit Russland, die Wiederaufnahme der Energieimporte, die Aufnahme des Frackings in Deutschland, die Verlängerung der Kohleverstromung und die massive Förderung eigener Gasvorkommen in der Nordsee gehörten ebenso auf den Tisch. Dass all dies nicht geschieht, wird die ökonomische Situation für die nun unter Druck geratenen Betriebe und Haushalte dramatisch verschärfen.

Dabei wäre jetzt eine günstige Gelegenheit gegeben, reinen Tisch zu machen. Die Politik könnte diese Krise zum Ausstieg aus der verheerenden Energiepolitik nutzen, notwendige Reformen am Sozialstaat vornehmen und sich auch in der Migrationspolitik vom woken Zeitgeist des Multikulti verabschieden. Harte Einschnitte und Reformen könnten in diesem Moment seriös und glaubwürdig begründet werden. Ganz sicher würde eine Mehrheit der Deutschen diesen Turnaround gutieren.

Allerdings lässt sich angesichts des katastrophalen Krisenmanagements Berlins, das im lächerlichen Versuch der Preiskontrollen an den Tankstellen seinen Höhepunkt fand, bereits jetzt prognostizieren, dass sich in Deutschland vorerst nichts ändern wird. Der Status quo ist ihnen heilig. Die Zukunft von Ökonomie und Gesellschaft wird in der Berliner Blase wohl als steuerbares Abstraktum wahrgenommen.

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Kommentare ( 15 )

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Deutscher
23 Minuten her

Für diese Erkenntnis braucht man nun wirklich kein „Ökonom“ zu sein. Es reicht schon, das Offensichtliche nicht leugnen zu wollen: Versager und Hasardeure, Verräter und Hochstapler regieren das Land seit 20 Jahren und die Folgen liegen auf der Hand.

Aber sie werden wieder und wieder gewählt – von manchen aus Dummheit oder Feigheit, von anderen aus destruktivem Selbsthass und Lust am eigenen Untergang.

Last edited 22 Minuten her by Deutscher
Delegro
1 Stunde her

Die Berliner-Versagertruppe hat doch gerade den riesen Wurf gelandet. Die Arbeitgeber dürfen 1000 € steuerfrei zahlen. Toll. Die linken Zecken machen sich einen schlanken Fuß und der Arbeitgeber soll zahlen. Wovon? Was verdammt nochmal versteht man bei diesen linken, kranken Hirnen nicht? Den Arbeitgebern geht es selbst beschissen. Die Insolvenzen steigen in den Himmel. Kurzarbeit, Personalabbau, Schließungen ohne Ende. Und dann bitte mal eben zusätzlich 1.000 € pro Nase auszahlen. Wovon? Die Kassen sind leer. Jede weitere Personalkostenbelastung gefährdet den Betrieb noch stärker oder führt zu weiterem Personalabbau. Widerliche Denkweise dieser Arsch….. Mineralölsteuer wird gesenkt! 1.) nur für 2 Monte… Mehr

Michael Palusch
23 Minuten her
Antworten an  Delegro

„…und der Arbeitgeber soll zahlen.“
Nein, soll er nicht! Er KANN zahlen, aber er kann es genausogut auch bleiben lassen.

Logiker
1 Stunde her

Sie wollen „den Pfad der Elektromobilität“ nicht verlassen.

Sie wollen „den Pfad des grünen Stahls“ nicht verlassen.

Sie wollen die CO2-Abgabe nicht abschaffen.

Mit Verlaub – das ist offenkundige Sabotage.

OJ
1 Stunde her

Die Welt steckt in einer erbärmlichen Öl-Sucht – süchtiger als jeder verwahrloste Junkie nach seiner dreckigen Spritze. Und wer kann den Schock an der Nadel noch verhindern?
Genau: der Einzige, der all diese Elenden am Tropf hält – der unvergleichliche Donald John Trump❗

Deutscher
20 Minuten her
Antworten an  OJ

Fährt Ihr Auto mit Wasser?

Haba Orwell
1 Stunde her

> Ein Frieden mit Russland

Kommen selbst baltische Bellizisten zur Besinnung? Böses Medium heute: „„Hohes Risiko militärischer Eskalation“: Estland will russische Schiffe in der Ostsee nicht stoppen“

Noch kürzlich wollte man piratieren…

> „… Estland wird russische Schiffe in der Ostsee nicht aufhalten, da das Risiko einer möglichen militärischen Reaktion Moskaus besteht. Dies erklärte der Oberbefehlshaber der estnischen Marine, Ivo Vark. Seinen Angaben zufolge erwäge Tallinn ein Eingreifen nun nur noch im Falle einer „unmittelbaren Bedrohung“ seiner Unterwasserinfrastruktur …“

Auch Estland kann ohne Öl und Gas nicht, müsste man hinzufügen.

Haba Orwell
2 Stunden her

> Ähnlich wie im Falle Venezuelas will Washington vor allem die Kontrolle über die zentralen Distributionswege von Öl und Gas sichern – den Lebensadern unserer Ökonomie. Absolut richtig erkannt, auch Röper und Michael Hudson schrieben bereits darüber. Mir ein Rätsel, wie kann man derartige Agenda bejubeln, obwohl zentrale Kontrolle steigende Kosten bedeuten muss? Woanders sieht man Schockwellen in der Weltwirtschaft: >>>“Weltwirtschaft steht vor einem potenziellen Schock historischen Ausmaßes – von der Straße von Hormus bis zum Roten Meer – ein geopolitisches Szenario mit enormer Sprengkraft – uncut-news.ch„<<< > „… Sollte es gleichzeitig zu einer Blockade der Straße von Hormus durch… Mehr

Guzzi_Cali_2
2 Stunden her

Für diese Kapeiken in Berlin ist ALLES abstrakt.

Haba Orwell
2 Stunden her

> Es wäre Zeit, die CO₂‑Politik zu begraben. Das Experiment des Umbaus der Wirtschaft in ein Net‑Zero‑Utopia ist sichtbar gescheitert. … Ein Frieden mit Russland, die Wiederaufnahme der Energieimporte, die Aufnahme des Frackings in Deutschland, die Verlängerung der Kohleverstromung und die massive Förderung eigener Gasvorkommen in der Nordsee gehörten ebenso auf den Tisch.

In der normalen Welt ja, leider in der real existierenden postfaktischen Welt werden nur plumpe Parolen nachgeplappert – linksgrüne oder der Herrschaften, die so gerne gegen die gesamte nichtwestliche Welt hetzen. Frieden mit Russland müsste auch Frieden mit sämtlichen Verbündeten Russlands bedeuten.

Laurenz
2 Stunden her

Auch bei intelligenten Autoren von Tichys, wird die irreale, abgehobene Blase sichtbar. Im völlig übervölkerten Deutschland haben wir eine Bevölkerungsdichte von über 231 Einwohner pro Quadrat-KM. Wir können keine giftigen Substanzen in den Boden ballern, um an das Schieferöl zu gelangen. Sie & Ihre Kollegen sollten in der Lage sein, über die Ökonomie hinausdenken. Wir sind weder die USA, noch Kanada, noch Rußland, wir sind ein Zwergenstaat & nicht in Wyoming mit 2 Einwohnern pro Q-KM. Abgesehen von vielen kleinen dezentralen Atomkraftwerken, verbrieft nur Deutsche Kohle Souveränität, zur Not auch mit Hydrierwerken.

doktorcharlyspechtgesicht
2 Stunden her

Höhere Öl- und Treibstoffpreise schlagen letztlich auf fast alle Preise durch. und landen – wo sonst? – beim Endverbraucher. Das kann in einer globalisierten Wirtschaft nicht anders sein. Zum Vergleich: in den 50igern basierte unsere Energiewirtschaft noch auf Stadtgas, Stein- und Braunkohle. Nahrungsmittel und Dinge des täglichen Bedarfs wurden kaum importiert. Heute sind wir komplett abhängig. Nicht einmal unsere eigenen Solarzellen stellen wir her. Komplette Produktpaletten müssen importiert werden, bzw. deren Einzelkomponenten wenn die Endmontage in D stattfindet. Heutige Betriebe haben eine sehr geringe Fertigungstiefe; sie besorgen sich Komponenten von Zulieferern aus der ganzen Welt. All das wird mit fossilen… Mehr