Den Iran-Krieg sollen die USA und Israel gefälligst selbst zu Ende bringen. Bei Lanz plädiert Roderich Kiesewetter dafür, dass Deutschland sich weiterhin auf die Ukraine konzentriert. „Wir haben nicht die Kraft, beides zu machen.“ Das sehen andere Bellizisten ganz anders. Von Brunhilde Plog
Screenprint via X / Michael Mayr
Eigentlich sollte es an dieser Stelle um die Maischbergerin gehen. Doch nach zehn Minuten ist die Sendung schon kaum mehr zu ertragen. Der umstrittene Profi-Bücherleser Dennis Scheck freut sich über die hohen Benzinpreise, Nachwuchs-Redakteurin Amelie Marie Weber singt unreflektiert das Hohelied von Sonne und Wind. Und als dann auch noch VW-Totengräber Herbert Diess als Hauptgast ins Haus steht, ist Umschalten angesagt.
Keine leichte Entscheidung. Sie gleicht der Frage nach dem Lieblings-Augenleiden oder der schönsten Brandverletzung. Denn bei Markus Lanz lauert mit dem Iran-Krieg schwere Kost. Und Bellizisten wie Roderich Kiesewetter (CDU) und Frank Umbach machen das Menü zäh und schwer verdaulich.
Aufräumen kommt für Kiesewetter gar nicht in Frage. Er ist zwar professioneller Kriegsbefürworter, doch am Iran-Krieg dürfe Deutschland sich nicht beteiligen. „Wir haben nur begrenzte Ressourcen. Wäre der Krieg in der Ukraine nicht, wäre es sicher angemessen, dort zu sein.“ Denn die Straße von Hormus sei ein internationaler Seeweg, den es zu schützen gelte. Kiesewetter: „Das eigentliche Thema ist die Freiheit der Seewege.“
„Müssen wir da jetzt runter, ja oder nein?“, will Lanz von ihm wissen. „Nein“, sagt Kiesewetter, „unser Fokus ist die Ukraine.“ Lanz: „Benzin, Öl, all die Dinge, die wichtig sind für Menschen. Demnächst kommt Urlaubszeit. Jetzt ist dieser Seeweg da unten zu. Und wir sagen, nein nein, wir helfen der Ukraine, machen wir nicht, lass mal.“
Dunz erinnert daran, dass demnächst in Rheinland-Pfalz gewählt wird. Friedrich Merz, dem Kanzler der zweiten Wahl, unterstellt sie eine „Lernkurve“ und versucht zu erläutern, wie sie auf diese kühne These kommt: „Vor dieser Wahl wird ein Signal gegeben: Wir tun was für euch, dass das Tanken nicht so teuer wird, dass wir das irgendwie begrenzen können oder unter Kontrolle haben, was natürlich überhaupt nicht der Fall sein wird.“
„Und wir ziehen nicht in den Krieg“, ergänzt Lanz. Dunz stimmt zu und erinnert daran, welche Lügen Merz den Deutschen bereits in der Vergangenheit aufgetischt hat: „Herr Merz kann das. Vor Wahlen kann er sagen, die Schuldenbremse wird nicht gelockert, und nach der Wahl gibt’s eine Billion Schulden. Er kann auch im Brustton der Überzeugung sagen, das ist nicht unser Krieg.“
Um die unbequemen Fragen laviert Lanz an diesem Abend herum – etwa zur generellen Rolle westlicher Politik bei der Destabilisierung ganzer Regionen oder zu Alternativen jenseits von Militäreinsätzen. Auch, dass es von Benjamin Netanjahu seit fast zwei Wochen nur noch offenbar KI-generierte Videos, aber kein verlässliches Lebenszeichen mehr gibt, kommt nicht zur Sprache.
Stattdessen darf Politologe Frank Umbach den Iran noch einmal als unbändige Gefahr darstellen, inklusive 440 Tonnen angereicherten Urans. „Warum entwickelt der Iran ballistische Raketen, die bis nach Europa reichen?“, fragt er. Deshalb sei die ablehnende Reaktion des Bundeskanzlers auf Trumps Hilfeersuchen „auch nicht besonders hilfreich“, denn „mit dieser Positionierung, und sei es auch aus innenpolitischen Gründen, befinden wir uns am Spielfeldrand. Und wenn wir nicht am Verhandlungstisch sitzen, landen wir auf der Menükarte.“
Für Nahost-Expertin Bente Scheller, die selbst sieben Jahre lang im Libanon lebte, haben die Angriffe nur sehr begrenzte Erfolgsaussichten: „Trotz massiver Bombardierung sehe ich keine Risse im Machtapparat“, sagt sie. Das iranische Regime „hat sich total eingegraben, ist auf sowas vorbereitet“. Sie kann auch „diese Eile und diesen Druck“ überhaupt nicht nachvollziehen. Denn das Atomprogramm JCPOA sei ab 2015 auch unter deutscher Beteiligung sehr erfolgreich verlaufen, um die Bestrebungen des Irans im Zaum zu halten: „Da waren relativ gute Kontrollen.“ Scheller warnt vor unabsehbaren weiteren Folgen: „Wenn Trump eine Volte macht und Israel in einer Bedrohungssituation bleibt, die durch Instabilität entsteht, was machen wir dann?“
Umbach bleibt dabei: Der Iran habe kein Interesse, das Atomprogramm aufzugeben. Und Trump könne jetzt zwar „theoretisch den Konflikt mit dem Iran für beendet erklären, aber er kann sich nicht aus der Verantwortung dieser Straße von Hormus herausziehen“. Und in dieser Frage seien auch die anderen westlichen Länder unbedingt gefordert.
Vielleicht wären die Dünnbrettbohrer Scheck und Diess im Ersten am Ende doch die leichtere Kost gewesen.




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„Nahost-Expertin Bente Scheller: „Trotz massiver Bombardierung sehe ich keine Risse im Machtapparat““
Die arbeitet für die grüne Heinrich-Böll-Stiftung, dass die keine Risse erkennen kann, obwohl ein bedeutender Teil der Führungsspitze nicht mehr lebt, ist nur allzu natürlich! Die Grünen sehen immer nur das, was sie sehen wollen. Man sieht es an Deutschland, was das für Folgen hat, wenn solche Gestalten in politische Verantwortung kommen. Hoffentlich kommt der staatliche Zusammenbruch nur recht bald, dann können solche Figuren wenigstens nicht mehr ihren groben Unfug verbreiten und das Ansehen Deutschlands für immer ruinieren.
Kriegen im eigenen Land NICHTS hin bzw verursachen die Misere und mimen dann für andere Länder den „Problemlöser“ (deutsche Steuergelder versenken).
Anmerkung die „Investitionen in die DEUTSCHE Infrastruktur“ ist zu 85 bis 95 Prozent (Zahlen zweier Institute) in Haushaltslöcher und Gutmenschen Steuergeld Abzugsmodelle geflossen.
So dreist und chronisch wurden wir noch nie belogen und verschuldet/beraubt. Eigentlich sind wir schon pleite aber immer noch den grenzdebiler Erbonkel aus Dummistan spielen.
Unsere Partei- und Staatsführung könnte die Bundesmarine in die Ukraine entsenden.
Und die ist mindestens so stark wie die Kriegsmarine der Österreicher.
Um nicht in einer Blase zu sitzen, habe ich mir ungefählr 10 Minuten diese Sendung angetan. Dann konnte ich es nicht mehr ertragen. In diesem Beitrag klingt das ja alles gar nicht so schlimm. Ich empfand diese 10 Minuten als reines USA- und Israelbashing.
Bei den Berichten über Lanz, Miosga, Illner und Co. verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass die Zuschauer von Lanz, Miosga, Illner und Co. Tichy‘s Einblick und die anderen aufgeklärten Medien nicht lesen und deren Leser sich solche Sendungen mangels Neigung zum Masochismus gar nicht erst reinquälen.
Einziges was von den Kreigsgeilen zu wissen will ist wieviel Aktien von Rheinmetall sie haben und wie viel Geld sie von derartigen Firmen für ihre Lobbyarbeit bekommen. So lange das klar ist, können sie ihren Mist dann absondern. Ich würde auch erwarten dass die ÖR das erforschen und uns sagen, sonst ist ihre Sendung nur Propaganda. Was das Thema Krieg angeht – manchmal ist er nicht zu vermeiden. Man braucht zwar dazu immer zwei aber nur eine davon muss den Krieg anfangen. Siehe Ukraine – da hat man so lange gefummelt – Regimewechsel plus Gewalt gegen Russen in Osten und… Mehr
Herr Kiesewetter sollte auch wissen, dass Deutschland eigentlich nicht mehr die Kraft hat der Ukraine zu helfen. Der Ukraine kriegt hat Deutschland schon mehr als 50 Milliarden gekostet…..
Die Israelis werden noch genügend Nadelstiche setzen.
Ich kann mir diese „Talkshows“ nicht mehr antun. Mein Blutdruck steigt schon beim lesen eurer Zeilen, das genügt. Kriegstreiber und Doppelmoral-Spezialist Kiesewetter kann ich absolut nicht ab. Dieser russophobe Moralapostel, der das Wort Diplomatie nicht buchstabieren kann, ist mit ein Graus.
und weiter gehts mit „Ukraine first“.
„Regelbasierte Ordnung?
Ungarn, die Ukraine und die EU: Wer erpresst hier wen?“ https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/aus-aller-welt/ungarn-ukraine-eu-wer-erpresst-wen/