Staubsaugereffekt durch KI-Boom: US-Konzerne bedienen sich am Anleihemarkt

Big Tech plant Milliardeninvestitionen in die eigene Energieerzeugung. In Kombination mit dem anhaltenden KI-Boom sprengt der massive Ausbau der Rechenzentren jeden Kapitalmarktrahmen. Auch der europäische Anleihenmarkt rückt verstärkt in den Fokus von Unternehmen und Investoren. Für die hochverschuldeten Staaten der Europäischen Union ist das keine gute Nachricht.

picture alliance/dpa | Florian Wiegand

Die Kreditpumpe hätte sich ihren Platz als fiktives Flaggensymbol der Europäischen Union redlich verdient. Mit einem bislang faktisch unbegrenzten Zugriff auf den Anleihemarkt verwandelt die Politik auf magische Weise einen nie versiegenden Kreditstrom in politische Manöver und ideologisches Zauberwerk. Durch die Manipulation des Geldes werden Prozesse und Institutionen in die reale Welt verpflanzt, die es unter normalen Umständen nicht vermochten, die Fantasiewelten und Grenzen politischer Ideologie zu überschreiten.

Windräder in Wäldern, vollelektrische Lastenräder in einem Industrieland, das seine eigenen Wohlstandsmotor zugunsten einer artifiziellen grünen Förderwirtschaft zerschlägt und sich zu diesem Zweck in Billionen neuer Schulden stürzt – ein historisch beispielloses Degrowth-Schauspiel, das wohl nur deshalb nicht längst im offenen Aufruhr geendet ist, weil Hunderttausende, die ihre Arbeitsplätze verlieren, auf wundersame Weise im öffentlichen Dienst unterkommen oder vom Füllhorn des deutschen Sozialstaats aufgefangen, wenn nicht gar sediert werden.

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Ähnliches gilt für die Politik der offenen Grenzen. Auch hier scheint der ewige Kredit als Schmiermittel eines Projekts zu fungieren, das der politischen Linken neue Wählerpotenziale erschließen soll. Möglich wird dieser Prozess durch die systematische Zerstörung des Geldwertes. Staatsschulden sind nicht nur ein fiskalisches Problem, sie zerreiben das fragile ökonomische Gefüge einer Gesellschaft. Zudem senden sie das fatale Signal, dass ein übermächtiger Akteur wie der Staat die Grenzen von Produktivität, Ratio und Knappheit per Knopfdruck auszuhebeln weiß.

Daher war auch die sogenannte Schuldenbremse von Beginn an ein politischer Papiertiger: Deutschland hat den Pfad politischer Ernsthaftigkeit schon lange hinter sich gelassen und ist auf die Seite der Schuldenzauberer gewechselt. Es ist zur treibenden Kraft in einem von Ideologie überwucherten Schuldensumpf geworden, der die Refinanzierungsprobleme der hochverschuldeten Eurostaaten Jahr für Jahr sichtbarer macht.

Allen voran im Schuldenwettlauf finden wir in diesem Jahr das magische Duo Deutschland-Frankreich. Haushaltszahlen werden verfälscht, Buchhaltungstricks wie das Sondervermögen zum Standard des Selbstbetrugs erhoben. Beide Länder gehen 2026 mit einer Neuverschuldung von jeweils etwa fünf Prozent ins Rennen.

Insgesamt liegt der Refinanzierungsbedarf der Eurostaaten bei 1,5 Billionen Euro. Das sind die Bruttoemissionen von Staatsanleihen, die notwendig sind, um alte Schulden in die Zukunft zu rollen und das neu hinzugekommene Defizit zu finanzieren.

Das bedeutet: Rund 100 Milliarden Euro zusätzlich müssen über den Anleihenmarkt in die öffentlichen Kassen gespült werden. Wird man den Rechtsrahmen anpassen, große Kapitalsammelstellen, Banken und Pensionskassen noch stärker in das Finanzierungsschema des Fiatkredits hineinzwängen? Wird die EZB erneut massiv als Käufer am Markt auftreten, um die steigenden Zinsen im Zuge der höheren Schuldenlast zu dämpfen?

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Doch wie lange kann sich ein solcher Prozess wie ein Perpetuum mobile durch die Zeit voranwälzen? Wann versiegen die Quellen des scheinbar unerschöpflichen Anleihemarktes? Die politische Camouflage wird enden, wenn nur noch die Europäische Zentralbank als Lender of Last Resort die neuen Schulden durch massive Marktinterventionen liquide hält. Mit jeder Intervention wächst die Geldmenge, mit ihr die Zweifel an der Stabilität der Währung. Vertrauen schwindet, und die Wahrheit über die Manipulation von Zinsen, Zeitpräferenzen und realen Kosten – über die finanzielle Dimension der grünen Transformation wie auch der Migration in die europäischen Sozialsysteme – ließe sich nicht länger verdecken.

Das wäre der Moment der Wahrheit, der Augenblick, in dem das Kartenhaus permanenter Verschuldung ins Wanken geriete. Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Kräfte oder Entwicklungen könnten diesen Prozess beschleunigen? Reale Ressourcen zur Finanzierung von Investitionen in den Kapitalstock sind begrenzt. Der Staat tritt zur Finanzierung seiner sozialpolitischen, klimapolitischen und militärpolitischen Ambitionen als Wettbewerber am Kreditmarkt auf. Er verdrängt damit systematisch produktives Kapital und lockt knappe Ressourcen mit Renditeversprechen, Incentives und Subventionen in unproduktive Kanäle. So stirbt das Wachstum, der Wohlstand der Nation reduziert sich.

Reicht dies nicht aus, wird zusätzlicher Kredit mobilisiert – notfalls über die Anleihekäufe der Zentralbank. Gleichzeitig verschärft sich der Druck am Anleihemarkt: Investoren wenden sich zunehmend von langfristigen Staatspapieren ab, während in den Vereinigten Staaten das Wirtschaftswunder der künstlichen Intelligenz auch die Kapitalmärkte in Hochspannung versetzt.

Allein in diesem Jahr planen US-Techkonzerne Anleihenemissionen in Höhe von bis zu 360 Milliarden US-Dollar, um weitere Rechenzentren zu finanzieren und ihre Energiekapazitäten auszubauen.

Auch der europäische Markt gerät ins Visier von Microsoft, Google, Facebook und Co. Anleihen im Wert von 120 bis 170 Milliarden Euro sollen zusätzlich auf dem Euro-Markt platziert werden. Das bedeutet einen Zuwachs von über zehn Prozent zum Vorjahr. Die US-Wirtschaft aktiviert sämtliche Quellen, das Wachstum in der Heimat mit Kapital zu grundieren.

Eine harte Konkurrenz für die staatlichen Emittenten, denn die Privatwirtschaft lockt mit dynamischen Geschäftsprojekten und generell höherer Rendite.

Wie viel Kapital wird zusätzlich aus Europa in die Vereinigten Staaten abfließen? Wie groß ist der negative Effekt, den der amerikanische Kapitalstaubsauger in der EU auslöst, die ihre Kräfte zur Finanzierung der wachsenden Wohlfahrtsstaaten mobilisieren muss?

Klar ist: Die Zinsen werden graduell steigen. Das macht Refinanzierung und Schuldendienst in Europa teurer. Haushaltsspielräume schrumpfen weiter.

Und es wird offensichtlich, worüber niemand redet: Die massive Abwärtsbewegung des US-Dollars gegenüber dem Euro wird nun zur Falle. Jedes Investment aus europäischer Sicht in den Vereinigten Staaten mit einem perspektivisch wieder steigenden US-Dollar wird umso profitabler und renditeträchtiger. Der starke Euro wirkt wie eine zweite Zollbarriere und verstärkt die Sogwirkung des Investitionskapitals in die USA.

Die Eurozone, und damit die wirtschaftlich eng verflochtenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, geraten unter zunehmenden Druck. Geopolitisch abhängig von ihren Energielieferanten, verharrt sie gleichzeitig starr gegenüber dem Energie- und Rohstoffgiganten Russland. Europa balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Abhängigkeit und Eigeninteresse.

Europa ist stark, wenn es sich auf seine regionalen Kompetenzen stützt und den Wettbewerb im Binnenverhältnis stärkt. Nur so entstehen Geschäftsmodelle, Ingenieurskunst und Ideen, die es ermöglichen, der starken Konkurrenz aus China und den USA in Zukunft auf Augenhöhe zu begegnen und sich in eine bessere strategische Position im Verhältnis zur Konkurrenz zu manövrieren.

Ideologisch sind die patriotisch-konservativen Kräfte gefordert, den klimasozialistischen Irrsinn zu beenden, die Haushalte zu stabilisieren und der unsäglichen Politik der offenen Grenzen ein Ende zu setzen – die Zeit drängt zur Haushaltskonsolidierung und zum Rückbau des Staatsapparats, auch wenn man das in Brüssel und Berlin anders sieht.

Staatsrückbau und Konsolidierung klingen nach politischem Märchenvokabular: Europa sollte dennoch niemals abgeschrieben werden. Der Kontinent hat sich immer wieder nach schweren Krisen und selbstverschuldeten Zivilisationsrissen gehäutet und neu erfunden.

Kapital und kulturelle Grundlagen sind vorhanden. Vielleicht wird der amerikanische Kapitalstaubsauger dazu beitragen, den kulturellen Verfall Europas – finanziert durch den Schuldendrucker – an der Wand der Wahrheit des Anleihenmarkts abprallen zu lassen.

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Kommentare ( 5 )

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Guzzi_Cali_2
2 Stunden her

Staubsaugereffekt dürfte dem Staubsaugervertreter aus dem Sauerland doch sehr sympathisch sein.

wegmitdenaltparteien
2 Stunden her

Über was unterhalten wir uns hier? Deutschland ist abgehängt, aber sowas von …. Die Zukunft liegt in Massen verfügbarer und bezahlbarer Energie. Deutschland hat sein Energieversorgung sorgfältig und nachhaltig geschrottet. Dank der schwarzrotgrünen Idiotie der vergangenen 25 Jahre, hat es die „Politik“ im Auftrag verblödeter Wähler geschafft dieses Deutschland erfolgreich und irreversibel auf den Weg in die Steinzeit zu schicken. In 10 Jahren wird Deutschland das Armenhaus Europas sein. Failed States tun sich im allgemeinen schwer damit Kredit zu erhalten. Wenn Deutschland fällt, wird es keinen Ritter auf dem weißen Pferd geben. Allein, allein können die Deutschen dann singen.

Memphrite
3 Stunden her

Welche starke Konkurrenz aus den USA? Ich habe nur amerikanisches Produkt im Haushalt, eine Kitchenaid. OK Boeing noch aber sonst??

Skeptiker
3 Stunden her

Kartenhäuser geraten nicht „ins Wanken“, sie klappen kurz und sicher nicht schmerzlos zusammen. Wenn wir Glück haben, geht es danach wieder aufwärts, freilich von weit niedrigerem Level als zuvor. Das wäre aber vermutlich besser als ein Wanken mit anschließendem langsamem Zusammenbruch.

Haba Orwell
3 Stunden her

> In Kombination mit dem anhaltenden KI-Boom sprengt der massive Ausbau der Rechenzentren jeden Kapitalmarktrahmen.

Hin und wieder las ich in den letzten Wochen vom Platzen der KI-Blase. Ob mitten im Weltkrieg gerade KI die höchste Ausgaben-Priorität bleiben kann? Für einige Zeit vermutlich nicht.