Big Tech plant Milliardeninvestitionen in die eigene Energieerzeugung. In Kombination mit dem anhaltenden KI-Boom sprengt der massive Ausbau der Rechenzentren jeden Kapitalmarktrahmen. Auch der europäische Anleihenmarkt rückt verstärkt in den Fokus von Unternehmen und Investoren. Für die hochverschuldeten Staaten der Europäischen Union ist das keine gute Nachricht.
picture alliance/dpa | Florian Wiegand
Die Kreditpumpe hätte sich ihren Platz als fiktives Flaggensymbol der Europäischen Union redlich verdient. Mit einem bislang faktisch unbegrenzten Zugriff auf den Anleihemarkt verwandelt die Politik auf magische Weise einen nie versiegenden Kreditstrom in politische Manöver und ideologisches Zauberwerk. Durch die Manipulation des Geldes werden Prozesse und Institutionen in die reale Welt verpflanzt, die es unter normalen Umständen nicht vermochten, die Fantasiewelten und Grenzen politischer Ideologie zu überschreiten.
Windräder in Wäldern, vollelektrische Lastenräder in einem Industrieland, das seine eigenen Wohlstandsmotor zugunsten einer artifiziellen grünen Förderwirtschaft zerschlägt und sich zu diesem Zweck in Billionen neuer Schulden stürzt – ein historisch beispielloses Degrowth-Schauspiel, das wohl nur deshalb nicht längst im offenen Aufruhr geendet ist, weil Hunderttausende, die ihre Arbeitsplätze verlieren, auf wundersame Weise im öffentlichen Dienst unterkommen oder vom Füllhorn des deutschen Sozialstaats aufgefangen, wenn nicht gar sediert werden.
Daher war auch die sogenannte Schuldenbremse von Beginn an ein politischer Papiertiger: Deutschland hat den Pfad politischer Ernsthaftigkeit schon lange hinter sich gelassen und ist auf die Seite der Schuldenzauberer gewechselt. Es ist zur treibenden Kraft in einem von Ideologie überwucherten Schuldensumpf geworden, der die Refinanzierungsprobleme der hochverschuldeten Eurostaaten Jahr für Jahr sichtbarer macht.
Allen voran im Schuldenwettlauf finden wir in diesem Jahr das magische Duo Deutschland-Frankreich. Haushaltszahlen werden verfälscht, Buchhaltungstricks wie das Sondervermögen zum Standard des Selbstbetrugs erhoben. Beide Länder gehen 2026 mit einer Neuverschuldung von jeweils etwa fünf Prozent ins Rennen.
Insgesamt liegt der Refinanzierungsbedarf der Eurostaaten bei 1,5 Billionen Euro. Das sind die Bruttoemissionen von Staatsanleihen, die notwendig sind, um alte Schulden in die Zukunft zu rollen und das neu hinzugekommene Defizit zu finanzieren.
Das bedeutet: Rund 100 Milliarden Euro zusätzlich müssen über den Anleihenmarkt in die öffentlichen Kassen gespült werden. Wird man den Rechtsrahmen anpassen, große Kapitalsammelstellen, Banken und Pensionskassen noch stärker in das Finanzierungsschema des Fiatkredits hineinzwängen? Wird die EZB erneut massiv als Käufer am Markt auftreten, um die steigenden Zinsen im Zuge der höheren Schuldenlast zu dämpfen?
Das wäre der Moment der Wahrheit, der Augenblick, in dem das Kartenhaus permanenter Verschuldung ins Wanken geriete. Die entscheidende Frage lautet daher: Welche Kräfte oder Entwicklungen könnten diesen Prozess beschleunigen? Reale Ressourcen zur Finanzierung von Investitionen in den Kapitalstock sind begrenzt. Der Staat tritt zur Finanzierung seiner sozialpolitischen, klimapolitischen und militärpolitischen Ambitionen als Wettbewerber am Kreditmarkt auf. Er verdrängt damit systematisch produktives Kapital und lockt knappe Ressourcen mit Renditeversprechen, Incentives und Subventionen in unproduktive Kanäle. So stirbt das Wachstum, der Wohlstand der Nation reduziert sich.
Reicht dies nicht aus, wird zusätzlicher Kredit mobilisiert – notfalls über die Anleihekäufe der Zentralbank. Gleichzeitig verschärft sich der Druck am Anleihemarkt: Investoren wenden sich zunehmend von langfristigen Staatspapieren ab, während in den Vereinigten Staaten das Wirtschaftswunder der künstlichen Intelligenz auch die Kapitalmärkte in Hochspannung versetzt.
Allein in diesem Jahr planen US-Techkonzerne Anleihenemissionen in Höhe von bis zu 360 Milliarden US-Dollar, um weitere Rechenzentren zu finanzieren und ihre Energiekapazitäten auszubauen.
Auch der europäische Markt gerät ins Visier von Microsoft, Google, Facebook und Co. Anleihen im Wert von 120 bis 170 Milliarden Euro sollen zusätzlich auf dem Euro-Markt platziert werden. Das bedeutet einen Zuwachs von über zehn Prozent zum Vorjahr. Die US-Wirtschaft aktiviert sämtliche Quellen, das Wachstum in der Heimat mit Kapital zu grundieren.
Eine harte Konkurrenz für die staatlichen Emittenten, denn die Privatwirtschaft lockt mit dynamischen Geschäftsprojekten und generell höherer Rendite.
Wie viel Kapital wird zusätzlich aus Europa in die Vereinigten Staaten abfließen? Wie groß ist der negative Effekt, den der amerikanische Kapitalstaubsauger in der EU auslöst, die ihre Kräfte zur Finanzierung der wachsenden Wohlfahrtsstaaten mobilisieren muss?
Klar ist: Die Zinsen werden graduell steigen. Das macht Refinanzierung und Schuldendienst in Europa teurer. Haushaltsspielräume schrumpfen weiter.
Und es wird offensichtlich, worüber niemand redet: Die massive Abwärtsbewegung des US-Dollars gegenüber dem Euro wird nun zur Falle. Jedes Investment aus europäischer Sicht in den Vereinigten Staaten mit einem perspektivisch wieder steigenden US-Dollar wird umso profitabler und renditeträchtiger. Der starke Euro wirkt wie eine zweite Zollbarriere und verstärkt die Sogwirkung des Investitionskapitals in die USA.
Die Eurozone, und damit die wirtschaftlich eng verflochtenen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, geraten unter zunehmenden Druck. Geopolitisch abhängig von ihren Energielieferanten, verharrt sie gleichzeitig starr gegenüber dem Energie- und Rohstoffgiganten Russland. Europa balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Abhängigkeit und Eigeninteresse.
Europa ist stark, wenn es sich auf seine regionalen Kompetenzen stützt und den Wettbewerb im Binnenverhältnis stärkt. Nur so entstehen Geschäftsmodelle, Ingenieurskunst und Ideen, die es ermöglichen, der starken Konkurrenz aus China und den USA in Zukunft auf Augenhöhe zu begegnen und sich in eine bessere strategische Position im Verhältnis zur Konkurrenz zu manövrieren.
Ideologisch sind die patriotisch-konservativen Kräfte gefordert, den klimasozialistischen Irrsinn zu beenden, die Haushalte zu stabilisieren und der unsäglichen Politik der offenen Grenzen ein Ende zu setzen – die Zeit drängt zur Haushaltskonsolidierung und zum Rückbau des Staatsapparats, auch wenn man das in Brüssel und Berlin anders sieht.
Staatsrückbau und Konsolidierung klingen nach politischem Märchenvokabular: Europa sollte dennoch niemals abgeschrieben werden. Der Kontinent hat sich immer wieder nach schweren Krisen und selbstverschuldeten Zivilisationsrissen gehäutet und neu erfunden.
Kapital und kulturelle Grundlagen sind vorhanden. Vielleicht wird der amerikanische Kapitalstaubsauger dazu beitragen, den kulturellen Verfall Europas – finanziert durch den Schuldendrucker – an der Wand der Wahrheit des Anleihenmarkts abprallen zu lassen.



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Herr Kolbe, die herrschenden Altparteien und ihre zerstörerischen Protagonisten tun nichts, um den wirtschaftlichen Verfall zu stoppen. Ganz im Gegenteil: weiter werden der Klimaschwachsinn gefördert, neue Dauergäste ins Weltsozialamt geholt und strangulierende Bürokratie aufgebaut. Die Druckerpresse läuft auf Hochtouren und die Wähler wählen wie immer. Ich kann beim besten Willen keine Zeichen erkennen, die auf eine hiesige und europäische Selbstbesinnung hinweisen.
Und das ist der Grund, warum „wir“ dringend einen Krieg brauchen. Wenn „wir“ gewinnen zahlt der Gegner und in jedem Fall können „wir“ dann dem Gegner alles in die Schuhe schieben.
wieso kein Wort zu dem 90 Milliarden € „Kredit“ für die Ukraine? Die EU macht 90 Milliarden € Gemeinschaftsschulden, vergibt diese dann als Kredit an die Ukraine und die Ukraine braucht nur dann zurück zu zahlen, wenn Russland Entschädigungszahlungen leisten sollte. Also nie.
Staatsanleihen kaufen bei europäischen Pleitiers grenzt doch bei der Ertragslage an finanziellen Selbstmord, es sei denn man weiß schon mehr, indem man heimlich schon das Vermögen der Bürger verpfändet hat und die wissen noch garnichts von ihrem Glück und werden dann plötzlich überrascht, wenn man von ihnen den Beitrag fürs Vaterland fordert, der in der Belastung allen Vermögens liegen kann und da können sie sehr ideenreich sein, was ansonsten fehlt, denn sonst wären wir nicht in dieser desolaten Lage.
Herr Orwell bemerkte nicht ganz zu Unrecht die Risiken im KI-Boom. Herr Kolbe könnte ja auch darüber mal einen Artikel schreiben. Denn der Aktienmarkt ist bei diesem Thema tatsächlich gespalten. Man darf festhalten, KI ist noch extrem blöd. Jeder Editierungsanlauf (nennt sich übrigens „Training“), zB um die Deutsche Sprache zu verbessern, kostet den Jahres-Energiebedarf von 3k – 4k Haushalten. Man fragt sich eben, wie das Geschäftsmodell aussehen soll, mit dem diese enormen Kosten dieser Investitionen wieder reingeholt werden sollen? Bei den Großmaul-Ansagen Herrn Suleymans (CEO von Microsoft AI), daß recht kurzfristig viele Bürojobs von der KI ersetzt werden (könnten), stellt… Mehr
Zunächst mal sollte man ein paar grundsätzliche Fragen stellen: – gerade das US Großkapital, wo kommt das eigentlich her? Oftmals doch nicht aus Profit abwerfenden echten wirtschaftlichen Aktivitäten, sondern aus irgendwelchen Casino Wetten (was steigt, was fällt?). Wir wissen ja jetzt aus erster Hand, die Super-Reichen verdienen ihr Geld durch (vermutlich nacktes, massiv gehebeltes) Shorten von Markteinbrüchen, die sie sicher selber triggern können mit ihrer Marktmacht und innerhalb ihrer Clique ankündigen. – warum müssen sich souveräne Staaten Geld am Finanzmarkt leihen? Sie haben das Privileg Geld zu erzeugen! Und die angebliche Vermeidung monetärer übel durch Marktmechanismen ist doch ein Witz,… Mehr
Das begreifen die Kommunisten nie. Man kann nicht auf Grenzwerten herumreiten, wenn man vorankommen will. So bildhaft wurde das selten gezeigt. Die ganzen Analphabeten in Deutschland begreifen seit 20 Jahren nicht, dass es weder ein reiches Land ist noch Reichtum erzeugt wird. Alle Gewinne wurden außerhalb der BRD geschöpft. Dort wo gearbeitet wird.
Die Urlaubstage über das amerikanische Maß hinaus werden in Kürze Geschichte sein. Die Mafiosis der Kartell- Gewerkschaften werden verrecken, weil sie nicht arbeiten können. Sie haben es sich redlich verdient.
Der KI Boom wird an Europa, insbesondere Deutschland koplett vorbeigehen, da von der Politik niemand verstanden hat, das Rechenzentren gigantische Mengen billigen Strom brauchen. Das wird mit erneuerbaren Energie nie machbar sein.
Sie werden also nach oben skalieren und die neue Technik, Analog – nicht Digital – Lichtrechner – die wird gerade entwickelt.
Staubsaugereffekt dürfte dem Staubsaugervertreter aus dem Sauerland doch sehr sympathisch sein.