Im Eilverfahren erhöhte die Europäische Kommission im Februar die Zölle auf Keramik- und Porzellanprodukte aus China. Zudem stehen weitere Zollschritte im Raum, die die europäische Binnenwirtschaft vor der chinesischen Exportmaschine schützen sollen. Drohen der EU-Wirtschaft ein Handelskrieg mit Peking sowie der Importstopp bei Seltenen Erden?
picture alliance / Zoonar | Oliver Boehmer
Die Spannungen in der internationalen Handelspolitik verdichten sich derzeit auf unterschiedlichen Ebenen. Nachdem der amerikanische Supreme Court das seit April des vergangenen Jahres geltende Zollregime der Regierung von US-Präsident Donald Trump zunächst für unrechtmäßig erklärte, hat es den Anschein, als habe die Regierung neue Wege evaluiert, um ihre Zollpolitik dennoch verstetigen zu können.
Die Zeichen in der internationalen Handelspolitik stehen also weiter auf Sturm. Und es ist nicht zuletzt die hochskalierte chinesische Exportmaschine, die zunehmend ins Visier des amerikanischen Protektionismus und europäischer Abwehrstrategien geraten ist.
Peking nutzt seinen gewaltigen Exportmotor zur Abfederung deflationärer Tendenzen in der Binnenökonomie – die Folge staatlicher Kapitalfehlsteuerung und der schrumpfenden Bevölkerung. Mit Exportsubventionen und Beihilfeinstrumenten zur Stützung der Ausfuhren versucht die politische Führung, sowohl den Arbeitsmarkt zu stabilisieren als auch die Industrieproduktion anzukurbeln.
Dies geschieht jedoch auf Kosten von Handelsmargen und Produktionskapazitäten anderer Staaten, die im verschärften Wettbewerb mit China zunehmend ins Hintertreffen geraten.
Dass der nach wie vor kaufkraftstarke Binnenmarkt der Europäischen Union Begehrlichkeiten wecken würde, verwundert angesichts der harten Linie der Amerikaner nicht. Europa droht, zu einer Art Entladestation für chinesische Produkte zu werden. Die Konsequenzen spiegeln sich deutlich in der Handelsbilanz wider, die aus Sicht der EU-Wirtschaft im vergangenen Jahr ein Defizit von 305 Milliarden Euro auswies.
Geschwächt durch die eigene Energiepolitik und den Regulierungsrahmen der grünen Transformation stehen europäische Hersteller in fast allen Industrie- und Konsumgütersektoren in der internationalen Wettbewerbsarena mit dem Rücken zur Wand. Die fortschreitende Deindustrialisierung hat entscheidend dazu beigetragen, dass viele europäische Geschäftsmodelle im globalen Wettbewerb zunehmend den Anschluss verlieren.
Deutschland wirkt dabei wie ein Laborexperiment: Im Handel mit der chinesischen Wirtschaft ist das Land inzwischen zum Kapitalimporteur geworden. Der einstige Know-how-Vorsprung deutscher Ingenieurskunst gilt nicht länger als uneinholbar – er ist, so scheint es, Geschichte. Die europäische Politik scheint entschlossen, nun ihrerseits den Weg des Protektionismus zu beschreiten.
Am 7. Februar 2026 entschied die Europäische Kommission mit ihrer Verordnung 2026/274, mit Antidumpingzöllen auf die chinesische Exportoffensive zu reagieren.
Die erste Produktgruppe im Fokus: Keramik- und Porzellanimporte. Rund 60 Prozent der Sortimente im europäischen E-Commerce sowie im stationären Handel stammen aus chinesischer Fertigung. Die Zölle innerhalb der betroffenen Produktgruppe wurden von zuvor 18 bis 36 Prozent auf konsolidiert 79 Prozent angehoben. Die betroffene Produktgruppe umfasst unter anderem Geschirr sowie Küchenartikel aus Keramik, Porzellan und Steinzeug mit Ursprung in China. Darunter fallen auch Güter wie Gewürzmühlen, Kaffeemühlen oder Pizzasteine. Die neue Zollregelung gilt zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren.
Die Kommission handelte dabei ohne Einbindung der nationalen Parlamente – also in einer Weise, die jener Vorgehensart ähnelt, die man stets US-Präsident Donald Trump insbesondere in der Handelspolitik als unlauter und unfair vorgeworfen hatte. Ausgerechnet dort, wo Brüssel regelmäßig Transparenz, Multilateralismus und regelbasierte Verfahren einfordert, greift es nun selbst zum exekutiven Durchgriff. Die Kritik an Trumps Alleingängen wirkt vor diesem Hintergrund maximal heuchlerisch.
Das Exekutivhandeln der Kommission folgt einer durchaus dehnbaren inhaltlichen Auslegung. Sollte die Europäische Kommission Dumpingpraktiken von Handelspartnern identifizieren – wie in diesem Fall geschehen –, kann sie als Exekutivorgan entsprechende Zölle erheben. Weder der Rat der Europäischen Union noch das EU-Parlament oder nationale Regierungen werden in diesen Entscheidungsprozess eingebunden – ein Ausweis wachsender Machtkonzentration der Brüsseler Behörde.
Die Folgen dieses Zollschritts – dem aller Wahrscheinlichkeit nach weitere Produktgruppen hinzugefügt werden – treffen indes nicht nur chinesische Exporteure, sondern auch europäische Händler. Diese melden Liquiditätsengpässe, wachsende Insolvenzrisiken und erhebliche Probleme bei der Kompensation bereits vorfinanzierter Geschäfte. Die Interessen der europäischen Verbraucher spielen bei der Disposition Brüssels offenkundig keine Rolle mehr.
Sollten weitere Kategorien wie etwa E-Bikes oder der Import von Autozubehör und Reifen, wie derzeit kolportiert wird, einbezogen werden, dürfte dies spürbare Auswirkungen auf die Verbraucherpreise in der Europäischen Union haben. Hinzu kommt, dass der Zoll rückwirkend auch für laufende Lieferungen gilt – ein Umstand, der die finanzielle Belastung europäischer Händler zusätzlich verschärft.
Die drastische Reaktion Brüssels deutet darauf hin, dass sich Teile der europäischen Industrie unter massivem chinesischen Importdruck befinden – und dass die handelspolitische Eskalation inzwischen eine neue Qualität erreicht hat.
Bislang hat die chinesische Staatsführung auf den Zollschritt aus Brüssel nicht reagiert. Möglicherweise wird Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Reise nach China vom 24. bis zum 26. Februar, bei der er auch mit Staatspräsident Xi Jinping zusammentreffen soll, handelspolitische Aspekte in den Vordergrund rücken.
Wir erinnern uns: Bereits im vergangenen Jahr wäre der Streit um den strategisch bedeutsamen Export Seltener Erden, den China als marktdominanter Akteur kontrolliert, beinahe zweimal eskaliert. Peking scheut sich keineswegs, seine eigenen geostrategischen Waffen in der Handelspolitik scharf zu stellen und die eigenen Interessen mit harter Hand zu verteidigen.
Grundsätzlich hat ein Umdenken stattgefunden. Bei der handelspolitischen Strategie gegenüber China wird zunächst einmal die Zollmauer erhöht – mögliche Konter der Regierung in Peking werden ausgeblendet. Ab dem 1. Juli 2026 gilt für Importwaren im Bereich des E-Commerce-Imports aus Drittstaaten mit einem Warenwert von unter 150 Euro eine Pauschalabgabe von drei Euro pro Paket. Damit soll nicht nur die Fakturierung chinesischer Unternehmen über Drittstaaten erschwert, sondern auch gezielt Druck auf jenen Handel ausgeübt werden, der vor allem über die Plattformen Temu und Shein organisiert wird.
Die EU versucht damit nach eigener Aussage, unfairen Wettbewerb zu begrenzen und den Binnenmarkt zu stabilisieren. Selbstverständlich muss man eine Bewertung dieser Einschätzung in diesem Fall cum grano salis vornehmen. Gerade die Europäer gelten als ungekrönte Könige des versteckten Handelsprotektionismus. Ihre Kataloge sehen vor allem im Bereich der Klimaregulierung zahlreiche nichttarifäre Maßnahmen vor, die tief greifende protektionistische Wirkung entfalten können.
Der Welthandel bewegt sich zunehmend in geopolitischen Machtsphären. Die Europäer wären gut beraten, sich dem Regelwerk der Amerikaner anzuschließen und die Einbindung in die westliche Hemisphäre zu fördern. Doch offensichtlich hat man in Brüssel beschlossen, sich gleichzeitig in maximale Konfrontation mit den beiden großen Handelsblöcken zu begeben.

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Um Gottes Willen -„Porzellan-und Steinzeugprodukte wie etwa Pizzasteine….“-da wird China endgültig der Boden unter den Füßen weggezogen.
Aber das IKEA-Sortiment wird´s treffen.
Seltene Erden? Braucht man hier doch gar nicht. Welche Technologien will man damit hier bauen? Mit welcher Industrie?
Und da wo man sie selber haben könnte siehe ukraine will man diese den russen und oder amis überlassen.
Deutschland wirkt dabei wie ein Laborexperiment….wundert mich jetzt nicht wirklich denn unsere „elite“ aus der wirtschaft, finanzwelt, politik und gesellschaft sind so was von schlecht aber so was von. Ausnahmen wie immer ausgenommen.
„… die hochskalierte chinesische Exportmaschine, die zunehmend ins Visier des amerikanischen Protektionismus … geraten ist.“ Bei einem mittlerweile 50 Jahre andauernden Handelsbilanzdefizit der USA kann man angesichts der US-Zölle wahrlich nicht von Protektionismus sprechen. Es ist ein Schutz vor insbesondere Waren zu Dumpingpreisen aus China und die Korrektur einer jahrzehntelangen falschen Wirtschaftspolitik in den USA. Ein länger andauerndes Handelsbilanzdefizit bedeutet immer die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland bzw. dorthin, wo der Handelsbilanzüberschuss ist. Dies trifft immer die eher einfachen Arbeitsplätze zuerst, d.h. es trifft immerdie ohnehin sozial Schwachen zuerst. Man sehe sich mal die Argumentation von J.M. Keynes an, als… Mehr
Die Herstellung von Keramik, Porzellan und Steinzeug ist extrem energieintensiv und deswegen in Europa auf lange Sicht sowieso vorbei. Es geht der EU also überhaupt nicht darum, die europäischen Hersteller zu schützen, es geht der Brüsseler Bande einzig und allein darum, sich unberechtigt die Taschen mit dem Geld europäischer Bürger vollzustopfen. Denn die erhobenen EU-Zölle gehen zum Großteil an die EU. Was die chinesischen Exportsteigerungen durch künstliches Drücken des Renmibi angeht: Deutschland macht das seit Einführung des Euro doch genauso, diese Schwabbelwährung ist gegenüber der DM doch völlig unterbewertet. Wobei sich (damalige) deutsche Qualitätsprodukte auch mit der DM gut verkauft… Mehr
Der Handelskrieg läuft schon lange, seit ca. 25 Jahren, und zwar von China aus, die seit ihrem Beitritt zur WTO sich mit einer deutlich unterbewerteten Währung (die Schätzungen gehen von 15 bis 40%) Handelsvorteile ergaunern. Alleine mit der staatlich überwachten Unterbewertung ihrer Währung sind die Chinesen in der Lage, die ausländischen Märkte mit Waren zu Dumpingpreisen zu überschwemmen. Dazu kommen dann noch andere merkantilistische Maßnahmen der chinesischen Kommunisten.
In dem Artikel wird deutlichgesagt, dass das Volumen solcher Produkte 60% des in der EU angebotenen Sortiments ausmacht. In vielen Fällen wird es sich also um Produkte handeln, die in der EU gar nicht mehr hergestellt werden. Zwei mögliche Beispiele: Ich möchte mir eine schöne Teekanne aus Steingut kaufen. Früher wurden solche Kannen zB von dem britischen Unternehmen Denby produziert, die jedoch die Produktion eingestellt haben. Gibt es noch europäische Hersteller? Ich denke nein. Also bleibt nur ein Produkt aus China und dieses ist durch den Zoll dann 80% teurer als bisher. Das gilt dann auch für alles andere wie… Mehr
Villeroy & Boch Rosenthal Meißen…..es geht darum diese zu schützen! Im grunde muss die masse der käufer jetzt mehr zahlen um Villeroy & Boch Rosenthal Meißen zu schützen. Das werden wir auch so noch bei anderen dingen erleben.
„Droht ein Handelskrieg mit Peking?“ Das wäre den USA sicher ganz angenehm. Warum folgt die EU und auch Deutschland nicht mal den ganz eigenen Interessen, warum geben die immer nur den Vasall und schädigen sich damit selber?
Warum folgt die EU und auch Deutschland nicht mal den ganz eigenen Interessen….unsere ganze elite versagt total. Da steht nur ein interesse im vordergrund sprich wie kann ICH reicher werden egal wie. Rückblickend haben deutsche unternehmen ihre geschäftsmodel auf hohe subventionen aufgebaut. Kaum risiko des eigenen kapitals bzw man kann dieses wo anders anlegen (meistens im ausland) und garantiert gewinne da der staat (der bürger, steuerzahler) ja zahlt. Und wenn das ganze in die hose geht und folgekosten verursacht JA dann zahlt der staat.
Merz wollte das doch vermeiden, als er soeben in China war und seine Kumpane in Brüssel haben ihm nun ein Bein gestellt, denn die Chinesen haben die Eigenheit, daß sie alles was gegen sie gerichtet ist, als Affront betrachten und das ist das Gegenteil dessen, was sich Merz wünscht, eine Verbesserung der Beziehungen, die damit torpediert werden. Das ist die heilige Einigkeit im gesamten Westen und wird sie damit nicht weiterbringen, denn wer in Asien Geschäfte machen will, muß sich dort so einbringen, daß es nicht anecken kann, denn sonst hat man schlechte Karten und darin sind wir Meister, weil… Mehr