Auf dem Zukunftstag des Mittelstandsverbands BVMW in Berlin legen Funktionäre und Regierungsvertreter demonstrativ ihren Streit bei. Mit der allgemein schlechten Verfassung der Welt ist ein gemeinsamer Feind schnell identifiziert. Ideologische Infantilisierung und Harmoniesucht ergeben eine toxische Mischung.
IMAGO / Mike Schmidt
Gelobt ist das Land, das auf einen starken Mittelstand zählen kann. Eine robuste und unabhängige Unternehmerschaft, grundiert mit einer dynamischen Kultur der Selbstständigkeit und Risikofreude, wirkt belebend und gesellschaftlich stabilisierend zugleich. Bekannte Mittelständler wie Wolfgang Grupps Trigema oder die von der Familie Miele im Jahr 1889 gegründete gleichnamige Firma stehen Pate für den Aufstiegsgeist, der nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs das Land stabilisierte und regelrecht in die Champions League der globalen Ökonomie katapultierte.
Namen wie Vaillant oder Teekanne zählen ebenso dazu wie die unzähligen Helden des Unternehmeralltags: Freiberufler, Selbstständige, Hidden Champions, die gemeinsam den hochkomplexen Maschinenraum unserer Gesellschaft bilden. Politische Unabhängigkeit und das eherne Bekenntnis zur Marktwirtschaft machten den Mittelstand zum politischen Korrektiv, das intervenierte, wenn man es in Bonn und später in Berlin zu weit trieb mit Ideologie und Regulierungswahn.
Das Schweigen der Wirtschaft angesichts des Zerstörungswerks, das unter dem Label ‚Green Deal‘ firmiert, ist allerdings verräterisch – es sind beileibe nicht zu wenige! Und der Mittelstand? Der suchte nach dem Streit zum Jahreswechsel den Schulterschluss mit SPD-Arbeitsministerin Bärbel Bas.
Kurze Rückblende:
Ende November 2025 erfuhr die SPD-Arbeitsministerin anlässlich des Deutschen Arbeitgebertags eine kalte Dusche. Das Unternehmerpublikum reagierte mit einer Übersprungshandlung auf die hervorblitzende Inkompetenz der Ministerin und brach in Gelächter aus. Der Auslöser: Bas‘ Behauptung, die geplante Steuerfinanzierung des Rentenpakets belastet die Beitragszahler nicht, was offenkundiger Unsinn ist.
Daraufhin eskalierte der Streit zwischen Mitgliedern der Bundesregierung und den Unternehmerverbänden. Der Chef des Mittelstandsverbands BVMW, Christoph Ahlhaus, forderte von Friedrich Merz in einem Brandbrief das, was Verbände stets fordern, wenn man zwar unzufrieden mit der gegenwärtigen Lage ist, aber den Hauptverantwortlichen der großen Subventionsmaschine nicht vergrätzen will: Reformen und Bürokratieabbau.
Im Mittelstand herrsche blankes Entsetzen, klagte Ahlhaus noch Ende Februar. Für die Industrie werde viel getan, für den Mittelstand zu wenig, so der Befund. Angesichts des generell dröhnenden Schweigens in der deutschen Wirtschaft muss man Ahlhaus‘ Intervention wohl als Aufforderung deuten, die Subventionsmaschine neu zu justieren und hochtouriger laufen zu lassen. Vom Ende der ökosozialistischen Dauersubvention kann hier beileibe nicht die Rede sein.
Doch selbstverständlich geschieht: nichts. Harmonie steht höher im Kurs als der mühsame Häuserkrieg um eine politische Wende: Kritik, Krisen und Zerfall werden nicht debattiert. Sie werden in Konsenssauce ertränkt und in Scheingefechten buchstäblich zerfasert. Dabei ist die Realität im Land brutal genug. Doch auf eine politische Wende werden die zahlreichen Mittelständler vergeblich warten, die sich nicht an den Subventionströgen des verfetteten Staates mästen. Eine Rückkehr zur Marktwirtschaft und einen Rückbau des klimasozialistischen Versorgungsapparats? Das fordern in der Ökorepublik nur die Allerwenigsten.
Auch Ahlhaus zählt nicht dazu. Der schloss auf dem BVMW-Zukunftstag in Berlin Frieden mit Bärbel Bas. Die SPD-Politikerin hatte zuletzt – gemeinsam mit den Jusos und ihrem Finanzminister Lars Klingbeil – immer wieder Ressentiments gegen Unternehmer geschürt, um vom Versagen der Politik abzulenken und jeden Verdacht geistig-ideologischer Lähmung der Herrschaftsdoktrin zu ersticken.
Prominente Politiker ziehen bekanntlich immer. Und ein bisschen Reibung hält den übergroßen Saal bei Laune. Dann folgte die erwartbare Enttäuschung: Ahlhaus wäre der Bahnbrecher gewesen, hätte er im Vorfeld des Kongresses das Ende der Transformationspolitik gefordert und die Rückkehr zur Sozialen Marktwirtschaft in den Raum gestellt. Stattdessen wiederholt der Verband seine Forderung, den Industriestrompreis – also die nächste große Subvention, finanziert aus dem milliardenschweren Klimatransformationsfonds – auf den Mittelstand auszudehnen.
Das ist Bittstellerpolitik und keine souveräne Linie
Man hätte über so vieles reden können: den Kernkraftvandalismus, an dem sich bis auf die AfD alle Parteien beteiligt haben, die Zerstörung durch den Green Deal, die verheerende Energiepolitik im Großen und Ganzen und die Politik der offenen Grenzen. Am Ende versandet die Kritik des BVMW in der unendlichen Reihe der immer gleichen Forderungen nach Bürokratieabbau und der Ausweitung von Subventionen auf den Mittelstand. An den Mechanismus jedoch, der die Betriebe im Alltag belastet, Energie künstlich verteuert und das Land in eine Industriewüste verwandelt, wagt sich niemand heran.
Auch Ahlhaus hat nicht verstanden, dass es bereits fünf nach zwölf ist und er auf einen Versorgerstaat setzt, der beim leisesten Windhauch unter seiner Schuldenlast und der ökonomischen Schwäche kollabieren wird. Sich mit der Klassenkämpferin Bas vor über 8.000 Unternehmern zu versöhnen und die Weltlage zum gemeinsamen Feind zu erklären, mag politisch korrekt sein. Gesellschaftspolitisch jedoch ist es verheerend, wenn sich die Repräsentanten der Wirtschaft in die kommunikativen Fallen der Politiker locken lassen.
Mit seiner Pazifizierungsstrategie stärkt der BVMW-Funktionär ganz gezielt den politischen Machtapparat und signalisiert: Bemüht euch gar nicht erst, Kritik versandet in Berlin sowieso und im Zweifelsfalle wird euch niemand den Rücken stärken. Man fühlt sich an den panikartigen Rückzieher der Vorsitzenden der Familienunternehmer vor wenigen Monaten erinnert. Marie-Christine Ostermann hatte lediglich die Aufnahme informeller Kontakte zu AfD-Bundestagsabgeordneten in den Raum gestellt, erntete den erwartbaren Shitstorm und zog sich verschreckt wieder in die Phalanx der großen Verschwiegenheit zurück. Es bereitet beinahe körperliche Schmerzen, dem uninspirierten Pingpongspiel zwischen Medien, Politik und Wirtschaftsvertretern zu folgen.
Dabei böte die gegenwärtige Energiekrise einen gesichtswahrenden Ausweg aus der selbst herbeigeführten Notlage: Friedensschluss mit Russland, die Aufnahme von Energieimporten, die Einordnung in das neue amerikanische Handelssystem, Akzeptanz der Marktwirtschaft als Ordnungsrahmen und eine gemeinsame europäische Kontrolle der Außengrenzen. An Themen und kreativen Vorschlägen herrscht wahrlich kein Mangel.
Dass auf den Wirtschaftsempfängen am Ende nichts anderes hängen bleibt als das noch immer üppige Buffet und ein wenig politischer Klamauk, ist beängstigend.






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Ist doch ganz einfach, man hat erkannt das Hopfen und Malz verloren ist, also biedert man sich an um möglichst viel Subventionen abzugreifen zur Aufstockung des Kapitals und wenn die Pleite da ist, wird Plan B rausgeholt, dann geht’s nach Osteuropa oder gleich nach Asien. Schon oft genug passiert.
Verbandsfunktionäre …, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen: Die Alten sehen den Wald sicher noch. Aber: Bei uns sitzt inzwischen der Staat mit seinen Propagandamaschinen, Bildungssystem, ÖRR und unserMedien am längeren Hebel. Und auch das BVerfGE bietet keinen echten Schutz mehr. Anstatt die Freiheit des Einzelnen – auch in seiner Rolle als Unternehmer – zu betonen, hat es Haftung und Verantwortung immer zum angeblich (finanziell) Stärkeren verschoben. Weg vom „Schwachen“. Jetzt ist der Kippunkt da. Auswandern, aufhören zu arbeiten oder mitmachen.
„Zukunftstag des Mittelstandsverbands BVMW“: Lächerlich „Zukunft“, unglaublich dieses Anbiedern … Kaum veregehen 24 Stunden, schon kommt der Nächste um die Ecke: Deshalb nochmals zum gestrigen TE-Artikel „Handwerkspräsident Jörg Dittrich wg. 1.000 Euro-Zahlungen“ – auch wenn es einigen TE-Lesern nicht gepaßt hat, also: „Typischer Anti-AfD-Hetzer aus der woken und saturierten BRD-Unternehmerschaft: Erst wenn es an’s Zahlen aus der eigenen Tasche geht, dann paßen plötzlich die Wünsche bzw. Forderungen der UnsereDemokratie-Parteien nicht mehr. Der schlaue Mann hat hat nicht verstanden, daß nun sein pauschaler ‚Beitrags-Obulus‘ – die Partei-Mitglieder zahlen ja auch ihre Monatsbeiträge – für die UnsereDemokratie-Parteien, eben auch für scheinbar ‚Parteilose‘… Mehr
Vielleicht ist es auch nur Pragmatismus? Warum schimpfen, wenn sich ohnehin nichts ändert? Lieber warme Worte machen, die Hand aufhalten und – wenn möglich – ins Ausland abwandern. Mit der gegenwärtigen Regierung ist kein Staat zu machen. Alle konstruktive Kritik prallt ab, also lässt man es bleiben.
Die Deutschen, in der Mehrheit sind ängstlich, feige und schwach. Das ist unbeschreiblich erbärmlich❗
Wie kann man von Unternehmen, denen es in „Selbstverantwortung“ um den eigenen Betriebsgewinn geht, verdenken, wenn sie durch Subventionen zu Gewinnen kommen? Das ist immer noch der leichteste Weg. Wenn Unternehmen nicht nur an sich, sondern ans Funktionieren der ganzen Volkswirtschaft denken würden und sich dafür in Verantwortung sähen, wäre die Sache ganz anders. Aber sie sind nun mal keine Politiker, deren Aufgabe dies ist. Welche Zähne, sprich Druckpotential das einzelne Mittelstandsunternehmen haben könnte, wo jeder für sich kämpft, muss auch erst noch aufgezeigt werden. Schreiben ist ja so einfach. Das Ziel ist auch klar. Aber der Weg dahin, der… Mehr
Die Früheren Verbandsvorsitzenden kannte man noch. Die aktuellen kennt niemand und man kann sich die Mühe sparen, deren Namen zu merken. Die sind m.E. vollkommen bedeutungslos.
Salvini sagt offen, was hiesige Honoratioren nicht wagen: https://tkp.at/2026/04/19/salvini-fordert-rueckkehr-zu-russischen-energieimporten-und-aufhebung-der-eu-sanktionen/
> „… Matteeo Salvini, italienischer Vizepremier und Lega-Chef, forderte bei der „Patriots for Europe“-Kundgebung auf der Piazza Duomo unmissverständlich die Rückkehr zu russischen Öl- und Gasimporten – und die sofortige Aufhebung der Brüsseler Sanktionen. …“
Die Wirtschaftsverbände sind wertlose Mitläufer der transatlantischen Perversen.
Die Alternativen sind da, aber es will sie keiner haben.
Die wollen alle lieber von den Irren in den USA und Israel vernichtet werden,
statt mit russischer Energie zu überleben.
Ahlhaus und seine „Mitstreiter“ sind auch nur Maulfechter und Subventionsritter, die sich auf dem Schoß von Bas et. al. bequem gemacht haben. Zu echter Kritik sind diese Funktionäre nicht mehr fähig, da sie sich, wie die meisten Verbandsfunktionäre, durch Staatsgelder haben kaufen lassen. Mir aber egal. Meine Zeit im Erwerbsleben ist fast herum. Sollen sie nur machen, die Glücksritter der Wirtschaft…