EY-Studie: Investoren machen Bogen um Deutschland

Während Friedrich Merz unbeirrt seine Wirtschaftsagenda verbreitet, die auf Zukunftsoptimismus und unternehmerische Initiativen setzt, reißt die Erfolgswelle der Degrowth-Ideologen nicht ab. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass internationale Investoren und Unternehmen einen Bogen um Deutschland machen. Im Land der Klimakämpfer scheint das nur wenige zu interessieren.

picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Friedrich Merz befindet sich noch immer auf seiner Frühlingswerbetour. Landauf, landab, mal vor Vertretern der Wirtschaft, mal vor entgeisterten Gewerkschaftern, trägt der Bundeskanzler seine flüchtig zusammengeschriebene Agenda vor. Die Ernte für seine abstruse Lagebetrachtung der Bundesrepublik verwundert keineswegs: Je nach Gemütslage des Publikums, folgen auf den Auftritt Pfiffe, Buh‑Rufe oder ab und zu auch höhnisches Gelächter.

Beim Deutschen Industrie‑ und Handelskammertag vor wenigen Tagen trug er seine inzwischen allseits bekannte Rede, einen Parcoursritt über die wirtschaftlich relevanten Themen der Zeit hinweg, vor. Müßig zu erwähnen: Merz muss man spiegelverkehrt lesen, will man seinen Worten einen Sinn abgewinnen, der diese mit der Realität verknüpft. Der Kanzler fabulierte in seiner Rede dann auch darüber, dass er die 500 Milliarden Euro des Sondervermögens, dieses besonders perfiden Schuldentricks, dem Umbau der Wirtschaft in eine klimaneutrale Sonderzone widme.

Investitionsoffensive sieht anders aus
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Nur zur Erinnerung: Das Ifo‑Institut berechnete vor Kurzem, dass 95 Prozent dieses faulen Kredits in den löchrigen Haushalten und Sozialetats des Staates versickerten. Merz’ Redenschreiber sollte diese Tatsache allerdings weiterhin konsequent ignorieren und stattdessen so wundervolle Bonmots wirken lassen wie dieses: Deutschland werde im Wesentlichen von unternehmerischer Initiative getragen, lässt er den Kanzler sagen, der immer wieder auf seine spröde, uninspirierende Weise von seinem Publikum Zukunftsoptimismus einfordert, während seine Regierungscrew eben jene Zukunft politisch vollständig verbaut.

Es hat einige Zeit in Anspruch genommen, aber nun steht der Wall, der auch den wohlwollendsten ausländischen Investor vom Standort Deutschland zurückschrecken lässt. Wie toxisch der deutsche Standort inzwischen ist, ermittelt die Beratungsgesellschaft EY, indem sie Jahr für Jahr die Zahl ausländischer Investitionsprojekte am Standort aufaddiert. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 548 ausländische Unternehmen – ein Einbruch um 51 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017, bevor es mit der Industrie in Deutschland richtig bergab ging.

Die EY‑Autoren zählen die bekannten Gründe der Misere auf: hohe Steuern, wettbewerbszerstörende Energiekosten und Überbürokratisierung. Dies alles sei ein Alarmsignal für den Standort Deutschland, der auch im Vergleich zu seinen Peers wie Frankreich und Großbritannien extrem schlecht dastehe. Im Vergleich zum Jahr 2024 sank die Zahl der ausländischen Projekte in der EU um 7 Prozent, während sie in Deutschland um 10 Prozent zurückging – scheinbar eine Marginalie, deren Auswirkungen sich über längere Zeiträume hinweg allerdings akkumulieren.

Getreide statt Gigafactory
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Dann sprechen wir über Milliardeninvestitionen, wie ein besonders krasses Beispiel aus dem vergangenen Jahr zeigt. Da zog der amerikanische Konzern Intel ein gigantisches Chip‑Projekt vom Standort Magdeburg zurück. Selbst zugesagte Subventionen in Höhe von 10 Milliarden Euro konnten die Amerikaner nicht von einem Engagement am Standort Deutschland überzeugen.

Wie gesagt: Deutschland ist toxisch, für Investoren zu unsicher. Seine Politik: Wirrer ideologischer Humbug, mit dem die Bundesregierung das Schreckenswerk der beiden Vorgänger Olaf Scholz und Angela Merkel am Leben hält. Immerhin: Es ist beruhigend zu sehen, dass die EY‑Autoren darauf verzichten, der Bundesregierung die carte blanche auszustellen und die Misere bei den Investitionen einzig und allein auf die Irankrise zurückzuführen. Seit acht Jahren, so die Autoren, schrumpft die Zahl ausländischer Investitionen am Standort nun ohne Unterbrechung. Deutschland ist wieder auf dem Stand von 2009 angekommen. Das war der Beginn der großen Schuldenkrise vor anderthalb Jahrzehnten.

Das Katastrophenduo Merz und Klingbeil feuert derweil ununterbrochen mit der Schuldenbazooka in die Landschaft, in der Hoffnung auf ein neues Wirtschaftswunder. Doch leeren sich die Kanäle ihrer grünen Kunstökonomie und des Militärsektors, der eher einem schwarzen Loch als einer echten Industrie gleicht, immer zügiger. Nicht einmal einen nominalen Effekt, so etwas wie ein Strohfeuer von Scheinwachstum, hat die Schuldenorgie unter dem Label des Sondervermögens bislang erzeugt. Eine halbe Million Menschen sind im ersten Quartal in diesem Jahr aus dem Arbeitsprozess ausgeschieden, lediglich der Staat schafft noch Scheinjobs – Zehntausende in jedem Quartal, die sich im Öffentlichen Dienst um den knappen Büroraum streiten werden, wenn das so weitergeht.

Kommentar
Kernschmelze der deutschen Wirtschaft
Dies alles lässt ahnen, wie weit die Erosion der wirtschaftlichen Produktivität bereits fortgeschritten ist. Im jahrzehntelangen Kampf gegen den halluzinierten, unsichtbaren Feind der CO₂‑Emissionen ging einfach zu viel Substanz verloren, um noch die Kraft zu besitzen, den politischen Unfug der Gegenwart betriebswirtschaftlich und makroökonomisch ausgleichen zu können.

Zentralisierung von Macht schafft Ineffizienzen. Und der System‑Switch von der Sozialen Marktwirtschaft zur Staatswirtschaft kommt mit einem Preis. Unter den Bedingungen des Jahres 2005 würde die Privatwirtschaft gegenwärtig drei Prozent des BIP, oder etwa 140 Milliarden Euro, an Nettoinvestitionen in die Modernisierung und den Ausbau des Kapitalstocks investieren. Diese fundamentale ökonomische Kennzahl rutschte im vergangenen Jahr erstmals in den negativen Bereich. Die deutsche Wirtschaft zieht also Investitionen ab und bestätigt den Befund der EY‑Studie: Deutschland ist der toxischste Standort der OECD‑Staaten. Und Friedrich Merz wirft alles in die Waagschale, dass sich an diesem Befund in den kommenden Jahren nichts ändern wird.

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Kommentare ( 14 )

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ceterum censeo
34 Minuten her

Mir wäre der Stand von 2009 durchaus recht: keine oder kaum Asylanten, eine einigermaßen gesicherte Energieversorgung, die Industrie noch wettbewerbsfähig, keine Kriegsgelüste, die Wirtschaft nach der Bankenkrise wieder nach oben zeigend, kein Green Deal…

Biskaborn
46 Minuten her

Den Ausführungen der Beratungsgesellschaft EY kann man sicher Glauben schenken! Nur stellt sich die Frage, warum man in den Systemmedien fast in Dauerschleife, nicht nur aus der Politik, sondern vorrangig von Vertretern der Wirtschaft, egal ob Handwerksmeister oder CEO eines Großunternehmens , die Warnung hört, wenn die AfD Regierungsverantwortung übernimmt, wird kein ausländisches Unternehmen hier mehr investieren! Komisch, das EY das nicht der Analyse vorangestellt hat!

Sohn
56 Minuten her

Hätte Merz derart desaströs bei BlackRock agiert, wäre er bereits nach einem halben Jahr achtkantig rausgeflogen. Wenn nicht schon vorher. Allerdings gelten in der Politik andere Spielregeln. Genau deshalb wurde das trojanische Pferd Friedrich Merz vermutlich als Kanzler installiert. Und jetzt werden wir ihn so schnell nicht mehr los. Sollte das der Plan gewesen sein – perfekter Plan!

Urbanus
58 Minuten her

Die Blockparteien Mantra lautet (seit 50 Jahren !) „Wir brauchen Fachkräfte“. Bei ca. 10 Mio. Arbeitslosen. Migration ist ganz perfide Art der Ausbeutung, der Migranten und Nicht-Migranten.

Peter Gramm
1 Stunde her

In Deutschland braucht man für alles eine Studie. Normales Nachdenken reicht nicht aus. Der ungebrmeste Bürokratiewildwuchs wie auch der überbordende Zustrom in künstlich geschaffene, nicht benötigte Arbeitsplätze dadurch schreckt doch jeden vernünftigen Investoren ab. Von den ganzen staatlich finanzierten, nicht benötigten NGO’s ganz abgesehen. Dies kostet enormes Geld welches die Abgabenbeglückten eben nicht mehr aufbringen können und/oder wollen. Wer finanziert denn gerne Sinnlosigkeiten. Hauptsache es gibt jetzt eine Studie.

roffmann
43 Minuten her
Antworten an  Peter Gramm

…..es kommen noch welche und investieren maximal die Hälfte der staatlichen Investitionshilfen , bei Zusicherung von Gewinngarantien durch den deutschen Steuerzahler oder Stromkunden.
 

babylon
1 Stunde her

Man erinnert sich, dass Joschka Fischer vor einer Reihe von Jahren erklärte, die deutsche Wirtschaft sei ins Verhältnis gesetzt zu anderen europäischen Mitbewerbern, Frankreich, UK, Italien u.s.w. viel zu stark und deshab müsse eine „Angleichung“ passieren, weil sonst die Balance innerhalb der EU beeinträchtigt sei, was den europäischen Zusammenhalt stört. Diese grüne Agenda der Schwächung Deutschlands im Verein mit SPD und CDU wurde mittels der Klimaideologie erfolgreich gestartet und durchgeführt. Das Ergebnis können wir heute besichtigen

roffmann
1 Stunde her

Doch , es kommen noch welche und investieren maximal die Hälfte der staatlichen Investitionshilfen , bei Zusicherung von Gewinngarantien durch den deutschen Steuerzahler oder Stromkunden.

Kraichgau
1 Stunde her

irgendwie schon komisch,mit dem Ende des „Schaufenster des Westens“/BRD nach dem Mauerfall begann das westdeutsche Industriesystem zu zerfallen und zu zerbröseln. Direkt daran beteiligt war daran übrigens die SPD in der Schröder-Koalition,als Sie Deutschland den Investment-Fonds öffnete.
Und seitdem geht es konstant bergab,nur das sich jetzt,mit der MAGA-Isolationistischen USA,die ganze Geschichte beschleunigt
ich behaupte mal,das waere auch ohne die grünen und ergrünten Irren unserer Politik passiert

Last edited 1 Stunde her by Kraichgau
Boudicca
1 Stunde her

Es ist doch nicht verwunderlich wenn aus der freien Wirtschaft niemand mehr in Deutschland investieren will, wenn der Staat in alle Entscheidungen eingreift und vor allem, falls es Gewinn gibt, das meiste abgreift und falls man wieder auswandern will eine 100% Wegzugs-Besteuerung anfällt

Wilhelm Roepke
1 Stunde her

Nicht nur die großen Investoren machen einen Bogen um Deutschland, auch viele Kleinanleger. Statt einer Eigentumswohnung zur Vermietung in Schland investieren die Leute zurecht lieber in internationale Aktien, Edelmetalle, Auslandsimmobilien oder gleich in den privaten Konsum und buchen eine Kreuzfahrt…