Neues von den Grünen – Vereinigte Klimawandelei

In einem Interview mit dem Tagblatt in Tübingen präsentierte Boris Palmer seinen »großen Vorrat an Ideen«, um Tübingen bis 2030 »klimaneutral« zu machen.

imago Images / ZUMA Press, Metodi Popow
Boris Palmer wird wieder dunkelgrün. Für Tübingen schwebt dem Oberbürgermeister Palmer eine Radikalkur vor. Er hatte sich bekanntlich eine Zeitlang nicht so positiv über die ungebremste Zuwanderung und ihre Folgen zum Beispiel am Tübinger Hauptbahnhof geäußert, wie das seine grünen Kameraden hören wollten; die hatten ihn daraufhin mit massiver Kritik überzogen.

Jetzt hat er dem Kampf gegen die Migration und ihrer Folgen in seiner Stadt abgeschworen (»kostet mich zu viel Energie und politisches Kapital«) und widmete sich fortan dem grünen „Klimaschutz”. Das ist für ihn weniger kritisch, er muss nicht mit so viel Gegenwind rechnen.

In einem Interview mit dem Tagblatt in Tübingen präsentierte er seinen »großen Vorrat an Ideen«, um Tübingen bis 2030 »klimaneutral« zu machen. Eine seiner Ideen ist ein kostenfreier Busverkehr in der Stadt. Er will dafür eine Abgabe von Betrieben und Einwohnern erheben. Palmer: »Solange das rechtlich nicht geht, sehe ich eine Mischung aus flächendeckender Einführung von Parkgebühren und moderaten Steuererhöhungen als machbar an.«

Klar für ihn: Die Tübinger sollen auf das eigene Auto verzichten. Für Parkplätze im Eigentum der Stadt sollen 30 € im Monat verlangt werden. »Solange die umsonst sind, subventionieren wir einen Klimaschaden«, rückt Palmer seinen grünen Parteikollegen näher.

In der Stadt sollen 1.000 Bäume neu entstehen, um das böse CO2 zu binden. Die autofreie Innenstadt soll von der Altstadt auf das südliche Stadtzentrum ausgeweitet werden.

Frage des Tagblattes: »Wie kommen die Menschen alternativ zu Ihren Zielen?« Immerhin könnte es wieder einen regnerischen Herbst und kalten Winter geben.
»Am besten mit dem öffentlichen Nahverkehr und von dort mit überall verfügbaren Leihrollern zu den Zielen in der autofreien Zone. Aber natürlich ist das für den Handel nur vorstellbar, wenn die Parkhäuser weiter an verbleiben und die Innenstadtstrecke der Regionalstadtbahn kommt.«

Für ihn ist es ein Skandal, dass die Zahl der neuen Windkraftanlagen an Land im ersten Quartal dieses Jahres um 90 % eingebrochen ist. »Das liegt aber daran, dass die Bundesregierung die feste Einspeisevergütung abgeschafft und durch ein Ausschreibungssystem ersetzt hat, dass nicht funktioniert. Den Hebel kann man morgen umlegen, es fehlt nicht an Standorten, sondern nur am politischen Willen. Und wir haben ja auch noch die Sonne.«

Er möchte ein 1.000-Dächer Programm auflegen und dabei die Zahl der Fotovoltaik-Anlagen verdoppeln. Palmer ist auch noch nach Norwegen gefahren, wo er eine spannende Erfahrung gemacht hat: »Ich war in einem achtgeschossigen Bürogebäude aus Holz. Das war nicht nur von der Atmosphäre wunderbar, er sorgte auch draußen für gutes Klima. Mit dem Holzbau entziehen wir der Atmosphäre CO2, Beton ist dagegen ein Energiefresser.« Also weg damit. »Ich möchte die Holzbauweise in Tübingen bis 2030 zur Pflicht machen. Neubau wo immer möglich nur noch in Holz.«

Also Wälder roden für den grünen „Klimaschutz”. In Tübingen will er jedoch nicht den Klimanotstand ausrufen. »Ich finde den Notstand nicht motivierend. Ich würde lieber einen Aktionsplan für ein klimaneutrales Tübingen verabschieden.« Totale grüne Machtergreifung auch in Tübingen. Wird Palmer damit wieder lieb Kind bei Grünen?

Seine grüne redefrohe Parteikollegin in Bayern, Katharina Schulze (»Kerosin-Katha«), fordert auch mehr, viel mehr Windräder im Land. Die Grünen-Fraktionschefin im bayerischen Landtag, will auch »mehr Bewegung in der Klimapolitik«. Gegenüber der Redaktion von »Focus online« legte sie dar, die Wahl sei »eine Klimawahl« gewesen. Das kommt fast an den Spruch von der »Winterwahl« des Alt-Kanzlers Kohl heran.

Daher müsse auch die sogenannte 10 H-Regel gekippt werden, die den Mindestabstand zwischen Windrädern und Häusern festlegt. So kann Schulze die bayerische Landschaft mit noch mehr Windrädern verschandeln und der Vogelwelt gründlich den Garaus machen.

»Zudem müssen die Ausschreibe-Bedingungen geändert werden, so dass auch im Süden neue Flächen für Windkrafträder ausgewiesen werden können. Nach den jetzigen Regelungen können Bayern und Baden-Württemberg nicht mit zubauen, weil hier nicht so viel Wind weht. Wir brauchen nicht nur mehr Produktion von erneuerbaren Energien bei uns im Süden, sondern auch ausreichend Infrastruktur wie Stromleitungen, um die erneuerbare Energie aus dem Norden in den Süden zu leiten.«

Schulze: »Wir machen die Energiewende ja nicht zum Selbstzweck. Wir brauchen die Energiewende, um die Klimakrise zu bekämpfen, und weil immer mehr Leute – nicht nur die jungen Leute – eine klare Anforderung an die Politik geben: Macht etwas! Es ist eure Verantwortung, die Klimakrise wenigstens einzudämmen. Und dafür brauchen wir hundert Prozent erneuerbare Energien. Ich halte es für unabdingbar, die Menschen einzubinden. Zum Beispiel über Genossenschaftsmodelle bei Windkraftanlagen. Auf diese Weise sind die Leute Teil der Energiewende und sehen, dass sie auch ganz persönlich davon profitieren können.«

Für Schulze geht alles zu langsam: »Dass es bisher nur im Schneckentempo vorangeht, liegt an der Großen Koalition. Die Bundesregierung ist zum Beispiel nicht bereit, mit der Automobilindustrie in die neue Mobilitätswelt einzutauchen, sondern hält verzweifelt am Diesel fest. Dann ist es schwierig mit dem Klimaschutz. Oder nehmen wir unseren Vorschlag für eine CO2-Bepreisung, bei der die Einnahmen wieder an die Menschen zurückgegeben werden und diejenigen profitieren, die sich klimafreundlich verhalten.«

Vermutlich wurden die Focus-Leute so von Schulzes Wortschwall benebelt, dass sie nicht auf den Gedanken kommen, ihr die Frage aller Fragen zu stellen, wie sie denn den Strom speichern will. Denn es soll ja Nächte geben, in denen die Sonne nicht scheint und kein Wind weht, kritisch ebenso in den langen herbstlichen Nebellagen und Wintermonaten. Woher kommt dann der Strom?

Ebenso fragt Focus nicht nach, wie Schulze ihre Forderung »überall Busse im Stundentakt« realisieren will. Schon jetzt gibt es massive Probleme, Personal zu finden, im Busbereich sieht es nicht weniger dramatisch aus als im Speditionsbereich. Dort fehlen Zehntausende von LKW-Fahrern, wie gerade die Spediteure auf ihrer Messe »Transport Logistic« in München beklagen und schon das Wort vom »Versorgungskollaps« an die Wand malen.

»Klimaökonom« Ottmar Edenhofer vom Potsdamer Klimafolgenforschungsinstitut PIK, der auch die Bundesregierung berät, weist auf den Stern der Hoffnung. Er verkündet in der FAZ: »Greta Thunberg kennt die wissenschaftlichen Fakten genau.«

Und die vom Potsdamer Klimainstitut, die wissen ja bekanntlich, wovon sie reden. Oh, stimmt, da war ja noch was:

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Kommentare ( 93 )

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Wann hat Palmer die Wahrheit über seine eigene Gesinnung und Überzeugungen gesagt? Vor dem Shitstorm aus den eigenen Reihen oder danach?
Ich tippe ja eher auf davor.
Wahrscheinlich ist er aber auch nur eine weitere Schachfigur unter diesen ganzen Opportunisten.
Keine Sorge Boris: Du bist doch der Vorzeige-Grüne, der hier und da Kritik am eigenen Stall äußert. Allerdings hast du es in der Vergangenheit etwas übertrieben, darum: Schwimm jetzt hübsch mit, ** und kritisiere nicht, dein monatliches Salär folgt unkompliziert auf dein Konto und deine Rente ist „sischer“.

Schulze: »Es ist eure Verantwortung, die Klimakrise wenigstens einzudämmen. Und dafür brauchen wir hundert Prozent erneuerbare Energien.«
Liebe Fr. Schulze, 100% erneuerbare Energien wird es nie geben. Es muss eine stabile Grundversorgung für eine stabile Stromversorgung geben und die wird nicht erneuerbar sein. Wenn die Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet sind, soll es Gaskraftwerke geben, die auch CO2 erzeugen. Deutschland ist dann abhängig von ausländischem Gas. Unsere Nachbarn bauen in die europaweiten Netze an der deutschen Grenze Sicherungen ein, damit sie von einem deutschen Blackout nicht mit betroffen sind. Zur Zeit gibt es in Deutschland keine wissenschaftliche Planung, sondern nur Aktionismus.

„Schulze: »Wir machen die Energiewende ja nicht zum Selbstzweck. Wir brauchen die Energiewende, um die Klimakrise zu bekämpfen…“

Klimakrise? Echt jetzt? Heiß im Sommer, kalt im Winter.
Schätzelein: Das nannten wir immer „Wetter“ und wer sich darüber auf Parties unterhielt, galt, landauf – landab, als Langweiler.

Zum Glück schickt sich der Sommer dieses Jahr an, kalt und verregnet zu werden: Hoffentlich kommen die FFF´ler endlich ins Grübeln, wenn sie Mitte Juni in eiskaltem Regen stehen und ihre Pappschilder zusehends zu Pappmaschée werden.

Nach dem Hitzesommer in Deutschland kam der Kältewinter in den USA. Es ging doch um das Weltklima. Der Mai 2019 war in Deutschland der kälteste Mai seit langem. Das war jetzt das Wetter.

„1.000 Bäume neu entstehen“ kommen sie aus dem 3D-Drucker oder kommt da ein Schöpfer? Gepflanzt werden sie bestimmt nicht.

Also, mal unabhängig davon wie das mit dem Klimawandel und dem Anteil der CO2-Emissionen aus den Schornsteinen ist: Dass Parken auf öffentlichem Grund etwas kosten soll, finde ich in Ordnung. Und 30 € pro Monat ist ja nicht die Welt. Pflanzen von mehr Bäumen ist immer gut. Damit ist aber Schluss mit meiner Übereinstimmung mit dem Palmer. Kostenfreier ÖPNV ist nicht nur begrifflicher Unsinn, sondern alles ohne Bezahlung Nutzbare wird nicht wertgeschätzt. Wer sein teures Auto schätzt, wird nicht den Bus nehmen, weil der nix kostet; aber es werden Leute mit dem ÖPNV zum Einkaufen oder Kaffeetrinken fahren, sie das… Mehr

Kostenfreier OPNV heisst, jeder Bewohner des Stadtgebietes zahlt beispielhaft 1 Euro pro Tag, also 365 Euro im Jahr, und darf dann unbegrenzt fahren.
Dachten Sie etwa, das, was Palmer verspricht, wäre umsonst?

„Neubau wo immer möglich nur noch in Holz“ sagt Palmer. Nicht nur, dass dann ganze Wälder gerodet werden müßten, beim Brand solcher Häuser, dürften dann die benachbarten Häuser schnell gleich mitbrennen. Erinnert mich sehr an die häufigen Feuersbrünste im Mittelalter. Na ja, diese Weltfremdheit scheint ja – nicht nur bei Jugendlichen – Begeisterung auszulösen, siehe Wahlen.

Mit dem Elektroroller die Reststrecke….. Das ist ja so blöd, dafür müsste man ein neues Wort erfinden. Und was ist mit den Kranken, Alten, Schwachen? Der Altenpflegerin, dem DHL Fahrer, dem Dachdecker, Gärtner, Schreiner? Und Babies und Kleinkinder nehmen die Fahrer dann Huckepack, oder wie? Mann Palmer, erst denken, dann …. obwohl, ist n Grüner. Da ist es egal. Was für n (fängt mit D an und hat vier Buchstaben).

Kann man darauf hoffen, dass diese Hysterie um die „Klimakrise“ verebbt, wie die zahlreichen anderen Weltuntergangswellen (z.B. das „Waldsterben“), wenn selbst Politiker mit herkunftsbedingter Restrationalität auf die Welle hüpfen? Tübingen ist ultraprovinziell, mangels S- und U-Bahn lausig an die benachbarten Kreise angebunden, das Auto für viele Nah(st)Pendler die einzige Alternative. Sollen die alle nach Tübingen ziehen, um dort in verordneten Holzhäusern zu wohnen und in Zwangsbussen fahren? Mir dünkt das dauert diesmal länger, dieser deutsche Herrenmenschenfanatismus ist abermals „systemisch“, vielleicht muss wieder erst alles kaputt sein, bevor praktische Vernumpft zurückkehrt. Manchmal hoffnungslos.

Für den deutschen Michel gilt noch immer uralte Satz : “ Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber “ Je mehr Menschen grüne Phantasien schmackhaft gemacht werden ,je schneller wird sich dieses Land aus der Liste der Industrienationen verabschieden . Und dann können die Deutschen wegen deutlich sinkendem Lebensstandard mal in Marokko,Tunesien oder Senegal weg. Asyl nachfragen . Forderung : Gleiche soziale Leistungen wie in D die Asylanten bekommen . Die Brüllereien vor Lachen dürften bis hierher zu hören sein . Also Linksgrüne , auf ins letzte Klimagefecht ,es bleiben noch 5 Jahre 3 Monate 23 Tage 4 Stunden… Mehr

PS: Auch wenn es sehr direkt geschrieben ist, möchte ich meinen Kommentar als Denkanstoss sehen. Gerade TE ist weiter als viele andere Medien im Vergleich zur BBC, die keine Klimarealisten, -Skeptiker mehr zu Wort kommen lässt. Trotzdem finde ich keine Kritik am zugrundeliegenden Modell.