Der Automarkt verliert den Schwung – Vor-Corona-Niveau bleibt unerreicht

Gegenwärtig werden nur noch halb so viele Autos in Deutschland produziert wie vor der Pandemie. Aber auch international hat der Automobilmarkt an Kraft verloren. Viele kaufen – verunsichert durch die Politik der forcierten Elektromobilität – lieber gebrauchte Verbrenner.

IMAGO / Michael Gstettenbauer
Autotransport in Düsseldorf

Die Erholung der internationalen Automobilmärkte hat im 2. Quartal 2021 deutlich an Kraft verloren. In Deutschland brach die Autoproduktion im Juni wegen fehlender Teile regelrecht ein, saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um gut 13 Prozent. Gegenwärtig werden nur noch halb so viele Autos in Deutschland produziert wie vor der Pandemie. 

Das global langsamere Erholungstempo ist zum einen marktbedingt, weil 

  • immer neue Corona-Wellen und Schreckensmeldungen von der Klima-und Wetterfront einerseits, 
  • angesichts des drohenden faktischen Verbots von Verbrenner-Pkw in Europa die Käufer zunehmend über die richtige Antriebswahl für ein neues Gefährt – Verbrenner oder Elektro –  verunsichert und Zurückhaltung beim Neukauf animiert. Der Markt für (Verbrenner-)Gebrauchtwagen dagegen boomt, die Händlerläger sind leer wie lange nicht mehr. 

Zum anderen angebotsbedingt, da alle großen Hersteller weltweit zunehmend die Produktion kürzen oder ganz einstellen müssen, weil absehbar bis ins Jahr 2022 hinein der gesamten Weltautomobilindustrie, nicht nur den deutschen Herstellern, wichtige elektronische Vorprodukte (Speicherchips) fehlen.

Aktuell kann die gestiegene Autonachfrage weltweit nicht befriedigt werden.  Insgesamt wurden bis Juni 2021 in den sieben großen Märkten immer noch 2,7 Millionen (-8 Prozent) weniger Autos abgesetzt als in 2019 (vgl. Schaubild oben). Selbst Hersteller von technisch wenig anspruchsvollen Automodellen sind Gewinner der Mangellage.

Aus dieser Sonder-Situation aber gleich, wie kürzlich vom Chefökonom des Handelsblatt Research Instituts (HRI), Bert Rürup getan, abzuleiten, dass

  • die deutsche Autoindustrie in einer veritablen Krise steckt, 
  • schlimmer noch, dass dieser traditionellen deutschen Vorzeigebranche ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell fehlt

zeugt von eher bescheidenen Insiderkenntnissen.

Ebenso verkennt Lage und Charakter der Branche in Gänze, wer behauptet, dass:  „Die Autobranche … im Strukturwandel bescheidener geworden..(sei)“; die Unternehmen planten weiter einen Arbeitsplatzabbau. (Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien), 

Weder ist die deutsche Autoindustrie in der Krise, noch ist sie bescheidener geworden! Absatzhöchststände und Rekordgewinne bei allen Herstellern im ersten Halbjahr 2021 durch anfangs höheren und werthaltigeren Absatz und vor allem scharfe Sparprogramme zu Lasten der Arbeitskosten so wie avisierte künftige Milliardeninvestitionen in die Elektromobilität belegen das Gegenteil.

Universitäre Autoexperten und Branchen-Outsider mögen zwar glauben, Vorständen und Chefstrategen der deutschen Hersteller und Zulieferer fehle ein Geschäftsmodell und ein Gespür für die Zukunft. Das Gegenteil ist richtig. Zu fragen ist in einer Marktwirtschaft immer: Kann es der internationale Wettbewerb besser als die deutsche Paradebranche? Gibt es dort bessere Geschäftsmodelle? Die Antwort lautet: Nein, kann er nicht, im Gegenteil. Der internatioanle Marktanteil der deutschen Autoindustrie ist bis zuletzt gestiegen, nicht gefallen!

Die deutsche Autoindustrie ist heute technologisch breiter und vor allem tiefer aufgestellt, als der übrige internationale Wettbewerb in toto. Nirgendwo auf internationalem Parkett ist ein einzelner Hersteller oder eine nationale Autoindustrie – auch in China nicht –  erkennbar, die den deutschen Herstellern technologisch überlegen wäre. Was nicht ausschließt, dass einzelne Wettbewerber mit temporären Pionier-Innovationen auf den Feldern der Elektronik und Chemie (Batteriebau) Vorsprünge auf den Markt bringen, die aber nicht von Dauer sind; vergleichbar der Lage von Ausreißern bei der Tour de France, die auch immer wieder ein- und dann überholt werden. 

Eine wirkliche Herausforderung für alle globalen Autohersteller kommt von der EU-Kommission, die Ende Juli das Ende des Verbrennermotor besiegeln will. Die EU-Kommission wird kommende Woche ihr „Fit-for-55“-Klimapaket vorlegen. Es wird erwartet, dass sie darin vorgibt, dass Neuwagen bis 2035 ihren CO2-Ausstoß um 100 Prozent reduzieren müssen – was einem Verbot von Verbrennern gleichkommt.

Bemerkenswert dabei – nicht nur für Bert Rürüp – ist, dass Brüssel noch immer an dem Irrglauben festhält, Elektromotoren würden keine Klimagas-Emissionen verursachen – ganz gleich, ob der Strom von Kohle- oder Gaskraftwerken, Kernkraftwerken oder Windrädern produziert wurde. Von seriösen Wissenschaftlern (Prof. Thomas Koch et al.) wurde inzwischen das Gegenteil nahgewiesen – offensichtlich ohne Erfolg. Und zum anderen wurden CO2-neutrale Antriebsmedien wie e-Fuels von Brüssel überhaupt nicht in Erwägung gezogen – offensichtlich weil hier auch eine fossile  Verbrennung stattfindet, aber eben nicht additiv sondern substitutiv.

Internationale Automobilmärkte 

Schlagzeilen:

  • Wachstumtrend auf dem Weltmarkt deutlich abgeschwächt
  • Europäische Märkte weiter im Aufwärtstrend, aber  unter Vor-Corona-Niveau
  • China erneut mit Einbußen
  • US-Markt ebenfalls verlangsamt
  • BRIC Staaten und Russland mit starken Nachholeffekten
  • Deutschland weiter im Erholungsmodus, aber chipgebremst

Corona und seine Folgen beherrschen weiterhin die internationalen Automobilmärkte Zwar verzeichnen alle Märkte im ersten Halbjahr 2021 aufgrund des Einbruchs im Vorjahr hohe Zuwachsraten. Zum Sommer hin stößt die Erholung angebotsbedingt aber an Grenzen! Ein Zustand, wie er seit Jahrzehnten in der Branche nicht mehr zu beobachten war.

 

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Kommentare ( 31 )

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31 Comments
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F.Peter
2 Monate her

Tja, irgendwann ist auch die Nachfrage gesättigt, die sich aus der Angst vorm Verlust des gesparten Geldes und dem Verbot der Verbrenner in naher Zukunft ergeben hat.
Von nun an gehts bergab – und zwar ohne elektrisch und ohne Verbrenner…….

RS
2 Monate her

Ein Verbot der Verbrennungsmotoren bis 2035 in der EU ist gefährlicher Nonsens. Die Märkte außerhalb der EU sind viel größer als der in der EU. Die Entfernungen in vielen großen Landern (China, Indien, USA, Brasilien u.s.w.) sind so groß, daß E-Mobilität auf der Basis heutiger Batterietechnik dort nicht praktikabel ist und folglich nicht eingeführt wird. Wenn die Flottenemissionsgrenzen über alle gebauten Autos gelten, wird also die Produktion für die externen Märkte zwangsläufig abwandern müssen. Vermutlich wird sie rechtlich so aufgestellt werden müssen, daß neben den Arbeitsplätzen auch das Steueraufkommen ins Ausland verlagert wird. In unserer Straße gibt es ca. 100… Mehr

Britsch
2 Monate her
Antworten an  RS

Man sollte aber die Augen vor anderen Technologien auch nicht verschließen.
Z.B. Brennstoffzellenauto das man mit Methanol und Wasser betanken kann.
Da diese Technik aber von einer Kleinen Firma stammt und große diese noch nicht gestohlen oder mehr oder weniger kopiert haben wird das eher tot geschwiegen. Ebenso würde das so gar nicht in die Planung, Planwirtschaft bezüglich wie sich die „Wirtschaft“ zu entwickeln hat passen. Man würde da ja auch nur wesentlich kleinere Akkus brauchen. Wieviel Geld wird Diesbezüglich derzeit „ausgeschüttet“? Verschl..

Silverager
2 Monate her

Die Ausführungen von Dr. Becker klingen im ersten Teil ja sehr hoffnungsfroh: keine Sorgen! Der deutsche Automobilmarkt ist und bleibt weiterhin Weltspitze, selbst wenn auch uns mal „ein anderes Land“ überholt. Das klingt im zweiten Teil schon ganz anders. Die EU, an der Spitze die völlig unfähige v.d.Leyen in ihrem wahnhaften Machtanspruch, will den Verbrenner schlicht verbieten. Die Klima-Religion erfordert für „Europa“, wie die EU gern genannt werden will, absolute CO2-Neutralität. Es sollen ab 2035 ausschließlich E-Karren verkauft werden. Gleichzeitig werden in Deutschland dank der unfähigen Merkel alle Atom- und Kohlekraftwerke abgeschaltet. Der Wahnsinn regiert dieses Land und die EU.… Mehr

Britsch
2 Monate her
Antworten an  Silverager

„Falls er das darf“ und ebenfalls diese Erkenntnis der Realität hat

Alfonso
2 Monate her

Experten oder Schwätzperten?

Ich muss immer lachen, wenn universitäre Autoexperten, also Beamte irgendeinem Industriezweig oder Unternehmen aus der Wirtschaft Managementfehler vorwerfen.

bkkopp
2 Monate her

Wie schon bei den NOx-Grenzwerten – mir ist nicht aufgefallen, dass die Autoindustrie (mit Zulieferindustrie) und ihre Verbände, und die Gewerkschaften mit den Belegschaften, gegen die einseitige und ineffektive Verteufelung des Autos, und noch mehr gegen die Verbrenner mobilisiert, und damit eine Umsteuerung bewirkt hätten. Die großen Autofirmen verkünden mit viel Fanfare und Stolz wie schnell sie keine Verbrenner mehr produzieren wollen. Sie überbieten sich sogar dabei mit immer kürzeren Restlaufzeiten für die Produktion von Verbrennern. Es scheint, dass auch die Vorstände und Aufsichtsräte die Aktionäre überzeugt haben, dass dies der richtige Weg sei. Ich verstehe das alles nicht mehr.

Biskaborn
2 Monate her
Antworten an  bkkopp

Genau so ist es. Wir schimpfen zu Recht auf die abenteuerliche Klimapolitik der EU, die z.B. aus rein ideologischen Gründen den Verbrenner quasi verbieten will, aber die eigentlichen Treiber und mittlerweile schon Vorreiter sind die CEO‘s der Großindustrie die sich beim Thema Klima gar nicht mehr einholen wollen vor Eifer, koste es auch das eigene Geschäftsmodell. Immer wieder glänzendes Vorbild hierbei „Elektro Diess“ von VW. Der nicht nur „Fit for 55 „ bejubelte sondern noch mehr Geschwindigkeit fordert. Klar, wenn VW irgendwann daniederliegt hat er sein „Schäfchen längst im Trockenen“, jetzt aber gehört er zu den Guten und nur das… Mehr

moorwald
2 Monate her
Antworten an  bkkopp

Die Firmen verlagern einfach im großen Stil ihre Produktion ins Nicht-EU-Ausland. Dort sind sie hochwillkommen. Klimarettungswahn, Mitbestimmung, Quote sind unendlich weit weg.
Gekündigte Arbeitnehmer dagegen müssen schön im Lande bleiben. Ebenso die zahllosen Zulieferer mit ihren Angestellten.
Wie man so sagt: Den Letzten beißen die Hunde.

Nibelung
2 Monate her

Die Entwicklung muß man doch ganz nüchtern durchleuchten um dann zu diesem oben aufgeführten Ergebnis zu kommen. Hauptverursacher beim miserablen Automarkt sind auch hier wie immer die Politiker, die Forderungen mit Emissionen stellten, die unerfüllbar waren und dann zu den Betrügereien führten. Seit diesem Zeitpunkt ist der Automarkt nachhaltig gestört, weil viele aus Verärgerung über den Wertverlust sich beim Wagenkauf schon seit Jahren zurückhalten, andere verunsichert sind was nun noch alles kommt und das puschen der E-Cars führt noch zusätzlich zur weiteren unklaren Sachlage, der Technik und des Preises wegen und das alles hat lediglich noch den Gebrauchtwagenmarkt etwas begünstigt… Mehr

Wilhelm Roepke
2 Monate her

Die Auswirkungen auf die Inflationsrate sind auch nicht ohne. Nur so als Randbemerkung.

gast
2 Monate her

Auch vor „Corona“ wurden die Dinger schon massenweise auf Halde gebaut. Die Kaufkraft für die überteuerten Autos, die im Ausland viel billiger verkauft werden, war nicht mehr da.

Last edited 2 Monate her by gast
Peter Pascht
2 Monate her

Man muss bedenken dass viele der Neuwaagen Verbrenner in die PKW-Bestände von Firmen geflossen sind, bzw. ein guter Teil als „Tageszulassungen“ verkauft wurden. Natürlich kommt vor allem die Verunsicherung durch die eigene phantasierte „Klimaschutz“-Politik hinzu, welche das Käuferpotential im Innland und Ausland dezimiert hat, mit katatsrophalen folgen für die Zukunft des Wirtschaft-Standortes Deutschland. Als erstes wurde im Sinne dieser fanatischen Ideologie, erst einmal der Wirtschaft-Standort Deutschland kaputt gemacht, ohne Ersatz, mit der phantasierten Utopie, das Klima irgendwann in Zukunftb zu retten, wofür hier und im jetzt niemand den Beweis angetretn ist. Dieses „politische Kartell“ der Tagträumer und infantilen Naiven opfern… Mehr

Last edited 2 Monate her by Peter Pascht
moorwald
2 Monate her
Antworten an  Peter Pascht

Und wie immer exemplarisch: F. A. Hayek, Der Weg zur Knechtschaft

Britsch
2 Monate her
Antworten an  Peter Pascht

Sehr treffend. „der reale Sozialismus jene Staaten kaputt gemacht hat, mit der utopischen Verkündigung und Begründung dadurch irgendwann in Zukunft die „absolut Gerechte Gesellschaft“ zu haben“ dazu gebe ich zu Bedenken: War diese Propaganda nicht von vorne Rein verlogen? Sie haben sich aber selbst bedient um wesentlich besser leben zu können als Andere „Wasser predigen und selbst Wein SAUFEN“. Heute, Andere sollen z.B nicht fliegen, selbst Jettet man aber z.B. ständig durch die Welt? Nutzt gerne und üppig die „Flugbereitschaft“? Jede „Person“ die das nur irgend wie schaft, gedreht bringt das auszunutzen, ob es „zusteht“ oder nicht macht es von… Mehr

Jan Boellermann
2 Monate her

1. sind die Neuwagen völlig überteuert und 2. gibt es wirklich genug gute Gebrauchte auf dem Markt. Ich frage mich jedoch, wie das in Zukunft mit den gebrauchten E-Autos funktionieren soll? Wer kauft son Ding noch, wenn der Akku nach 10 Jahren ausgelutscht ist und vielleicht nur noch 50% Leistung bringt? Eigentlich müsste das dann doch ein wirtschaftlicher Totalschaden sein. Wer kauft sowas dann noch aus 3. oder 4. Hand?

alter weisser Mann
2 Monate her
Antworten an  Jan Boellermann

Das wird erstmal das Problem der Kunden sein. Pech, wenn die aus welchem Grund auch immer fahren müssen, doppeltes Pech, wenn die mit 50 km Radius pro Tag nicht hinkommen und zu Hause keinen Ladeplatz haben.

Peterson82
2 Monate her
Antworten an  Jan Boellermann

Die Restwertnutzung sinkt doch auch ohne E-Auto schon seit Dekaden. Wer hat denn heute noch Lust einen 10 Jahre alten gebrauchten Verbrenner zu kaufen bei dem dann Dieselpartikelfilter, Turbolader, NOx Kat, Kolbenringe (siehe Audi), AGR und was weiss ich alles getauscht werden muss. Zudem verkoken die meisten Motore inzwischen mit schöner Regelmäßigkeit, weil man immer mehr Wert auf Abgasbehandlung statt auf Langlebigkeit des Motors achtet. All die Faktoren kämen nicht billiger als bei einem 10 Jahre alten E-Auto alte Zellen auszutauschen. Mit einem Unterschied. Die Akkupackpreise sind im freien Fall, die Preise für Tätigkeiten für Mechaniker (siehe oben genannte Punkte… Mehr