Grüne Traumfabrik zerfällt in Trümmer

In Sachsen meldet ein Hersteller elektrischer Lastenfahrräder Insolvenz an. Das Unternehmen liefert die Blaupause grüner Transformation und neosozialistischer Steuerungslogik. Es steht zugleich als Sinnbild jenes ideologischen Größenwahns deutscher Provenienz, der nun die Stunde der Wahrheit erlebt.

Getty Images, Screenprint VOWAG - Collage: TE

Im sächsischen Plauen meldet ein Hersteller elektrischer Lastenfahrräder Insolvenz an. Die Pleite der VOWAG GmbH verdient Aufmerksamkeit, da sie in der sich auftürmenden Flut von Firmenschließungen leicht im lokalen Wirtschaftsteil zu versinken drohte. In der grünen Bundesrepublik spricht man ungern über den Kollateralschaden des besten Deutschlands, das es jemals gab.

Seit dem Jahr 2020 produzierte das Unternehmen elektrische Lastenräder mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern und einer möglichen Zuladung von bis zu 500 Kilogramm. 14.000 Euro kostete dieses selbstbewusst bepreiste Produkt neudeutscher Ingenieurskunst. Entsprechend überschaubar blieb die Nachfrage: Lediglich 160 dieser Fahrzeuge fanden einen Käufer.

Im Falle der Insolvenz der VOWAG GmbH enthüllt sich die schauerliche Synthese deutsch-europäischer Wirtschaftsideologie. Ein Unternehmen betritt den Markt, mutmaßlich ausgestattet mit öffentlichen Fördermitteln, flankiert von Kreditgarantien, und bietet ein öffentlich gefördertes Produkt an, das passgenau den politischen Leitvorstellungen der Zeit entspricht.

Konkrete Zahlen zum Umfang möglicher Förderungen fehlen. Doch es liegt nahe anzunehmen, dass staatliche Unterstützung nicht nur in der Produktionsphase, etwa über Energiepreise oder Investitionshilfen, eine Rolle spielte, sondern auch auf der Nachfrageseite. Kaufprämien von bis zu 25 Prozent, gedeckelt bei 3.500 Euro, sollten den Absatz dieses Gefährts stimulieren und einen Markt schaffen, der sich eines Tages auf wundersame Weise selbst tragen sollte.

In Deutschland genießen Hersteller von Lastenrädern besondere politische Aufmerksamkeit. Bundesförderprogramme wie die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) subventionierten im vergangenen Jahr über 10.000 E-Lastenräder allein für Unternehmen, um auf diese Weise ein neues, als nachhaltig deklariertes Logistikkonzept anzuschieben. Wie wohl der Arbeitstitel des Projektes lautete: Subventionsscharfe Nieten in Nadelstreifen auf dem Drahtesel?

Projekte wie „Flottes Gewerbe“ lassen sich daher mit Fug und Recht als gesellschaftliche Verbrennungsmotoren bezeichnen: Sie verbrennen – per Staatsbefehl – die ökonomische Substanz der Steuerzahler.

Es ist der alte Traum der beinharten grünen Ideologen und Idiosynkratiker: den ordinären PS-Protz mit Verbrenner-Aus, astronomischen Steuern und einem vergifteten gesellschaftlichen Klima gegenüber Klimakillern auf einen Drahtesel zu bannen.

Nach wenigen Jahren jedoch folgt die ernüchternde Bilanz: Politische Ideologie und Lebensrealität weisen bisweilen nur schmalste Schnittmengen auf. Der Versuch, den Alltag von Millionen Menschen in das strenge Handlungskorsett grün-sozialistischer Denkfabriken zu pressen, entspringt ökonomischer Selbstüberschätzung und persönlichem Größenwahn – und scheitert krachend. Zentral geplante Steuerungskonzepte wie der Green Deal mögen in Gewerkschaftsseminaren, bei der Grünen Jugend oder der Jungen Union Zustimmung finden und spiegeln zugleich den Zeitgeist bestimmter großstädtischer Milieus wider. Denken wir dabei an jenes Berliner Umfeld, das sich als Avantgarde gesellschaftlicher Transformation versteht und sich dabei in seine eigene Karikatur von Moralismus und Verfall verwandelt.

Doch die Synthese aus zentraler Steuerung und moralisch aufgeladener Gesellschaftsingenieurskunst mündet regelmäßig in wirtschaftliche Schieflagen. Das gilt nicht allein für elektrische Lastenräder – dieses Symbol reduzierter Mobilität und eingeschränkter individueller Handlungsoptionen –, sondern für all jene Bereiche, in denen der Staat mit dirigistischer Hand in Marktprozesse eingreift. Der Eindruck von Provinzialismus drängt sich auf. Und er hat erschütternde Konsequenzen.

Während in den Vereinigten Staaten von Marsmissionen geträumt wird, rutschen Berliner im Winter mit ihren Fahrrädern über nicht gestreute Straßen. In Asterix-Comicabenteuern besaßen die gallischen Protagonisten noch individuellen Charakter und Charme, sie waren die Underdogs im Kampf gegen ein übermächtiges Imperium. Das gegenwärtige deutsche Dorf der Klimaapokalyptiker wirkt dagegen biestig, spießig und verbissen – gefangen in einem Abwehrkampf gegen sich selbst. Kein Imperium der Welt würde je Interesse an der Eroberung eines solchen Hortes fortschreitender Verwahrlosung hegen.

Der Ökosozialismus, mit seiner passiv-aggressiven Steuerungstektonik, wirkt auf vielfältige Weise ökonomisch zerstörerisch. Die hart arbeitende Mittelschicht, der Motor unseres Gemeinwesens, wird dabei gleichsam vor den sozialistischen Karren gespannt. In zynischer Verkehrung der Kräfte treibt sie mit den abgerungenen Steuermilliarden dieses kopflose und fußlahme Gebilde noch ein Stück weiter in die Zukunft – so weit, dass die späteren Recyclingarbeiten eines Tages zur Herkulesaufgabe geraten werden.

Doch scheint der Sturz dieser Kommandowirtschaft gewiss. Die tiefen Risse im wirtschaftlichen wie im kulturellen Fundament, welche die apokalyptisch grundierte Klimaideologie geschlagen hat, brechen von Tag zu Tag weiter auf. Was zunächst als moralisch aufgeladene Transformationsbewegung auftrat, zeigt unterhalb der ökonomischen Verwerfungen zunehmend seine unethische Komponente.

Jede Subvention, jeder grüne Fördertopf suggeriert den angeworbenen Arbeitnehmern Stabilität und Zukunftssicherheit. Ein Hirngespinst – wie in diesen Monaten zehntausende entlassene Mitarbeiter in zahlreichen Unternehmen bitter erfahren. Während auf der einen Seite Existenzen zerbrechen, erweist sich das System für Subventionsunternehmer als einträgliches Geschäft.

In Deutschland ist eine leistungszersetzende Mitnahme-Mentalität herangezüchtet worden, die sich im ausgewachsenen Förderwesen mit eigens etablierten Förderlotsen und einem vorgeschalteten Bankensystem manifestiert, das zudem auf staatlichen Garantien aufsetzt. Geierartig stürzt sich ein Heer von Subventionsjägern auf den schwindenden Mittelstand, der nach dem Katastrophenjahr 2025 auch in diesem Jahr weiter Stellen abbauen und Investitionen systematisch zurückfahren muss.

Und die politische Antwort auf dieses selbst herbeigeführte gesellschaftliche Desaster? Mehr vom gleichen Gift, flankiert von einer zunehmend aggressiven Kontrolle des Meinungskorridors.

So verdichtet sich das Bild eines Systems, das seine eigenen Fehlentwicklungen nicht korrigiert, sondern sie durch weitere Interventionen zu überdecken sucht – und dabei den Preis der Zerstörung tradierter Strukturen in die Höhe treibt und immer weiter in die Zukunft verschiebt.

Die Regierung von Friedrich Merz taucht die Bundesrepublik mit Sondervermögen und Bilanztricks wie den Bereichsausnahmen in ein Schuldenmeer. Auf diese Weise erkauft sie sich Zeit im Abwehrkampf gegen den Verfall. Doch angesichts des technologischen Fortschritts in China, den USA und Indien wird diese Zeit zur schwersten Hypothek für die deutsche Gesellschaft – die größte Last, die ihr seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufgebürdet wurde.

Dass inzwischen selbst hochsubventionierte Unternehmen und Marktsegmente kollabieren, sollte eigentlich das öffentliche Bewusstsein für die Sackgasse schärfen, in die uns diese Politik getrieben hat. Aktuelle Wahlumfragen zu den bevorstehenden Landtagswahlen deuten jedoch nicht darauf hin, dass die Deutschen zu einer Kurskorrektur bereit wären – noch nicht.

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Kommentare ( 10 )

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Werner Geiselhart
8 Stunden her

Der gemeine Wähler merkt zwar, dass einiges nicht stimmt, gibt sich aber mit den Erklärungen der systemnahen Medien zufrieden, die da lauten, Schuld haben im Zweifelsfall immer Putin und seit einem Jahr der anscheinend noch schuldigere Trump. Sie werden dort kein kritisches Wort über den Klimawahn und in dessen Folge die zerstörerische Energiewende lesen, im Gegenteil. Selbst der vorsichtige Ansatz von Vernunft bei den Vorschlägen von Frau Reiche zur Eindämmung des Erneuerbaren Wildwuchses wird von der rotgrünen Klimafront in konzertierter Aktion niedergeknüppelt. Natürlich gilt das Gesagte u.a. auch für die Bereiche Massenmigration, Genderwahn, Überwachung und Zensur Was da von den… Mehr

Carl22
8 Stunden her

Der versierte Autofahrer, wenn er ballspielende Kinder seitlich der Straße entdeckt, schaltet runter, bremst bis nahe 0 km/h. Gleiches empfiehlt sich bei Sichtung von Radfahrerinnen, besonders für deren moderne Lastenfahrrad-Variante: Sofort Pkw – Schleichfahrt einleiten und dem Mutter-Kind-Naturkostgefährt (lächeln! lächeln!) alle Vorfahrt dieser Welt einräumen!

Guzzi_Cali_2
9 Stunden her

Wenn diese Ausgeburt grün-ideologischer Planwirtschaft wenigstens noch einigermaßen ansehnlich wäre, könnte man es als Gag als ambulanten Kleinstgetränkewagen bei Kita-Festen oder sowas einsetzen. Aber es ist wie alles, was der Sozialismus hervorbringt, grubenhäßlich und vollkommen spaßbefreit. Das fängt bei den Plattenbauten an, in die uns die Grünversifften zwängen wollen, geht weiter bei derlei Fortbewegungsmittel und hört bei der eigenen Körpergestalt noch lange nicht auf. Liebe GrünInnen, ich frage mich immer wieder: Wird man grün, wenn man fett und/oder häßlich ist oder wird man fett und/oder häßlich wenn man grün ideologisiert ist? Nicht alle Konservativen sind ausgesprochene Schönheiten, aber unter den… Mehr

P.Schoeffel
9 Stunden her

Wie man als Unternehmer auf eine derart abstruse Idee kommen kann ist nicht mehr nachvollziehbar.
Für 14k€ bekommt man ein Kfz, mit dem man mehr als 500kg transportieren kann, das schneller als 20km/h fährt und in das es auch nicht reinregnet (oder schneit).
Unfaßbar, dieser Irrsinn.

Kaiser
9 Stunden her

Wenn man den Originaltext im Link liest, fällt (abgesehen von dem tatsächlich recht guten Nischenprodukt wenn die Angaben stimmen) auf, dass es nicht 8 Beschäftigte braucht um 160 Stück zu produzieren. Der Maschinenbauer hat wahrscheinlich ein ordentliches Produkt für eine Nische gebaut, aber keinerlei kaufmännische Kenntnis und wahrscheinlich auch nicht nach Rat gesucht bevor es zu spät war. Mit den wahrscheinlich geflossenen Förderungen und bescheideneren Personalentscheidungen brauchte man vermutlich auch keine 14.000 Euro / Stück aufzurufen. Vielleicht war auch der Amtsschimmel im Hintergrund eine tödliche Stolperfalle (Zeit, Papiere, Anträge usw.), die mit dazu beigetragen hat. Der Gründer ist jedenfalls damit… Mehr

Dorn
9 Stunden her
Antworten an  Kaiser

Stimmt, deren Lastenfahrrad war/ist ein sehr gutes Produkt. Für realistische 5000€ – 1000€ Prämie, für den Anschub in den Markt, hätte es lebensfähig sein können. In Polen oder Tschechien produziert und für 3500€ auf den Markt, ganz sicher 😉

Micci
9 Stunden her

Wann die Deutschen zu einer Kurskorrektur bereit wären, lässt sich daraus hochrechnen, wann den Deutschen dämmerte, dass der Weg seit ’33 ein übler war.
Und? Wissen sie, wann die Mehrheit das begriff?
1943? 44? 45?
Weit gefehlt – es dürfte so um 1950 gewesen sein 🙁

CasusKnaxus
9 Stunden her

Tja die Zeiten der Plauener Spitze sind….Vielleicht jetzt ein Eselaufzucht – „Startup“?

Minusmann
9 Stunden her

Hallo, Herr Kolbe…? Man muss nur fest daran glauben. Ihnen und anderen fehlt die richtige Einstellung, die Haltung. Ich kenne einige in meinem Umfeld, die sich nicht beirren lassen und Robert Habeck nach wie vor für ein Genie halten. Und wirklich: er war ja kein Wirtschaftsminister, er war ein Wirtschaftsphilosoph. Und was verstehen Sie, Herr Kolbe, von Wirtschaftsphilosophie?

Haba Orwell
9 Stunden her

> Kaufprämien von bis zu 25 Prozent, gedeckelt bei 3.500 Euro, sollten den Absatz dieses Gefährts stimulieren und einen Markt schaffen, der sich eines Tages auf wundersame Weise selbst tragen sollte.

Wieso nicht 15 Tsd., dann wären die Lastenfahrräder der absolute Renner (Sarkasmus). Wenn es so weiter geht, hat Nordkorea mehr Marktwirtschaft (und Freiheit) als Merkelstan.