Stromanschluss nach Rangliste – Ökoparadies Hamburg verwaltet den Mangel

Die grüne Transformation scheitert auf allen Ebenen an den inneren Widersprüchen der Zentralplanung. In Hamburg lässt sich in der Praxis studieren, was das bedeutet: Neue Unternehmen mit großem Energiebedarf finden sich jetzt auf einer Warteliste für Netzanschlüsse wieder.

picture alliance/dpa | Ulrich Perrey

Eine alte Ökonomenweisheit besagt, die eigentliche Kompetenz des Staates liege darin, künstliche Knappheiten und Schwarzmärkte zu schaffen. Korruption folgt auf dem Fuße – die eherne Lehre der Staatswirtschaft lautet: Transparenz und leistungsgerechte Belohnung garantiert nur der freie Markt. In Hamburg lässt sich in diesen Tagen studieren, was dies tatsächlich heißt. Seit Montag gelten in der Hansestadt die Regeln des „Fair Grid“.

Was bedeutet das konkret? Unternehmen, die innerhalb des Hamburger Energienetzes einen neuen Netzanschluss beantragen, der eine Leistung von mehr als 1,5 Megavoltampere benötigt, finden sich künftig auf der Liste eines zentralen Zuteilungsverfahrens wieder. Für Batteriespeicher gilt ein Schwellenwert von 300 Kilovoltampere. Willkommen im Hamburg der Ökosozialisten, in der Hansestadt der Energiebewirtschaftung. Der Hamburger Netzbetreiber – der seit September 2024 durch eine Fusion den Namen Hamburger Energienetze GmbH trägt – misst und regelt die Zuteilung von Netzkapazitäten an den Netzknotenpunkten primär in der Einheit Megavoltampere (MVA) beziehungsweise Kilovoltampere (kVA) für die Anschlussleistung (Scheinleistung). Auf übergeordneter Netzebene wird die gesamte Netzauslastung oder der Gesamtbedarf der Stadt in Megawatt (MW) oder Gigawatt (GW) angegeben.

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Verantwortlich für den Zuteilungsprozess sind die Hamburger Energienetze, ein öffentlicher Netzbetreiber, dessen Funktionäre die eingereichten Projekte anhand einer Kriterienmatrix bewerten, in die unter anderem der Stand der Grundstückssicherung und der Genehmigungsverfahren einfließt. Anschließend wird eine Rangfolge der Projekte gebildet, nach der die verfügbaren Kapazitäten verteilt werden – Repartierung nennt sich dieses Verfahren. Und fair soll es zugehen, wie der politisch motivierte Name „Fair Grid“ insinuieren soll. Es ist die wunderbare Welt der grünen Transformation, in der volatile Energieströme aus erneuerbaren Energien zu großen Teilen dann anfallen, wenn sie niemand braucht oder nutzen kann, und anschließend zu unmöglichen Kosten exportiert werden müssen.

Im ersten Vergabezyklus bis zum 30. September 2027 stehen für gewöhnliche Großprojekte allerdings weder feste noch flexible zusätzliche Anschlusskapazitäten zur Verfügung. Projekte der Daseinsvorsorge sind freilich ausgenommen. Hier entfaltet sich die ganze Macht der Politik: Sie besitzt die Deutungshoheit darüber, was für die Hamburger Stadtbevölkerung wichtig ist und was weniger wichtig ist. Ein Traum für jeden ideologisch angetriebenen Politiker, für jeden Funktionär, der sich in der neuen Funktionärskammer der Energieverknappung eingerichtet hat. Unternehmen müssen also zunächst Projekte anmelden, bergweise Unterlagen einreichen, die ihren Anspruch auf Energiezuteilung legitimieren, und anschließend auf eine spätere Zuteilung hoffen.

Liebe Hamburger, so wird das nichts mit den Investitionen und der Prosperität – ihr lebt das Schlusskapitel des Ökosozialismus vor. Zudem sollten Sie sich in Hamburg hanseatisch stilvoll auf einen dauerhaften Abschwung der Wirtschaft einstellen. Denn wer den Zugang zu elementaren Voraussetzungen wirtschaftlicher Tätigkeit wie dem Energienetz nicht gewährleisten kann und ihn stattdessen durch bürokratische Auswahlverfahren und politische Willkür ersetzt, wird Schiffbruch leiden, um einmal im nordischen Bild zu bleiben.

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Politische Willkür schlägt schnell in Korruption um. Sie ist die Quintessenz jeder Staatswirtschaft: Machthungrige Funktionäre kreieren Abhängigkeiten in der Wirtschaft – der politische Überbau schafft sich seine Klientelökonomie. Wir kennen das aus dem Komplex der grünen Transformation zur Genüge. Die sogenannte Kriterienmatrix der Hamburger Energienetze mag auf dem Papier als neutrales Verwaltungsinstrument erscheinen. Doch hinter jeder Prioritätengewichtung lauern jene Ermessensspielräume, die in der Konsequenz das Investitionsklima vergiften.

Das von der Politik geschaffene Knappheitsproblem lässt sich im Falle Hamburgs beziffern. Dem städtischen Netzbetreiber liegen nach eigenen Angaben Leistungsanfragen von rund drei Gigawatt vor. Das entspricht dem 1,7-Fachen der heutigen Netzhöchstlast der gesamten Hansestadt von rund 1,8 Gigawatt. Die Nachfrage stammt vor allem aus Bereichen wie Rechenzentren, Batteriespeichern und industriellen Großverbrauchern – das ist nicht überraschend, das hätte man antizipieren müssen. So viel zur Effizienz der Zentralplanung. Die Bezeichnung „Scheinleistung“ bekommt deshalb im Funktionärsdeutsch grüner Transformatoren eine weitere und ganz besonders realistische Bedeutung für die Zuteilung von etwas, dass es nicht gibt.

Wie viele Unternehmen und Projekte konkret auf die Gnade einer Anschlusszusage hoffen, beziffert der Netzbetreiber bislang nicht. Bereits zugesicherte Anschlüsse mit einer Gesamtleistung von mehr als 400 Megawatt sollen zwar noch realisiert werden. Für neue Großprojekte aber ist die Tür im ersten Vergabezyklus vorerst geschlossen.

Willkommen im grünen Paradies Hamburg, einer Stadt, die sich dem höchsten Prinzip der Emissionsjungfräulichkeit bis zum Jahr 2040 zu unterwerfen gedenkt – ein ideologischer Sturmlauf gegen die Vernunft, der auf halbem Wege sein ernüchterndes Ende finden dürfte.

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Frost macht sich jetzt schon breit in der Hamburger Wirtschaft. „Ohne Großanschlüsse können sich keine relevanten Rechenzentren, Speicher oder Industrieproduktionen ansiedeln“, warnte Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. Scharfe Töne von einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft, die den grünen Pfad der Politik lange Zeit kritiklos unterstützte. Doch wenn es ernst wird, häufen sich die Klagen der Mitgliedsunternehmen – dann geraten auch staatsnahe Funktionäre in Erklärungsnot. Ähnlich sieht der Unternehmensverband UVNord die Lage. Er warnt davor, dass auf Jahre hinaus die Planungssicherheit für Elektrifizierungsprojekte gefährdet sein dürfte.

Aus Sicht der Hamburger Energienetze ist dies kein Problem: Sie verweisen auf milliardenschwere Ausbaupläne und planen in den kommenden fünf Jahren Investitionen in Höhe von rund drei Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur der Hansestadt. Im Planen sind Zentralplaner bekanntlich Weltmeister. In der realen Welt scheitern sie an Physik, Mathematik und Logik.

Der entscheidende Engpass liegt vor allem an den Übergabepunkten zum überregionalen Höchstspannungsnetz. Deren Ausbau kommt nicht schnell genug voran. Und selbst nach Einschätzung der Netzbetreiber könnte die Mangellage noch bis zum Beginn der 2030er-Jahre anhalten. Wer es glaubt, wird selig.

Es wird weit darüber hinaus zu großen Problemen kommen, da es auch Hamburg an grundlastfähiger Energie mangeln wird, wenn im kommenden Jahr die Importe aus russischen Gasquellen tatsächlich entfallen sollten. Über der Stadt hat sich der perfekte Energiesturm zusammengebraut.

Angesichts der hohen Energiekosten ist es im Land bislang erstaunlich ruhig. Doch es bleibt abzuwarten, was geschieht, wenn der Arbeitsmarkt zum Spiegelbild des energiepolitischen Versagens wird. Dass bislang eine halbe Million Industriejobs gestrichen wurden, scheint die Deutschen nicht weiter zu beunruhigen.

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Kommentare ( 14 )

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Michael W.
23 Stunden her

Die Unternehmen wollten das nicht anders. Die hatten sich das zwar anders vorgestellt, aber alle, die denken können, haben gewarnt.

Mausi
1 Tag her

Gas und Strom sind die Mittel der Kontrolle. Ob wohl Heizöl oder Sprit diese Kontrollmöglichkeiten bieten? Hauptsache wir glauben an CO2 und Klima.

Biskaborn
1 Tag her

Die Hamburger sind tief Links und Grün , die sind zufrieden auch wenn sie für ihr Unternehmen erst einmal keinen Anschluss bekommen. Da wird es keinen Widerstand oder lauthals Kritik geben!

Schwabenwilli
1 Tag her

Ja und, dann wirds halt nix mit der Superduper Energiewende, egal um die verpulverten Milliarden, der gute Vorsatz hat gezählt das ist wichtig, wir sind die Guten, die blöden Naturgesetze können uns bloß nicht leiden.

So denken Sie die Tonangeber aus Politik und Medien.

Adlershofer
1 Tag her

Ich gönne das den Hamburgern. Weil sie es genau so gewählt haben. Niemand ist Grünlikswoke verstrahlter als meine (gottseidank nur angeheirateten) Hamburger Verwandten.

Mausi
1 Tag her
Antworten an  Adlershofer

„Die Hamburger“ sind davon (noch) nicht betroffen. Insofern merken nur diejenigen etwas, die ihre Jobs verlieren. Als nächstes geht der Hafen unter. „Die Hamburger“ – ehemals stolze Kaufmannsleute – leben dann vom Länderfinanzausgleich. Funktioniert doch in Berlin ausgezeichnet. Seit Jahren, Jahrzehnten.

Last edited 1 Tag her by Mausi
jwe
1 Tag her

Die Hamburger sind konsequent. Da außer dem alten Kohlekraftwerk in Wedel (aus den 1960er Jahren) alle Groß-Kraftwerke im Hamburger Umland abgeschaltet und zerstört wurden (Krümmel, Moorburg, Stade, Brokdorf), ist nix mehr da, was eine planbare Versorgung sichern kann. Die Alternative wäre, Großverbraucher bei Bedarf abzuschalten. Das würde auch die restliche Industrie schnellstens vertreiben.

Paul Brusselmans
1 Tag her

Das wars mit dem Hafen. Mal nach Antwerpen schaue: Kernkraftwerk, Chemiepool auf einer Halbinsel..

Raul Gutmann
1 Tag her

1. Wenn Deutsche etwas Negatives beschreiben wollen, weichen sie ins Englische aus. „Fair Grid“! – Gelächter. Eher less grid.
2. Man wundert sich, wie lange es gedauert hat, bis der Strommangel offenkundig wurde. Auch dürften andere Stromversorger dieses Landes Hamburg als Avantgarde der grünen Transformation folgen.
3. Zugegeben, Voltampere ist die gesetzliche SI-Einheit der elektrischen Scheinleistung in einem Wechselstromkreis. Trotzdem drängt sich der Verdacht auf, es handelt sich um eine von Sozialisten geschaffene Umbenennung zur Verwirrung der Verbraucher. In bürgerlichen Zeiten sagte man Watt dazu.
Postskriptum
„…Bedeutung für die Zuteilung von etwas, das es nicht gibt.“

Michael W.
22 Stunden her
Antworten an  Raul Gutmann

Die Leute, die mit solchen Leistungen angeschlossen werden, wissen, was der Unterschied zwischen VA und Watt ist! Ich kenne ihn auch. Aber die Mehrheit der Leute muss das nicht interessieren, weil die nur die Wirkleistung bezahlen. Für diese Leute: Scheinleistung ist der Schaum, Wirkleistung das Bier drunter.
Außerdem gilt: Macht, Watt ihr Volt.
Elektrizität ist, wenn man morgens mit Hochspannung aufsteht, mit Widerstand zur Arbeit geht, den ganzen Tag gegen den Strom schwimmt, geladen nach Hause kommt, an die Dose fasst und eine gewischt kriegt.

Marie
1 Tag her

außerdem:
Corona-Enquete-Kommission: Vertrauen der Bürger verspielt? –
AfD-Fraktion im Bundestag
https://www.youtube.com/watch?v=VblrV6d4ngc&t=41s

twsan
1 Tag her

Ich glaube nicht, dass das die Hamburger Wähler rechtzeitig interessiert.

Dazu sind sie entweder zu blöde oder massenmedial zu verpeilt.

Die Wähler werden erst aufwachen, wenn es richtig knallt. Dann ist es aber für ein „gerade noch die Kurve kriegen“ zu spät.

Last edited 1 Tag her by twsan