Was Politiker, die Ärzten misstrauen, nicht vergessen sollten

Seit Wochen wird die Einbindung von Hausärzten in die Impfstrategie diskutiert und immer wieder verschoben. Politiker misstrauen Ärzten. Doch in der Bevölkerung ist das Vertrauen anders verteilt.

IMAGO / MiS
Dr. Heinz Leuchtgens, Ärztlicher Leiter des Wörishofener Impfzentrums

Künftig sollen auch Ärzte ihre Patienten gegen Corona impfen dürfen. Dabei wurden immer wieder verschiedene Termine angekündigt: erst Ende März, dann Anfang April. Mal ist die Rede vom 19. April, und gestern sprachen einige von Mai. Ein Arzt sagt in der Welt: „Die Menschen müssen sich aber auf die Aussagen der Bundesregierung verlassen können. Viele meiner Patienten haben den Versuch aufgegeben, einen Termin im Impfzentrum auszumachen, und wollen lieber abwarten, bis ich sie impfen kann. Die hängen nun vielleicht Monate wegen falscher Ankündigungen in der Luft. Wieder andere versuchen seit Wochen erfolglos, einen Impftermin zu bekommen.“

Und er fügt hinzu, dass Ärzte ihre Patienten sehr genau kennen und wissen, wer in der Impfreihenfolge in Priorität 1 oder 2 steht – diese beiden Gruppen sind jetzt bereits impfberechtigt. „Außerdem haben wir doch selbst größtes Interesse daran, unsere Hochrisikopatienten so schnell wie möglich zu schützen. Der Vorwurf, wir würden diese Prioritäten ignorieren und wahllos Menschen impfen, ist eine Frechheit.“

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Politiker, die Ärzten misstrauen, sollten sich mal die Umfragen anschauen, wem die Deutschen vertrauen: Auf einer langen Liste von Berufen stehen Ärzte an vierter Stelle – nach Feuerwehrleuten, Sanitätern und Krankenschwestern. 89 Prozent der Deutschen sagen, dass sie Ärzten vertrauen. Politiker stehen dagegen mit 14 Prozent auf dem letzten Platz der Liste, nach Versicherungsvertretern, denen 23 Prozent der Deutschen vertrauen. Und ich vermute, das totale Versagen der Politik in der Coronakrise hat das Vertrauen sicherlich nicht befördert.

In Deutschland siegt mal wieder der Gerechtigkeitswahn und die von Neid getriebene Furcht, irgendein „Bessergestellter“ könne wegen guter Beziehungen zu seinem Arzt „außer der Reihe“ geimpft werden, über den Pragmatismus. In den USA wird überall geimpft, u.a. auch in Drogerien. Nun gut, wir können uns ja damit trösten, dass wir zwar weit hinten im Impfranking verschiedener Länder stehen, dafür jedoch unangefochtene Weltmeister im Impf-Bürokratismus und im Kampf gegen „Impfnationalismus“ sind.

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Kommentare ( 21 )

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Mausi
4 Monate her

Es hat zig Monate gedauert, bis der erste Coronafall jetzt in unserem Bekanntenkreis aufgetreten ist. Aber jetzt schon zwei Fälle von Nebenwirkungen = Krankheitssymptome. Gut, ich gehe davon aus, dass die vorbeigehen. Ich frage mich aber, wie gut die alten Menschen diese Symptome (ein Tag im Bett, drei Tage im Bett bei fitten Personen) überstehen. Im Altersheim suchen die „Hausärzte“ bei den Geimpften jetzt nach T-Zellen. Aber vom Versuch am Menschen darf ich nicht reden. Über Wirkung der Impfung analog zur Grippe, was heißt, jeden Herbst neu impfen, sollte keiner nachdenken. Mir wäre es sehr recht. Impfzwang kann dann nicht… Mehr

Last edited 4 Monate her by Mausi
Ulrich
4 Monate her

Durch die Impfzentren ist ein System installiert worden, das man gut als „organisierte Verantwortungslosigkeit“ bezeichnen kann. Die Anamnese macht wohl eine Hilfskraft von der Bundeswehr und den „Schuss“ setzt dann als nächste Position am Fließband ein Arzt, der wie in Thüringen 175€/h dafür bekommt. Treten Nebenwirkungen auf, kann sich der Arzt damit herausreden, dass er von etwaigen Vorerkrankungen nichts weiß und die Hilfskraft ist zwischenzeitlich mit der Verteidigung Deutschlands am Hindukusch betraut. Bei einem Vertauensverhältnis zwischen Hausarzt und Patient kann es da schon vorkommen, dass der Arzt die Notbremse zieht. Das ist aber von der Politik nicht gewünscht.

Th. Nehrenheim
4 Monate her

Sehe ich leider ähnlich. Ärzte sind auch nur Bürger, und die lassen sich mehrheitlich zu jeder Wahl kaufen.
Warum diagnostizieren Ärzte als Todesursache Covid-19, wenn der Verstorbene tatsächlich an Altersschwäche verstorben ist? Gibt es dann mehr Geld? (Vermutung, ich weiß es nicht!)

Last edited 4 Monate her by Th. Nehrenheim
fisco
4 Monate her

Die Ärzte sollen einfach nichts von dem Gewinn aus der durch Panikmache künstlich erzeugten hohen Nachfrage nach einem umstrittenen Produkt abbekommen. Sie würden außerdem Nebenwirkungen und Todesfälle nach Impfungen durch ihr Wissen über Patienten gut bewerten können. Und dadurch vielleicht zu der durchaus möglichen realistischen Schlussfolgerung gelangen, dass diese übereilt freigegebenen Impfstoffe entweder nichts bringen oder auf lange Sicht sogar schaden können. Dann wäre es mit dem schönen Geldregen und dem Verordnungsrausch ganz schnell vorbei. Alles andere sind m.E. vorgeschobene Gründe.

gast
4 Monate her

Ich würde mir das als Arzt dreimal überlegen. Wenn der Wind sich dreht, steht er vor Gericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung oder Mord. Es handelt sich hier um ein Medikamentenexperiment am Menschen. Es handelt sich um notzugelassene Medikamente. Wenn der gesunde Mensch nicht in Not ist, darf man sie ihm natürlich nicht geben. Sie sind nicht getestet worden.

Soeren Haeberle
4 Monate her
Antworten an  gast

Ja da liegt der Hase im Pfeffer: Die Haftungsfrage!
Wie sieht es haftungstechnisch eigentlich bei „uns“ aus, wenn die Impfschadenwelle anrollen wird?
In etwa so wie Pfizer es versucht hat in Südamerika:

LINK – New Delhi-based World Is One News (WION):
Pfizer wird beschuldigt, lateinamerikanische Regierungen bei Verhandlungen über Covid-Impfstoffe „einzuschüchtern“ und hat von einigen Ländern verlangt, staatliche Vermögenswerte wie Botschaftsgebäude und Militärbasen als Garantie für die Kosten zukünftiger Rechtsfälle zu hinterlegen,

Erinnert irgendwie an die geplanten internationalen TTIP-Schiedsgerichte, hat die EU / „Wir“ für Pfizer/Biontech die Haftung bereits übernommen?
Wenn ja, zeigt sich ‚mal wieder; Gewinne privatisieren, Risiken/Verluste sozialisieren.

das Lottchen
4 Monate her

 Nun gut, wir können uns ja damit trösten, dass wir zwar weit hinten im Impfranking verschiedener Länder stehen, dafür jedoch unangefochtene Weltmeister im Impf-Bürokratismus und im Kampf gegen „Impfnationalismus“ sind.
Das Versagen auf allen Ebenen zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Coronasache.
Inzwischen mehren sich die Meldungen zu „unerwünschten Nebenwirkungen/ Todesfällen“.
Das Versagen ist schon peinlich, aber am Ende… wer weis wofür es gut ist.

Manfred_Hbg
4 Monate her

Zitat: „Politiker stehen dagegen mit 14 Prozent auf dem letzten Platz der Liste, nach Versicherungsvertretern, denen 23 Prozent der Deutschen vertrauen.“ > Hahaha….., prust: keine weiteren Fragen mehr(wobei dies aber eigentlich ja zum heulen ist) Was aus Sicht der großen Bevölkerungsmehrheit die Unfähigkeiten, Vertrauenswürdigkeiten und Schlechtigkeiten unserer Altparteien-„Elite“ betrifft, hier überrascht und wundert mich mittlerweile und ganz besonders auch seit 2015 gar nix mehr. Und das hinzu wenn ich bedenke, dass ich mal jemanden sagen hören habe, dass auch für ihn in der Beliebtheitsskala die Schlimmsten die Kinderschänder sind und gleich danach die heutigen Politiker kommen. Ich denke das sagt… Mehr

Soeren Haeberle
4 Monate her

Ja, Augen auf beim Käsekauf!
Nicht der Titel ist entscheidend, sondern an seinen Taten werdet ihr den hinter dem Titel stehenden Menschen erkennen.
Oder pointiert ausgedrückt: Auch Mengele war Arzt, also „der“ Mengele.

Kassandra
4 Monate her

Wahrscheinlich geht es um Kontrolle.
Denn mit der Übergabe der Impfmöglichkeit an Praxen werden die Listen, die momentan noch geführt werden, obsolet. Zudem wäre das doch seltsam, wenn ein Arzt seine Patienten irgendwo als „geimpft“ oder „ungeimpft“ melden müsste – oder wird das bei Grippeimpfungen so gehandhabt?
Apropos: wer führt die Listen und woher kommen die Adressen und geht das hinsichtlich des Datenschutzes eigentlich alles mit rechten Dingen zu oder ist der für den Fall inzwischen auch komplett ausgehebelt?
All das erinnert an ganz und gar üble Zeiten.

bkkopp
4 Monate her

“ Misstrauen “ ist es wahrscheinlich nicht. Die Gesundheitsbehörden wollten es zuerst einfach selber organisieren. Sie wollten und haben eine große Zahl von Impfzentren eingerichtet, die ca. Mitte Dezember fertig waren. Mit der nötigen Zahl an Amigos hat diese Sachinvestition gut funktioniert. Nur weil noch nichts aufgeflogen ist ist kein Beweis, dass es dabei nicht freihändige Aufträge mit Schmiermitteln gab. Wie bei den Masken auch. Bei der Frage wer dann in diesen Impfzentren tatsächlich impfen soll, hat man sich seit Monaten verzettelt. Man hätte es am liebsten billig gehabt. Dafür waren die niedergelassenen Ärzte nicht in ausreichender Zahl zu gewinnen.… Mehr