Warum die Empörung über die schlagende Polizistin unangemessen ist

Eine Polizistin ist zum Objekt der öffentlichen Empörung geworden, weil sie gefilmt wurde, wie sie einen Mann schlägt, der in Gewahrsam genommen wurde. Doch man versteht die Szene nur, wenn man mehr erfährt, als im Video zu sehen ist.

imago Images(Alexander Pohl
Symbolbild

Große Aufregung um ein Video in Krefeld. Zu sehen ist, wie mehrere Polizisten versuchen, einem Mann eine Handfessel anzulegen, dabei hat eine Polizistin zugeschlagen. Der Mann, der dabei in Gewahrsam genommen werden soll, wehrt sich heftig. Es ist müßig, darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei nur um einen kleinen Ausschnitt aus einem Gesamtszenario handelt.

Was war geschehen?

Bereits im September hatte der Tatverdächtige versucht, die Wohnung in Brand zu setzen. Zeugen berichteten, dass aus der Wohnung oftmals Schreie zu vernehmen waren, die Polizei sei deshalb „Dauergast“ gewesen. Nachbarn haben den Medien gegenüber berichtet, dass die betreffende Person als „aggressiv“ gilt.

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Nach einer mutmaßlichen gegenwärtigen Brandstiftung hatte der 47-jährige Bewohner seine 28-jährige Freundin in ein Zimmer eingeschlossen. Als die eingesetzten Beamten den Mann aus der Wohnung führen wollen, beginnt dieser sich heftig zu wehren. Dabei soll er die Beamten unter anderem mit einer stockähnlichen Metallzange angegriffen haben. Die Polizisten sahen sich deshalb genötigt, unmittelbaren Zwang anzuwenden. Diese umfangreiche Vorgeschichte zeigt das Video nicht, es hätte sich hierfür vermutlich auch kaum jemand in der jetzt so empörten Öffentlichkeit dafür interessiert.

Inzwischen sitzt der Tatverdächtige wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung in Untersuchungshaft. Wer wiederholt Feuer in einem Mehrfamilienhaus legt, gefährdet in extremer Weise Leben und Gesundheit sämtlicher Hausbewohner, inklusive Kindern. Gegenwärtig prüfen die Behörden, ob die Person unter Drogen stand oder ob eine „psychische Störung bzw. Erkrankung“ vorliegt.

Wenn man sich das Video näher anschaut, kann man sehen, wie der Mann am Ausgang des Hauses erfolglos versucht einen Beamten in den „Schwitzkasten“ zu nehmen, was diesem aber aufgrund der Gegenwehr nicht gelingt. Jedoch kann der Tatverdächtige sich losreißen und versucht zu fliehen. Dieser Versuch hat zur Folge, dass nun die Eingangs erwähnte Polizistin eingreift, die man später heftig wegen der Wahl ihrer ergriffenen Maßnahmen kritisieren wird. Zu sehen ist auch, dass der Bewohner immer noch diesen schon beschriebenen, stockähnlichen Gegenstand krampfhaft festhält, mit dem er durchaus in der Lage wäre, Polizeibeamte ganz erheblich zu verletzen. Erst nach dem Eingreifen und mehreren erfolgten Schlägen der hinzukommenden Polizistin gelingt es endlich, der Person diesen gefährlichen Gegenstand zu nehmen.

In der weiteren Folge versuchen die Polizeibeamten aus Eigensicherungsgründen, den Mann zu Boden zu bringen, um diesen zu fixieren. Offensichtlich haben sie die Absicht, Handschellen am Rücken anzulegen. Diese Vorgehensweise ist völlig korrekt und vor allem sehr notwendig. Die Person wehrt sich jedoch nach wie vor heftig dagegen. Die betreffende Beamtin fordert mit Worten sowie eindeutig zu sehenden Gesten wiederholt die Bodenlage des Delinquenten. Als das erfolglos bleibt, versucht sie mehrfach seinen Kopf in Richtung des Bodens zu drücken, was ebenfalls nicht gelingt, die Person befindet sich immer noch im (Wider-)Stand. Erst nach den Schlägen gegen den Kopf geht der 47-jährige doch zu Boden. Zwischenziel der Maßnahme erreicht, dem Tatverdächtigen können zur Sicherung nun Handschellen angelegt werden.

Inzwischen trifft die Feuerwehr ein, um den Wohnungsbrand zu löschen. Was man aktuell erleben kann, ist die leider üblich gewordene Internethetze gegen die eingesetzten Beamten, vor allem gegen die Polizistin. Es mag durchaus sein, dass es für Laien kein schöner Anblick ist, wenn mehrere Personen auf eine einzelne einwirken. Das wird Zuschauern vorkommen wie David gegen Goliath und Solidaritätsgefühle auslösen. Ähnlich einem Fußballspiel, wenn ein Viertligist im DFB-Pokal gegen Bayern München antreten muss. Da drückt man gern dem vermeintlich Unterlegenen beide Daumen.

Der Fall liegt für mich jedoch völlig klar: Um das Leben, Gesundheit und Sachwerte vor dem erheblichen Gefahrenpotential des Tatverdächtigen zu schützen, erscheinen mir die Maßnahmen berechtigt, auch die Schläge. Die Vorermittlungen gegen die Beamtin sind demzufolge einzustellen.

Ich weiß aus eigener Erfahrung wie schwierig es werden kann, hocherregte Personen, die zusätzlich vielleicht unter Drogen oder anderen Wirkstoffen stehen, zu fixieren. Wenn es etwas daran zu kritisieren gibt, dann an der zentralen Aus- und Fortbildung, weniger an den einzelnen Polizeibeamten.

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In den letzten sechs Jahren sind für Polizisten die vielfältig bekannten Probleme dazugekommen. Die Personalstärke war jedoch zuvor jahrelang ausgedünnt worden. Dienststellenleiter und andere Vorgesetzte konnten dadurch immer weniger Beamte zu den erforderlichen Trainingsmaßnahmen schicken. Warum? Weil dadurch von den wenigen Verbliebenen noch weniger Beamte für die tägliche Arbeit zur Verfügung stehen würden.

Aber weniger Training bedeutet vor allem ein geringeres professionelles Einschreiten. Die Fehlerquote erhöht sich, Halbfertigkeiten sind Unfertigkeiten. Gestiegen ist jedoch die politische Einflussnahme mit allerlei diversen Seminaren. Ich erlebte selbst so ein „Seminar“, indem der „Dozent“ die hinzukommenden Menschen aus den Jahren 2015/2016 mit den deutschen Vertriebenen von 1945 permanent gleichsetzte, obwohl Kulturfremde auf der einen Seite und Deutsche zu Deutschen auf der anderen Seite zu verzeichnen waren. Ich zeige am Beispiel des Landes Brandenburg, wie die Fortbildungszahlen systematisch zurückgegangen sind*.

WBZ = Weiterbildungszentren

LZE = Lernzeiteinheit

Verantwortlich für diesen Rückgang sind bundesweit die gleichen Politiker, die gegenwärtig unsere Polizei unter einen Generalverdacht stellen wollen. Sie agitieren etwas vom Vertrauensverlust der Polizei in der Bevölkerung, obwohl Politiker nach den Umfragewerten ein deutlich geringes Maß an Vertrauen vorweisen können als die Polizei genießt.


*Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage Nr.2579 des Abgeordneten Björn Lakenmacher (CDU-Fraktion), Drucksache 6/6288 vom 02.05.2017, eingesehen am 16.05.2017


Steffen Meltzer, Autor von Ratgeber Gefahrenabwehr: So schützen Sie sich vor Kriminalität – Ein Polizeitrainer klärt auf

 

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Kommentare ( 110 )

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Sonny
6 Tage her

Ich sehe überhaupt nicht ein, warum Polizisten bei offensichtlichen Straftätern Samthandschuhe anziehen sollten. Chapeau Frau Polizistin, Sie genießen meinen unverhohlenen Respekt. Sie haben dafür gesorgt, dass die Bevölkerung vor weiterem Unheil geschützt wird. Und die „Allah ist groß-Rufe“ dieses Idioten hätte ich mit lautstarkem Lachen begleitet und angemerkt, dass Allah gerade Mittagspause hat. Weiterhin k… mich an, dass immer erst „geprüft“ werden muss, ob bei Straftätern psychische Fehlschaltungen im Gehirn verantwortlich gewesen seien. Pardon, aber für mich haben 99% der Straftäter nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das ist aber für mich keine Entschuldigung für Straftaten. Die eigentliche Frage ist… Mehr

WFBeck
5 Tage her
Antworten an  Sonny

Ja, sie sind eingeschüchtert! Werden systematisch überwacht! Denunzianten machen steile Karrieren. Entnazifizierungskurse sind die Regel. Handys werden abgehört. Eben DDR 2.0. Die Stasi lässt grüßen. Für die jungen rot grünen Linken, war die Stasi doch nur ein Freizeitverein. War alles ganz harmlos. Deshalb wird jetzt auf die Polizei eines demokratischen Staates eingeprügelt. Es ist eine Schande. Die orwellschen linken Schweinepolitiker sollten sich schämen.

binweitweg
6 Tage her

Um Himmels Willen- sie hat den „Floyd“ gemacht ! Es ist schon mehr als erschreckend, wie häufig man in den Medien darüber diskutiert, ob das Verhalten der staatlichen Sicherheitskräfte ggü. dem Täter “ angemessen “ ist. Habe unlängst in der Berliner S-Bahn erfahren dürfen, daß ein sich weigernder – also schwarzfahrender und von den Kontrolleuren gejagter weißer junger Mann ebenfalls den „Floyd“ bekam. Ob es sich dabei um eine offizielle und der Verfahrensweise und den Bestimmungen der Berliner Verkehrsbetriebe handelt ?. Jedenfalls bestand die Truppe der Controlletties offensichtlich aus keinem biodeutschen Background- jedenfalls sprachen sie sich mit „Bruder“ an und… Mehr

Niklot
6 Tage her

Sicher stinkt der Fisch vom Kopf her und die schlechte politische Führung und Ausbildung sind zu kritisieren. Dennoch habe ich Bauchschmerzen, wenn man einer Person auf den Kopf schlägt, erst recht wenn es Polizisten tun. Die Art von Schlägen machen noch nicht mal den Eindruck, als wollten sie erreichen, dass die Person eine bestimmte Körperposition einnimmt.

Riffelblech
6 Tage her

Wer ist denn in den Medien ach so gerecht ,das sie den Randalierer als Opfer von Polizeigewalt sehen . Doch offensichtlich linksvergrünte Mitmenschen ,denen es nix ausmacht wenn bei sog. „ Aktivistenaktionen „ jemand schwer verletzt wird . Nein ,die Polizistin hat Mut bewiesen und ist zu bewundern ! Richtig so und beim nächsten Mal genau so weiter ! Recht und Ruhe muß in diesem Land verteidigt werden ,sonst übernehmen Linksalternative Anfifatruppen das Land . Und dann ,dann werden solche Bilder als leichter Zugriff verkauft ,denn es sind die Antifagegner ,die ohne zu randalieren auf dem Boden liegen . Gibt… Mehr

Deutscher
6 Tage her

Was zum Teufel ist eine „stockähnliche Metallzange“?

Dank, Respekt und Anerkennung an die Polizistin! Vorbildlich!

Fuerstibuersti
6 Tage her

Vielleicht ist der Randalierer ja auch vor Lachen zusammengebrochen 😉 Nein, sorry, Respekt vor dem Mut. Ein aggressiver Mensch mit einer Eisenstange o. ä. bewaffnet, ist potentiell lebensgefährlich. Zum Thema Körpergröße : ja, es gibt Frauen i. d. R. mit exzellenter Kampfsportausbildung, die haun bzw treten alles weg – auch 2 meter hohe Einbauschränke. Nur im engen Gerangel wird es kritisch – und bei Stich-und Distanzwaffen – aber das ist auch für Polizeihünen brandgefährlich. Üble Sache, das ganze. Nochmal sorry für meinen schlechten Witz am Anfang-diese Beamten mieszumachen ist nicht okay, sie setzen bei sowas definitiv ihr Leben aufs Spiel.… Mehr

Korner
6 Tage her

Herr Meltzer, es tut richtig gut, mal wieder etwas sachlich richtiges zu lesen. Diese Madenpickerei der ach so menschenrechtsachtenden Gemengelage, ist eine Farce. Dort wird mit übelsten Mitteln etwas konstruiert, was tatsächlich gar nicht zutrifft und dennoch feiert eine große Gruppe das als die einzige Wahrheit. Wenn das keine Verschwörungstheoretiker sind, was dann. Es muss leider festgestellt werden, dass mit der weiteren Verengung der durch Merkel ingang gesetzten Spirale von Manipulation und Halbwahrheiten allein zur Vertuschung ihrer verheerenden Fehler, eine Faktenselektion eingesetzt hat, die sehr bedenklich ist. Eine Aufklärung findet nicht statt, faktenbasierte Kommentare werden in den merkelaffinen Medien nicht… Mehr

Mortgelas
7 Tage her

Mein Vertrauen in die Polizei: moderat.
Mein Vertrauen in Politiker: Null!

jugend_attacke
7 Tage her

Natürlich ist die Polizistin wegen des Fautschlags zu kritisieren, ihre Kollegen aber umso mehr. Wieso wurde hier nicht von der Dienstwaffe Gebrauch gemacht? Stattdessen versucht man mit einem wildgewordenen Gewalttäter zu rangeln.

In den USA undenkbar. Dort gäbe es jetzt ein Problem weniger.

Manfred_Hbg
7 Tage her
Antworten an  jugend_attacke

Zitat: „. Wieso wurde hier nicht von der Dienstwaffe Gebrauch gemacht?“

> Weil es in Deutschland so etwas wie,“Verhältnismäßigkeit“ gibt und der Schuß mit der Waffe besonders strenge Regeln hat.

Alois Dimpflmoser
7 Tage her
Antworten an  Manfred_Hbg

Verhältnismäßigkeit? Zum Totlachen!
In der BRD tragen Polizisten die Dienstwaffe zur Dekoration und wehe einer macht davon Gebrauch!

Korner
6 Tage her
Antworten an  Manfred_Hbg

Wie viele Polizisten darf Ihrer Meinung nach ein aggressiver Täter verletzen oder töten, bis die sich wehren und vor allem ihren Auftrag erfüllen dürfen? Der Täter (ich schreibe ganz bewusst nicht Beschuldigte) wurde mehrfach bis eindringlich angewiesen. Die von ab da zu erwartende Kooperation und Einsicht des Täters für die Maßnahmen gibt es keinerlei Hinweis; im Gegenteil. Hätte er sich zur Klärung abführen lassen, hätte er nicht einmal Handschellen gesehen. Die Polizei setzt immer zuerst auf Deeskalation; außer, die Situation kann aktuell nicht mehr anders in den Griff bekommen werden (Massenschlägereien etc.). Der Hergang beschreibt ein minutenlanges Szenario des aktiven… Mehr

Manfred_Hbg
6 Tage her
Antworten an  Korner

1.) Wenn ich von „Verhältnismäßigkeit“ gesprochen habe, dann wollte ich damit sagen, dass wenn ein -wie auch immer- Täte o. Angreifer zB einen armlangen Knüppel o.ä. in der Hand hat und sich damit zur Wehr setzt oder den Polizisten angreift, dass der Polizist dann nicht einfach seine Waffe ziehen UND abdrücken darf um den Gegenüber eine Kugel zu verpassen. Anders sieht es aber wohl aus, wenn hier -wie auch immer- eine Situation entstanden ist wo für den Polizisten Lebensgefahr besteht oder ernsthafte gesundheitlichr Schäden befurchtet werden müssen(zB Angriff mit Baseballschläher, Messer, Nunchaku o.ä.). WOBEI – so vermute ich nun mal… Mehr

Alois Dimpflmoser
7 Tage her

Das schlimmste Fehlverhalten der Polizei wurde noch gar nicht thematisiert:
Polizist*Innen ohne Masken und Mindestabstand? Da ist ja wohl ein Disziplinarverfahren fällig!

Korner
6 Tage her
Antworten an  Alois Dimpflmoser

Sie hätte den dafür vorgesehene Wirkungsverstärker, genannt Schlagstock, nehmen müssen.