Gegen die Männer von anderswo sind unsere kein Schutz

Immer wieder kreist Anabel Schunke eine Frage in den letzten Wochen durch den Kopf: Wieso hat niemand die Frauen in Köln beschützt? Wieso konnten deutsche Männer offenbar nichts gegen die hundertfache sexuelle Belästigung tun? Die Ursache liegt in unserer Erziehung zur gewaltfreien Konfliktlösung. Was aber, wenn wir nun mehrheitlich mit Menschen aus einem Kulturkreis zu tun bekommen, die ihre Probleme ganz anders lösen?

Immer wieder kreist mir eine Frage in den letzten Wochen durch den Kopf: Wieso hat niemand die Frauen in Köln beschützt? Wieso konnten deutsche Männer offenbar nichts gegen die hundertfache sexuelle Belästigung tun? Und wieso scheint sich das an anderen Orten bei anderen Begebenheiten fortzusetzen? Weshalb scheinen Frauen, sofern sie sich nicht selbst verteidigen können, diesen Situationen restlos ausgeliefert zu sein? Wieso kann man hier in Deutschland im Zweifelsfall in solchen Situationen nicht mit Hilfe von Außen rechnen?

Der alltägliche „Clash of Civilizations“

Bei dem Versuch, diese Frage für mich selbst zu beantworten, ist mir bewusst geworden, dass es weit mehr Faktoren als die unterschiedliche Stellung der Frau, das Staatsverständnis und die vollkommen unterschiedlichen Ansichten über Werte wie Toleranz und Meinungs- und Religionsfreiheit gibt, die hier zu einem massiven „Clash of Civilizations“ führen können. Dass der eine Faktor, der spezielle eine Antwort auf diese Frage liefern kann, von solcher Tragweite ist, dass er vielleicht letztlich einen der Hauptgründe dafür darstellt, dass wir unsere eigenen Werte langfristig nicht mehr verteidigen werden können. Dass wir es zulassen, dass wir in unserer eigenen Gesellschaft in Geiselhaft von einer fremden Kultur genommen werden. Immerhin existieren sie ja jetzt schon, die No-Go-Areas in deutschen Städten, auch wenn Melanie Amann dies vorgestern bei Lanz nicht einsehen wollte und das obwohl sie als Merkel-Fan ja eigentlich hätte mitbekommen können, dass die Kanzlerin genau das in der Pressekonferenz am 14.03. bestätigt hat (ab Min. 23:40).

Es gibt sie ja längst, die Orte, wo man sich als Deutscher ohne Migrationshintergrund nicht mehr hintraut, wo andere das Sagen haben als die Polizei. Und es wird, glaubt man den vielen Frauen, besorgten Müttern und Vätern, die mir in den letzten Wochen Kommentare und Mails hinterlassen haben, bald auch immer mehr No-Go-Areas speziell für Mädchen und Frauen geben. Und dabei handelt es sich nicht um dunkle Straßenecken in irgendeinem Berliner Ghetto, sondern um die Orte des Alltags. Die Schwimmbäder, die Clubs, die Parks, die Einkaufszentren. Die Einschränkung der eigenen Freiheit? Bei Mädchen und Frauen hat sie längst begonnen. Natürlich will sich keiner einschüchtern lassen. Sicherlich will niemand, dass Schutz von Außen überhaupt notwendig ist. Dennoch denken Eltern im Zweifelsfall eher pragmatisch, als dass man aufgrund des höheren Wertes der Behauptung der eigenen Freiheit das eigene Kind einem nicht abzuschätzenden Risiko aussetzt. Zumal man weiß, dass Schutz von Außen zumeist nicht zu erwarten ist.

Das Problem, welches sich in dieser Angelegenheit beim Aufeinandertreffen zweier so unterschiedlicher Kulturen ergibt, ist hierbei ganz klar der Unterschied im Grad der Entwicklung und Art von Zivilisation. Eine der größten Errungenschaften, insbesondere der europäischen Gesellschaft, der Europäer selbst, ist jene der gewaltfreien Konfliktlösung. Bereits im Kindergarten wird uns beigebracht, dass Hauen keine Lösung ist. In der Schule lernen wir darüber hinaus mit jedem Schuljahr besser, unsere Meinung argumentativ zu vertreten. Unsere ganze Erziehung ist darauf ausgelegt, dass uns bewusst wird, dass man mit Gewalt keine Probleme löst. Dass Gewalt die Ultima Ratio ist, die uns in den meisten Fällen wenn überhaupt nur noch durch den Fernseher erreicht, wenn irgendwo Krieg herrscht. Und selbst da wird sie abstrakter, entfremdet sich zusehends vom Menschen. Drohnen, die per Joystick geflogen werden, haben nicht mehr viel mit einer direkten kämpferischen Handlung zu tun. Gewalt – etwas, womit viele allenfalls nur noch bei einer Diskoschlägerei unter Alkoholeinfluss in Berührung kommen. Wenn überhaupt.

Einen Konflikt zivilisiert lösen, wenn die Zivilisation des anderen anders ist?

Wir haben innerhalb unserer Gesellschaften in einem mühsamen Prozess, der sich über nicht weniger als Jahrhunderte erstreckt, gelernt, unsere Probleme mit Worten statt mit Fäusten zu lösen. Dabei gilt das auch hier freilich nicht für jeden, aber es herrscht zumindest ein breiter gesellschaftlicher Konsens darüber, dass wir unsere Konflikte miteinander weitgehend auf zivilisierte Art und Weise lösen. Etwas, worauf wir immer stolz waren, was wir zurecht als zivilisatorische Errungenschaft werten.

Was nun aber, wenn wir mit einem Mal durch den Flüchtlingsstrom über eine Million Menschen im Land haben, in deren Gesellschaften man ein völlig anderes Verhältnis zur Konfliktlösung besitzt? Die mit Gewalt teilweise aufgewachsen sind, die den Krieg, die kriegerische Auseinandersetzung unmittelbar erfahren haben? Wo man so etwas wie Toleranz gegenüber anderen Ansichten, Religions- und Meinungsfreiheit nicht gelernt hat. Wo die Frau geschlagen werden darf, wo man sich auf sexueller Ebene innerhalb der Ehe nimmt, was man will, wo Frauen, die sich nicht an diese Werte halten als Schlampen gelten und zu Freiwild avancieren und wo man Konflikte ohnehin untereinander eher mit Gewalt, denn mit Worten löst, weil oft schlichtweg schon die Bildung und Erziehung fehlt, die einem beibringt, dass man mit Worten langfristig mehr erreicht als mit Fäusten.

Ich sage Ihnen, was passiert. Es passieren solche Dinge wie Köln. Es passieren wie kürzlich wieder von Freunden berichtet, aggressive Überfälle in Clubs und Bars. Situationen, in denen junge Asylbewerber auf offener Straße junge Frauen als „Schlampen“ bezeichnen, weil sie feiern gehen, in denen junge Männer als „Hurensöhne“ bezeichnet werden, weil sie sie festhalten wollen, bis die Polizei eintrifft und sich niemand traut, diesen dreisten Menschen etwas entgegenzusetzen, weil man fürchten muss, dass sie jederzeit ein Messer aus der Tasche ziehen. Was wir hier erleben ist eine asymmetrische Konfliktlösung auf der Straße. Während die eine Hälfte vollkommen unbewaffnet und mit dem über 20-30 Jahre eingebläuten Mantra von der gewaltfreien Konfliktlösung da steht, zückt die andere Hälfte schon das Messer. Sie wissen um diesen Umstand. Und so wird unsere zivilisatorische Errungenschaft in solchen Situationen systematisch gegen uns verwendet. Nicht umsonst ist „Ihr könnt mir nix, ich hab’ Asyl“ wohl leider der meistgehörte Satz im Zusammenhang mit derlei Auseinandersetzungen.

Clan-Flashmob gegen Polizei und Zivilcourage

Daneben existiert ein weiterer kultureller Unterschied, der sich hier als fatal erweist. Die Tatsache „Kollektivismus vs. Individualismus“. So konstitutiv der sich in unseren westlichen Gesellschaften durchgesetzte Individualismus für den Erfolg von Werten wie Toleranz und Meinungsfreiheit, aber auch für die freie Marktwirtschaft und damit den Wohlstand der westlichen, arbeitsteiligen Gesellschaften ist, so sehr wird er uns in der Auseinandersetzung mit jenen, die in den kollektivistischen Gesellschaften der islamischen Welt aufgewachsen sind, zum Verhängnis. Die Polizistin Tania Kambouri beschrieb das Phänomen der Zusammenrottung bei Polizeieinsätzen in ihrem Buch „Deutschland im Blaulicht“.

Mittlerweile stellt es ein bekanntes Phänomen dar, dass auf migrantischer Seite binnen kürzester Zeit nach Absetzen eines Polizeirufs Dutzende Familienmitglieder und Freunde mobilisiert werden, die sich der eintreffenden Polizei oder der gegnerischen Konfliktpartei in den Weg stellen, auf sie einreden oder gar bedrängen. In den meisten Fällen übersteigt die Anzahl der versammelten Familienmitglieder und Freunde bei Weitem die Anzahl der chronisch unterbesetzten Polizei, die in der Folge nicht selten unverrichteter Dinge abrücken muss, weil es schlichtweg an Personal fehlt, um die Tatverdächtigen festzuhalten. Ein Beleg dafür, dass in diesem Land längst das Recht des Stärkeren gilt und eine Bankrotterklärung für den Staat, der in Bezug auf migrantische Straftäter und Asylbewerber längst nicht mehr dieser Stärkere ist.

Kann man unter solchen Bedingungen von deutschen Männern verlangen, dass sie sich dem entgegenstellen? Sollte man das überhaupt, wo doch das Gewaltmonopol beim Staat liegen sollte und keiner ernsthaft wollen kann, dass wir hier in tatsächliche Bürgerunruhen verfallen? Was aber, wenn der Staat in dieser Frage der öffentlichen Sicherheit versagt? Die Frage ist, wie lange noch seelenruhig dabei zugesehen wird, wie Frauen begrabscht, Menschen beklaut werden und einem dann noch süffisant grinsend ein „Ihr könnt mir nix, ich hab’ Asyl“ entgegen geworfen wird? Was, wenn die zivilisatorische Errungenschaft der gewaltfreien Konfliktlösung selbst nur mit selbstbewusstem Auftreten, was im für uns unschönen Endresultat vielleicht die Gewalt als Ultima Ratio zur Folge hat, verteidigt werden kann? Ist das schlussendlich die Konsequenz aus der Frage, wie viel Toleranz man der Intoleranz gewähren sollte?

Zivilisierte Konfliktlösung mit Gewalt-Zivilisierten?

Zweifelsohne ist es schwierig, darauf eine adäquate Antwort zu finden. Die gewaltfreie Konfliktlösung ist, wie eingangs erwähnt, ein Errungenschaft, welche wir uns in unserem eigenen zivilisatorischen Prozess hart erkämpft haben. Es gehört jedoch auch zur Wahrheit, festzustellen, dass sich genau diese Errungenschaft als Nachteil erweist, wenn sie auf jene trifft, die ihre Konflikte immer noch größtenteils mit Gewalt und im kollektivistischen Verbund zu lösen suchen. Am Ende, so die traurige Erkenntnis, zieht die Gewaltlosigkeit im direkten Aufeinandertreffen mit der Gewalt zumindest für den Moment den Kürzeren. Der Stärkere setzt sich in diesem Fall durch. So einfach ist das. Unsere Erziehung bietet darauf keine Antwort. Unser Staat und die Politik genauso wenig.

Beim Stichwort Erziehung muss zudem auf einen weiteren Aspekt eingegangen werden. Insbesondere als Feministin dringt natürlich immer wieder auch der Vorwurf zu mir durch, dass nicht nur die generelle Erziehung eines jeden in unserer Gesellschaft zur gewaltfreien Konfliktlösung das Problem sei, sondern vor allem auch die generelle Ausrichtung der Erziehung auf die Mädchen. Kaum jemand spricht in diesem Zusammenhang von Jungs, die systematisch durch unsere ideologische, „genderisierte“ Erziehung verweichlicht werden.

Dass junge Männer durch ihre Erziehung verweichlicht werden, sehe ich durchaus in einigen Aspekten auch so. Dennoch sehe ich den Einfluss eines ideologisch verblendeten Feminismus in der Erziehung im Vergleich zu den anderen Aspekten als geringer an. Befasst man sich beispielsweise mit ideologischen Hardliner-Positionen, so können diese durchaus einen verwirrenden Einfluss auf junge Menschen haben und das meiste halte ich auch für absoluten Nonsens. Es ist an dieser Stelle jedoch wichtig, zu betonen, dass es zwei Arten von Feminismus gibt. Den ideologisch verblendeten und den geerdeten Feminismus, der sich an der Realität orientiert.

Ich kann mich also sehr wohl als Feministin bezeichnen, ohne ideologisch verblendet zu sein. Und ich kann sehr wohl Einschätzungen abgeben und Feminismus kritisieren. Vor diesem Hintergrund halte ich es für unbedingt wichtig, dass man Frauen und Männer alles sein lässt, was sie sein wollen. Dass sie alles werden können, was sie wollen. Dass sie nicht in vorgefertigte Rollenmuster gedrängt werden, die sie in ihren Möglichkeiten schon von Anfang an einschränken. Dass Mädchen nicht zum lieb und brav sein erzogen werden und dass ihnen nicht direkt eingeredet wird, dass sie irgendetwas aufgrund der Tatsache, dass sie Mädchen sind, nicht können. Das Gleiche gilt natürlich auch umgekehrt für Jungs.

„Weggendern“ ist keine Lösung

Dennoch ist das für mich kein Widerspruch, sollten Jungs und Mädchen und später auch Frauen und Männer auch Jungs und Mädchen bzw. Frauen und Männer sein dürfen. Feministin zu sein, die gleichen beruflichen Chancen, Verdienste etc. für mich einzufordern und meine Meinung lautstark und alles andere als brav und nett auszusprechen und gleichzeitig einen starken Mann an meiner Seite zu präferieren, der mich auch einmal in den Arm nehmen und im Zweifelsfall beschützen kann, steht für mich in keinem Widerspruch zueinander. Gleichberechtigung bedeutet nicht, dem Menschen sein Geschlecht abzuerkennen oder ihm nicht zuzugestehen, dass er sich nicht gerne auch einmal „typisch Mann“ oder „typisch Frau“ verhält. Es gibt Unterschiede, die lassen sich nicht „weggendern“ (oder doch?), weil sie natürlich sind und es gibt Unterschiede, die sind nicht natürlich und sorgen für unfaire Ausgangsbedingungen. Hier die Linie zu ziehen, ist nicht immer einfach und bildet eines der Hauptprobleme des ideologischen Feminismus ab. Aber dieser ist eben nur eine Art des Feminismus, während sich die andere Art lediglich auf die nicht natürlichen Ungleichheiten konzentriert und Missstände versucht, aufzudecken.

Obgleich der ideologische Feminismus immer weiter an Einfluss auch in der Erziehung, an den Schulen und Unis gewinnt, sehe ich ihn dennoch nicht als entscheidenden Faktor in dieser Debatte an. Zu meiner Schulzeit konnte von dem „Genderwahn“, wie es heute gerne genannt wird, noch nicht annähernd die Rede sein. Den ideologischen Feminismus habe ich erst an der Uni kennen gelernt. Dennoch hat die Generation der Männer meines Alters nicht weniger Probleme mit dem Mann sein als jene, die gerade Anfang 20 oder noch jünger sind.

Neben der schulischen Erziehung spielt dabei vor allem die elterliche Erziehung und das unmittelbare sowie das gesellschaftliche Umfeld eine erhebliche Rolle. Viele Mütter – und dazu gehören nicht nur irgendwelche „Gender-Emanzen“, sondern ganz oft auch die im konservativen Umfeld so hochgelobten klassischen Hausfrauen, verweichlichen ihre Söhne. Darüber hinaus finden wir in der deutschen Gesellschaft seit der Elterngeneration der 68er keinen wirklichen Generationenkonflikt mehr vor. Wollte man sich als 68er noch von der Nazi-Elterngeneration abgrenzen und als Kind der 68er dann wiederum in den 80ern und 90ern von der „linksversifften“, antiautoritären Erziehung der Eltern, kämpft man heute im Prinzip gegen gar nichts mehr an. Die Konfliktlinien sind weitestgehend beseitigt. Man hat sich lieb wie noch nie zuvor. Eigentlich eine tolle Sache. Aber im Endergebnis haben wir dadurch heute nicht selten insbesondere in Bezug auf die jungen Männer fast schon italienische Verhältnisse. Das verweichlichte Muttersöhnchen? Keine Seltenheit.

Genderismus plus Egoismus = kein Gemeinschaftssinn

Dazu kommt, dass wir, die Generation Y, alle kleine Egoisten sind. Sendungen wie DSDS und Co. legen eindrucksvoll Zeugnis darüber ab, dass wir uns alle für etwas ganz Besonderes halten und dass man uns schon deswegen die Welt zu Füßen legen müsste. Dass Erfolg auch heute noch zumeist durch harte Arbeit kommt, will man nicht mehr so recht akzeptieren. Genau jener überbordende Individualismus sorgt jedoch nicht nur dafür, dass wir in Momenten des Konflikts keine 50 Mann zusammenrotten können (ob man solche Konfliktszenarien überhaupt wollen würde, ist eine andere Frage), sondern auch dafür, dass wir uns alle nur um uns selber kümmern. Der Typ da begrabscht die Frau? Der da hat ein Handy geklaut? Nicht mein Problem. Nicht mein Handy. Was hierbei schmerzlich auf der Strecke geblieben ist, ist unser gesellschaftlicher Gemeinschaftssinn. Die Verantwortung für andere und damit nicht zuletzt die Zivilcourage. Dass diese Feststellung von einer durch und durch Liberalen kommt, sollte zum Nachdenken anregen.

Davon ab wird Zivilcourage nicht selten zum eigenen Nachteil und sogar Gefahr. Wenn nicht durch das erhebliche Gewaltpotenzial junger Migranten, dass in manchen Situationen eine Gefahr für Leib und Leben darstellt, dann dadurch, dass man am Ende, wie jüngst geschehen, für Zivilcourage auch noch juristisch abgestraft werden kann. Hier zeigt sich einmal mehr, das erhebliche Problem der mangelnden Rechtsgleichheit, das auch vor dem Hintergrund der Asylkrise immer mehr zu Tage tritt. Während die anderen oft Narrenfreiheit genießen, wird der deutsche Michel noch für jede kleine Ordnungswidrigkeit bis zum Letzten verfolgt.

Solche Männer werden wir Frauen schützen müssen

Seit Januar laufe ich mit Pfefferspray und Taschenalarm durch die Gegend. Etwas, was ich noch vor Monaten für undenkbar gehalten hätte. Plötzlich mache ich mir Gedanken darüber, ob unsere Männer vielleicht zu verweichlicht sind, weil ich plötzlich allen Ernstes darüber nachdenke, dass wir unsere Werte, unsere Kultur am Ende vielleicht doch nicht nur mit netten Worten und guten Argumenten verteidigen können, weil unsere Instrumente der Konfliktlösung in der direkten Auseinandersetzung mit der Gewalt – das haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt – den Kürzeren ziehen. Ich sehne mich nach starken Männern, die mich im Zweifelsfall als Frau auch mal verteidigen können, die Courage zeigen, obwohl ich genau dieses männliche Verhalten vorher eher affig fand. Es zeigt mir, dass dieser Kultur-Clash uns vor vollkommen neue Herausforderungen stellt, auf die unsere Gesellschaft keine Antwort weiß.

Denn wenn ich die meisten Männer an meiner Uni sehe oder auf der Straße, sehe ich schwarz. Bei vielen habe ich nicht selten das Gefühl, dass ich sie eher beschützen müsste als umgekehrt. Dabei geht es gar nicht mal so sehr nur um Gewalt, um die tatsächliche Auseinandersetzung mit Fäusten. Es geht um die selbstbewusste Verteidigung der eigenen Werte, um das Nicht-Kuschen vor Leuten, die diese Werte mit Füßen treten, um das Sich-Nicht-Auslachen-Lassen, weil man der dumme Deutsche ist, der einem eh nichts kann. Es geht darum, sich gegenüber diesen Leuten zu behaupten, statt ihnen kampflos das Feld zu überlassen. Aber wie stellt man das an, ohne zumindest den Hintergedanken, dass man zur Not auch im Stande dazu wäre, sich und andere körperlich zu verteidigen. Woher soll das selbstbewusste Auftreten kommen, wenn man weiß, dass man damit alles riskiert, weil man selbst nur die Auseinandersetzung mit Worten gelernt hat, während andere sich ganz anders zu verteidigen wissen.

Sollten wir keine Antwort auf diese Frage finden, kann der Erhalt unserer Werte meines Erachtens langfristig nicht gewährleistet werden. Auf Rückendeckung der Politik ist hierbei nämlich kein Verlass.

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