Paris und die Folgen – der Weltbürgerkrieg des 21. Jahrhunderts (Teil 1)

Geht es Hollande, der EU und dem Westen einmal mehr wie in Afghanistan um nichts anderes als um Symbolik? Wenn aus einem Aufschrei Krieg herauskommt, kommt nichts Gutes dabei heraus.

„Die Gefechte in sich anzuordnen und zu führen wird Taktik, die Gefechte unter sich zum Zwecke des Krieges zu verbinden Strategie genannt.“

Carl von Clausewitz

Der preußische Militärdenker Carl von Clausewitz war ein kluger Mann. Er wusste, dass zum erfolgreichen Führen eines Krieges eine durchdachte Vorbereitung unverzichtbar ist. Denn in den Krieg zieht man nicht um des Krieges willen, sondern um einen wie auch immer definierten Frieden zu gewinnen. Deshalb, so Clausewitz, hat jedem Krieg die konkrete Definition des Kriegszieles voranzustehen. Ist dieses beschrieben, obliegt es den Strategen, den Weg zum Ziel zu erdenken. Erst der dritte und letzte Schritt ist es, die taktischen Maßnahmen zu planen und mit kriegerischen Maßnahmen umzusetzen, um so im Sinne der Strategie dem Kriegsziel Stück für Stück näher zu kommen.

Strategie gegen die „Geißel Gottes“

Die Politiker von EU und USA, Russland und nun auch China wären gut beraten, sich an Clausewitz zu erinnern. Denn einmal mehr befinden sie sich im Krieg – im Krieg gegen etwas, das man im Mittelalter als „Geißel Gottes“ bezeichnet hätte. Doch ist es das Problem unserer Politiker, dass sie verlernt haben, in Zielen zu denken. Selbst Strategie ist etwas, das sich ihrem täglichen Kleinklein entzieht. Insbesondere jene politischen Eliten, die sich in Demokratien auf ihrem Karriereweg vor allem als Parteitaktiker bewähren müssen, denken oftmals nur noch bis zum nächsten Wahltermin. Falls sie überhaupt so weit denken.

So werden dann im Ernstfall leichtfertig scheinbare Ziele definiert, die keine solchen sind, weil die dem Anspruch eines Zieles nicht gerecht werden. Das hat nicht nur der Bundeswehreinsatz gezeigt, mit dem das deutsche Militär nach den Worten des früheren Verteidigungsministers Peter Struck am Hindukusch die Freiheit Deutschlands verteidigte und dabei seine Kräfte ziel- und perspektivlos verschliss. Es erwies sich auch beim US-Einsatz gegen den Iraker Saddam Hussein oder dem Sowjet-Einsatz in Afghanistan, als alle Kräfte der jeweiligen Großmacht darauf ausgerichtet wurden, zwar Schlachten zu gewinnen, sie dabei aber mangels klar und eindeutig definierter Kriegsziele den Frieden und damit den Krieg verloren.

Die Schlacht gewinnen – den Frieden verlieren

Heute steht die Welt vor den Folgen dieses Versagens. Die militärischen Eliten der hochgerüsteten Staaten hatten Schlachten gewonnen. Sie hatten diese nicht gewonnen, weil ihre Strategie die bessere war. Sie hatten diese nicht einmal gewonnen, weil sie die klügeren Taktiker in ihren Reihen hatten. Sie hatten sie nur und ausschließlich deshalb militärisch gewonnen, weil ihre Militärausrüstungen der der Gegner deutlich überlegen waren.

Eine Schlacht aber ist kein Krieg und das Militär versagte, weil der Gewinn einer Schlacht mit dem Sieg im Krieg verwechselt wird. Als US-Präsident Georg Walker Bush am 1. Mai 2003 auf der „Abraham Lincoln“ seinen Irak-Krieg für  „erfolgreich beendet“ erklärte, hatte der tatsächliche Krieg noch nicht einmal richtig begonnen.

Bush hatte seinerzeit dennoch gute Gründe, dieses zu tun. Denn nicht nur hatte sich sein vorgebliches Kriegsziel der Vernichtung von Massenvernichtungswaffen mangels solcher als unerreichbar gezeigt – auch sind die Demokratien der Gegenwart selbst kaum noch in der Lage, einen wirklichen Krieg zu führen. Vor allem sind sie nicht in der Lage, einen Krieg zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Denn das demokratische Volk liebt es nicht, seine Töchter und Söhne in Särgen zurück geschickt zu bekommen. Das demokratische Volk liebt es nicht, Geld für scheinbar ferne Abenteuer auszugeben, während in der Heimat über die Kürzung von Sozialausgaben nachgedacht werden muss.

Krieg ist etwas für die Anderen

Vor allem aber liebt es das demokratische Volk nicht, sich für Kriegsopfer gleich wo auf der Welt persönlich verantwortlich zu fühlen. Wenn schon Krieg geführt wird, dann mögen es bitte andere tun – und dieses möglichst weit weg dort, von wo die Auswirkungen in der Heimat nicht zu spüren sind. Denn nichts hasst das demokratische Volk mehr, als dass von dem unvermeidlichen, moralischen Schmutz, den ein Krieg hinterlässt, etwas an der eigenen Weste hängen bleibt. So schaut das demokratische Volk auch dann noch am liebsten weg, wenn entgegen der hehren eigenen Ansprüche andere Länder mit Krieg überzogen werden. Das war bei den russischen Angriffen gegen Georgien ebenso nicht zu übersehen wie bei dem entsprechenden Krieg, den das Moskauer Reich seit Anfang 2014 gegen die Ukraine führt. Das demokratische Volk verhält sich in solchen Fällen wie der berühmte Vogel Strauß: Es steckt seinen Kopf in den Sand ohne zu bedenken, dass das eigene Hinterteil nun völlig schutzlos möglichen Feinden hingehalten wird.

Dennoch gibt es Situationen, in denen auch für das demokratische Volk das Führen eines Krieges unvermeidbar ist. Der aber sollte dann am besten nicht als solcher benannt werden, denn das demokratische Volk ist ein friedliches Volk. Ist der Krieg dennoch unvermeidbar und sind die im Krieg unvermeidlichen kriegerischen Konsequenzen bis in die Heimat spürbar, wird beim demokratischen Volk die Kriegsunlust schnell zur Kriegsablehnung. Das war so, als der Oberst Georg Klein 2009 den militärisch uneingeschränkt richtigen Befehl gab, zwei vom Kriegsgegner gestohlene Tanklastwagen zu bombardieren und dabei auch vorgeblich zivile Benzindiebe ums Leben kamen. Der geballte Zorn der heimatlichen Kriegsgegner entmannte die deutschen Verteidiger am Hindukusch – sie reduzierten sich fortan darauf, als vom deutschen Steuerzahler finanzierter, regionaler Sicherheitsdienst einige noch nicht von den Feinden kontrollierte Orte zu sichern.

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