Lauterbachs Lieblingsaccessoire kehrt zurück

Herbst und Winter bedeuten Erkältungszeit. Zeit für Lauterbach, endlich wieder die Alarmglocken schrillen zu lassen. Von Friedrich Pürner

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Die kalte, dunkle und nasse Jahreszeit ist die Zeit des Karl Lauterbach. Diesen Sommer musste er extra nach Italien fahren, um sich vor der dortigen Hitze medienwirksam schützend in eine Kirche zu begeben. In Deutschland wurde es einfach nicht dramatisch heiß genug. Nun kann der amtierende Bundesgesundheitsminister seine paranoid-anmutenden Ängste in der kalten Jahreszeit wieder ausleben.

Ein bisschen Pharmawerbung geht immer

Herbst und Winter bedeuten Erkältungszeit. Zeit für Lauterbach, endlich wieder die Alarmglocken schrillen zu lassen. Gewohnt aufmerksamkeitsheischend und wenig im Einklang mit dem Amt eines neutralen Bundesgesundheitsministers, X-te Lauterbach auf der gleichnamigen Plattform, dass die Impfungen gegen Corona und Grippe „tausende Menschenleben“ retten könnten. Seine Aussage kann er nicht belegen, denn diese entspringt lediglich seiner persönlichen Meinung. Diese Meinung wirkt jedoch, als entspräche sie dem „Stand der Wissenschaft“. An diesem Image arbeitet Lauterbach stetig. Das Lauterbach’sche „Ich habe in Harvard studiert“-Siegel wirkt bei der Bevölkerung Wunder. Ein bisschen Werbung für die Pharmaindustrie steckt vermutlich auch dahinter.

Da Lauterbach in seinem Job arg gefordert und ständig in Zeitnot ist, verquickte er seinen Werbespot gleich mit einer anderen Narretei. Der Spiegel berichtete, dass erste Kliniken wieder das Tragen von Masken verlangen und Besuche einschränken würden. Nach Lauterbach ist es zu respektieren, wenn die Kliniken sich dafür entscheiden, dass wieder Masken zu tragen sind. Da hat er recht. Das Hausrecht entspringt dem Privatrecht. Der Inhaber des Hausrechts kann – unter Beachtung höherrangigen Rechts – die Anforderungen an den Zutritt festlegen. Der Respekt, den Lauterbach einfordert, darf jedoch keine Einbahnstraße sein. Entschließt sich ein Hausrechtsinhaber, dass Masken für Besucher nicht notwendig sind, so ist auch dies zu respektieren. Vermutlich ist diese Sichtweise dem Gesundheitsminister nicht vollständig klar.

Bei menschlichen Bedürfnissen fremdelt Lauterbach

Der Artikel, den Lauterbach verlinkt, geht auch auf die eingeschränkten Besuchsregeln ein. Hierzu äußerte er sich nicht. Dies lässt tief blicken. Menschliche Zuwendung – wie Besuche bei Kranken und Sterbenden – dürften Lauterbach fremd sein. Insofern hegt er weder an einer Einschränkung noch an einer Ausdehnung sozialer Kontakte großes Interesse. Menschliche Bedürfnisse scheinen ihm fremd zu sein. Anders verhält es sich mit seinem Lieblingsaccessoire – der Maske. Diesem Textil-Teil, dass gekonnt Falten, unrasierte Gesichter, schlecht gepflegte Zähne, aber auch Verachtung, Ekel, Freude und andere Emotionen verstecken kann, huldigt der Gesundheitsminister in fast kindlicher Manier.

Sein Glaube an die Schutzwirkung von Masken ohne professionelle Anwendung und außerhalb bestimmter Umgebungen und Situationen nähert sich stark dem magischen Denken an. Dass das Tragen von Masken durch die Allgemeinbevölkerung ohne Evidenz ist, davon möchte Lauterbach nichts wissen. Eine allgemeine Maskenpflicht für alle Mitarbeiter und Besucher eines Krankenhauses ist grober fachlicher Unfug und eine Belastung für die Träger. Lediglich in bestimmten Bereichen kann eine passend sitzende und professionell angelegte Maske sinnvoll sein.

Lauterbach verschließt sich nicht nur jeder Einsicht bei der Maskenthematik. Auch dass in diesem Spiegel-Artikel Professor Hendrik Streeck, ein bekanntermaßen exzellenter Wissenschaftler und Experte auf dem Gebiet der Virologie, verunglimpft wird, interessiert ihn nicht. Er verlinkt diesen Artikel und verbreitet diese Verunglimpfung an über eine Million potenzielle Leser. Hendrik Streeck ist alles andere als „umstritten“ – ganz im Gegenteil. Es ist unstrittig, dass Streeck ein weitaus bedeutenderer Wissenschaftler als Lauterbach ist. Nun ja, der Vergleich hinkt. Denn Lauterbach ist genau genommen gar kein Wissenschaftler. Er ist Politiker. Selbst wenn das bereits überstrapazierte Wort des „Experten“ herangezogen wird, würde Lauterbach im Vergleich mit Streeck bei den Themen Pandemie, Viren und Infektionsschutz den Kürzeren ziehen.

Streeck – der Gegenpart zu Lauterbach

Weiterhin schreibt der Spiegel Hendrik Streecks Einschätzungen in der Pandemie als „umstrittene Mindermeinung“ nieder. Streeck wird als „Gegenpart“ zu Lauterbach beschrieben, was direkt als Lob und Auszeichnung verstanden werden muss. Insofern ist der Artikel des Spiegel verwirrend. Soll Streeck nun diskreditiert oder geadelt werden?

Allerdings verkürzt der Spiegel Ticker (@SPIEGEL_alles) seine Headline derart reißerisch, dass dort zu sehen ist :„Um Risikopersonen zu schützen, verhängen einige Kliniken wieder Corona-Maßnahmen. Der Virologe Hendrik Streeck sieht das als Angriff auf die Menschenwürde.“

Natürlich ist dieser Zusammenschnitt des Spiegel so nicht korrekt. Dies kommentierte Streeck umgehend ebenfalls auf X, ehemals Twitter. Streeck sprach nicht pauschal über die Corona-Maßnahmen, sondern ganz gezielt über Besuchsregeln. Er kritisierte zurecht die Besuchsregelung von einer Person pro Tag, denn bei Schwerkranken oder Sterbenden stünde die Menschenwürde an erster Stelle und nicht die Vermeidung von Infektionen.

Dass Karl Lauterbach diese zutiefst menschliche Aussage weder kommentiert noch Hendrick Streeck unterstützend zur Seite steht und als Bundesgesundheitsminister hier beipflichtend die Menschenwürde unterstreicht, liegt auf der Hand. Lauterbach kann diese Menschlichkeit nicht nachvollziehen. Er kann einer solch humanitären Sichtweise schlicht nicht folgen.

Bangt Lauterbach schon um sein Amt als Bundesgesundheitsminister?

Vielleicht mag es auch daran liegen, dass Hendrick Streeck erst kürzlich seinen Sprung in die Politik bekannt gab – so er denn in den Bundestag 2025 gewählt würde. Angeblich sei er schon länger Mitglied in der CDU und möchte sich nun mehr engagieren. Das lässt einen Machtmenschen wie Lauterbach zusammenzucken. Sicher wird Streeck nicht das Ressort des Innen- oder Wirtschaftsministers im Auge haben. Er dürfte das Bundesgesundheitsministerium anvisieren. Streeck wäre tatsächlich ein Gegenpart zu Lauterbach. Weshalb gerade jetzt Streeck sein politisches Engagement für 2025 verlautbart, gibt ein wenig Anlass zu Spekulationen.

Durch die Milliardenpleite und das verfassungswidrige Handeln im Bundeshaushalt ist die Bundesregierung erneut unter Druck. Bereitet man sich hinter den Kulissen schon auf einen Ausstieg aus der Ampel-Regierung und eine Koalition der SPD mit CDU/CSU vor? Ist das die Chance für Hendrik Streeck als neuer Gesundheitsminister? Man darf gespannt sein.


Dr. med. Friedrich Pürner, MPH
Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Epidemiologe


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Kommentare ( 84 )

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84 Comments
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Alf
3 Monate her

Zeit für Lauterbach, endlich wieder die Alarmglocken schrillen zu lassen? Berlin, 23. November 2023. Die Europäische Medizinagentur (EMA) hat in einem Antwortbrief an einen EU-Abgeordneten einräumen müssen, dass es keine Nachweise für die Hemmung oder Verhinderung einer Übertragung des SARS-CoV-2-Virus durch die Covid-19-Impfstoffe gibt. Eine Verhinderung der Virusübertragung auf andere sei nicht Teil der Zulassung, sondern lediglich die Indikation des Schutzes der geimpften Person. „Diese Aussage wirft die Frage auf, wie die Politik den massiven Impfdruck auf die Menschen ausüben konnte, der einer Nötigung gleichkommt. Immerhin wurde damit argumentiert, dass die Impfung zum Schutz der Mitmenschen vor Ansteckung beitragen würde.… Mehr

c0benzl
3 Monate her

Seine eigene Hysterie zu verbreiten ist ja sein Lebenswerk – das einzige was er zusammen gebracht hat. Ich kann es ihm nicht verdenken.

Hovercraft
3 Monate her

Ob Müllberge von Masken aus Polpropylen oder Wärmepumpen mit PFAS. Diese Regierung steht durchgängig für absurde Politik.

Silverager
3 Monate her

Hoffentlich hat Lauterbach für die Herbst- und Winterwelle genügend neue Impfdosen und Kaffeefilter-Masken bestellt.
Mit der „neuen gefährlichen Variante“ werden sich die Menschen zur Impfung und monatlichen Boosterung mit den „neuen Impfstoffen“ sicher zuhauf drängen. Sie sind ja garantiert nebenwirkungsfrei und verhindern Ansteckung und Weitergabe dieser schrecklichen Viren zuverlässig, wie wir gelernt haben.
Wann kommt denn nun endlich die Impfpflicht für alle?

StefanB
3 Monate her

Lauterbach ist doch ein Nerd. Und zwar nicht im Sinne von fachlicher Expertise, sondern in Sachen Agitation und Propaganda. Ein echter linker Trickser und Täuscher eben – man möchte sagen: Betrüger.

Wenn über die linksgrünen Haltungsmedien berichtet wird, sollten ebenfalls entsprechende Adjektive wie „umstritten“ etc. verwendet werden. Denn auch in die Gegenrichtung bleibt das beim Leser hängen. Zumal es in diesen Fällen sogar der Realität entspricht.

Last edited 3 Monate her by StefanB
Maunzz
3 Monate her

Wie? Ein Minister verlinkt Zeitungsmeldungen? Stehen Journalisten jetzt in der Politik über der Regierung? Bei dieser hanebüchenen Regierung würde mich das nicht wundern.

Last edited 3 Monate her by Maunzz
Juergen P. Schneider
3 Monate her

Für mich ist die Geschichte mit der Maske einfach gut. So kann ich die unkritischen, denkfaulen und obrigkeitshörigen Untertanen im Supermarkt, beim Metzger, beim Bäcker und selbst im Straßenbild sofort erkennen. Ich schenke diesen Deppen für gewöhnlich ein Lächeln, das sich wenn ich weit genug von ihnen weg bin in ein hämisches Grinsen verwandelt. Außerdem wird mir der Anblick dummer Gesichter erspart.

Cimice
3 Monate her

Hat sich Herr Professor Lauterbach eigentlich schon mal geäußert, wie er den Schaden wieder gut machen will, den er angerichtet hat, weil er „versehentlich“ doppelt so viele Impfdosen nachbestellt hat? Es wäre lohnend, mal nachzurecherchieren, was daraus geworden ist. Der Fall reiht sich ein in andere Fälle, wie z.B. die Konventionalstrafe, die Herr Scheuer (CSU) verursacht hat. Es soll Bürger geben, die wegen Steuerhinterziehung im einstelligen Millionenbereich mehrere Jahre einsitzen müssen. Kein Kavaliersdelikt. Keine Frage. Aber warum Politiker wie Lauterbach oder Scheuer völlig straffrei ausgehen, obwohl sie den Staat, uns alle also, um dreistellige Millionenbeträge geschädigt haben, aus Fahrlässigkeit, ist… Mehr

Spicebar
3 Monate her

Hoffentlich gibt es bald mal eine seriöse Studie, die den Zusammenhang zwischen übertriebener Gesundheitsbürokratie und erektiler Dysfunktion belegt. Damit könnte z.B. nachgewiesen werden, dass alleine schon die Kenntnisnahme gewisser unsinniger Vorschriften, den sexuell bedingten Zufriedenheitsindex in Ehen negativ beeinflusst und auch durch die 3 x tägliche Einnahme eines rot-grünen Früchtetees keine Besserung erzielt wird.

Howard B.
3 Monate her

Von mir aus können sich wildfremde Leute Masken vor den Rüssel binden, solange man mich nicht mit Wattestäbchen in der Nase und Masken und Impfwahn belästigt und mir Verweilverbote und „Einschluss“, vergleichbar einem Gefägnis, befiehlt. Ja, das Genuschel mit Maske ist ebenfalls eine Beleidigung für das Sprachverständnis. Und vor allem: Die Wirksamkeit von Masken wird durchaus kritsich gesehen. Herr Lauterbach mag sich noch ein paar Booster gönnen. Es wäre durchaus interessant als Beweis, dass die „Impfung“ tatsächlich fast nebenwirkungsfrei ist. Ob der werte Herr Lauterbach, dauerfreigestellter Professor seit ca. 20 Jahren, sich diesem Versuch unterzieht. Das wäre Mut. Verträge mit… Mehr

Last edited 3 Monate her by Howard B.
Manuela
3 Monate her
Antworten an  Howard B.

Stimme im Großen und Ganzen zu. Nur das mit den Lauterbach-Boostern sehe ich skeptisch. Ich bezweifle nämlich, ob der Herr überhaupt „gepiekst“ ist. Vor allem, wenn man die Bilder kennt, in denen er seinen gelben Pass in die Kamera hält.

Ich bin überrascht, wieviele Lauterbach-Jünger es doch gibt. Leute, denen ich eigentlich noch einen Ticken Restverstand attestiert hatte, kommen plötzlich wieder mit Kaffeefilter ins Ladengeschäft. Nicht auszuhalten!!!