Ditib: Erdogans langer Arm

Die Landesregierung NRW erntet viel Kritik für ihre Zusammenarbeit mit der Ditib.

IMAGO / Steinach

Wer den politischen Islam an unsere Schulen lässt, sollte nie wieder von Integration sprechen.“ So beschreibt die ehemalige Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün in ihrem Facebook-Account ihre Sicht auf die Entscheidung der nordrhein-westfälischen Landesregierung, künftig Organisationen wie Ditib wieder mitbestimmen zu lassen, wenn es um den Islamischen Religionsunterricht geht. Dabei war die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet dominierte Organisation seit 2016 in dem bislang für die Ausgestaltung der Lehrpläne und Erteilung der Lehrerlaubnis zuständigen Beirat nicht mehr vertreten. Der Grund für den damaligen Ausschluss: Es wurde bekannt, dass Ditib-Imame Spitzelberichte über Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung in Deutschland nach Ankara geschickt hatten.

Kommission soll Islamunterricht regeln

Doch das scheint jetzt alles vergessen. Die Landesregierung hat ein neues Konzept auf den Weg gebracht, nachdem nicht länger ein Beirat, sondern nunmehr eine Kommission den Islamunterricht regelt. Diese nimmt die einer Religionsgemeinschaft zugewiesenen verfassungsrechtlichen Aufgaben wahr, analog zur Beteiligung der Kirchen beim Katholischen und Evangelischen Religionsunterricht. Doch hat die Änderung des Namens nichts daran geändert, dass die Dominanz von Organisationen bleibt, an deren politischer Verlässlichkeit Zweifel bestehen. Die Islamwissenschaftlerin und Lehrerin für Islamischen Religionsunterricht Lamya Kaddor etwa kritisiert, wie auch andere, dass das Land die Zusage nicht eingehalten habe, auch liberale Gruppierungen in die Kommission zu berufen. Es ist nicht nur die von Diyanet gelenkte Ditib, die nun Verantwortung trägt. Lale Akgün macht klar: Hinter der unverdächtig klingenden Bezeichnung „islamische Religionsgemeinschaft NRW“, die ein anderes Kommissionsmitglied vertritt, verbirgt sich die „Islamische Gemeinschaft Milli Görüs“. Der Gründer dieser Organisation, Necmettin Erbakan gilt als der der politische Ziehvater von Tayyip Erdogan.

Zeit zum Lesen
"Tichys Einblick" - so kommt das gedruckte Magazin zu Ihnen
Nach der Bekanntgabe der Kommissionsmitglieder wird nun die Kritik am Handeln der Landesregierung laut. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir erklärt in der „Welt am Sonntag“: „Ich könnte vor Wut explodieren und verstehe die Naivität nicht.“ Mit ihrer Entscheidung hätten Landesregierung und CDU dafür gesorgt, dass Erdogan wieder Zugang zu deutschen Schulen bekomme. So verrate das Land gerade die islamischen Gruppen, „die sich zum Grundgesetz und zu unserer offenen Gesellschaft bekennen“. Auch der frühere Bundestagsabgeordnete der Grünen, Volker Beck, der jetzt als Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien in Bochum tätig ist, nennt die Entscheidung der nordrhein-westfälischen Landesregierung skandalös. Erdogan erhalte so Einfluss auf Karrieren in Deutschland: „Die versuchen ihre Hand drauf zu halten, wer unter den islamischen Religionslehrern die Lehrerlaubnis erhält“, so Beck auf Facebook. Wer nicht Partei für Erdogans AKP Partei ergreife, solle möglichst nicht zugelassen werden.

Kritik kommt ebenfalls von den Parteifreunden des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet. Unter anderem von Christoph de Vries. Der hat gerade als Berichterstatter in der CDU/CSU- Bundestagsfraktion ein Positionspapier verabschieden lassen, das sich mit dem Politischen Islam befasst. Dort wird das Ziel definiert, den ideologischen Nährboden, auf dem der Politische Islamismus gedeiht, mit breiter wissenschaftlicher Grundlagenforschung zu ergründen und das Übel mit einem umfassenden Maßnahmenpaket an der Wurzel zu packen. „Es sind gerade auch liberale, säkulare Musliminnen und Muslime, die Opfer dieser illiberalen, antidemokratischen Ideologie werden und von Islamisten bedroht werden. Uns geht es darum, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu befördern und dafür Sorge zu tragen, dass Muslime in Deutschland nicht in die Fänge radikaler, intoleranter Ideologien geraten“, betont der Bundestagsabgeordnete. Da kann es ihm nicht gefallen, wenn Organisationen wie Ditib und Milli Görüs, gerade im Bundesland des Unionskanzlerkandidaten wieder neu an Einfluss dazu gewinnen.

Anderer Islamunterricht könnte entradikalisieren

Dabei könnte der Islamische Religionsunterricht ein wichtiges Instrument gegen Radikalisierung sein. Das belegen die Feststellungen des Forschungsnetzwerks Radikalisierung und Prävention (FNRP). Eine von dort durchgeführte Studie ist zu dem Ergebnis gelangt, dass junge Menschen, die in gewaltaffine islamistische Milieus abgerutscht sind, nicht selten über nur sehr geringe Kenntnisse der islamischen Religion verfügen. Ein sachlich aufklärender, die Theologie vermittelnder Unterricht könnte also dazu beitragen, eine Radikalisierung zu vermeiden und die Wertschätzung gegenüber anderen Religionen zu erhöhen.

Von Sylvia Pantel, CDU-MdB
DITIB darf keinen Einfluss auf unseren Schuluntericht bekommen
Dann muss ein solcher Unterricht allerdings so abgestimmt sein, dass er diesen Zielen diesen kann. Dass dies in der Zukunft möglich sein wird, glaubt offensichtlich die NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP): „Mit den designierten Mitgliedern wird die Kommission fachlich kompetent besetzt sein und ihre Aufgaben verantwortungsvoll wahrnehmen können. In einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe werden wir gemeinsam ein neues, erfolgreiches Kapitel für den islamischen Religionsunterricht aufschlagen und den Ausbau fortsetzen.“ Sie hält die DITIB in NRW offenbar für geläutert und nun für „unabhängig und eigenständig“.

Antisemitismus der Diyanet muss zu denken geben

Für den Religionsunterricht habe der Landesverband eigens seine Satzung geändert und eine Kommission gebildet, der weder Amtsträger eines Staates noch Angestellte der Ditib angehören dürften. Das ändert aber letztlich nichts daran, dass die Organisation weiterhin von der türkischen Religionsbehörde gelenkt wird und von dort aus auch ihre Finanzen erhält. Darüber hinaus sagt der Passus auch nichts zu der Haltung, die die Ditib-Vertreter in der Kommission einnehmen werden. Dabei sollte vor allem der jüngst wieder offen zu Tage getretene Antisemitismus der Diyanet der Ministerin zu denken geben. Der deutsche Twitteraccount der Religionsbehörde verbreitete im Israel-Palästina-Konflikt das Zitat: „Der Babymörder Israel muss so schnell wie möglich gestoppt werden.“

Für den nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) ist dies anscheinend kein Grund zur Besorgnis. Er rechtfertigte gegenüber „Bild“ die Zusammenarbeit mit Ditib weil es sich um die größte der muslimischen Organisationen handele und man Ansprechpartner brauche, um den Islamunterricht zu organisieren.

Offenbar sind die kleineren, weniger straff organisierten Gruppen liberaler Muslime für Reul kein richtiger Ansprechpartner. Dabei sollten doch eigentlich die Inhalte und nicht die Organisationsdichte die Grundlage für Entscheidungen über die Zusammenarbeit bilden.


Dieser Beitrag von Heinrich Wullhorst erschien zuerst in Die Tagespost. Katholische Wochenzeitung für Politik, Gesellschaft und Kultur. Wir danken Autor und Verlag für die freundliche Genehmigung zur Übernahme.


Unterstützung
oder

Kommentare ( 12 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

12 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
3 Finnen
1 Monat her

Es muss jeder Einfluss von Reli.. ten auf die Schule und Kinder eingestellt werden.
Die Kultusministerien haben einen islamischen AUFKLÄRUNGS-Unterricht für ALLE SCHÜLER verpflichtent abzuhalten in dem der Islam wissenschaftlich aufgeklärt wird. Was das heisst kann man sich Z. B. auf YT bei Pfanderfilms, Ex-Muslime klären auf oder ApostateProphet anschauen.
Danach haben Tests statt zu finden inwieweit der Unterrichtsstoff verstanden wurde, bei zu geringer Leistung ist dann auch Versetzung und Abschluss gefährdet.

AUFKLÄRUNG IST NOTWENDIG, NICHT APOLOGETIC

DAFÜR IST SCHULE DA

LiKoDe
1 Monat her

Seitdem das Zweite Vatikanische Konzil [1962-1965] den Islam zur Religion erklärte, mit der ein Dialog zu führen sei, verfallen mehr und mehr Katholiken und Christdemokraten genau dem darin begründeten Irrtum, dass ein Dialog mit dem Islam möglich sei. Sie verstehen deshalb nicht, dass der Islam eine religiös verkleidete totalitäre Ideologie war, ist und bleibt, deren Ziel es war, ist und bleibt, eine weltweit herrschende Theokratie zu errichten, eben das islamische Kalifat. Deshalb kann Islamischer Religionsunterricht kein Mittel sein, den Islam einzudämmen, er hält vorübergehend maximal einige Korangläubige davon ab, die Bürger der Länder des Dār al-Harb zu malträtieren, zu terrorisieren… Mehr

3 Finnen
1 Monat her
Antworten an  LiKoDe

Der einzige Dialog den Christen mit Muslimen zu führen haben ist die Bekehrung zu Jesus weg vom islamischen Irrglauben. Die Nächstenliebe des Christen zum Moslem zeigt sich darin ihm vor der Hölle zu bewahren durch die Annahme von Jesus.
Ansonsten Fr.. e halten.

F.Peter
1 Monat her

Ausgerechnet die Parteien mit dem „C“ im Namen haben keine Skrupel, die eigenen Werte zu unterdrücken und der freiheitsfeindlich gesinnten „Religion“ den Boden zu bereiten! Die sollen das „C“ streichen und durch ein „I“ ersetzen!

RA.Dobke
1 Monat her

Ich habe da mal eine Frage: Was war eigentlich so schlimm an dem Begriff Leitkultur? Beinhaltete doch auch durchaus unser Grundgesetz, insbesondere den unveränderbaren Kerninhalt! Sich gleichzeitig zum Islam bekennen steht im krassen Widerspruch zu dem, was die FDGO hergibt für die Gesellschaft und jeden Einzelnen von uns.

bhayes
1 Monat her

Wir brauchen ein Verbot von Einflussnahme und Finanzierung seitens „religiöser“ Behörden, die von regulären Staaten beherrscht werden.

Mausi
1 Monat her

Eigentlich ist egal, wohin man schaut. D verweigert sich den Realitäten. Und es ist nicht lernfähig bzw. unfähig Taktiken zu entwickeln, die freiheitlichen Zielen dienen. Was wohl auch daran liegt, dass Freiheit nicht mehr zu unseren politischen Zielen gehört.

Denn wenn man Massnahmen zum Schutz der Gesundheit und Massnahmen zum Schutz gemässigter Muslime oder auch anderer Personengruppen oder unseres Rechtsstaats vergleicht, muss man sich schon fragen, was in unseren Politikern vorgeht.

Last edited 1 Monat her by Mausi
RA.Dobke
1 Monat her

1. Wir sollten hier auch mal aussprechen, dass Herr Sarrazin leider recht behalten hat mit seiner Einschätzung. 2. Der Ex-„Buhprä.“ Wulf hat nicht recht, wenn er zuseiner Zeit bereits behauptete, der Islam gehöre zu Deutschland. 3. Es ist an der Zeit, klare Kante zu zeigen und fremdstaatliche Einmischung in Gesellschaft und Kultur zu verbieten,ebenso, wiees ja auch ein Sakrileg ist, wenn fremde Staaten auf unsere demokratische Wllensbildung in unseren Wahlen Einfluß nehmen! Ditip gehört schlicht verboten – PUNKT um !

Ralf Poehling
1 Monat her
Antworten an  RA.Dobke

Zu Punkt 3: Das ist bereits verboten, das Kind wird bei uns aber nicht beim Namen genannt. Wenn fremde ausländische Staaten bei uns darauf Einfluss nehmen, wer in hiesigen Moscheen predigt und dort gegen die hiesige Kultur und ihre Werte agitiert wird, dann fällt das unter Spionage und Sabotage. Das gleiche gilt für Politiker mit Migrationshintergrund, die nicht Politik im Interesse der Deutschen, sondern im Interesse ihres Heimatlandes bei uns durchsetzen. Und das oftmals sogar nicht nur durch Enflussnahme mittels Politik und Religion, sondern sogar unter Mithilfe von deren ausländischen Geheimdiensten. Und das alles auf unserem Territorium. Ich wiederhole: Das… Mehr

Ralf Poehling
1 Monat her

Das altbekannte Zitat des Herrn Erdogan: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Das ist genau das, was hier passiert. Und es beschränkt sich nicht auf die Türkei, denn die Türkei wurde von den Muslimbrüdern übernommen, deren Allianz mit dem IS eindeutig zu belegen ist. Die Schiiten im Irak, wo der IS letztlich seinen Ursprung hat, bringen dann die Verbindung zum Iran. Das hängt alles zusammen und ist geplant. Nein, das ist keine „neurechte… Mehr

Felicitas21
1 Monat her

Erdogan wird sich kringeln vor Lachen über soviel Naivität und Dummheit. Kapiert Reul nicht, wen er da unterstützt? Wie Seehofer bei der damaligen Islamkonferenz. Statt die liberalen Kräfte und Reformer unter den Muslimen zu unterstützen, wurde und wird dem politischen Islam mehr Einfluss gewährt. Aber in NRW, der Hochburg der kriminellen Clans, wundert mich schon lange nichts mehr.

Gisela Fimiani
1 Monat her

…….unser zukünftiger Kanzler……aber immerhin eine „rheinische Frohnatur“…..das neue Deutschland ist von Verstand und Bildung endlich befreit….