Frei und Lauterbach bei Miosga: Partners in Crime

Karl Lauterbach und Torsten Frei bei Miosga: Dampfplauderer in ihrem Element, denn es kann ja nach der RLP-Wahl munter weitergehen wie bisher. CDU und SPD in einem Boot – egal wer diesmal vorn ist. Ach ja, fast nebenbei fordert Lauterbach erhebliche Kürzungen bei Besser-Rentnern. Von Brunhilde Plog

Screenprint: ARD / Caren Miosga

Dass die CDU leicht zugelegt und die SPD in Rheinland-Pfalz nach drei Jahrzehnten vom Thron gestoßen hat – nur eine Randnotiz an diesem Abend. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen. Die Stimmung ist ausgelassen bei Miosga, als Kanzleramtsminister Torsten Frei (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) an den Debattiertisch rücken. Ihr Credo: Egal in welcher Konstellation, ob mit abgestrafter SPD (Rheinland-Pfalz) oder mit abgestrafter CDU (Baden-Württemberg) – Hauptsache, wir können weitermachen wie bisher.

Selbstverständlich ärgern sich beide über das Erstarken der AfD. In Rheinland-Pfalz haben sich die Rechten sogar mehr als verdoppelt, und Lauterbach macht sich „Sorgen, dass wir immer mehr Wähler an die AfD verlieren“. Doch welche Konsequenzen könnte das haben? Da widerspricht Lauterbach seinem properen Vizekanzler. Während Lars Klingbeil nur wenige Stunden zuvor eine Personaldebatte in der Partei in Aussicht gestellt hat, plädiert Lauterbach für ein Weiter-so, denn „wir müssen konkret glaubwürdig werden durch die Reformen, die wir machen“.

Reformen, aber welche und wann? Auch da lautet die Antwort wie immer: Bald, sehr bald! Hab nur Geduld, mein Wahlvieh, Du wirst schon sehen. „Die Leute sind unzufrieden mit den Gesetzen und Regeln, die wir machen“, weiß Lauterbach. Er gibt heute mal wieder ganz den Macher, zumindest in der Theorie. Torsten Frei steht ihm beim Dampfplaudern in nichts nach. Die Debatte sei ihm „zu verkopft“, sagt er, nur um dann noch ordentlich heiße Luft hineinzupumpen: „Was müssen wir tun, dass das Land wieder erfolgreicher wird“, sei doch die Frage. Und die Antwort? „Wenn wir wirklich gut sind, dann wird dieser Balken auch wieder kleiner werden.“ Er meint den blauen Balken der AfD, auf den man aber bloß nicht schauen dürfe „wie das Kaninchen auf die Schlange“.

Konkretes ist aus Frei wie immer nicht rauszukriegen. Sobald Miosga auch nur danach fragt, antwortet er: „Was heißt da ‚ganz konkret‘“?

Wenn Wirtschaftsexperten wie Clemens Fuest (ifo Institut) kritisieren, dass die Milliarden des „Sondervermögen“ genannten Schuldenbergs zu 95 Prozent „zweckentfremdet“ eingesetzt werden, dann sitzen Frei und Lauterbach in trauter Eintracht da und widersprechen nach Kräften im Chor.

Wie die Lümmel von der letzten Bank gestikulieren sie wild, wiegeln ab und reden sich darauf hinaus, das sei doch alles „nicht seriös“ (Lauterbach) und hier werde „Falsches mit Falschem“ (Frei) verglichen. Es wirkt bisweilen wie eine einstudierte Choreographie. 2025 sei eben ein besonderes Jahr gewesen, zehn Monate ohne beschlossenen Haushalt, das dürfe man doch nicht verallgemeinern. Ab 2026 werde alles besser. Ganz sicher.

Der gesamte Habitus der beiden schreit: Weiter so, Hauptsache an der Macht.

Lauterbach kritisiert wie üblich, dass Menschen sechs Monate lang auf einen Arzttermin warten müssten. So als sei er selbst nie Gesundheitsminister gewesen. In diesem Zusammenhang sei die Frage erlaubt: Wieso ist der „Spritzen-Karl“, wie ihn Freunde liebevoll nennen, eigentlich noch immer auf freiem Fuß?

Er kritisiert auch, dass gut verdienende Rentner eine höhere Lebenserwartung hätten als solche mit geringerer Rente. Und deshalb viel mehr Geld aus dem System saugen würden. Die kurzen Rentenzahlungen der Ärmeren würden also die viel längeren Zahlungen an die „reicheren“ Rentner finanzieren. Die Lösung, da ist er ganz Sozialist: Kürzungen! Die höheren Renten müssten „abgeregelt werden.“ Er fordert eine Progression, die sogar im Rentenalter „denen da oben“ ihr Geld abnimmt, ohne es jedoch „denen da unten“ zu geben.

Es ist nicht das einzige Mal an diesem Abend, dass Focus-Redakteurin Alisha Mendgen mit ihrer Kritik ins Schwarze trifft. „Ich hab den Eindruck bei der SPD, dass es immer nur ums Verteilen geht“, sagt sie, und fragt: „Ist die SPD noch eine Arbeiterpartei?“

Frei versucht derweil, die letzten Image-Reste seiner von gebrochenen Wahlversprechen geprägten CDU zu retten: „Wir müssen das Land wettbewerbsfähiger machen“ fabuliert er. Und erzählt, was alles auf dem Zettel steht, wenn die CDU nur endlich mal an der Regierung ist. So als wäre sie nicht längst an der Regierung. Er kritisiert etwa das Verbrennerverbot und ist sich auch sicher, „dass es nicht bei 5,5 Millionen Bürgergeldempfängern bleiben wird“.

Dass das Gesundheitssystem und die Bürgergeldkassen durch viele Millionen Nicht-Bürger längst ihre Leistungsgrenze überschritten haben, dass Millionen nie etwas einzahlen, aber mehr und bessere Leistungen bekommen als die eigentlichen Beitragszahler, sprechen weder Frei noch Lauterbach an. Miosga auch nicht. Worte wie Migration oder Einwanderung fallen auch an diesem Abend nicht ein einziges Mal.

Stattdessen laviert man sich durch den Abend. Weil man es kann. Denn die Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz zeigen: CDU und SPD dürfen weiterwursteln wie bisher.

Apropos Wurst: Außerdem wartet ja noch das After-Show-Buffet.

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Kommentare ( 41 )

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Dr. Rehmstack
26 Tage her

Das kann man doch keinem mehr zumuten, das ist doch absurdes Theater wenn Regierungsmitglieder sich vehement oppositionelle Forderungen zu Eigen machen, die sie seit Jahren hätten erfüllen können. Einem ständigen „wir müssen“ steht spiegelbildlich ein „wir machen aber nicht“ gegenüber. Das ist doch absurd! „UnsereDemokratie“ hat es geschafft, Regierung und Opposition in einem zu sein; hatten wir das nicht schon mal?

Kassandra
26 Tage her

Sie kann das machen.
Aber, da nicht ausgewogen und gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßend, zahl ich dann halt nicht.

Christa Born
26 Tage her

Bin echt mal gespannt was aus der SPD wird auf mittlere Sicht. Sie wird ja in der Regierung bleiben, solange sie noch über die 5% Schwelle kommt -und die Brandmauer steht. Die Frage ist, was fällt zuerst?
Frage auch: wird die CDU einst mit der SED/PDS koalieren?

Peter Gramm
26 Tage her

Wir müssen, wir müssen…..so ein hohles Politikergeschwafel im Zwangsgebührenfunk. Diese Leute regieren vor sich hin und ruinieren das Land.

November Man
26 Tage her

Man kommt sich so langsam vor wie in einem Reformhaus. Hätten die Kartellparteien in den letzten Jahrzehnten auch nur einmal Politik für Deutschland gemacht, bräuchten wir keine Reformen. So versprechen sie jetzt Reformen ohne Ende. Und die enden dann als schädliche Kompromisse innerhalb des Kartells, die am Ende uns alle hart treffen, das Land weiter schädigen, ruinieren und unsere Geldbeutel leichter machen. Es ist besser keine Partei aus dem Kartell zu wählen. Die Altparteien beweisen uns schon seit Jahrzehnten, dass sie unser Land nicht regieren können.

Regina Lange
26 Tage her

Lauterbach ist und bleibt ein Wirrwarr – keine Frage! Aber in einem hatte er gestern Abend recht! Es ist ein Unterschied ob man mit 16 Jahren in Arbeit kommt oder mit 30 Jahren, wie es bei Studierten oft ist! Wenn dann mit 67(jetzt noch) die Rente ansteht, hat der eine 51 Jahre Arbeit hinter sich, der andere nur 37 Jahre und bekommt trotzdem die volle Altersversorgung! Wer das gerecht findet -bitte- ich finde das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, die ganz einfach zu lösen wäre!

Regina Lange
26 Tage her
Antworten an  Regina Lange

Ich spreche nicht über die Höhe der Renten, sondern über die unterschiedlichen Beitragsjahre! Das hat mit Sozialneid überhaupt nix zu tun! Warum wird der Eintritt in die Rente am Alter festgemacht und nicht an den Beitragsjahren? Ich gönne ihnen ihre überdurchschnittliche Rente von Herzen, das ist nicht mein Problem!

hk-meyer
26 Tage her

„Wieso ist … „Spritzen-Karl“ … noch immer auf freiem Fuß?“
Das ist für mich das eigentliche Problem der „unsereDemokratie“- Parteien, in einem Satz komprimiert.
Dass diese das nicht verstehen, ist wohl klar- ändert es aber nicht.

November Man
26 Tage her
Antworten an  hk-meyer

Weil die SPD trotz katastrophalen Wahlergebnissen zum Leidwesen der Bürger immer noch in der Regierung sitzt und mitregiert. Und die bestimmen wer in Deutschland bestraft wird und wer auf freiem Fuß leben darf. Normal müsste Lauterbach schon längst wegen seiner Spritzenaffäre und Falschaussagen zur Wirksamkeit von wirkungslosen aber schädlichen Impfstoffen in Untersuchungshaft sitzen bis alle Sachverhalte geklärt sind. Ein Recht und Interesse der Öffentlichkeit besteht.

Haba Orwell
26 Tage her

> Dass das Gesundheitssystem und die Bürgergeldkassen durch viele Millionen Nicht-Bürger längst ihre Leistungsgrenze überschritten haben, dass Millionen nie etwas einzahlen, aber mehr und bessere Leistungen bekommen als die eigentlichen Beitragszahler, sprechen weder Frei noch Lauterbach an.

Nach dem Rentenkürzungen-Muster – etwas besser verdienenden Angestellten müssten die Krankenkassen lebensrettende Massnahmen verweigern, was die Lebenserwartung und KK-Kosten kürzen würde?

Natürlich nicht bei den Pensionären!

Ich freue mich, dass ich zum SPD-Programm beitragen konnte.

Aegnor
26 Tage her

„Kürzungen! Die höheren Renten müssten „abgeregelt werden.““ Man braucht keine Glaskugel, um zu erkennen, dass die Rentenansprüche der heutigen U50-AN-Generation nicht zu erfüllen sein werden. Da muss man noch nicht mal darauf hinweisen, dass unsere islamischen Mitbürger, nachdem sie den Laden übernommen haben, wohl kaum die Renten der Ungläubigen finanzieren werden. Da sieht das islamische Gesetz eine ganz andere Verwendung für die Güter eines Landes vor. Davon abgesehen, ist das dennoch auf so viele Arten hinterhältig und schäbig. Denn dieselbe SPD, bzw. Lauterbach, will ja „den Reichen“ auch ihre private Altersvorsorge wegnehmen – Stichwort Vermögenssteuer. D.h. man will jeden der… Mehr

jopa
26 Tage her
Antworten an  Aegnor

Dann soll der Karl mal bei sich selbst anfangen und seine Altersbezüge auf ein Drittel reduzieren. Aber ein guter Mann denkt an sich selbst zuletzt.

Aegnor
26 Tage her
Antworten an  jopa

Ebend. Ich finde es übrigens immer sehr interessant, wenn von Vermögenssteuer die Rede ist, die spätestens ab 500k Eigentum losgehen soll, aber die Pensionsansprüche, die ja einen Barwert von mind. einer bis hin zu mehreren Millionen haben (im Gegensatz zur Standardrente, die allenfalls auf 400-500k kommt), natürlich nicht mitgerechnet werden.

November Man
26 Tage her
Antworten an  Aegnor

Die Rente ist nach oben klar gedeckelt. Bei den Pensionen gibt es keinen Deckel. Da ist die Skala nach oben offen und unbegrenzt.

moorwald
26 Tage her

Es gibt einen Grad der Unfähigkeit, bei dem man nicht mehr von „Versagen“ sprechen kann. Einen solchen verkörpert exemplarisch Lauterbach.