Die Medien schreiben ihre eigenen Nachrufe

Für die tagesschau steht nicht an erster Stelle, Fakten über Trump (oder andere Themen) zu berichten, sondern die Fakten so zurechtzubiegen, dass sie zum bereits festgelegten redaktionellen "Spin" des Themas passen.

© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images u. tagesschau/twitter

Einer der Nachteile, sich ausschließlich in einer von Kritik und Reflexion befreiten Blase zu bewegen, ist der, dass man jeglichen Sinn für Selbstironie verliert. Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender demonstrieren diesen Effekt seit der Verbreitung der sozialen Medien immer wieder äußerst gekonnt.

Die tagesschau stellte einen Ausschnitt aus Donald Trumps Fragestunde nach seiner Rede anlässlich des Weltwirtschaftsforums in Davos online, in der der amerikanische Präsident nicht zum ersten Mal die „hinterhältige, gemeine, bösartige und falsche Presse“ angreift. Gegen Ende des Clips ertönen als Reaktion vereinzelte Buh-Rufe im Saal.

Einigen Twitter-Nutzern fiel allerdings auf, dass der Ton in den Sekunden, in denen die Buh-Rufe zu hören sind, irgendwie merkwürdig anders ist. Kurz darauf schob die tagesschau nach: „Wir haben den Ton am Ende tatsächlich etwas lauter gemacht“ – und erkannte die entlarvende Komik dieser Situation anscheinend nicht: Während Trump sich über die „fake press“ beklagte, legte die Redaktion Hand an die Tonspur, um den Präsidenten in ein schlechtes Licht zu rücken.

Nur wer vollkommen von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt ist, lässt sich zu so einer dümmlichen Manipulation hinreißen und gibt sie dann auch noch freimütig zu. Für die tagesschau steht nicht an erster Stelle, Fakten über Trump (oder andere Themen) zu berichten, sondern die Fakten so zurechtzubiegen, dass sie zum bereits festgelegten redaktionellen „Spin“ des Themas passen. Dieses Prinzip hat sich schon seit geraumer Zeit auf Großteile der öffentlich-rechtlichen Sender ausgebreitet und erst mit dem Internet ist es möglich geworden, den Vorhang vor dieser Maschinerie beseite zu ziehen und sie zu entblößen.

Die nächsthöhere Stufe der Selbstironie, die den Medien gänzlich zu entgehen scheint, ist die, dass sie bedingt durch ihren Macht- und Ansehensverlust nun immer häufiger zu schmutzigen Tricks greifen, um ihre neuen Widersacher anzugreifen – was die Kettenreaktion ihres eigenen Verfalls aber nur noch beschleunigt. Wenn sie mit einem US-Präsidenten konfrontiert werden, der sie oft und gerne als Lügner und Fälscher beschimpft, dann sind sie umso mehr davon überzeugt, alle Mittel anwenden zu dürfen, ja zu müssen, um das „Feuer“ zu erwidern. Die Medien merken dabei nicht, dass sie deshalb aus jedem neuen Gefecht mit Trump nochmals schlechter herausgehen, als sie hineingegangen sind, denn Exaktheit und Neutralität sind Markenzeichen, die Trump nie für sich beansprucht hat (und es als Politiker auch nicht muss), an denen sich die Medien jedoch selbst messen wollen und lassen müssen.

Dabei ist es immer wieder überraschend, wie tiefreichend diese selbst zugefügte Korruption der Medien ist. Im letzten Jahr reichte ich auf Grundlage dieses Beitrags eine Beschwerde beim Presserat ein, denn ein Spiegel-Artikel hatte meinem Verständnis nach auf Basis falscher Behauptungen dem Ansehen des US-amerikanischen YouTubers Dave Rubin geschadet, indem er ihm (und anderen) das negativ besetzte Etikett „Alt-Right“ aufgeklebt hatte. Der Presserat ist eine Organisation von vier deutschen Verleger- und Journalistenverbänden und hat u.a. den Pressekodex entworfen, der eine ethische Richtschnur für journalistisches Verhalten darstellen soll.

Blick zurück - nach vorn
Blackbox KW 4 - Party in Davos und Bigamie in Pinneberg
In dem Verfahren, das meine Beschwerde behandelte (und in einer Ablehnung derselben mündete), wurde als allererstes auf meine Autorentätigkeit beim Magazin „Tichys Einblick“ hingewiesen. Dies sei relevant, um die „Geisteshaltung“ der Beschwerde nachzuvollziehen. Wer vielleicht gedacht hat, es sei in erster Linie relevant, den Wahrheitsgehalt einer Beschwerde nachzuvollziehen, irrte also. Der „Kniff“ meiner Beschwerde bestünde darin, den nicht näher definierten Begriff der „Alt-Right“ so zu verengen, dass er auf den erwähnten Dave Rubin nicht mehr zutreffe. Anscheinend entsprach es also dagegen vollends den journalistischen Standards, mit einem nicht näher definierten Begriff um sich zu werfen, solange man damit eine diffamierende Wirkung erzielen kann. Ohne weiter in die Details zu gehen, zeigte sich hier dasselbe Schema, wie im Fall der tagesschau: Auf den Vorwurf, die Medien hätten unbegründet diffamiert, wird mit – unbegründeter Diffamierung reagiert.

Wenig überraschend wurden vom Presserat ebenso 21 Beschwerden gegen eine SPIEGEL-Titelseite mit Trump und dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue abgelehnt. Begründung: „Die Redaktion setze sich in Form einer satirischen Karikatur in überspitzter Art und Weise mit dem US-Präsidenten und seinem Verständnis von Freiheit auseinander“. Mitglieder des Presserats scheinen über parapsychologische Kräfte zu verfügen, wenn sie aus mehreren tausend Kilometern Entfernung zu wissen behaupten, wie Trumps Verständnis von Freiheit laute.

Unbedenklich ist es dagegen anscheinend, wenn der Deutsche Journalistenverband (DJV), der einer der Verbände hinter dem Presserat ist und Funktionäre in diesen entsendet, ein neues Vorstandsmitglied wählt, das ganz nebenbei bereits Pressesprecherin der SPD-Landesgruppe Bayern ist. „Der Verband sieht auf MEEDIA-Nachfrage keinen Interessenskonflikt“. Nicht mehr lange und so ähnlich werden die Nachrufe auf die Medien ausfallen.

Nachtrag: Die Buhrufer waren Journalisten.

 

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Kommentare ( 132 )

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@Tagesschau
Sind Sie sicher, ich meine GANZ sicher, dass Sie die Buh-Rufe nicht „versehentlich“ dazugemischt haben?
Bitte entschuldigen Sie mein Misstrauen, aber die Vergangenheit hat bewiesen, dass Sie so einseitig und verdreht Bericht erstatten, dass man Ihnen schon gar nichts mehr glauben kann/sollte.

Nun ja, Martin. Der Unterschied zwischen der – privatwirtschaftlichen – Presse und den Kirchen (die ÖR können wir hier auch zu den Kirchen, bloß mit anderer Gottheit zählen), ist eben der Markt. Die Auflagen der MSM brechen nachgerade seit einigen Jahren schmerzlich bis dramatisch ein. Da ist dann auch mal das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie sehen dort doch bereits jetzt Panikreaktionen. Oder glauben Sie, dass die zuletzt nachgerade dramatisch veränderte Richtung der Artikel von Stürmer und Aust in der „Welt“ nur der besseren Einsicht zu verdanken sind? Nein, man begreift dort so langsam, dass das komplette Ignorieren der Interessen… Mehr

Warum das permanente und völlig übertriebene, überpräsente Trump-Bashing unserer Systemmedien? Es dient einem einzigen Zweck: Dem Schutz unserer deutschen Versager-Politelite vor einer nüchternen Betrachtung durch den Wähler. Eine künstlich inszenierte Relativierungen des miserablen Regierungshandelns der großen Vorsitzenden nach dem Motto: „Bei allen Problemen sollten wir froh sein, unsere derzeitige Kanzlerin zu haben“. Die Geschichte wird zeigen, dass dies ein Irrtum ist.

Die Erfahrung, die der Autor mit dem Presse- (un?_)rat gemacht hat, kennt man auf unterer Ebene auch als Kommentator in den Foren der sog. „Leitmedien“ wie z.B. ZON.
Teilweise besteht der Kommentarbereich zu 2 Dritteln nur noch aus gelöschten Kommentaren. Nicht etwa, weil die Beiträge irgendwie eine „netiquette“ verletzt hätten. Viele davon sind anspruchsvoll formuliert, mit Belegen ausgestattet, sauber argumentiert – aber sie werden von zensurbeflissenen Moderatoren unter den lächerlichsten Vorwände hinwegzensiert. Auch dort zeigt sich, daß die Meinungsmachthaber auf immer verloreneren Posten stehen und sich nur noch mit Maßnahmen retten können, die sie in anderen Ländern und Systemen unablässig kritisieren.

Prima, daß im Artikel nebenbei der Rubin Report erwähnt wird. Offensichtllich stoßen mehr und mehr Mediennutzer auf die unabhängige Szene der USA, wofür der genannte Dave Rubin exemplarisch stehen kann: selbst entwickelte Talkshow ausschließlich nutzerfinanziert, auf YT werbefrei (da de-monetarisiert!) zu schauen. Hier erlebt man ein Informationsniveau, welches in punkto Freiheitlichkeit, Unparteiischkeit und freundlich-interessierter Wahrheitssuche WELTEN über dem deutschen Angebot liegt. Zudem wird hier ein Meinungsspektrum vertreten und abgedeckt, welches in D schlicht und einfach nicht stattfindet (oder wenn, dann in winzigen YT-Nischen, stets von Löschung bedroht). Das kostbarste und unverzichtbarste Gut aller Journalisten ist Glaubwürdigkeit – und da diese… Mehr

Um wieder informative Berichte in den öffentlichen Medien zu erhalten, müssten sie zuerst ALLE Politiker aus dem ARD und ZDF-Fernsehrats entfernen. Ein kurzer Blick in die Liste sagt alles. Die Mitgliedschaften und die Nähe zur SPD ,den Grünen und der CDU dominieren. Und DIESE Mitglieder bestimmen den Wind. Und bei dieser Mischpoke steht Trump nicht hoch im Kurs.

… aber nicht ohne gleichzeitige Entlassung sämtlicher Intendanten und leitenden „Journalisten“.

Das wird ja immer unverschämter.Ist es nicht möglich die GEZ Propagandazwangsgebühr mit juristischer Begründung einstellen zu können.(Ich werde das auf jeden Fall in einem Jahr machen,wenn ich auf Rente gehe)Es ist doch mittlerweile ganz klar,daß diese Medien
ihre Aufgabe-mit der das Bundesverfassungsgericht ja die die Zwangs GEZ erlaubt hat-die Bevölkerung umfassend und sachlich zu informieren-nicht mehr nachkommt,sondern zu einem Staatspropagandasender mutiert ist.Das muß doch juristisch jetzt möglich sein,denn es gibt ja mittlerweile soviele Beweise dazu.

Juristisch ist da leider nichts möglich, dafür bräuchte es einen „Rechtsstaat“.
Den haben wir aber nicht, schauen Sie sich nur einmal die Vita von der Verfassungsrichterin Sabine Baer an.
Allerdings könnte eine 13 % Partei wie die AfD hier einiges erreichen und eine riesige Kampagne fahren. Machen sie aber aus Feigheit nicht, sie haben Angst, dann logischerweise noch schlechter von den Propagandasendern behandelt zu werden…

Erster Absatz: Zustimmung. Zweiter Teil: so nicht richtig. Die AfD betreibt von anfang an die Abschaffung der GEZ, voll im Programm und auf allen (erreichbaren) Kanälen.
Zu einer riesen Kampagne würden aber zuallererst das TV und das Radio benötigt, aus diesen Medien aber wird die AfD ausgegrenzt – weshalb, das ist ja klar. Aus Feigheit fehlt die AfD sicher nicht in den üblichen Formaten, bzw. wenn, dann aus Feigheit der etablierten Medienschaffenden. 😉

„Den haben wir aber nicht, schauen Sie sich nur einmal die Vita von der Verfassungsrichterin Sabine Baer an.“ – Ruud

Gucken sie doch mal bei Hadmut Dabisch (danisch.de) vorbei. Was der an Infos über Sabine Baer zusammengetragen hat ist schon krass. Und keinen juckt das. Sind wir nur noch machtlos ? Wie wäre es mal mit einem Generalstreik ?

Ja, die Antwort der ARD-Redaktion spiegelt den Zustand derselben „wieder“!

Ist mir auch aufgefallen. Peinlich für „Journalisten“…

Hwerr backhaus, informieren Sie doch mal Fox News darüber. Vielleicht wird dann die ARD genauso von Trump gesperrt wie US-amerik- Medien.