Üppige Intendantengehälter, Millionengagen für Fernsehstars und teure Pensionszusagen: Bei ARD und ZDF lässt es sich auf Kosten der Beitragszahler bestens leben. Die Politik verspricht Reformen – und schont die Privilegien.
picture alliance / Peter Kneffel/dpa
Nun hat die ARD doch tatsächlich auf Transparenz machen wollen und etwas veröffentlicht, was in Fachkreisen längst bekannt ist: die Gehälter der Spitzenleute. Das ZDF ist diesen Schritt noch nicht gegangen; aber auch hier ist bekannt, wohin welche Gelder fließen. Irgendwo und in irgendwelchen Taschen müssen ja die rund 9 Milliarden Euro jährliche Zwangsgebühren versickern.

Von einer gewissen Pikanterie ist auch die jährliche Vergütung der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl: Sie erhält 284.827 Euro Jahresbezüge, 5.520 Euro Aufwandsentschädigung, 14.183 Euro Sachbezüge. Die Tochter von CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble und Gattin des Landtagspräsidenten von Baden-Württemberg Thomas Strobl (CDU) bewegt sich damit auf einem Niveau, das nur vier ARD-Intendanten übertreffen.
Wie kommen die Gehälter der ARD-Mitarbeiter überhaupt zustande? Ganz einfach und nicht immer transparent: Die Gehälter ergeben sich aus Tarifverträgen mit den Gewerkschaften. Allerdings: Vergütungen außerhalb des Tarifs werden von den Aufsichtsgremien bestimmt. Intendanten und Direktoren sowie überwiegend auch Hauptabteilungsleiter werden außertariflich vergütet. Darüber entscheiden die Aufsichtsgremien der jeweiligen Anstalt – in der Regel der für die Kontrolle der Finanzen zuständige Verwaltungsrat.
Getoppt werden solche Jahresgehälter freilich von den ARD-„Stars“ (Stand: 2024): Sandra Maischberger bekommt für ihre WDR-Runden pro Jahr 800.000 Euro. Insgesamt schlug „Maischberger“ indes mit 4,7 Millionen Euro zu Buche. Denn: Das Ganze läuft über Maischbergers Fa. Vincent Productions, deren Anteile zu 80 Prozent bei ihr liegen (die übrigen 20 Prozent hält ihr Mann).
Die Gesamtkosten für „Hart aber fair“ (WDR) waren mit 6,6 Millionen Euro im Jahr angesetzt. Ex-Moderator Plasberg hielt gemeinsam mit Jürgen Schulte die Firma Ansager & Schnipselmann. Laut Übersicht flossen von den Gesamtkosten jährlich 4,9 Millionen Euro an das Unternehmen, für Redaktion und Moderation, die Gästeakquise und Einspieler. Eingeschlossen: eine Gage von rund 21.500 Euro pro Sendung für Plasberg. Dagegen ist Louis Klamroth als Plasberg-Nachfolger bei „Hart aber fair“ mit 16.700 Euro pro Sendung fast schon preiswert. Nicht eingerechnet sind weitere Leistungen der Anstalten, Beträge für Kamera und Ton, Ü-Wagen, Veranstaltungstechnik oder Reisekosten …
Die „Will Media GmbH“ (Alleingesellschafterin: Anne Will; Moderatorin der gleichnamigen NDR-Talkrunde von 2007 bis 2023) bekam für ihre Talkrunde pro Jahr 7,5 Millionen Euro. 2021 wies die Produktions-GmbH einen Gewinn von 1,2 Millionen Euro aus. Anne-Will-Nachfolgerin Caren Miosga mit ihrer neu gegründeten und zu drei Vierteln von ihr gehaltenen Firma „MIO media TV Production“ ist kaum preiswerter. Der NDR kalkuliert für 30 Sendungen jährliche Produktionskosten in Höhe von 5,8 Millionen Euro. Als Moderatorin soll Caren Miosga jährlich 570.000 Euro für 30 Sendungen bekommen, pro Abend also 19.000 Euro.
Und dann erst die Pensionslasten: Die im August 2022 geschasste Skandal-Intendantin des rbb, Patricia Schlesinger, streitet immer noch um ein Ruhegehalt von 18.300 Euro pro Monat. Ausgang ungewiss. Für seine vormalige Intendantin Karola Wille (2011–2023 im Amt) hat der MDR 4 Millionen Euro auf die hohe Kante gelegt. Dem Bayerischen Rundfunk droht nach aktuellen Berechnungen des Landesrechnungshofes eine 512-Millionen-Euro-Lücke bei Renten.
Schließlich das ZDF
Das ZDF leistet sich pro Jahr 391.177 Euro für seinen Intendanten Norbert Himmler. Und bei den Jahresgehältern der ZDF-„Stars“ geht es auch recht üppig zu (Stand: 2024):
- Markus Lanz: 1,9 Millionen Euro; ab 2025 rund 2 Millionen Euro
- Horst Lichter: rund 1,7 Millionen Euro
- Oliver Welke: rund 1,18 Millionen Euro
- Johannes Kerner: 630.000 Euro
- Andrea Kiewel: 400.000 Euro
- Mai Thi Leiendecker: 349.000 Euro
- Giovanni Zarella: 300.000 Euro
- Christian Sievers: 350.000 Euro
- Maybrit Illner: 480.000 Euro
- Rudi Cerne: 382.000 Euro
- Marietta Slomka: 393.750 Euro
- Jan Böhmermann: zuletzt 713.000 Euro
Nicht hervor geht aus den Zahlen, welche Summen für Produktionsfirmen dieser „Stars“ fließen.
Alles in allem: Laut Kölner Institut für Medien- und Kommunikationsforschung (IfM) liegen ARD und ZDF als öffentlich-rechtlich organisierte Medienanstalt international weit vorne. Berücksichtigt dabei sind sowohl Beitrags- als auch Werbeeinnahmen.

Das heißt: Deutschland „leistet“ sich den weltweit mit weitem Abstand teuersten Rundfunk der Welt.
Disruptive Reformen nötig
Der ÖRR braucht eine Reform an Haupt und Gliedern – keine Reförmchen. Die 16 Ministerpräsidenten (MPK = Ministerpräsidentenkonferenz) verhandelten zwar am 25. Oktober 2024 in Leipzig stundenlang über die Zukunft der „Öffentlich-Rechtlichen“ (ÖRR). Offiziell war anschließend vollmundig die Rede von der größten Reform des ÖRR-Systems aller Zeiten. Nach außen drangen nur Mini-Pläne: Die Hälfte der Spartenprogramme soll gestrichen werden, beispielsweise Tagesschau24, Phoenix, ZDFneo, KiKA. Beim Hörfunk soll jeder dritte Sender wegfallen, der Deutschlandfunk könnte Programme streichen. Welche Programme und Sender das sind, entscheiden die Rundfunkanstalten selbst.
Interessant vor allem: Die Luxus-Gehälter der Intendanten sollen laut MPK an den öffentlichen Dienst angepasst werden. Das wäre schon mal ein Signal. Wenn die Intendanten nämlich – je nach Bundesland – das Äquivalent der Besoldung eines Staatssekretärs bekämen. Die WDR-Intendantin erhielte dann nicht rund 360.000 Euro pro Jahr, sondern rund 181.000 Euro. Und der Intendant des Saarländischen Rundfunks bekäme dann nicht pro Jahr 246.000 Euro, sondern 156.000 Euro. Zum Sozialfall würden die Intendanten damit nicht.
Aber aus all den MPK-Forderungen wurde fast nichts. Nicht herangewagt übrigens haben sich die Länderchefs – wohl aus Solidarität mit den Landeschefs der beiden kleinsten Länder Bremen und Saarland und weil sie deren Stimmen für die angestrebte Einstimmigkeit brauchten – an eine überfällige Zusammenlegung von Sendern. Sieben Landesrundfunkanstalten (WDR, SWR, NDR, BR, HR, rbb, MDR) sollten reichen. Ein Radio Bremen und einen Saarländischen Rundfunk braucht es nicht.


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