Europa zerfällt

Migration und Globalisierung sind Prozesse, die Europa tiefgreifend verändern - und insbesondere Deutschland, das seine Grenzen so entschlossen geöffnet hat. Voraussetzung dafür ist das Wachstum der Bevölkerung in Afrika und die Vorstellung dass Gleichheit keine Grenzen kennen darf.

© Philippe Huguen/AFP/Getty Images
Men sit outside tents on October 6, 2017 in Lille, northern France at a migrants and refugees makeshift camp in the former station of St Sauveur

Gegen die unbeschränkte Migration spricht aus Sieferles Sicht vor allem, dass die Migranten ihre eigene Kultur mitbringen/leben und meist in den Sozialstaat einwandern, der im Stil einer Genossenschaft organisiert ist und mit der Massenmigration erst überdehnt und am Ende zerstört wird.

Narrative zur Legitimation

Die Befürworter der Massenmigration haben natürlich Argumente, um ihr Vorhaben zu begründen. Sieferle ärgert sich dabei vor allem über die mangelnde Differenzierung der Befürworter, die Gegner einfach pauschal als „Ausländerfeinde“ abqualifizieren. Ein Ausländerfeind wäre ja nicht nur gegen Migration, sondern auch gegen Tourismus oder Gastprofessoren! Dies ist natürlich absurd und Sieferle bemängelt, dass die Befürworter in gröbster Form verallgemeinern und pauschalisieren, um damit jede Kritik abzuwehren, ohne überhaupt in eine Diskussion mit den Kritikern zu geraten, denn mit einem „Ausländerfeind“ redet man nicht.

Das Flüchtlings-Narrativ

Da Menschen vor Terror und Bomben zu uns fliehen, wäre es schlicht herzlos, sie nicht aufzunehmen. Dieser Argumentation kann sicher jeder folgen, doch sie hat auch Schwächen. Der Entwicklungshilfeminister Gerd Müller erläuterte, dass die Versorgung eines Menschen im nahen Osten den Faktor 30 billiger wäre als in Deutschland. Man könnte also mit gleichem Geld die 30fache Menge vor Ort versorgen. Ein weiteres Argument gegen die Aufnahme von Flüchtlingen ist, dass der Weg zu uns weit und beschwerlich ist, so dass meistens junge Männer ankommen, die am wenigsten hilfsbedürftig sind. Sieferle versteht auch nicht, warum Flüchtlinge integriert werden sollen. Klar ist, dass sie versorgt werden müssen, aber warum will man sie in unsere Gesellschaft integrieren? Die Antwort darauf bleibt aus, die Politik gibt sie uns nicht.

Das demographische/arbeitspolitische Narrativ

Deutschlands Bevölkerung schrumpft, da derzeit Frauen nur 1,4 Kinder im Durchschnitt bekommen und knapp über 2 notwendig wären. Also ist es logisch, eine „Bestandsmigration“ zu fordern, um Zahlen zwischen jung und alt im Gleichgewicht zu halten. Sieferle streitet diese Möglichkeit nicht ab, verweist aber darauf, dass z. B. Japan das gleiche Problem über eine Steigerung der Produktivität auffangen will anstatt einer Massenmigration.

Sieferle führt an, dass in Deutschland der Aufwand, ein Kind großzuziehen, sehr hoch ist und diese Kostspieligkeit ein Faktor ist, der gegen Kinder spricht. Wenn die Bevölkerung schrumpft, wird auch Wohnraum bezahlbarer und der Staat würde Anreize schaffen für Nachwuchs, was sicher Effekte hätte. Natürlich ist es unklar, ob diese Effekte ausreichen, um die Geburtenrate auf die erforderlichen 2,1 anzuheben, aber es wäre eine Alternative zur jetzigen Politik.

Von deutschen Fehlern profitiert Ostasien
Migration und Weltmarkt
Dazu kommt, dass in Afrika und im nahen Osten ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum stattfindet. Das wird durch den Import junger Leute aus diesem Kulturraum nur zu uns verlagert und ist ein globales Problem. Massenmigration löst zwar das demographische Problem Deutschlands quantitativ, aber importiert die Lebensweise der dritten Welt. Sieferle befürchtet, dass die Migranten der dritten Welt durch Vermehrung in ihren Gastländern diese innerhalb von 2-3 Generationen quasi friedlich erobern und somit die europäische Kultur beenden.

Gerne wird auch auf den Fachkräftemangel hingewiesen, wobei Daimler-Chef Zetsche geradezu euphorisch auf den Einmarsch der Flüchtlinge ab September 2015 reagierte und ein neues Wirtschaftswunder erwartete. Das Wirtschaftswunder hat es tatsächlich gegeben, aber für die Asylindustrie, während Daimler so gut wie keine Flüchtlinge eingestellt hat.

Sieferle macht dazu auch eine Kostenrechnung auf, wobei er optimistisch davon ausgeht, dass 20% der Flüchtlinge sich selbst durch Arbeit versorgen können, aber 80% eben nicht. Selbst wenn er nur mit 1.000€ Kosten pro Migrant im Monat rechnet, zahlen Bund, Länder und Gemeinden nach wenigen Jahren jährlich über 100 Milliarden Euro für die Folgekosten der Grenzöffnung, ohne dass ein messbarer Nutzen für Deutschland entsteht. Andere Länder wie Kanada oder Australien lassen auch Arbeitsmigration zu, aber sie erlauben das nur nach strengen Kriterien und nicht für Asylsuchende ohne Identifikation und nachweisbare Qualifikation. Deutschland geht hingegen den Weg des bedingungslosen Einlassens und versucht anschließend das Beste aus den Ankommenden zu machen. Sieferle fürchtet durch diese Politik nicht nur eine gesellschaftliche Spaltung innerhalb Deutschlands, sondern auch eine „Einigung Europas gegen Deutschland“, wie er sarkastisch ausführt.

Zusätzlich wird Deutschland unattraktiv für potentielle Arbeitsmigranten. Der qualifizierte Inder wird Deutschland meiden aufgrund hoher Abgaben, der natürlichen Sprachbarriere und eben auch der Migration bildungsferner Massen, die er mit durchfüttern muss, wenn er es schafft, in Deutschland Erfolg zu haben. Er wird also eher versuchen, in Länder mit geordneter Migration zu gehen, während schlecht Qualifizierte dort von vornherein keine Chance haben und darum Deutschland ansteuern.

Das Multi-Kulti-Narrativ

Befürworter einer multikulturellen Gesellschaft sehen diese als grundsätzlich vielfältiger und besser für Innovationen und Entwicklung. In der Praxis hat sich aber gezeigt, dass sich verwandte Kulturen in ihrem Gastland relativ geräuschlos integrieren, während fremde Kulturen im Gastland ihre alte Lebensweise in Parallelgesellschaften weiter pflegen. Oft ist es sogar so, dass Migranten der zweiten und dritten Generation sich noch stärker an der alten Heimat orientieren, was man insbesondere in Europa an den Muslimen sieht, die in der dritten Generation einen wesentlich fundamentaleren Islam leben als ihre Großväter.

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Gegner der multikulturellen Gesellschaft werden oft als Rassisten bezeichnet. Nach Sieferle ist das direkt falsch, denn Rassisten lehnen Andere nur aufgrund äußerer Merkmale ab. Die Skepsis gegenüber Parallelgesellschaften, die oft mehr Nachwuchs in die Welt setzen als die Gastländer, beruht aber weniger auf dem Aussehen, als auf der augenfälligen Tatsache, dass diese Parallelgesellschaften direkt zu Gegengesellschaften der Moderne werden und Vielehe, Kinderehe, Genitalverstümmelung und ähnliche Bräuche der dritten Welt im Gastland leben. Mit Rassismus hat diese Skepsis wenig zu tun, eher mit dem Wissen, dass sich das eigene Land langsam in ein Dritte-Welt-Land verwandelt, wenn falsche Toleranz gelebt wird.

Motive der Akteure

Sieferle geht im nächsten großen Kapitel auf die ideologischen Grundlagen der Politiker ein. Massenmigration wird oft moralisch begründet, indem „Menschen“ kämen, denen die gleichen Rechte zuständen wie den Einwohnern des Gastlandes. Damit sei es legitimiert, sich das Land auszusuchen, in dem man leben möchte. Sieferle beschreibt diese Problematik, die auf zwei unterschiedliche Wertesysteme zurückgreift.

Empirische Moral

Die empirische Moral ist gruppenbezogen und betrifft eine Teilmenge von Personen, die miteinander als Gruppe agieren. Das gilt für Bürger eines Staates oder Versicherungsnehmer einer Versicherung oder Vereinsmitglieder eines Klubs. Die Kooperation in der Gruppe nutzt allen, so zahlen viele Personen in eine Krankenversicherung ein und die Kranken beziehen Leistung und die Gesunden wissen, dass sie in jedem Fall bei Krankheit abgesichert sind.

Normative Ethik

Die normative Ethik hat einen universellen Anspruch. Sie gilt immer und überall. Die Menschenrechte fallen darunter, die für Jeden gelten. Diese beiden Prinzipien können leicht in Widerstreit geraten, wenn z.B. einer krank wird und ärztliche Hilfe braucht, aber keine Krankenversicherung hat. Nach der empirischen Moral ist einfach niemand zuständig, die normative Ethik verlangt Hilfe ohne jede Bedingung.

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