Klima war nie Stillstand: Warmzeiten, Kaltzeiten, Vulkanausbrüche und Sonnenzyklen prägten die Geschichte der Menschheit lange vor Kohle, Öl und Automobil. Der Physiker Dr. Werner Huber widerspricht in seinem Buch „Klima-Wahrheit“ der einfachen Erzählung vom allein menschengemachten Klimawandel – und warnt vor den wirtschaftlichen Folgen einer deutschen Energiewende, die auf einem Dogma beruhe.
Deutschland marschiert weiter in Richtung Klimaneutralität – doch Werner Huber fragt: Was, wenn die wissenschaftliche Grundlage viel umstrittener ist, als Politik und Medien behaupten?
Denn Klima entscheidet über Ernten, über Hunger, über Wanderungen, über Aufstieg und Niedergang von Reichen. Genau diesen Gedanken stellt Werner Huber in seinem Buch und im TE Wecker vom 31. Mai 2026 in den Mittelpunkt. Der studierte Physiker versteht sich ausdrücklich nicht als Klimaforscher, sondern als unabhängiger Beobachter mit naturwissenschaftlicher Skepsis. Sein Ansatz: Nicht glauben, sondern plausibilisieren. Nicht einer offiziellen Erzählung folgen, sondern prüfen, ob sie mit der Klimageschichte zusammenpasst.
Hubers zentrale These: Die Geschichte der Menschheit ist ohne Klimageschichte nicht zu verstehen. Klima sei nie statisch gewesen, sondern habe sich stets in Warm- und Kaltphasen bewegt. Der Mensch habe diese Veränderungen über Jahrtausende nicht verursacht, sondern er musste sich ihnen anpassen. Besonders plastisch macht Huber dies an historischen Beispielen.
Ähnliches passierte bei „Ötzi“. Der Mann aus dem Eis starb vor rund 5300 Jahren auf über 3000 Meter Höhe. Für Huber zeigt dieser Fund sehr deutlich, dass Hochlagen der Alpen damals zumindest zeitweise leichter passierbar waren als in späteren Kaltphasen. Ötzi wird bei ihm nicht nur zur archäologischen Sensation, sondern zum Beleg dafür, dass Warmphasen in der Menschheitsgeschichte immer wieder auftraten und zwar lange vor Industrialisierung, Kohlekraftwerken, Dieselmotoren und moderner Landwirtschaft.
Auch die Völkerwanderung deutet Huber nicht allein politisch oder militärisch, sondern klimatisch. Er beschreibt den Zusammenbruch der römischen Ordnung als Ergebnis vieler Faktoren, darunter auch eine Verschlechterung des Klimas. Wenn Ernten ausfallen, Weideflächen vereisen, Rohstoffgewinnung in Gebirgsregionen schwieriger wird und ganze Völkerschaften ihre Lebensgrundlagen verlieren, geraten historische Ordnungen ins Wanken.
Dasselbe Muster sieht Huber bei der Französischen Revolution. Es gab politische, soziale und geistige Ursachen: Absolutismus, Ständestaat, Privilegien, Schulden, Aufklärung. Aber die allein hätten wohl kaum solche breite Revolutionen auslösen können wie in Frankreich. Huber rückt die unmittelbare Notlage der Bevölkerung in den Blick: Missernten, Hagel, Kälte, Nässe, teures Brot haben die revolutionäre Stimmung verschärft. Der Sturm auf die Bastille war demnach nicht nur ein Akt politischer Symbolik, sondern auch Ausdruck einer Hungerkrise. Wer kein Brot hat, hört den Parolen der Revolutionäre anders zu.
Besonders drastisch erscheint der Ausbruch des Vulkans Tambora 1815. Das Folgejahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Asche und Schwefelpartikel in der Atmosphäre verdunkelten den Himmel, Temperaturen fielen, Regen und Kälte ruinierten Ernten. Hunger, Auswanderung, Elend – Huber beschreibt diese Episode als Beispiel dafür, wie abhängig die Menschen von natürlichen Klimaschocks sind. Ein Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt konnte in Europa Hunger auslösen und Menschen zur Auswanderung treiben.
Entscheidend ist für Huber: Wer die heutige Erwärmung beurteilen will, dürfe nicht nur auf die letzten 150 Jahre schauen, sondern müsse Jahrtausende in den Blick nehmen. Dies führt er in seinem Buch detailliert mit vielen Beispielen aus.
Huber bestreitet nicht, dass CO2 ein Klimafaktor ist, aber sehr wohl, dass es der alleinige oder fast alleinige Haupttreiber des Klimawandels sei. Natürliche Faktoren, vor allem Sonnenaktivität, spielen eine weit größere Rolle, als im politischen und medialen Mainstream zugestanden werde. Er verweist auf historische Korrelationen: Warmzeiten fielen mit erhöhter Sonnenaktivität zusammen, Kaltzeiten mit solaren Minima. Für ihn ist die Sonne der naheliegende Hauptverdächtige im großen Klimageschehen.
Wenn CO2 nicht der entscheidende Treiber wäre, dann geriete auch die Begründung der deutschen Energiewende ins Wanken. Die Politik der Klimaneutralität, so Huber, beruhe auf dem Dogma, dass CO2 um nahezu jeden Preis reduziert werden müsse. Daraus folge ein gewaltiger Umbau von Energieversorgung, Verkehr, Industrie und Gebäuden. Für Deutschland bedeute dies nicht nur technische Herausforderungen, sondern enorme Kosten. Huber nennt Schätzungen in Billionenhöhe für den Weg zur Klimaneutralität. Industrieabwanderung, steigende Energiepreise, Belastungen für den Staatshaushalt und eine massive Schwächung des Wirtschaftsstandortes drohen. Wind und Sonne schickten zwar keine Rechnung, sagt das politische Schlagwort. Doch Netze, Speicher, Reservekraftwerke, Subventionen, Eingriffe und Folgekosten schicken sehr wohl Rechnungen und zwar sehr hohe.
Eine besondere Rolle weist Huber den Medien zu. Katastrophenmeldungen steigerten Aufmerksamkeit, Angst mobilisiere Leser, Zuschauer und Klicks. Zugleich hätten viele Leitmedien die CO2-Erzählung bereitwillig übernommen. Daraus sei ein Meinungskorridor entstanden, in dem Zweifel schnell als unwissenschaftlich oder gefährlich erschienen. Huber sieht darin ein Problem für jede offene Debatte: Wissenschaft lebt vom Widerspruch, nicht von Verkündigung.
Klima war immer Wandel. Die Menschheit lebte nie in einer stabilen Idealtemperatur. Sie überlebte, weil sie sich anpasste, baute, wanderte, erfand, speicherte, handelte und Technik nutzte. Genau deshalb wirkt es widersprüchlich, wenn eine moderne Industrienation ihre eigene Energiegrundlage schwächt, um ein globales Klimasystem steuern zu wollen, dessen natürliche Antriebe gewaltig sind.
Werner Huber. Klima-Wahrheit. Ewiger Wandel, Geschichtsmacht, Klimastreit, Klima- und Energiezukunft. Gerhard Hess Verlag, Klappenbroschur, 300 Seiten, 22,80 €





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