Studie: Mehr Patienten mit Omikron gestorben als an Omikron

Karl Lauterbach macht mit Totenzahlen Politik. Doch die sind lückenhaft und falsch – wie nun eine Studie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt. Demnach wirkt Omikron weniger tödlich, als die Statistik vermuten lässt.

IMAGO / epd
Gesundheitsminister Karl Lauterbach bei der Pressekonferenz zum neuen Infektionsschutzgesetz am 24.August 2022

An Ostern hat Gesundheitsminister Karl Lauterbach die „absolute Killervariante“ angekündigt. Als selbst politische Freunde öffentlich andeuteten, dass er überzieht, hielt er sich verbal für seine Verhältnisse ein wenig zurück. Doch mit dem nahenden Herbst dreht er wieder so stark auf, dass sogar Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) ihm vorwirft, Lauterbach schüre Panik: Der Herbst werde schlimm, wegen Corona, sagt der Gesundheitsminister der Welt. Und: Schon jetzt gebe es in Deutschland zwischen 100 und 150 Corona-Tote pro Tag. Nur stimmt daran so manches nicht.

Sind das Menschen, die an Corona gestorben sind? Oder sind sie an etwas anderem gestorben? Diese Frage beantwortet das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht. Immer noch nicht. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie. Nach zahllosen Betriebsschließungen, Kontaktverboten, Ausgangssperren, Verweilverboten, Maskenpflicht drinnen und draußen. Nach der Zunahme von psychischen Krankheiten. Nach ausbleibenden Lernerfolgen. Nach noch nicht offiziell ausgewerteten volkswirtschaftlichen Schäden. Nach all dem kann das RKI diese Kernzahl immer noch nicht nennen. Doch sie arbeiteten an einem neuen Melde-System. Das komme bald, verspricht das Institut gegenüber dem Tagesspiegel.

Ein Minister wirbt für Paxlovid
Karl Lauterbach - Gesundheitsminister oder Pharmareferent
Indes macht Lauterbach weiter mit dem, was Buschmann Panikmachen nennt: Maskenpflicht in Schulen sei nötig, weil man ja nicht wisse, wie sich der Virus auf Kinder auswirke, sagt er der Welt. Beschwört dabei über 100 Corona-Tote jeden Tag. Ohne die einzuordnen. Ohne sie zu hinterfragen. Weil diese Zahl ihm willkommen ist, in seiner Politik, Medikamente und Impfstoffe ohne Rücksicht auf den Bedarf zu bestellen sowie dem Staat die Ermächtigung in die Hand zu geben, Grundrechte auszusetzen. Dabei zeigen offizielle Zahlen, wie wacklig die Argumentation des Ministers ist.

So hat das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nun auf eigene Faust Sterbezahlen ausgewertet. Die Ergebnisse hat das Klinikum im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht. Demnach sind an der Omikron-Variante deutlich weniger Menschen gestorben als an den Varianten davor. In Eppendorf sei kein Geimpfter an der Omikronvariante gestorben, der keine Risikofaktoren hatte wie etwa stark geschwächte Immunsysteme durch Krebs oder Rheuma. „Das Alter war hingegen kein bestimmender Faktor“, sagt Professor Benjamin Ondruschka, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin des UKE.

Preprint
Großangelegte US-Studie: Omikron verursacht über 90 Prozent weniger Todesfälle als Delta
Die Studie beruht auf den Todesfällen von 227 Patienten, die zwischen März 2020 und April 2022 im Klinikum behandelt worden sind. Davon waren 117 Verstorbene mit dem Wildtyp infiziert, 33 mit der Alphavariante, 38 mit Delta und 39 mit dem Omikron-Subtyp. Bei den Patienten des ersten Typs lagen die Raten derer, die tatsächlich an Covid-19 gestorben sind, noch bei über 80 Prozent. Bei der Omikron-Variante waren es dann laut Klinikum aber nur noch 46 Prozent.

Wir haben „keine eindeutige Datenbasis“, kritisiert Intensivmediziner Michael Albrecht im Tagesspiegel. Er fordert, dass in der Statistik deutlich unterschieden werden müsse, ob Covid-19 bei einem Patienten die Hauptdiagnose war – oder nur eine Nebendiagnose.

So aber macht Lauterbach mit relativen Zahlen Politik. In der Welt sprach er davon, mehr als 100 Menschen würden derzeit mit oder an Covid sterben. Doch dieser Wert traf nur auf die beiden Wochen im Juli zu, als eine Hitzewelle das Land im Griff hatte. Diese Hitzewellen sorgen grundsätzlich für erhöhte Sterberaten, wie das Statistische Bundesamt bereits mehrfach erklärt hat. Ob zu der Zeit vermehrt mit oder an Covid gestorben wurde, ist also fraglich. In Mai und Juni lagen die Sterbefallzahlen sogar unter 50 am Tag. Mit und wegen Covid. Zuletzt waren es wieder unter 100 am Tag.

Das Eppendorf-Klinikum schließt das Alter als Faktor für die Anfälligkeit aus. Doch ein Blick auf die RKI-Zahlen sagt etwas anderes. Demnach sind aktuell nicht mal fünf Prozent der im Zusammenhang mit Covid Verstorbenen jünger als 60 Jahre. Etwa die Hälfte der Betroffenen sind zwischen 80 und 90 Jahre alt. Doch was das bedeutet? Zweieinhalb Jahre Covid und das RKI hält die Zahlen so vage, dass ihr indirekter Chef sie in Interviews jeweils so biegen kann, wie es ihm gerade passt.

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Kommentare ( 40 )

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Heinrich Wolter
1 Monat her

Ich male mal den absoluten Alptraum vom Karl an die Wand: Eine Pandemie ohne Symptome. Aber gemach. Zur Not muß man eben die Grippe zur Pandemie aufwerten.

Juergen P. Schneider
1 Monat her

Ich weiß, es ist eine Unverschämtheit von mir, als Ungeimpfter und Ungetesteter immer noch am Leben zu sein. Es ist mir tatsächlich gelungenen, die tödlichste und verheerendste Seuche aller Zeiten ohne medizinische Hilfe bis heute überlebt zu haben. Die Lauterbach-Fans, Corona-Impfjunkies und freiwilligen Schafsmaskenträger will ich hiermit um Entschuldigung bitten, für diese Unverfrorenheit, die ich mir erlaubt habe.:-))

Monika
1 Monat her

Inzwischen muß man ja auch damit rechnen, daß uns Menschen, die eigentlich durch die sog. Impfung gestorben sind, als Coronatote präsentiert werden. Es gibt viele Stimmen, die sagen, daß bei Geimpften Corona schlimmer ausfällt, bzw. überhaupt nur auftritt. Selbst der Herr Lauterbach hat ja „offiziell“ vorsichtshalber Paxlovid genommen, obwohl er doch „offiziell“ mehrfach geimpft war. D.h. er muß ja „offiziell“ einen schweren Verlauf gefürchtet haben. Ohne „offiziell“ könnte man auch einfach sagen, er schwurbelt oder dehnt die Wahrheit, je nach Anwendungsfall. Wer dem Mann noch glaubt, hat ein ernsthaftes religiöses Problem, Corona ist inzwischen eigentlich eher eine Sekte als eine… Mehr

Andreas aus E.
1 Monat her
Antworten an  Monika

„Corona ist inzwischen eigentlich eher eine Sekte als eine Krankheit.“ So sieht es aus. Oder auch ein Suchtproblem. Sucht nach Geltung, Sucht nach Provisionen. Selbst bei Unterhaltungen mit coronagläubigen Gespritzten widersprach mir noch keiner, wenn ich meinte der Mann stehe unter Drogen, also niemanden gab es, der den Karl L. nicht für komplett irre hält. Selbst wenn selbst injiziert und „impfstoffüberzeugt“ und kopfschüttelnd, daß ich die Spritze ablehne. Ich erwähnte schon gelegentlich meine Beobachtungen bei jungen Arbeitskollegen. Montag morgens um 5 Uhr am Treffpunkt zur Fahrgemeinschaft, da führten die sich völlig überdreht auf, von einer Minute auf andere von Aggro… Mehr

Delegro
1 Monat her

Die einzige Killervariante die ich tagtäglich höre heißt Lauterbach, Habeck, Baerbock, Scholz und die anderen Versager in der Regierung. Dagegen ist Omikron Kindergarten. Warum wohl nennt das RKI nicht die Fakten? Wie viele sind an oder eben mit Omikron verstorben? Ich befürchte, die wissen es selber nicht. Haben dafür auch keine Zeit mehr, Karl möchte ja, dass das RKI nunmehr den massenhaften Betrug bei Corona-Test`s aufklärt. Das RKI? Der Karl macht sich das Leben so einfach. Er soll gehen. Am besten in Richtung des Herstellers von Paxlovid. Dafür hat er ja eh schon den Vertrieb übernommen. Grausam, von was für… Mehr

StefanZ
1 Monat her

Der aufrechte Michel, will Maske und er will geimpft werden. Damit er sich sicher fühlt, müssen natürlich auch alle Rechten, die Querdenker und das ganze andere Gesocks zwangsgeimpft werden. Karl der „Große“, setzt diesen Auftrag natürlich pflichtbewusst um. Die „totale“ Impfung ist Pflicht! Das werden auch alle anderen noch lernen. Heute impfen wir Deutschland und …
Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Wilhelm Roepke
1 Monat her

Nanana, so geht das aber nicht.

Wenn Alice Weidel gegen eine Impfpflicht ist, muss die Regierung ja dafür sein. Völlig undenkbar, dass die Unberührbaren auch nur in einer einzigen Sache recht haben könnten.

HDieckmann
1 Monat her

Die Eppendorfer sollten mal nachschauen, wieviele ihrer Patienten an der invasiven Beatmung und falscher Medikation gestorben sind. Außerdem sterben derzeit wahrscheinlich mehr Menschen an den Impfungen als an/mit Omikron-Viren, vgl. Kuhbandner/Reitzner-Studie.

Spoekenkieker
1 Monat her

Es gibt keine Studienergebnisse mit validen Daten, weil NIEMAND außer dem dummen Souverän ein Interesse daran hat. Die Politiker nicht, weil dann jede Menge falscher Entscheidungen oder Versagen bewiesen werden würden. Auch die CDU nicht, weil die federführend war mit Merkel und Spahn. Die Krankenhäuser nicht, weil sie viel Geld an und mit Corona verdienen. Die Impfärzte nicht, weil auch diese an und mit Corona fürstlich verdienen (Schweigegeld). Die Universitäten nicht, weil sie am Tropf staatlicher Gelder hängen. Die ÖRR nicht, weil auch sie am Tropf hängen. Die politische Kaste hat sich auf verschiedenen Wegen über die Jahre ihre Vasallen,… Mehr

Kassandra
1 Monat her

Hat nicht Prof. Püschel am UKE bereits zu Beginn der „Pandemie“ nach Obduktionen veröffentlicht, dass die meisten derer, die auf Intensivstationen zusätzlich angegriffen durch diesen Virus zu liegen kamen, bereits vielfach ernsthaft vorerkrankt waren und schon wegen der Vorerkrankungen mit ihrem Ableben rechnen mussten? Püschel veröffentlichte auch, dass viele mit ernsten Vorerkrankungen intubiert wurden, die eh keine lange Lebenserwartung mehr hatten und das Procedere nicht lange aushalten. Auch Prof. Püschel: es gibt so gut wie keine als „Corona-Tote“ gezählten Menschen, bei denen nicht auch eine Vorerkrankung maßgeblich für den Tod hätte sein können – was . Gerichtsmediziner Dr. Dietmar Benz… Mehr

Andreas_H
1 Monat her

„In Eppendorf sei kein Geimpfter an der Omikronvariante gestorben, der keine Risikofaktoren hatte wie etwa stark geschwächte Immunsysteme durch Krebs oder Rheuma.“ Ich habe den Artikel des UKE im Ärzteblatt gelesen. Bzgl der Geimpften wird dort die og Angabe gemacht, wonach alle an Omikron Verstorbenen genannte weitere Risikofaktoren aufwiesen. Bzgl der an Omikron verstorbenen Ungeimpften wird eine Angabe inwieweit auch hier die gleichen Risiko Faktoren vorlagen ohne jegliche Begründung einfach nicht gemacht. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Qualität und Seriosität vermeintlicher Spitzenforschung, wie sie der Laie im UKE Hamburg vermutet. Falls (plausiblerweise) auch bei den Ungeimpften diese Risiko… Mehr

Warte nicht auf bessre zeiten
1 Monat her
Antworten an  Andreas_H

Ich habe mich auch gleich gefragt, warum nicht klar die Zahlen und Bedingungen bei Geimpften und Ungeimpften gegenübergestellt wurden. Also, wieviele Ungeimpfte sind ohne die genannten Riskiofaktoren an Omikron gestorben und wie war das Verhältnis Geimpfte/Ungeimpfte bei diesen Patienten überhaupt? Warum fragt das die keiner?!

Elisabeth D.
1 Monat her

Das fragen sehr viele, nur bekommen sie keine Anworten! Warum wohl nicht?? Jens Spahn hat gesagt,“ wenn die Pandemie vorbei ist, werden wir einander viel zu verzeihen haben“. Die in der Verantwortung stehenden Mitglieder dieser sogenannten Regierung (die von Merkel geführte und die Jetzige) , werden sich sorgen, das ihnen eben NICHT verziehen wird. Deshalb machen sie weiter so.