Die Glückwünsche und Würdigungen zum runden Geburtstag von Frank-Walter Steinmeier waren hinsichtlich Qualität und Quantität überschaubar – häufig floskelhaft und nichtssagend. Zu einer ehrlichen Gratulationscour gehört es zu benennen: Steinmeiers Ideologiegerüst versteckt sich allenfalls hinter Farblosigkeit. Er bleibt in Erinnerung als ein Staatsoberhaupt, das spaltet statt zu einen.
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Ja, wir haben ein deutsches Staatsoberhaupt. Bislang hatten wir elf davon, nie vom Volk gewählt, sondern von einer „Bundesversammlung“ als Club aus Bundestagsabgeordneten, Landespolitikern und „kulturell“ oder NGO-mäßig so oder so Diversen. Das zwölfte Staatsoberhaupt heißt seit 2017 Frank-Walter Steinmeier (SPD, seither offiziell mit ruhender Parteimitgliedschaft). Merkel wollte es so. Dafür hat Steinmeier ihr am 14. April 2023 den allerhöchsten Orden umgehängt, den bislang nur Adenauer und Kohl bekommen hatten. Die CDU unter Merz wollte Steinmeier 2022 schließlich erneut im Bellevue. Am 5. Januar 2026 nun ist Steinmeier 70 Jahre alt geworden.
Die offiziellen Glückwünsche und die Würdigungen anlässlich dieses eigentlich besonderen Geburtstags sind hinsichtlich Qualität und Quantität überschaubar. Ganz besonders tut sich die FAZ hervor. Dort entdeckt man Steinmeiers „gute Beliebtheitswerte in Umfragen“ und meint: „Die Menschen scheinen ihn sympathisch zu finden: Freundlich, unaufgeregt, anpassungsfähig, wenig Kanten …“ Und dass er „viel getan fürs Land“ hat. Zum Beispiel, indem er 2021 ein rot-grünes Regierungsbündnis auf den Weg gebracht und das „richtige Gespür angesichts der immer stärker werdenden AfD bewiesen“ hat. Zur Erinnerung: Die FAZ ist/war die Zeitung, hinter der „ein kluger Kopf steckt“. Aber Steinmeier hatte es der FAZ spätestens im Frühjahr 2024 angetan. Da ließ die FAZ Steinmeier eine komplette Seite über sein damals neues Buch mit dem Titel „Wir“ schreiben.
Die Illustrierte „Stern“ verbuchte Steinmeiers 70. Geburtstag unter der Rubrik „lifestyle“ und charakterisiert ihn als einen „stillen, besonnenen Menschen mit Herz, Humor und westfälischem Boden“.
Gar nicht mehr toppen ließen sich die Vertreter der beiden großen Kirchen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nannte Steinmeier „im Namen der katholischen Kirche in Deutschland“ einen „Ruhepol, auf den man gerne und mit hoher Anerkennung schaut“. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, meinte, sie habe stets sehr beeindruckt, wie Steinmeier mit „Zuversicht und Überzeugung für unsere freiheitliche Demokratie einsteht und dafür, dass Demokratie und Menschlichkeit zusammengehören“.
Kanzler Merz twitterte: „Herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag, lieber Frank-Walter Steinmeier. Mit Ihrer Stimme geben Sie unserem Land Orientierung. Danke für Ihren Dienst an unserem Land, Herr Bundespräsident.“
Alle anderen mehr oder weniger gewichtigen Bundes- und Landespolitiker schlossen sich floskelhaft und nichtssagend an.
Nun ist ja bekannt, dass auf Beerdigungen, anlässlich runder Geburtstage und bei Ruhestandsversetzungen gelogen wird, was das Zeug hält. Vieleicht sollte man da ein wenig nacharbeiten.
Reminiszenzen
In den 1980er Jahren war Steinmeier Mitarbeiter der von der DDR finanzierten Zeitschrift „Demokratie und Recht“. Aus dieser Zeit schöpft Steinmeier nach wie vor sein politisches Credo. Noch 1990 mitten hinein in die Wiedervereinigung forderte Steinmeier eine „Diskussion über eine linke Verfassungsinterpretation“. Er plädierte da gegen den „Beitritt“ der DDR. Steinmeier damals weiter: „Es führt keine demokratische Brücke von der Verfassung der BRD zur Verfassung des neuen Deutschland.“ Steinmeier bedauerte, mit der Wiedervereinigung bekäme die DDR „nicht einmal die Chance, ihre Geschichte, ihre Besonderheit, ihre Utopien, vielleicht ihre Identität in den Einigungsprozess einzubringen“. Am 3. Oktober 2020 klingt das in Potsdam präsidial anders: Da entdeckt er „das beste Deutschland, das es jemals gab“.
Steinmeier war Mitglied der Schröderschen, schier männerbündischen „Moskau-Connection“. Siehe das gleichnamige Buch von Reinhard Bingener/Markus Wehner vom März 2023. Die Namen dieses Netzwerkes lesen sich wie ein „Who is Who“ der SPD, vor allem der Niedersachsen-SPD, der „Erzdiözese“ der SPD und deren Vorfeldorganisationen: die Namen Frank-Walter Steinmeier, Sigmar Gabriel, Stephan Weil, SPD-Strippenzieher Heino Wiese, dazu die Namen Brigitte Zypries, Erwin Sellering, Henning Voscherau, Ex-SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, Manuela Schwesig.
Der Zweimal-Außenminister Steinmeier (2005 – 2009, 2013 – 2017) sprach im Zusammenhang mit Russlands Krieg in Georgien 2008 von westlicher „Scharfmacherei“ gegen Russland, in Bezug auf ein Nato-Manöver im Juni 2016, also nach Russlands Krim-Annexion, vom „Säbelrasseln“ und vom „Kriegsgeheul“ des Westens. Später, nach dem Überfall Putins auf die Ukraine, hat Steinmeier Fehler eingeräumt.
Steinmeier war 2009 als Kanzlerkandidat der SPD krachend gescheitert. Er holte 23 Prozent für die SPD, das waren 11,2 Prozent weniger als die SPD 2005 hatte. 23 Prozent: Davon kann die SPD heute nur träumen, ist sie doch auf dem Weg zur Hälfte von 23 Prozent. Zur Bundestagswahl 2017 stand erneut die Frage an, ob Steinmeier SPD-Kanzlerkandidat werden könnte. 2016 erklärt er: Nein! Da wusste er wohl schon, dass ihn Merkel im Februar 2017 zum Bundespräsidenten gewählt haben wollte.
Im August 2016 nannte Steinmeier als damals amtierender deutscher Außenminister den Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten Donald Trump einen „Hassprediger“. Zu dessen Wahlsieg im November 2016 gratulierte Steinmeier nicht. Für die damalige deutsche Verteidigungsministerin von der Leyen war Trumps Sieg ein „schwerer Schock“. Trump mag gelegentlich Erinnerungslücken haben, solche Aussagen hat er wohl nicht vergessen. Steinmeier ist für Trump ansonsten Vergangenheit. Ob Trump weiß, dass Steinmeier am 1. Oktober 2025 die von den USA alsbald mit einem Einreiseverbot belegte Geschäftsführerin der HateAID-Denunziationsplattform Anna-Lena von Hodenfeld mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande behängte, weiß man nicht. Die EU-Kommissionspräsidentin freilich ist Trump präsent, und er lässt es sie und die gesamte EU spüren.
Wes Geistes Kind Steinmeier ideologisch ist, das hat er ausgerechnet am 9. November 2025 verraten. Er sagte, ohne den Namen „AfD“ in den Mund zu nehmen: „Ja, und da sind Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Brandmauern ein Signal … Mit Extremisten darf es keine politische Zusammenarbeit geben.“ Und weiter: „Wenn dadurch ein Teil des demokratisch gewählten Parlaments von der Gestaltung ausgeschlossen wird, so ist dieser Ausschluss doch selbst gewählt.“ „Ein Teil“? Mit Verlaub, hier geht es um eine Partei, die bei den vergangenen Wahlen 20,8 Prozent der Stimmen errang. Mittlerweile liegen Prognosen bei bis zu 28 Prozent, in den neuen Ländern geht es Richtung 40 Prozent.
Sind bundesweit demnächst 14 Millionen Wähler ein vernachlässigbarer „Teil“? Gibt es Bürger und Wähler erster sowie Bürger und Wähler zweiter Klasse? Steinmeier ging noch weiter: „Zu seinem eigenen Schutz enthält unser Grundgesetz die Möglichkeit, Vereine und Gruppen zu verbieten, Parteien von der staatlichen Finanzierung auszuschließen und sie sogar gänzlich zu verbieten, wenn sie sich aggressiv-kämpferisch gegen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung richten … Dieser Tage schreien Gruppen vom rechten Rand bei diesem Thema reflexhaft auf: ‚Das ist undemokratisch!‘ Da kann ich nur sagen: Sie haben es doch selbst in der Hand!“
Das ist Steinmeier pur! Das gehört nachrufend mit zu einer ehrlichen Gratulationscour. Denn das Ideologiegerüst des Frank-Walter Steinmeier hat sich seit den 1980er-Jahren offenbar nicht geändert, es wurde allenfalls hinter Farblosigkeit versteckt. Er bleibt in Erinnerung als ein Staatsoberhaupt, das spaltet statt zu einen.




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Hmm – ich zeige Ihnen mal was: Artikel 1 Allgemeine Verpflichtungen und Anwendungsbereich (1) Jeder Vertragsstaat verpflichtet sich, unter keinen Umständen jemals a) Streumunition einzusetzen, b) Streumunition zu entwickeln, herzu stellen, auf andere Weise zu erwerben, zu lagern, zurückzubehalten oder an irgendjemanden unmittelbar oder mittelbar weiterzugeben, c) irgendjemanden zu unterstützen, zu ermutigen oder zu veranlassen, Tätigkeiten vorzunehmen, die einem Vertragsstaat aufgrund dieses Übereinkommens verboten sind. (2) Absatz 1 findet auf explosive Bomblets, die eigens dazu bestimmt sind, von an Luftfahrzeugen angebrachten Ausstoßbehältern verstreut oder freigegeben zu werden, entsprechend Anwendung. (3) Dieses Übereinkommen findet keine Anwendung auf Minen. ——— Berlin, den… Mehr
„Ja, und da sind Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Brandmauern ein Signal … Mit Extremisten darf es keine politische Zusammenarbeit geben.“
Mmmh, war das vor und nachdem er dem antisemitischen iranischen Mullah Regime zum 40 jährigen Bestehen gratuliert hat?
„Die Menschen scheinen ihn sympathisch zu finden: Freundlich, unaufgeregt, anpassungsfähig, wenig Kanten …“
„Ein Mensch ohne Kanten ist eine Null“ – passt besser.
Tja, das hat man davon, wenn das Bundespräsidentenamt im Merkel’schen Hinterzimmer verramscht werden kann und als kleinster gemeinsamer Nenner ein Steinmeier dabei herauskomm und durch die Bundesversammlung, dem „Fest der Demokratie“ wie es im öffentlich/rechtlichen GebührenTV heißt, durch die gleichen Parteien bestätigt wird; und das sogar gleich zweimal!!
Da haben wir nun einen Salbader, einen Frank-Walter den Spalter!!
Ein Hetzer, ein Spalter, ein Faschist. Ich habe keinerlei Achtung für so jemanden. Das der Staatsoberhaupt ist zeigt in welchem Zustand sich dieses Land befindet.
Es sollte hier einmal mehr erwähnt werden: Steinmeier ist einer der Architekten des Maidan, von MINSK1+2, ein Kriegshetzer reinster Güte.
Der Typ gehört doch längst in eine geschlossene Strafanstalt – lebenslänglich.
Was mich mit Steinmeier verbindet ist, dass ich in diesem Jahr auch 70 werde. Ansonsten nichts. Er hat eine Ideologie, die ich nicht teile, eine Partei, die ich nicht teile, einen Beruf, den ich bewußt nicht ergriffen habe und auch Einstellungen, die ich nicht nachvollziehen kann. Würde ich im Bellevue leben wäre es jetzt voll von Menschen, die ein warmes Bett, eine warme Mahlzeit, ein freundliches Wort und etwas Würde brauchen, vielleicht auch einen Arzt. Es wäre nicht für alle Platz, aber die ganz Alten und die jungen Mütter mit ihren Kindern wären da, mit Menschenliebe und Verständnis willkommen geheißen.… Mehr
Als Bundespräsident hat Steinmeier m.E. versagt, weil er spaltet, anstatt Brücken zu bauen, und einem Viertel der Wähler die Legitimation abspricht. Und aktuell drückt er sich vor einem Statement, vermutlich weil er Linksterroristen als Täter benennen müßte. Aber er war, nach meiner Wahrnehmung, ein recht passabler Außenminister, verglichen mit Maas, Baerbock und Wadephul, gut vernetzt und international anerkannt. Z.B. nachdem Martin Schulz 2014 die Knesseth leergeredet hatte, flog Steinmeier nach Israel und brachte wieder Ruhe in die Beziehungen. Und seine Rußlandnähe zeugte von einem Realitätssinn, der den anderen Außenministern völlig abging bzw. abgeht. Daß sich Steinmeier für den Rest seiner… Mehr
Durchschnittliche Lebenserwartung 78,9 Jahre, kann auch weniger sein. Ist bald überstanden.
Ich frage mich, wieso wir so viele bösartige, deutschlandhassende Politiker hanen. Langsam glaube ich, das wir sie verdienen, den wir sehen was die machen, bzw, nicht machen und sie werden immer wieder gewählt. Manchmal glaube ich, dass sie und hassen und uns bestrafen wollen und die meisten schreien noch Hurra. Irgenwie muss es den meisten gefallen.
Steini feiert am Freitag seinen 70. im Schoß Bellevue. Schön im Warmen, mit Licht, Strom und funktionierender Toiletten. Mit Sektchen und Kaviarhäppchen.
Was würde er sagen, wenn ihm abends mehr als 50000 frierende und hungernde Menschen, strom- und toilettenlos, im Bellevue zum Geburtstag gratulieren möchten?
Steini hat mMn nicht die Eier zu sagn „Kommt rein, drinnen ist warm, könnt ihr rausgucken. Meine Frau macht für euch ne Büchse Krabben auf, die Toiletten sind links. Schön Hände waschen nicht vergessen, zB in Unschuld. Oder fliessendem warmen Wasser.
Diese Grösse hat er nicht.