Umfrage im Saarland: Alle Parteien außer CDU und SPD könnten unter die 5-Prozent-Hürde fallen

Am nächsten Sonntag sind im Saarland Landtagswahlen. Trotz Ampel-Schwäche im Bund droht der CDU ein Fiasko. Nur die CDU und SPD sind aktuell sicher im Landtag. Und es gibt noch mehr Besonderheiten.

IMAGO / BeckerBredel

Jüngsten Umfragen zufolge könnte das kleinste Bundesland Deutschlands zur Schaubühne eines spektakulären Wahlkrimis werden: denn außer der SPD (39 Prozent) und der CDU (30 Prozent) scheint momentan keiner Partei der Einzug in den Landtag bei der Wahl am 27. März sicher.

Keine der vier etablierten Kleinparteien kann im Moment mit einem sicheren Einzug in den Saarbrücker Landtag rechnen. Während die AfD und B’90/Die Grünen bei jeweils 6 Prozent verharren, steht der Einzug der FDP mit 5 Prozent auf der Kippe. Die Linkspartei würde mit 4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und wäre damit erstmals seit 2004 nicht mehr im Landesparlament vertreten. Die sonstigen Parteien – insbesondere die Klimapartei bunt.saar – schneiden mit einem Gesamtergebnis von 10 Prozent ungewohnt stark ab, obwohl keine der Parteien die Fünf-Prozent-Sperrklausel überschreiten dürfte.

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Besonders unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Abweichungen zu den endgültigen Wahlergebnissen könnte dies bedeuten, dass der nächste Landtag ausschließlich aus Abgeordneten von SPD und CDU bestehen könnte. Diese parlamentarische Zusammensetzung wäre in ganz Deutschland einzigartig, sogar eine historische Seltenheit. Für die CDU würde dies bei den aktuellen Umfragen bedeuten, dass ihr Ministerpräsident Tobias Hans seinen Platz an die sozialdemokratische Herausforderin Anke Rehlinger abgeben würde.

Die SPD könnte in einem solchen Szenario vermutlich mit einer absoluten Mehrheit ohne einen Koalitionspartner regieren.

Der Linken und CDU droht katastrophaler Absturz

Mit dem Austritt des Parteimitbegründers und Saar-Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine hat sich der Richtungsstreit innerhalb der Linken stark zugespitzt. Nach starker Kritik an der Arbeitsweise seiner Genossen und der linksliberalen Neuausrichtung seiner Partei hat der ehemalige Ministerpräsident seinen Rückzug aus der Politik eingeleitet und den politischen Bruch mit der Partei vollendet. Für die Parteispitze um Susanne Hennig-Wellsow und Janine Wissler droht ein Desaster: Denn die Partei würde somit ihre einstige West-Hochburg (21,3 Prozent im Jahr 2009) endgültig verlieren. Eine Niederlage im Saarland könnte die Partei nach den 4,9 Prozent bei der Bundestagswahl noch weiter in eine existenzielle Krise stürzen.

Auch die CDU würde mit ihrem Ministerpräsidenten Tobias Hans stark an Zustimmung verlieren. Hans war in den vergangenen Monaten mehrmals in starke Kritik geraten, unter anderem wegen diskriminierender Aussagen gegenüber ungeimpften Staatsbürgern („Zuerst einmal müssen wir eine klare Botschaft an die Ungeimpften senden: Ihr seid jetzt raus aus dem gesellschaftlichen Leben“). Die Schwäche der CDU ist bemerkenswert – und symptomatisch für die fortwährende Profilschwäche der Union in der Opposition. 2017 gewann die CDU noch mit mehr als 10 Prozent Abstand zur SPD und fuhr mit über 40 Prozent einen deutlichen Wahlsieg ein. Ein SPD-Wahlsieg wäre auch und eindeutig ein Verdienst der Schwarzen – und eine krasse Klatsche in den politischen Ruhestand für Tobias Hans, der es als Ministerpräsident offenbar nicht schafft, die Saarländer zu begeistern.

Die SPD hingegen könnte in ihrer Rolle als Bundesregierungspartei bestätigt werden, während ihre Bundeskoalitionspartner FDP und Grüne abgestraft werden könnten. Von einem „Ampel-Bonus“ kann keine Rede sein – im Gegenteil. Ein verfehlter Einzug der AfD könnte ebenfalls den Flügelkampf innerhalb der Partei verfestigen, schließlich haben eklatante Fehler und das letztendliche Scheitern der Aufstellung einer gemeinsamen Landeswahlliste zu einem massiven Reputationsschaden beigetragen.


Jonas Kürsch (20 Jahre) ist junger Autor bei TE. 

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Kommentare ( 35 )

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HPM
1 Monat her

Muttis Bester wird wahrscheinlich die landespolitische Führung abgeben müssen. Und für Herrn Merz wird es höchste Zeit, die Ziele der CDU neu und vor allem klar zu definieren.

Tesla
2 Monate her

Grüne raus, FDP raus, Linke raus und CDU Absturz – das wohl das optimale Wahlergebnis in Saarland. Soll von mir aus die SPD das Saarland in den nächsten 5 Jahren allein regieren – das war das Saarland auch schon früher unter Lafontaine gewohnt. Aber dass die woken Fanatiker der Grünen und Linken und die Verräter der FDP aus dem Landtag fliegen würden und die Merkelianer der CDU – allem voran Hans – abstürzen und aus der Regierung fliegen, das wäre wie ein vorzeitiges Ostergeschenk.

humerd
2 Monate her

Es bleibt zu hoffen, dass die Kleinparteien im Saarland rausfliegen und dies einen Trend darstellt. Seit Jahrzehnten befindet sich unser Land im Würgegriff von Minderheiten, weil auf Kleinparteien Rücksicht genommen werden muss.

pcn
2 Monate her

Die Umfrageergebnisse weisen deutlich auf den unumkehrbaren Niedergang des Landes hin. Und da meine ich nicht nur das Saarland. Für die ideologiegesteuerte Politik läuft weiterhin alles nach Wunsch: die Fortsetzung 16 Jahre Merkel.
Wie war das doch gleich? Wenn Wahlen etwas ändern würden…

humerd
2 Monate her
Antworten an  pcn

„16 Jahre Merkel.“
auch getragen und unterstützt von Kleinparteien. Gerade die Grünen mit ihren Sitzen im Bundesrat bestimmten die Merkel Politik.
Merkel regiert nie alleine.

Ali Mente
2 Monate her

Vielleicht kommen die bisherigen Wähler der Grünen jetzt mal zur Vernunft und befördern diese Partei nun Schritt für Schritt aus den Parlamenten! Idealer Weise tun es die Wähler, die aus lauter Verzweiflung die FDP gewählt haben, ihnen gleich!

GrinansPere
2 Monate her

Sollten sich die Umfrageergebnisse tatsächlich in den Wahlergebnissen bestätigen, dann müsste ich endgültig den einsehen, dass der mündige Bürger in unserem einst so schönem Land nur in einer absoluten Minderheit existiert.
Wirklich Jeder und Jede die jetzt noch Altparteien wählt, ist maßgeblich mitschuldig am Untergang und Ausverkauf der Bundesrepublik Deutschland.
Mitschuldig an kommender Diktatur in einem öko-sozialistischem und Hygiene Maßnahmenstaat mit jährlicher Vierfachimpfung.
Ich hoffe, die Umfragen sind frisiert.

CIVIS
2 Monate her

…und egal wie die Landtagswahl ausgeht; wer noch drin ist, wer raus ist, wer evtl. mit wem koaliert oder auch nicht:

> Es ändert sich nichts ! <

RMPetersen
2 Monate her

Ach, da geht sicher noch was. Seit viele der ehemaligen Computernerd-Partei „Piraten“ zu den Grünen gegangen sind, gibt es dort genügend Know-How, um zahlenmässig gut abzuschneiden.

Rosalinde
2 Monate her

Generell sollte man keiner Umfrage glauben, weil diese dadurch eingefärbt ist durch die Auswahl der zu befragenden Personen.
Aber dass die FDP verschwindet ist glaubhaft und war auch vorhersehbar.

Kappes
2 Monate her
Antworten an  Rosalinde

Die FDP bräuchte gar nicht zu verschwinden. Sie ist im aktuellen Landtag nämlich überhaupt nicht vertreten (Grüne übrigens auch nicht). Im saarländischen Landtag gibt es aktuell nur Schwarz, Rot, Dunkelrot und AfD.

Last edited 2 Monate her by Kappes
Thomas Hellerberger
2 Monate her

Am Saarland offenbart sich das generelle politische Problem Deutschlands, und warum dieses Land so festgefroren und unbeweglich geworden ist. Sowohl die SPD als auch die Union haben das Land wirtschaftlich und außenpolitisch ruiniert und an den Rand des Kollaps gebracht. Anstatt etwas gegen die galoppierende Überalterung zu unternehmen, wurden nur Millionen ungebildeter und oft dauerhalft versorgungsbedürftiger Ausländer aus dem globalen Süden angesiedelt. Die Industrie wurde auf dem Altar der Bereicherung postheroischer Kohorten geopfert. Außenpolitisch ist das Land eingezwängt in eine verteidigungspolitische Abhängigkeit von den USA und wirtschaftlicher Abhängigkeit von Diktaturen, gleich ob sie nun Russland oder Katar heißen. In der… Mehr

Last edited 2 Monate her by Thomas Hellerberger