Noch eine Wasserstandsmeldung für die Wahlen

35 Prozent in Schleswig-Holstein und 41 Prozent in Nordrhein-Westfalen wissen demoskopisch noch nicht, ob sie zur Wahl gehen und wenn, wie sie abstimmen. Der Trend des Bröckelns bei den Sozialdemokraten scheint sich fortzusetzen.

© John MacDougall/AFP/Getty Images

Ganze 35 Prozent seien noch nicht sicher, ob überhaupt und wenn ja, wen sie wählen wollen. Hat die Forschungsgruppe Wahlen in einem „Politbarometer-Extra Schleswig-Holstein“ in Interviews vom 2. bis 4. Mai mit „1.814 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben.“

Polit-Wasserstandsmeldung
Landtagswahl Schleswig-Holstein: CDU vor SPD
Womit klar ist, hinter die ermittelten Zahlen unter den anderen 65 % gehören mehrere Fragezeichen. Die gehören dort aber auch deshalb hin, weil wir an diesem Wahlsonntag möglicherweise wie beim ersten Durchgang der Präsidentenwahlen in Frankreich erleben, dass Umfrageergebnisse dort und in Deutschland (und Britannien wie USA) eine andere Qualität haben. Die Forschungsgruppe zieht aus ihren Zahlen den Schluss: „Wenige Tage vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein scheint außer einer großen Koalition und den Dreierbündnissen aus SPD oder CDU mit Grünen und FDP kein anderes Regierungsbündnis über eine Mehrheit zu verfügen.“

Das politische Signal der Umfrage lautet ungeschminkt: Wer bisher Die Linke wählen will, gibt seine Stimme besser der SPD, sonst ist der nächste Ministerpräsident einer von der CDU. Alle anderen Parteien liegen in dieser, aber auch anderen Umfragen zu deutlich über den 5%, um die Wahlabsicht für sie noch zu ändern.

Für Nordrhein-Westfalen gibt es auch ein Politbarometer Extra. Dort ermittelten die Demoskopen sogar 41 Prozent, die noch nicht wüssten, ob und wen sie wählen. Es würde mich nicht wundern, wenn in NRW besonders viele erst sehen wollen, wie es in Kiel ausgeht. Die dortige Wasserstandsmeldung sagt: SPD und CDU je 32%, FDP 12, Grüne 7,5%, Die Linke und AfD je 6%.

Schleswig-Holstein
Wahlsonntag: Medien wieder pro Merkel?
Die Schlussfolgerung: „Damit hätte die amtierende Koalition aus SPD und Grünen keine parlamentarische Mehrheit mehr. Reichen würde es für eine große Koalition aus SPD und CDU oder für eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP oder eine ‚Jamaika-Koalition‘ aus CDU, Grünen und FDP, nicht aber für Rot-Rot-Grün.“ An meiner Aussage von neulich ändert das nichts, ich wiederhole sie: „Wer in der ganz großen Koalition aller Parlamentsparteien den Vorsitz führt, ändert nichts an der gleich bleibenden Politik des Stillstands. Was in den Medien aussehen soll wie ein Wettbewerb der Parteien, ist Entertainment für anspruchslose Zuschauer und Leser.“

Dass das Bröckeln der Sozialdemokraten weiter geht, sieht nun wirklich nach einem Trend aus, in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, den USA und jetzt wieder in Großbritannien – deshalb hier noch eine Fußnote zu den hierzulande weitgehend unbeachteten Kommunalwahlen in Britannien: Theresa Mays Tories fuhren einen Zugewinn von 558 Sitzen in die Scheune. Labour verlor 320 Sitze, die Liberaldemokraten 37. Ukip scheiterte komplett: von 115 Sitzen blieb einer (1) übrig.

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Kommentare

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  • Känguru

    Wo liegt das Tal der Ahnungslosen?

  • treu

    Das Entscheidende ist ja nicht wer von den Blockparteien die Wahl in SH gewinnt, sondern das die überwiegende Mehrheit der Bürger tatsächlich erneut das „Weiter so“ und damit den sich fortsetzenden Absturz dieses ehemals reichen, sicheren und demokratischen Landes wählt. Und dabei genau diejenigen, die das alles zu verantworten haben. Und das trotz allem Unwillen und Gemurre, die ja durchaus in der Bevölkerung vorhanden sind. Das ist völlig absurd und schizophren und zeigt klar, dem Deutschen sind zwei Eigenschaften Wesensart, der blinde Größenwahn und der devote Untertanengeist. Verhängnisvoller geht es nimmer! Und wir können nicht anders, nur Extreme. Im Guten wie im Schlechten, entweder völlig naives und romantisches Gutmenschentum um die ganze Welt zu beglücken oder eben ein Weitermarschieren bis 5 nach 12, auch wenn alles schon längst in Scherben liegt. Da wird dann treu und brav ohne nachzudenken das Kreuzchen wieder dort gemacht, wo man es schon seit Jahrzehnten gemacht hat. Und das nicht nur von der älteren Generation, die ja bis heute das Stammwählerpotential der sog. „etablierten“ Parteien, insbesondere von CDU und SPD sind. Man kann nur noch verzweifeln ob dieses Landes und dessen Bürger, die bis heute nicht begriffen haben, das sie der Souverän sind und man mittlerweile mit den Füßen abstimmen muß, um dieses Land, die Demokratie, die Sicherheit und Rechtstaatlichkeit zu schützen und wiederherzustellen.

    • Berggrün

      Sie haben Recht – und doch müssen Sie sehen, daß die Binnenperspektive des einzelnen, seine „Mikroweltsicht“ meist eine ganz andere ist als die Gesamtschau, der Blick aufs große Ganze. Während letzterer für Deutschland deprimierend ist, ist er das für den „Normalbürger“ (= mit Arbeit, keine existenzielle Finanznot, nicht im Ghetto lebend) durchweg gar nicht.
      Ich meine: Ich wähle die AfD, aber – das, was mich stört, ist in meinem persönlichen Umfeld immer noch gar nicht präsent. In meinem Wohnviertel ist der Nichtdeutschenanteil minimal, mag er in der Gesamtstadt dennoch bei 45 % liegen. Der örtliche Aldi wirkt seit dem letzten Umbau wie die Delikatessenabteilung im Kaufhof oder KaDeWe, ansonsten reiht sich ein Biomarkt neben vegane Boutiquen oder Läden für Kinderspielzeug aus regionalem unbehandeltem Holz, und immer mehr Fahrradläden. In den Gaststätten bekommt man zwar flächendeckend keine deutsche Küche mehr (viele halten ja Pho, Falaffel oder Döner schon für deutsches Essen) doch die Gäste sind so deutsch wie die Anwohner. Darum wohne ich da in diesem Viertel und nicht in Klein-Istanbul, darum gebe ich viel Geld für meine Wohnung im Gründerzeitaltbau aus, obwohl ich im Plattenbau nur halb soviel zahlen würde – aber mit „anderer“ Nachbarschaft. Ich habe Arbeit, verdiene nicht schlecht, kann mir einen Urlaub im Ausland leisten, sogar ein Auto. Sähe ich nur das Hier und Jetzt – ich müßte also die Blockparteien wählen, denn haben sie nicht recht mit allem was sie sagen?

      Wenn ich aber nur bereits auf dem Weg zur Arbeit in der U-Bahn der einzige Biodeutsche bin (vorausgesetzt ich fahre erst nach 9 Uhr), sich dieser Eindruck beim Weg über die Bahnhöfe fortsetzt, ich beim Bummel über die Haupteinkaufsstraße den Eindruck bekommen, eher im Orient zu leben und alle neu eigenstellten Kollegen nur noch Russen, Bulgaren oder Spanier sind, weil offenbar keine jungen Deutschen mehr zu finden sind, dann komme ich ins Nachdenken. Ich höre von einer Kollegin, daß sie eine kennt, deren Freundin neulich vergewaltigt wurde (von „Südländern“), das ist neu und stand natürlich nicht in der Zeitung. Im Wohnviertel wird man ungläubig angeschaut, wenn man konstatiert, daß bei einem noch NICHT eingebrochen worden sei („echt jetzt?) – es scheint, es ist eine ortsübliche Sitte in diesem bessergestellten Viertel, mindestens einmal in Jahr seinen Hausrat zur allgemeinen Verfügung zu stellen, bzw. ihn von Fachkräften vom Balkan entsorgen zu lassen, insbesondere Fernseher und Schmuck. Aber geht es uns denn nicht blendend, haben wir nicht alle ausgebeutet, als Nazis gewütet, Bringschulden wohin man blickt? Mein Bekannter, mit dem ich gestern Bier trinken war, gutsituiert wie ich, betont, er wähle keine Rechten. Wir reden über „all das“, er ist fassungslos, daß ich AfD wähle. Er findet Multikulti toll, da kommt natürlich der Verweis auf die Gastronomie. Er findet es schrecklich, daß in Afrika so viele verhungern (ich dachte, die sterben alle an Aids oder Ebola, andere sagen, so schlecht sei es gar nicht) und einen weiten Bogen machen wir um das Thema Rente, denn er hat keine Kinder, ich schon. Nach einer Weile sind wir an einem Punkt, wo es nicht mehr weiter geht. Wir trinken aus unseren Biergläsern und schweigen. Jeder denkt sich seinen Teil. Dann ist es 15:15, der Wirt wirft den Großbild-TV und die Sky-Bundesligakonferenz an, wir checken OneFootball auf dem Smartphone, und endlich, endlich können wir wieder reden, wie früher, als wir noch beste Buddys an der Uni waren. Und ja, ich habe noch nicht gehört, daß meine Ex von der Uni geheiratet hat. Interessiert mich mehr, als ich zugeben will. Und das zweite Pils kommt.

      Noch Fragen, wie Merkel, Macron und Schulz ihre Stimmen bekommen?

      • treu

        Man wählt wie zu erwarten in Mehrheit die Verursacher des Untergangs des Landes und wird in wenigen Wochen wieder jammern und hadern. Aber wie auch immer, Sie haben völlig recht, es geht den Deutschen offensichtlich noch „zu gut“, daß heißt, sie begreifen nicht um welchen Preis sie dies alles tun und demnächst bezahlen müssen. Und damit ist nicht nur die Verschuldung des praktischen Pleitestaates BRD gemeint. Aber wie Brecht völlig richtig sagte, „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“. Letzteres ist den Bürgern schon lange abhanden gekommen, Millionen sind vom Staat in völlige Abhängigkeit getrieben worden und beißen natürlich nicht die Hand, die einen füttert. Und gerade deshalb werden stets zur Wahlen von Politik, Parteien und Regierung die vermeintlichen Sozialalmosen mit dem Füllhorn ausgeschüttet und natürlich vergessen, das der Bürger diese alle wird bezahlen und erarbeiten müssen. Eine kranke, kaputte und absurde Welt und der naive, gutgläubige und devote Michel vorneweg! Man kann wirklich nur noch verzweifeln!

  • cfp

    Auch wenn viele jetzt aufschreien: Die einzige wählbare (heute bis 18 Uhr) Partei ist die CDU. Und das mit der langfristigen (10 Jahre???) Gesamt-CDU Perspektive, neues innovativ denkendes Parteipersonal zu finden. Das wieder auffinden des neuen Parteipersonals betrifft natürlich auch langfristig die SPD, FDP, Grünen und Linken. Die AfD sollte zunächst, nicht nur in SH, stärkste Oppositionspartei werden. Das wäre wirtschafts- und sozialpolitisch die für Deutschland aussichtsreichste Konstellation, um sich national, europäisch und global in einigen Jahren wieder profilieren zu können. Naja, ein frommer Wunsch. Die Realität der dümmsten, die Schlächter selber wählenden Kälber sollte doch endlich mal verändert werden. Die Vorstellung, in einer Merkelregierung fortschrittlich agieren zu können, fällt sicher schwer. Aber genau dafür braucht es auch die jüngere Wählergeneration, die sich dann langfristig durchsetzen könnte. Sich selber immer wieder Schach zu bieten ist doch absurd. Andererseits ohne Einerseits hat Herr Goergen für die stärkste „Partei“, die Nichtwähler, mal ein geeignetes Konzept entworfen. Die realistische Darstellung eines gesamten Wählerwillens wäre dann zumindest darstellbar.

    • OMG

      Die CDU ist unwählbar, und zwar auf Jahrzehnte. Der Schaden, den diese opportunistischen Gauner angerichtet haben, wird erst noch vollends sichtbar werden.

      Das innovativ denkende Personal schafft gerade unser Gemeinwesen ab, und gibt die Bürger für gewaltbereite illegale Einwanderer zum Abschuß frei.

      Keine Ahnung, wie Sie zu dieser Einschätzung gelangen.

    • Mohammed Müller-Meier

      Nein aufschreien werde ich nicht. Vielleicht werde ich für Sie beten, oder sowas ähnliches, mehr kann man wohl nicht mehr tun.

  • Gero Hatz

    Keine Frage, dass die Spezialdemokratie weltweit einen Niedergang erfährt, den wir in der Nachkriegsgeschichte noch nicht gesehen haben. Eigentlich ist das eine verspätete Reaktion auf die Abwendung der Spezialdemokratie von ihrer traditionellen Arbeiter Basis und eine geradezu unglaubliche Hinwendung zu reiner Identitätspolitik und Spezialinteressen. Das Politikpersonal ist inzwischen dritte Wahl und die Wähler merken das. Chulz ist ein gutes Beispiel: Ein abgehalfterter, bildungsferner EU Autokrat, dessen größte Leistung ein bankrottes Schwimmbad in der seiner Heimatmetropole Würselen ist, wird als Heilsbringer und Hoffnung für die SPD gefeiert während sein Genosse Siggi als hochqualifizierter Diplomat durch die Fettnäpfchen der Welt torkelt. An der Heimatfront schnüffelt der kleine Heiko an jedem Hosenschlitz, um sicherzustellen, dass bei den Untertanen keine regimekritischen Töne laut werden. Wer dieser Truppe seine Stimme gibt, dem ist wirklich nicht zu helfen.

    • markmunich

      Wobei es sich hierbei um durchaus kalkulierte „Fettnäpfchen“ handelt, um dem scheintoten Sozenhaufen daheim ein paar Wiederbelebungsstromschläge zu verpassen. Ein ähnliches Kabinettstück lieferte übrigens auch Genosse Schulz vor ein paar Jahren in der Knesset. Zwei kongeniale Strategen (der Hochstapelei), die meinen, auf dem Altar eines linksgrünislamischen Zeitgeistes, selbst mühsamst wieder aufgebaute Auslandsbeziehungen ruinieren u. opfern zu können.

  • Der nachdenkliche Bürger

    Die Sozis werden weiter den Bach runter gehen, davon gehe ich fest aus. Die Grünen werden, speziell in NRW, völlig zurecht um den Einzug in den Landtag zittern müssen. Die AfD als die Partei der Schmuddelkinder wird in zwei weitere Landtage einziehen – und das ist gut so! Man mag viel Kritik, je nach Einstellung, an der AfD haben, eine wirkliche Oppositionspartei ist dringend erforderlich. Das gilt selbstverständlich auch für die Bundestagswahl.

  • Michael Scholz

    Die Masseneinwanderung geht ungehindert weiter und 94% der Wähler in Schleswig-Holstein wollen ihren eigenen Untergang wählen.
    UNFASSBAR!

  • kostanix

    Gesetzt den Fall es gibt 40% Nichtwähler, dann kommen theoretisch, in welcher Konstellation auch immer, Mehrheiten unterhalb von 50% zustande.
    Mit der ihr eignen Logik der Gutmenschen und Gesinnungsterroristen der Linksgrünen Gemeinde, ist die Wahl doch ungültig und es muss neu gewählt werden. Also es gelten dann doch die gleichen verwirrten Forderungen wie in USA und beim Brexit.
    Ach ich vergaß, das gilt ja nicht für die „Guten“ sondern nur für die Anderen.

  • youthattack

    12% Grüne – und da heißt es immer, Seeluft sei für die Gesundheit gut.

    • kostanix

      Aber irgendwas in der Seeluft verursacht Synapsenblockade.

  • markmunich

    Da faktische Verlierer hier mittlerweile nicht mehr gen Wüste, sondern natürlich in die größten Ämter bugsiert werden, wette ich hiermit, dass der nächste Bundesaußenminister, der verhinderte Europa-und Weltenlenker M. Schulz heißen wird. Falls ich verliere, gibt’s eine Extra-Prämie für T.E. – versprochen:-)