Gewalttat gegen ZDF-Mitarbeiter – und die laue Reaktion in Medien und Politik

Linksextreme stehen unter dringendem Verdacht, sechs Sender-Mitarbeiter am 1. Mai in Berlin ins Krankenhaus geprügelt zu haben. Anders als bei rechtsextremen Angriffen wird die Tat auffällig niedrig gehängt.

imago images / A. Friedrichs

Über den Angriff mehrerer vermummter Täter auf ein Drehteam der „heute-show“ am 1. Mai in Berlin gibt es bis jetzt nur sehr spärliche Informationen – sowohl von der Polizei als auch von dem Sender selbst. Sieben Mitarbeiter des Meinungsmagazins des ZDF, die über die Demonstrationen in Berlin berichten wollten, waren gegen 16.25 Uhr während einer Drehpause in der Rochstraße von etwa 20 vermummten Personen eingekreist und angegriffen worden. Laut Polizei wurde das ZDF-Team geschlagen, offenbar auch mit einer Metallstange. Sechs Sender-Mitarbeiter mussten ins Krankenhaus. Einem Tonassistenten trat ein Täter nach Angaben von Zeugen ins Gesicht, als er am Boden lag. Der ZDF-Mitarbeiter Abdelkarim, der offenbar einen Bericht über den ersten Mai in Berlin für die heute-show liefern sollte, blieb unverletzt.

Die Verantwortlichen der Sendung kommentierten den schweren Überfall auf ihr Team allerdings erstaunlich zurückhaltend auf Twitter:

„Bei einem Dreh heute in Berlin ist unser Kamerateam angegriffen worden. Mehrere Teammitglieder sind im Krankenhaus, unser Reporter Abdelkarim ist unverletzt. Wir sind schwer betroffen und wünschen den Kollegen eine schnelle Genesung.“

Über die Täter und die Motive fand sich auch in anderen Stellungnahmen kein Wort.

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ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler verurteilte den „Angriff auf die Pressefreiheit“, teilte aber gleichzeitig mit, „weitere Details“ seien nicht bekannt. In den meisten Presseberichten über den Angriff hieß es, die Hintergründe seien „unklar“. Die Polizei nahm zwar sechs dringend Tatverdächtige fest, setzte sie allerdings schon am Samstag wieder auf freien Fuß. Über ihre Identität gab die Polizei bisher so gut wie nichts preis: weder Vornamen noch Alter oder Hinweise auf ein Motiv.

Berlins Innensenator Andreas Geisel kommentierte den Angriff so: „Egal, ob rechts, links oder sonstwie motiviert, Gewalt gegen Medienvertreter ist durch nichts zu rechtfertigen.“

In Fällen, in denen Gewalttäter aus dem rechtsradikalen Spektrum stammen oder auch nur der Verdacht besteht, findet sich eine ‚egal ob rechts, links oder sonstwie‘-Formulierung eher nicht in Politikerstatements. Auch Außenminister Heiko Maas beschränkte sich in seiner Twitter-Botschaft auf die sehr allgemeine Formulierung „feige Gewalttäter“ ohne jede politische Zuordnung:

„Ich wünsche dem Team der heuteshow, das heute auf erschreckende Art und Weise angegriffen worden ist, gute Besserung. Wir stehen an Eurer Seite! Lasst Euch Euren Humor und Eure Leidenschaft nicht nehmen von feigen Gewalttätern.“

Für die auffällige Zurückhaltung gibt es offenbar einen Grund: Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stammen die Schläger aus dem linken Lager: „Nach unseren ersten Erkenntnissen sind die Verdächtigen eher dem linken Spektrum zuzurechnen“ erklärte Behördensprecher Martin Steltner. Trotzdem zog bisher kein Politiker eine Verbindung zwischen den Gewalttätern und einer Partei – wie es sonst bei praktisch jedem rechtsradikalen Übergriff geschieht, der routinemäßig der AfD angelastet wird.

Die Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement Sawsan Chebli (SPD) versuchte sogar, indirekt doch eine Verbindung zwischen der Gewalttat und der AfD herzustellen: Sie retweetete eine Veröffentlichung des linksradikalen Portals „Volksverpetzer“, das die öffentlichen Reaktionen auf den Angriff beklagt: „AfD-FANS FEIERN HEUTE-SHOW-ANGRIFF“.

Im Fall der linken Maidemonstrationen in Berlin gäbe es allerdings gute Gründe, um nach politischen Helfern der Extremisten zu fragen. Die grüne Berliner Bundestagsabgeordnete Canan Bayram etwa unterstützt seit Jahren politisch das linksextremistische Zentrum in der Rigaer Straße, und demonstrierte unter anderem auch schon mit dem „Schwarzen Block“ zugunsten des gewaltverherrlichenden linksextremen Internetportals Indymedia. Auch die in Berlin mitregierende Linkspartei protegiert seit langem die linksradikale Szene der Stadt.

Gleichförmiger Euphemismus in den Medien:
Über eine „Rangelei“ am 1. Mai in Berlin
Ein gewalttätiger Angriff auf Medien-Mitarbeiter ist selbstverständlich zu verurteilen. Trotzdem kommt die öffentliche Debatte auch über die ZDF-heute-show selbst und das Gewaltverständnis ihrer Mitarbeiter nicht von ungefähr. Vor einiger Zeit hatte Ralf Kabelka als Außenreporter der Sendung über eine Demonstration aus dem rechten Spektrum berichtet. Dort sagte er zu einem Demonstranten, indem er auf Gegendemonstranten aus dem linken Lager deutete: „Da hinten sind welche gewalttätig und intolerant, weil sie euch Rechten ein paar in die Fresse hauen wollen. Und ich finde, die haben recht.“ Etliche Twitter-Nutzer erinnerten jetzt an diese Szene.

In der Vergangenheit hatte sich das ZDF auch eher sehr milde mit Linksextremismus befasst und beispielsweise in der Kindersendung „logo“ erklärt, zwischen Linken und Linksextremisten müsse man sorgfältig unterscheiden. Eine entsprechende Werbung für Differenzierung zwischen rechts und rechtsextrem suchte man bei dem Sender vergeblich.

Damit befindet sich der Sender durchaus im Einklang mit vielen linken Politikern. Erst kürzlich hatte sich die „Grüne Jugend“ in einem Tweet über die ihrer Meinung nach überzogene Kritik an Gewalttäten der Antifa lustig gemacht:

Bis heute setzte sich weder der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) noch linke Politiker mit den wiederholten linksextremen Attacken auf Medien-Mitarbeiter systematisch auseinander, sondern verurteilten sie nur ab und zu, ohne auf politische Hintergründe einzugehen. Dabei ist die Liste der Übergriffe in Deutschland und anderen Ländern mittlerweile lang – und es traf auch der Vergangenheit nicht nur konservative Journalisten.

  • Am 25. Januar 2020 beispielsweise bedrohten Linksextremisten aus einer Demonstration in Leipzig zugunsten von Indymedia heraus eine taz-Berichterstatterin und drohten ihr Schläge an, falls sie weiter Bilder aufnehme. Die taz als betroffenes Medium berichtete darüber nur sehr zurückhaltend und fast entschuldigend. „Wenn jetzt fast schon genüsslich gejault wird, dass die Linken ja mindestens genauso ein Gewaltproblem haben wie die Rechten, ist das argumentativ arg kurz gesprungen“, belehrte das Blatt seine Leser.
  • Im Januar 2020 zündeten Linksextreme das Auto des Berliner B.Z.-Journalisten Gunnar Schupelius an. In einem Bekennerschreiben auf Indymedia hieß es zur Begründung, der liberal-konservative Redakteur sei „als Stichwortgeber von Rassist*innen, Rechten und von Reaktionären auf allen Feldern“ aufgetreten. Die Täter verbanden den Anschlag mit der Drohung, ihn wieder anzugreifen, sollte er seine Berichterstattung nicht ändern.
  • Im Dezember 2019 schütteten Linke dem Chefredakteur der liberal-konservativen Weltwoche in einem Züricher Café ein Getränk ins Gesicht.
  • Und am 1. Mai 2019 attackierten mehrere Linksextreme den Weltwoche-Redakteur Alex Baur in Zürich und dessen aus Peru stammende Frau. Baur konnte sich allerdings wehren und kam unverletzt davon, es entstand nur Sachschaden.
  • Im April 2019 erregte in den USA der gewalttätige Angriff der „Antifa“ in Portland, Oregon auf den konservativen Journalisten Andy Ngo landesweites Aufsehen. Mehrere Schläger hatten Ngo damals eingekreist, als er versucht hatte, über eine Demonstration zu berichten; sie schütteten ihm Flüssigkeiten ins Gesicht, bewarfen ihn mit Gegenständen, schlugen und traten ihn. Ngo trug eine Gesichtsverletzung davon.

Die Angriffe auf Köppel, Baur und Ngo wurden in den meisten deutschen Medien nicht aufgegriffen. Bisher forderte nur ein Politiker das Verbot der Antifa – das CDU-Mitglied Hans-Georg Maaßen, Ex-Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

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Kommentare ( 98 )

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Joerg Baumann
5 Monate her

Ich frage mich immer, wie es Menschen geht, die Opfer solcher Art Gewalt werden? Wer ARD und ZDF als Staatsfernsehen betitelt liegt heute sicher nicht mehr falsch. Und unser Staat ist extrem weit nach links gerückt und eine der Regierungsparteien finanziert und unterstützt die Antifa ohne Scham. Die andere Regierungspartei moniert das zwar, wie z.B. die „Welt“ schreibt: „CDU wirft SPD-Verstrickung in „Antifa-Sumpf“ vor“. Aber die Kritik scheint wenig glaubhaft, da keine Konsequenzen daraus folgen. Wenn ich nun also als ZDF-Mitarbeiter im Krankenhaus liege und mir geht es schlecht, habe ich dann wirklich wieder Lust für das System Propaganda zu… Mehr

Lotus
5 Monate her

Die Einseitigkeit des politisch-medialen Komplexes hat in Deutschland jedes erträgliche Maß überschritten. Mir ist unerklärlich, warum immer noch eine große Mehrheit der Bürger so großes Vertrauen in die Nachrichtensendungen und Politmagazine des ÖRR setzt. Sind die wirklich zu faul, um eine wenig im Internet zu recherchieren und selbstständig zu denken? Wollen diese Leute auf diese Weise beim Denken betreut werden? Glauben sie wirklich der ÖRR-Propaganda, dass unabhängige Medien doch nur „Fake News“ verbreiten, um „Rechten“ den Weg zu bereiten? So blöd und naiv kann man eigentlich nicht sein. Im Netz gefunden: Einen recht aktuellen Aufsatz des Hochschullehrers und Publizisten Horst… Mehr

Waehler 21
5 Monate her

Wer würde das denn anders machen?
Sollte eine Tageszeitung, Rundfunkanstalt die in Frage stehende Art und Weise der „körperlichen Kommunikation“ mit dem ZDF Team als schändlich und Staatsgefährdend thematisieren, wären am Morgen danach die Scheiben durch herumfliegende Steine der betreffenden Redaktion demoliert worden. Vielleicht hätte aber auch nur das Auto des Redakteurs gebrannt.
Mit diesen Leuten legt sich niemand mehr an, schon aus dem Grund, dass sie ihre Beschützer und Mäzene in den Regierungen sitzen haben.

Umf-Backe
5 Monate her

Ich beklage die Übersteigerung.
Angriff auf ZDF-Team. – Zu verurteilen!
Angriff auf die Pressefreiheit. – ?
Angriff auf die Demokratie. – ??

Was wäre denn jetzt der Superlativ?

christin
5 Monate her

„… wird auffällig niedrig gehängt“. Wieso diese Verwunderung? Das ist doch das selbe Kundschaft, ein Rabe hackt doch dem anderen Rabe kein Auge aus.

Karl Schmidt
5 Monate her

(1) Das ZDF bekommt für k e i n e Berichterstattung Gebühren? Es zeigt sich einmal mehr, dass die Sendeanstalt überflüssig ist und uns nur (sehr viel) Geld kostet. Keine Berichterstattung bekommen Sie bei mir z. B. deutlich günstiger. (2) Die Linken halten sich seit Jahrzehnten ihre Kampfhunde. Am 1. Mai haben sie freien Auslauf und dürfen ihre Gewalt ausleben (was ZDF & Co. gerne als „Krawalle“bezeichnen, denn das suggeriert eher laut als brutal). Die rechtsextreme Szene weist keine vergleichbaren Strukturen auf: weder beherrschen sie Teile von Großstädten noch werden sie politisch und journalistisch hofiert. Das Blut klebt deshalb nicht… Mehr

Regenpfeifer
5 Monate her

Man muss schon leider sagen „Gut so!“: Denn nur, wenn die linksverliebte Presstitute auch weiterhin die Gewalt ihrer Lieblinge am eigenen Leibe spürt, wird sie vielleicht noch aufwachen und ihre eigentliche Arbeit tun: „Sagen, was ist!“

Silverager
5 Monate her
Antworten an  Regenpfeifer

Das, so fürchte ich, hoffen Sie vergebens.

Felix-Schmidt
5 Monate her

Linke durften und dürfen auch weiterhin in Deutschland und anderen Ländern (fast) alles.
In diesem Fall waren es eben wieder die „falschen“ Straftäter. Also schauen Presse und Politik lieber nicht zu genau hin. Bestimmt war alles sowieso nur ein bedauerliches „Missverständnis“.

Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann einmal.

Jeder Extremismus ist immer zu verurteilen und zu bekämpfen, egal ob von rechts, von links oder religiös motiviert!

Andreas aus E.
5 Monate her
Antworten an  Felix-Schmidt

Ein Einzelfall, nur von regionalem Interesse, muß nicht weiter beachtet werden.
Weitergehen!

Jan
5 Monate her

Mich würde mal der Grund für den Angriff interessieren. Hat die heute show sich im Vorfeld über Antifa/1. Mai lustig gemacht?

Alt-Badener
5 Monate her

Schon Anfang der 50er Jahre in der sog. damaligen Volksschule wurden wir darüber informiert, wie es mit Revolutionen so läuft. Und eine unvergängliche Tatsache ist eben der Spruch „Die Revolution frisst ihre Kinder“. Das mussten schon währen der französischen Revolution die üblen Herrschaften Danton und Robespierre erkennen. Ihr linken Gesellen vom ZDF, ein wenig in die Geschichte schauen, dann werdet ihr erkennen, was euch in nicht allzu ferner Zeit blüht. Vielleicht nicht gerade öffentlich Kopf ab, aber kein Job, kein Bankkonto usw. reicht ja auch.