Friedrich Nietzsche: Der Gute

Immer wieder einmal gibt es etwas, das wir für neu halten, schon früher genau so deutlich. So ist es mit dem, was Nietzsche über das "Gut-sein" formulierte.

BMJV
Gruppenbild zur "Task Force gegen Hassinhalte"

Heutzutage nennen die einen die anderen „Gutmenschen“, diese weisen das meist als Diffamierung zurück. Was wir für einen Gegenwartsbegriff halten, hat Friedrich Nietzsche in seinem Werk Der Wille zur Macht – Versuch einer Umwertung aller Werte mit dem Wort „Der Gute“ beschrieben (Fettschreibung wie im Original):

„Der Selbsterhaltungs-Instinkt des Guten, der sich die Zukunft der Menschheit opfert: im Grunde widerstrebt er schon der Politik, – jeder weiteren Perspektive überhaupt, – jedem Suchen, Abenteuern, Unbefriedigt-sein. Er leugnet Ziele, Aufgaben, bei denen er nicht zuerst in Betracht kommt. Er ist frech und unbescheiden als „höchster“ Typus und will über Alles nicht nur mitreden, sondern urteilen. Er fühlt sich denen überlegen, welche „Schwächen“ haben: diese „Schwächen“ sind die Stärken des Instinkts, wozu auch der Mut gehört, sich ihrer nicht zu schämen.

Der Gute als Parasit. Er lebt auf Unkosten des Lebens: als Weglügner der Realität, als Gegner der großen Instinkt-Antriebe des Lebens, als Epikureer eines kleinen Glücks, der die große Form des Glücks als unmoralisch ablehnt.

Da er nicht mit Hand anlegt und fortwährend Fehlgriffe und Täuschungen verschuldet, so stört er jedes wirkliche Leben und vergiftet es überhaupt durch seinen Anspruch, etwas Höheres darzustellen. In seiner Einbildung, höher zu sein, lernt er nicht, verändert er sich nicht, sondern nimmt Partei für sich, auch wenn er noch so großes Malheur hervorgebracht hat.“

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Was ist die auflagenstärkste Zeitung in Deutschland nochmal?

Der Ausdruck „Der Gute“ umfasst besser als der Ausdruck „Gutmensch“ sowohl den Anspruch anderen als auch die Einstellung sich selbst gegenüber. Letztere kann man präziser als „Gutfühlmensch“ oder „Sichgutfühler“ fassen, ersteren als „Gutwachmensch“ oder „Gutwächter“. Daher das eitle, bigotte „Zeichen setzen“ einerseits, das Lauernde, Maligne andererseits, das man bei Figuren dieser Sorte überall spürt. Siehe dazu auch die neueste Handreichung einer Gewerkschaft ganz im Stile des MfS, das Wächterin des welthistorischen Guten war. Ganz typisch der intrinsische, der verinnerlichte Opportunismus: tapferes Heulen in der Meute und mutiges Blöken in der Herde. Man ist furchtlos, wo keine Gefahr droht, und man… Mehr

Weil sie keine ernsthaften Argumente haben u, weil die Staatsmedien dies 1:1 unterstützen, gibt es auch keine streitbehafteten Diskussionen mit ernsthaften Gegenmeinungen.
Dann wäre, wie Sie zurecht erwähnen, schnell Schluss, da richtige Argumente auf deren Seite nicht vorhanden sind. Ein Hauptgrund auch, wieso die so schnell reflexartig immer „Nazi“ schreien….

Es fehlt hier sein Fazit, der Staat ist für die Überflüssigen.

Respekt vor dem „Dokumentationsteam“ als Autor dieses Beitrags. Nietzsche hat zwar einen Stammplatz auf meinem atheistischen Hausaltar, aber diese schon seherische Beschreibung des heutigen Gutmenschen ist grandios.

„Der Gute als Parasit. Er lebt auf Unkosten des Lebens: als Weglügner der Realität, als Gegner der großen Instinkt-Antriebe des Lebens, als Epikureer eines kleinen Glücks, der die große Form des Glücks als unmoralisch ablehnt.“

Volltreffer. Und als Hausaufgabe für alle Foristen hier: mit jedem Gutmenschen im eigenen Umfeld eine Diskussion darüber anzetteln.

Auf dem Bild habe ich neben den „üblichen Verdächtigen“ „Kahane u. ihr Minister“, noch einen gesehen, der für mich immer ein Synonym für „ultraunsympathsich“ war…..der passt dann auch dazu….

Oder auch: Heinrich Böll abwandelnd „Gruppenbild mit Stasi“….

Bitte an geeigneter Stelle das Foto um den kleinen Mann im Justizministeranzug archivieren für den Fall, dass es wieder „niemand gewesen sein will“.

Ebenfalls überraschend scharfsichtig und ebenfalls Nietzsche an anderer Stelle:

„Sie machen es allesammt wie die Weiblein, alle diese großen Schwärmer und
Wunderthiere, – sie halten die »schönen Gefühle« bereits für Argumente, den
»gehobenen Busen« für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für
ein Kriterium der Wahrheit.“

Friedrich Nietzsche, „Der Antichrist“, 1,12

Semper idem.

Nach Nietzsche sind die „Gutmenschen“ auch die „letzen Menschen“. Da sie sich selber nicht mehr reproduzieren und auch keine weiteren „Gutmenschen“ hervorzubringen in der Lage sind, erledigt sich das „Gutmenschenproblem“ wenn es denn eines ist, von selber.

Nietzsche ist beim Begriff des Guten so unscharf wie beim Begriff von Gott. Bei Gott führte das sogar zu der völlig absurden Behauptung „Gott ist tot“. Gemeint war aber nicht Gott, sondern ein Götze, und gemeint ist hier auch nicht der Gute, sondern der Gutmensch. Richtig liegt Nietzsche nur mit der Ahnung, daß auch der wahre Gute eine enorme Provokation sein kann, wenn er als unerträglicher Appell empfunden wird.