Frage an Annalena Baerbock: Ist FDP-Politiker Thomas Kemmerich für Sie ein Nazi?

Die Grünen-Vorsitzende behauptet vor laufenden Kameras, ein "Nazi" wäre fast Ministerpräsident in Thüringen geworden. Meint sie damit den thüringischen FDP-Vorsitzenden und Kurzzeit-Ministerpräsidenten Kemmerich? Das lässt tief blicken in Baerbocks Demokratieverständnis.

Screenprint: ZDF/Markus Lanz

Annalena Baerbock gelang gestern Abend in der Talk-Show von Markus Lanz ein denkwürdiger Auftritt, der tief in die geistige Welt der Grünen blicken lässt (bei Minute 29). Die Vorsitzende der Grünen erklärte vor laufender Kamera über die Wahlen in Thüringen: „Da standen wir kurz davor, dass ein Nazi, jemand der nicht auf den Boden des Grundgesetzes steht, in einem unserer Bundesländer zum Ministerpräsidenten gewählt wird. Dieser Moment hat mich erschüttert, ich glaube, der hat wahnsinnig viele Menschen in diesem Land erschüttert.“ Gewählt zum Ministerpräsidenten wurde zunächst Thomas Kemmerich von der FDP. Die Grünen spielten in Thüringen, in dem Bundesland aus dem Karin Göring-Eckhart stammt, keine Rolle, weil sie kaum jemand wählen wollte.

Meinte Annalena Baerbock Thomas Kemmerich von der FDP, der rechtmäßig zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt wurde, als sie von einem Nazi, als jemand, der „nicht auf den Boden des Grundgesetzes steht“, sprach und der dann keine 24 Stunden nach der Wahl von Angela Merkel zurückgetreten wurde? An Björn Höcke kann sie nicht gedacht haben, denn der stand zu keinem Zeitpunkt „kurz davor“ gewählt zu werden.

Ihre verschwurbelte Äußerung lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob die Vorsitzende der Grünen auf dem Boden des Grundgesetzes steht, denn Thomas Kemmerich wurde in einer freien und demokratischen Wahl zum Ministerpräsidenten gewählt. Es mag sein, dass die Grünen ein freies und demokratische Wahlrecht innerlich ablehnen und von chinesischen Verhältnissen träumen und dass sie, wenn sie dank der CDU/CSU 2021 im Bund an die Macht kommen, das repräsentative Wahlrecht, wie es das Grundgesetz vorsieht, in ein moralisches Wahlrecht zu ändern gedenken, doch das Grundgesetz, wie es noch gilt, unterscheidet nicht zwischen guten und schlechten Stimmen, nicht zwischen Stimmen erster und zweiter Wahl. Stimme ist Stimme und jede Stimme besitzt das gleiche Gewicht.

Wenn sich ein Politiker der FDP, der CDU, der CSU, der Grünen, der SPD oder der Linken nicht auch durch Abgeordnete der AfD, die wie alle anderen ihre Wähler vertreten, wählen lassen darf, haben diese Wähler dann ihr Wahlrecht verloren, weil ihre Stimmen nicht mehr zählen. Damit allerdings würde man einen Block, eine Einheitspartei, eine Nationale Front schaffen, was nicht im Sinne des Grundgesetzes ist.

Eigentlich steht Annalena Baerbock in der Pflicht, ihren Satz zu erklären. Und ob sie mit dem „Nazi“ Thomas Kemmerich gemeint hat. Aber da hat schon in der Sendung niemand nachgefragt. Weshalb sollte Markus Lanz auch das Karriererisiko eingehen und Annalena Baerbock an dieser Stelle kritisch nachfragen.


Nachtrag:

Wie soeben bekannt wurde, hat sich Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich gegenüber BILD zu Baerbocks Äußerung mit folgender Ankündigung zu Wort gemeldet: „Sie wird Post von meinem Anwalt bekommen. Ich fordere sie auf, das klarzustellen.“

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Kommentare ( 188 )

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pantau
3 Monate her

Was? Lanz hat nicht kritisch nachgefragt? Na sowas! Und selbst wenn er es 1x täte. Kein Grund Lanz dafür zu loben. Er weiß wie jeder, daß gerade bei der Manipulation in großen Stückzahlen eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Es spielt auch keine Rolle, ob nun Frau Bärbück (der Kalauer musste jetzt sein) nun doof ist oder sich bloß doof stellt. Entscheidend ist, daß diese Partei zuverlässig für doofe Politik steht, bis hinein in den Umweltschutz, den sie zugunsten jenes Molekül-Kultes komplett vernachlässigen. „Doofe Politik“ ist natürlich ein Euphemismus, wenn Doofe Politik machen, läufts auf Katastrophe hinaus. Wie ein Kind,… Mehr

Roland Pressler
3 Monate her

Einen Baerbock schießen ist echter Hochleistungssport. Das kann nur ein Kobold von echtem Schrot und Korn.

Deutscher
3 Monate her

Ich glaube, Baerbock hat gar nicht begriffen, was in Thüringen abgelaufen ist. Die hat damals schlichtweg nicht kapiert, dass es kein AfDler war, der da zum Minipräsi gewählt worden ist, sondern nur ein Anderer mit den Stimmen der AfD.

Die hellste Kerze auf der Torte war sie ja noch nie, siehe Koboldbatterien. Der Kinderbuchonkel Habeck, der „noch nie etwas mit Deutschland anfangen konnte“, nicht viel besser. Nun, genau deshalb werden sie wohl ihre Erstwählerstimmen abbekommen. Dummheit ist ja eher schick bei vielen – Gott sei Dank nicht allen – jungen Leuten, dann fühlen sie sich nicht so überfordert.

schwarzseher
3 Monate her

Ist diese Person eigentlich noch zurechnungsfähig? Gilt allerdings für viele GRÜNEN Politiker. Eine Gesellschaft, die eine solche Partei nach Umfragen mit über 20% wählen würde, hat ihre Zukunft bereits verspielt.

Schwabenwilli
3 Monate her
Antworten an  schwarzseher

Vollkommen recht, es ist nicht die Grüne Partei als solches, es sind die ungefähr 20% welche das Weltbild der grünen Teilen, aus welchem Bevölkerungs und Alters Schichten sich diese rekrutieren ist ja nun schon oft beschrieben worden.

Sumpfdotterblume
3 Monate her

Überragende Intelligenz scheint das Erkennungszeichen der Grünen zu sein. Man erinnere sich nur an Äußerungen von Frau Roth, Frau KGE, Herrn Habeck und, und, und. Da reiht sich die Dame Baerbock nahtlos ein. Sie hat uns ja schon mit mehreren Ergüssen beglückt.
Lässt das Rückschlüsse auf ihre Wähler zu?
Mich ärgern vor allem die Diäten, die diese Herrschaften Monat für Monat für ihre Unfähigkeit, ihr Wirken gegen die deutsche Bevölkerung, kassieren.

Andreas aus E.
3 Monate her
Antworten an  Sumpfdotterblume

Aus informierten Kreisen wurde nun durchgestochen, Führer der liberalen Nazipartei würden nun Skinheads dafür bezahlen, aus erneuerbaren Stromleitungen entlaufene Kobolde mit Fliegenpatschen zu erschlagen, um grüne Energie zu sabotieren.
Schlimm!

hassoxyz
3 Monate her

Annalena Baerbock hat ein ganz simples, primitives Demokratieverständnis, das auch sehr gut zu ihrem begrenzten Intellekt paßt. Alles, was politisch außerhalb der linksgrünen Träumereien und Ideologien liegt, ist für sie automatisch rechtsradikal bis rechtsextrem. So ähnlich hat sich vor ein paar Jahren schon eine junge ZDF-Mitarbeiterin geäußert. Aber so denkt nicht nur Frau Baerbock, sondern wahrscheinlich der größte Teil ihrer Partei. Kein Wunder, die Grünen sind die geistigen Nachfolger bzw. das Ergebnis der kommunistischen 68er-Bewegung und deren Wegbereiter von der Frankfurter Schule. Für mich sind die Grünen – zumindest in weiten Teilen – keine echten Demokraten, sondern Extremisten am linken… Mehr

Deutscher
3 Monate her
Antworten an  hassoxyz

Die „68er“, da sagen Sie was! Völlig überbewertet, regelrecht glorifiziert! Den meisten dieser Krakeeler ging es doch nur ums Kiffen, Ficken, Saufen und Faulenzen. Kluge Köpfe wie Dutschke waren doch die absolute Ausnahme und wenige der „68er“ haben doch überhaupt kapiert, was er dachte und sagte. Mal ganz abgesehen davon, dass „die 68er“ auch nur ein Teil dieser Generation waren, der lediglich überproportional präsent war in den Medien. Mit dem Teil ihrer Generation, der arbeiten ging, statt an der Uni rumzugammeln, hatten diese selbsternannten Revolutionäre der Arbeiterklasse doch nicht das Geringste gemeinsam.

Jan Frisch
3 Monate her
Antworten an  Deutscher

Mag sein, aber dennoch gilt: „Die 68er, die sind an allem schuld!“
https://www.youtube.com/watch?v=hq1NXaslraA

Anti-Merkel
3 Monate her

Die Grün*innen sind in puncto Umwelt genauso inkompetent. Vielleicht sogar noch schlimmer. Die behaupten immer noch, CO2 wäre ein Giftstoff und ein Autofahrer würde mehr davon ausstoßen als von den den Olivgrünen gewollte Kampfflugzeuge.

Anti-Merkel
3 Monate her

Baerbock wird sich sicher darauf rausreden, dass sie nicht sagen wollte, dass Kemmerich ein Nazi ist, sondern dass jemand, der mit Stimmen von Nazis gewählt wurde, „nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht“.
Das ist natürlich eine interessante Überlegung: Vielleicht kann man ja einen Nazi, am besten einen, der beim Einwerfen seines Stimmzettels noch laut dazu auffordert, Hitler zu heilen, davon überzeugen, Baerbock zu wählen? Dann müsste sie ja nach ihrer eigenen Logik sofort zurücktreten, weil sie von Nazis gewählt wurde und damit nicht auf dem Boden des Grundgesetzes steht…

Der Winzer
3 Monate her

Lieber Herr Mai, natürlich hat Frau Baerbock mit ihrem Satz Herrn Kemmerich von der FDP gemeint. In den 1980ern/90ern war die FDP für viele Grüne & ihre Sympathisanten das „Hassobjekt Nr.1″noch vor Helmut Kohl und seiner CDU, gerne auch mal als „Nazi-Nachfolgepartei“ bezeichnet. Hintergrund war dabei u.a. der Lagerwechsel der FDP unter Genscher weg von der SPD zur CDU unter Helmut Kohl, welcher den Nato-Doppelbeschluss (für den zwar Helmut Schmidt als Kanzler, nicht aber die Mehrheit seiner Partei SPD stand) absicherte und die geistig-moralische Wende gegen die 68er ansteuerte. Entgegen erbitterte Proteste & Demonstrationen der Grünen in und mit der… Mehr

Brotfresser
3 Monate her

Infantilisierung und Deprofessionalisierung der Politik, nenne ich das. Ach, ja, ich finde sie hübsch, ich höre ihre Stimme gerne, ich nenne sie nur das „Plappermäulchen“, sie erinnert mich immer an eine Grundschülerin, die am ersten Schultag nach den Sommerferien etwas aufgeregt ihre Ferienerlebnisse erzählt. Es lenkt mich so schön von meinem Tinnitus ab, wenn ich ihr Geplapper höre… fast wie ein Zimmerbrunnen. Auf den Inhalt achte ich bewusst nicht, denn das würde ja nur meinen Blutdruck in schwindelnde Höhen treiben – und dann wäre die entspannende Wirkung schlagartig überkompensiert! Spaß beiseite, machen wir doch mal folgendes Gedankenexperiment: Lassen wir mal… Mehr

Deutscher
3 Monate her
Antworten an  Brotfresser

Hübsch? Naja, vielleicht bissel aufgedunsen.

Andreas aus E.
3 Monate her
Antworten an  Brotfresser

Volltreffer, so ist es. Zum „Ach, ja, ich finde sie hübsch“ – nun, das ist Geschmackssache. Mich erinnert sie an die Emma aus der TV-Serie „Sturm der Liebe“ (ja, ich weiß, aber ich hab das tatsächlich eine Zeit geschaut und hatte sogar Spaß dran). Die Emma wurde vom korrupten, geilen Bürgermeister, der Wurstfabrik hatte (kleine Verarsche wohl Richtung FCB-Vorstand, das spielt ja in Bayern und war tatsächlich weit besser, als man zu befürchten hat), als Werbemodel auserwählt, weil sie drall war, mit „Holz vor Hütten“, etwas mondgesichtig, aber nicht häßlich, und die wurde dann „Emma, die tanzende Wurst“. An genau… Mehr