Die Union erreicht wieder 20 Prozent, doch für Merz gibt es wenig zu feiern: 87 Prozent sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Selbst die eigenen Anhänger wenden sich ab. Die Mehrheit erwartet, dass Schwarz-Rot vorzeitig zerbricht.
picture alliance/dpa | Shireen Broszies
Ein Prozentpunkt mehr für die Union – das ist die überschaubare gute Nachricht für Friedrich Merz. Der Rest des neuen Forsa-„Trendbarometers“ für RTL und ntv fällt für den Bundeskanzler und seine Regierung verheerend aus: Die AfD bleibt mit deutlichem Abstand stärkste Kraft, die Unzufriedenheit mit Merz verharrt auf ihrem Höchststand, und selbst unter den Anhängern von CDU und CSU überwiegt inzwischen deutlich der Unmut über den Kanzler.
Mit seiner Arbeit sind unverändert gerade einmal elf Prozent der Bundesbürger zufrieden. 87 Prozent sind unzufrieden. Damit fällt Merz’ Bilanz weiterhin schlechter aus als die seines Vorgängers Olaf Scholz an dessen Tiefpunkt.
Selbst die eigenen Anhänger stellen Merz ein schlechtes Zeugnis aus
Besonders bitter für Merz: Auch die eigene Anhängerschaft stellt ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Unter den Anhängern von CDU und CSU sind nur noch 36 Prozent mit seiner Arbeit zufrieden, 62 Prozent hingegen nicht – der bislang schlechteste Wert seiner Kanzlerschaft in den eigenen Reihen. Bei den SPD-Anhängern beträgt die Unzufriedenheit 86 Prozent, bei den Grünen 92 Prozent. Unter den Anhängern von Linken und AfD sind es jeweils 98 Prozent.
Die Union kann sich in der Parteipräferenz dennoch leicht verbessern. Sie gewinnt einen Prozentpunkt und erreicht wieder 20 Prozent. Die AfD legt ebenfalls einen Punkt zu und liegt mit 27 Prozent weiterhin vorn. Der Abstand zwischen beiden bleibt damit bei sieben Prozentpunkten.
Die Grünen halten ihre 17 Prozent. SPD und Linke verlieren jeweils einen Punkt und kommen auf 13 beziehungsweise elf Prozent. Die FDP verharrt bei vier Prozent. Für diese Parteipräferenz befragte Forsa vom 13. bis 19. Oktober insgesamt 2.502 Personen.
Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen liegt bei 25 Prozent. Er übersteigt damit weiterhin den Nichtwähleranteil bei der Bundestagswahl 2025 von 17,9 Prozent.
57 Prozent trauen keiner Partei die Lösung der Probleme zu
Noch deutlicher als bei der Wahlabsicht zeigt sich der Vertrauensverlust bei der Frage, welcher Partei die Bürger am ehesten zutrauen, mit Deutschlands Problemen fertig zu werden. Die AfD erreicht hier 14 Prozent und damit erneut ihren bisherigen Bestwert. CDU und CSU kommen zusammen auf neun Prozent. SPD und Grünen trauen jeweils sechs Prozent die größte Problemlösungskompetenz zu, der Linken fünf Prozent.
Die mit Abstand größte Gruppe sieht allerdings bei keiner Partei die passende Antwort: 57 Prozent glauben, dass keine Partei Deutschlands Probleme am besten lösen kann. Das ist der höchste Wert seit der Bundestagswahl 2025. Während die Parteien um einzelne Prozentpunkte ringen, spricht ihnen eine Mehrheit die entscheidende Fähigkeit ab: die Probleme des Landes zu bewältigen.
Mehrheit erwartet vorzeitiges Ende von Schwarz-Rot
Auch an die Haltbarkeit der Bundesregierung glauben die meisten Bürger nicht. 56 Prozent erwarten, dass die Koalition aus Union und SPD vor dem regulären Ende der Legislaturperiode Anfang 2029 auseinanderbricht. Nur 40 Prozent rechnen damit, dass Schwarz-Rot bis dahin durchhält. Für diese Frage wurden am 16. und 19. Oktober 1.009 Personen befragt. Die bereits im Mai vorherrschende Erwartung eines vorzeitigen Koalitionsendes hat sich damit weiter verfestigt.
Selbst unter den Anhängern der Regierungsparteien ist das Vertrauen begrenzt: 39 Prozent der Unionsanhänger und 40 Prozent der SPD-Anhänger rechnen mit einem Bruch vor 2029. Bei den Grünen erwarten dies 47 Prozent, bei der Linken 53 Prozent und bei der AfD 77 Prozent.
Die Regierung beschäftigt die Bürger dabei durchaus – allerdings ist Aufmerksamkeit noch kein Zuspruch. Die Arbeit der Bundesregierung und der Regierungskoalition bleibt mit 37 Prozent das am häufigsten genannte wichtige Thema. Dahinter folgen mit steigender Tendenz der Krieg in der Ukraine mit 24 Prozent, die wirtschaftliche Lage Deutschlands mit 20 Prozent und die Regierungsbildung in den ostdeutschen Bundesländern nach den Landtagswahlen mit 18 Prozent. Rechtsradikalismus nennen zehn Prozent, die Benzinpreise neun Prozent.
Ukraine-Hilfe und Wirtschaft: Die Skepsis wächst
Bei der Unterstützung für die Ukraine hat sich das Stimmungsbild deutlich verändert. Inzwischen meinen 43 Prozent der Bundesbürger, Deutschland tue zu viel. 41 Prozent halten den Umfang des Engagements für gerade richtig, zwölf Prozent für zu gering. Im April 2022 hatten lediglich 16 Prozent die deutsche Unterstützung als zu umfangreich bewertet.
Zwischen den Parteianhängern verlaufen deutliche Trennlinien. 62 Prozent der Unionsanhänger, 63 Prozent der SPD-Anhänger und 64 Prozent der Grünen-Anhänger halten die Unterstützung für angemessen. Unter den AfD-Anhängern sagen dagegen 90 Prozent, Deutschland tue zu viel für die Ukraine.
Auch zwischen Ost und West fällt das Urteil unterschiedlich aus: Im Osten halten 65 Prozent das deutsche Engagement für zu umfangreich, im Westen sind es 40 Prozent.
Zur politischen Ernüchterung kommt der wirtschaftliche Pessimismus. Nur 18 Prozent erwarten, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland verbessern. 63 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung, weitere 18 Prozent mit unveränderten Verhältnissen. Der daraus berechnete Index sinkt gegenüber der Vorwoche um einen Punkt auf minus 45.
Die Union erreicht wieder 20 Prozent. Doch hinter diesem kleinen Zugewinn steht eine Regierung, deren vorzeitiges Ende die Mehrheit erwartet, ein Kanzler mit nur elf Prozent Zustimmung und ein Land, in dem fast zwei Drittel mit einer wirtschaftlichen Verschlechterung rechnen. Viel Anlass zur Erleichterung bietet dieser eine Prozentpunkt nicht.
Und so sehen die Zahlen bei der Sonntagsfrage von YouGov aus >>>



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Das Merz es nicht kann und die Menschen unzufrieden sind, wissen wir schon lange. Er wird aber nicht gehen, nicht freiwillig. Da muss schon mehr kommen bis er hinauskatapultiert wird.