BBC-Reportage zeigt Schlendrian in Corona-Testlabor

Die BBC hat mit versteckter Kamera in Testlaboren gefilmt – und wiederholtes Fehlverhalten dokumentiert. Die frappierenden Zustände können potentiell zu etlichen Fehldiagnosen geführt haben.

IMAGO / ZUMA Wire

Ein BBC-Film offenbart erschreckende Zustände in einem von Großbritanniens größten Corona-Testlabors. Aufnahmen einer Untercover-Reporterin zeigen Pfusch und Achtlosigkeit beim Umgang mit Proben – viele der dort ausgewerteten Tests könnten so falsche Ergebnisse geliefert haben.

Das Labor in der britischen Stadt Milton Keynes gilt als ein Herzstück des britischen Testsystems. Bis zu 70.000 Coronatests können dort täglich ausgewertet werden – nun erhebt ein Investigativformat der BBC schwere Vorwürfe. Von Januar bis Februar gemachte Filmaufnahmen einer verdeckten Reporterin zeigen, dass wichtige Kontrollen, einschließlich derjenigen für undichte Probenröhrchen, übereilt durchgeführt wurden, um die Zielvorgaben zu erfüllen. Dies führte dazu, dass einige Röhrchen, aus denen Abstrichproben ausliefen, nicht erkannt wurden, was zu einer möglichen Kontamination führte. Auch Kontrollen, die sicherstellen, dass die Proben im Labor identifiziert und zurückverfolgt werden können, wurden manchmal versäumt.

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Doch damit nicht genug: Aufnahmen zeigen, wie dickflüssiger Schleim an einem Roboter hängen bleibt, der eigentlich Probenflüssigkeit aus einer Phiole zum Test transportieren soll. So wird er über andere Testproben gezogen – mit dem Risiko, diese zu kontaminieren. Mehrmals beobachtete die Reporterin einen solchen Vorgang. In einem Clip stößt ein Mitarbeiter ein Wattestäbchen einfach zurück ins Röhrchen. Millionen Partikel könnten so in alle Richtungen verspritzt werden und andere Tests kontaminieren. In einem Fall wischt ein Mitarbeiter eine Probe einfach mit einem Taschentuch weg – auch das bedeutet nicht nur einen krassen Protokollverstoß, sondern auch ein Kontaminationsrisiko.

Die Folge: Tests könnten falsche oder gar keine Ergebnisse produzieren. Manchmal wurden Röhrchen, die das Personal nach Formfehlern nicht mehr identifizieren konnte, auch einfach weggeworfen – Betroffene müssten sich dann nochmal testen lassen. Ein frustrierter Mitarbeiter erklärte der Untercover-Reporterin, dass die Ergebnisse im Laufe des Tages immer schlechter und ungenauer würden – in der letzten halben Stunde des Tages seien sie in der Regel „absoluter Müll“.
Chris Denning, Direktor des „Biodiscovery Institute“ an der Universität Nottingham, nannte die Zustände „komplett wahnsinnig“.

Bereits im Oktober 2020 hatte die BBC über das Labor in Milton Keynes berichtet. Der Virologe Julian Harris, der vor Ort arbeitete, nannte die Zustände dort „chaotisch und gefährlich“. Doch Verbesserungen, die der Betreiber damals versprach, folgten offensichtlich nicht.

Die Non-Profit-Organisation „UK Biocentre“, die unter anderem das fragliche Labor betreibt, nannte den BBC-Bericht „unvollständig und selektiv“ und erklärte, die „Positiv-Rate“ des Labors passe zum Landesdurchschnitt. Die Regierung kündigte eine Ermittlung an. Sollten solche Vorgänge jedoch signifikanten Einfluss auf Positiv-Raten gehabt haben, könnte das auch die viel beschworene Gefährlichkeit der britischen Corona-Mutation in neuem Licht erscheinen lassen – immerhin waren es die im Winter hohen Infektionszahlen im Vereinigten Königreich, die hier immer wieder als Menetekel der drohenden Super-Mutantenwelle herhalten mussten.

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Kommentare ( 15 )

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Bahl Renate
7 Monate her

Tja, wenn ich ehrlich bin, wundert mich gar nichts mehr. Allerdings hätte ich den Briten das so nicht zugetraut. Aber man muss es wohl zur Kenntnis nehmen, dass das Alles mit den Allmachtsphantasien des Great Reset einhergeht. Utopia ist in der Gegenwart angekommen. Es übersteigt mein kleines Spatzenhirn.

Juergen Goebel
7 Monate her

Skandalös auch, daß der Schlendrian damit entschuldigt wird, die Ergebnisse lägen trotzdem im Landesdurchschnitt. Aber das läßt ja umgekehrt auch vermuten, daß der Schlendrian im Landesdurchschnitt liegt – erschreckend.

NorbertG
7 Monate her

Die angebliche „Gefährlichkeit“ der britischen „Mutante“ beruhte von Anfang an auf einer äußerst dürftigen Datenlage und basiert mehr auf Panikmache, als auf Fakten. Trotzdem wurde das Narrativ selbstverständlich sofort dankend aufgenommen von unseren hochprofessionellen Mainstreammedien. Dass damit eine Ausweitung des Testwahnsinns und die Beibehaltung des Lockdowns begründet wurde, ist ein solch großer Skandal, dass ich kaum Worte dafür finde. Brandaktuell präsentieren „sciencefiles“ gleich zwei aktuelle Studien, die beide unabhängig voneinander zum Ergebnis kommen, dass die britische Variante b 1.1.7 weder eine erhöhte Infektiosität aufweist, noch zu einer höheren Sterblichkeit führt. Dass die britische Variante sich gegenüber anderen durchsetzt könnte laut… Mehr

Bahl Renate
7 Monate her
Antworten an  NorbertG

Nun, ich bin Laie. Was ich von Anfang an nicht verstanden habe: Das „normale“ Covid19 Virus ist bisher nicht isoliert, keiner weiß wirklich Genaues ueber die Uebertragungswege, über die reale Gefährlichkeit (wobei ich allerdings bei Bakhdi, Wodarg und Hockertz bin, also eher ungefährlich). Wie/wann/durch wen wurden nun die grössere Ansteckungsgefahren seitens der Mutationen herausgefunden??!! Und das innerhalb so kurzer Zeit? Wo ist die Evidenz? Es gibt keine!!!!!!

elly
7 Monate her

Ein BBC-Film offenbart erschreckende Zustände in einem von Großbritanniens größten Corona-Testlabors. „
in Deutschland nicht mehr denkbar. Investigativer Journalismus wurde abgeschafft. Bis jetzt bin ich erfolgreich um die Tests herumgekommen und werde auch weiterhin alles daran setzen.

HeHeWi
7 Monate her

Bei solchen PCR- Massentests unter teils fragwürdigen Bedingungen spielt der sog. Human Factor an mehreren Stellen der Prozesskette vom Wareneingang über die Herstellung der Test-Kits, Transport, Probenentnahme, Testdurchführung bis zum Endergebnis eine wesentliche Rolle. Unter diesen Gegebenheiten eine Testspezifität von besser als 99% zu erwarten, ist reines Wunschdenken. Allein damit kann man bereits erklären, dass die täglich vermeldeten Inzidenzzahlen im Schnitt viel zu hoch liegen, d.h. die ganze Inzidenz-basierte Corona-Politik geht von völlig falschen Voraussetzungen aus. Einfach unfassbar!

TinaTobel
7 Monate her

Zitat: „die „Positiv-Rate“ des Labors passe zum Landesdurchschnitt“
Das kann aber auch daran liegen, dass die anderen Labors genauso schlampig arbeiten.

Last edited 7 Monate her by TinaTobel
Bahl Renate
7 Monate her
Antworten an  TinaTobel

Kommt auf die Sichtweise des Betrachters an, Glas ist halb voll oder halb leer😀

Fulbert
7 Monate her

Da werden unsere Faktenchecker aber ins Schwitzen kommen: nicht die bösen alternativen Medien haben kritisch berichtet, sondern die altehrwürdige BBC. Vermutlich wird es jetzt heissen „der nach dem Brexit zunehmend rechtspopulistische Sender“.

kasimir
7 Monate her
Antworten an  Fulbert

Die BBC muß sich am Riemen reissen. Seit 2015 bekommen sie Jahr für Jahr weniger Zuschüsse, gerade BoJo will die Allmacht der BBC etwas einschränken. Ausserdem gibt es jetzt den neuen und sehr guten Nachrichtensender „GB News“, der die Medienszene in UK richtig aufmischt. Die BBC mußte/muß zu alter Qualität zurückfinden, wenn sie überleben wollen.

kasimir
7 Monate her
Antworten an  kasimir

Hier nochmal ein Link zu „GB News“, was ich bisher gelesen und gehört habe, macht Hoffnung. Ein sehr konservativer Sender mit talentiertem Personal, der hoffentlich die Medien in Großbritannien richtig aufmischen wird:
https://www.horizont.at/medien/news/gb-news-neuer-nachrichtenkanal-lockt-tv-talente-84236

Montesquieu
7 Monate her

Die Knackpunkte bei den PCR Tests sind und bleiben: fehlende Kalibrierung und Standardisierung (es sind zig verschiedene Tests mit einer unterschiedlichen Anzahl getesteter Gensequenzen im Umlauf/je niedriger die getestete Genfrequenz, desto unspezifischer der Test, die Sensitivität ist bei der Analyse generell viel zu hoch eingestellt) weitestgehender Verzicht auf Bestätigungstests bei positiven Ergebnissen (fast ein Jahr lang mit dem ok der WHO) Automatische Gleichsetzung des Nachweises von SARS-cov2 auf den Schleimhäuten mit einer Infektion Heranziehen eines einmalig positiven Testergebnisses als Falldefinition und damit als Parameter für die „Inzidenz“berechnung (unabhängig vom Vorhandensein irgendwelcher Symptome) nicht zu vermeidende Rate von mindestens 0.5% falsch… Mehr

horrex
7 Monate her
Antworten an  Montesquieu

SO IST ES!
Das Elend ist dabei, dass die Karawane längst weiter gezogen ist.
Die Diskussionen um die äusserst fragliche „Wertigkeit“ des PCR-Tests längst schon keine Rolle mehr spielt. Längst werden die „Mutanten“ als „Sau“ durchs Dorf gejagt. –
Und der gründlichst erst in Verunsicherung, dann in Panik getriebene Michel frisst den „Mist“. –
Ergebnis heute: Zumindest halten laut ZDF Politikbarometer 31% der „Michel und Michelinen“ Merkels Maßnahmen für „gerade richtig“, 36% meinen sie sollten „härter“ ausfallen, nur 26% halten es für „übertrieben“. –

roxy
7 Monate her

Was hier gezeigt wird, das ist noch nicht einmal mit „Schlendrian“ oder „Hinterhof-Panscherei“ zu beschreiben.

Das gesamte Set-Up ist irrwitzig und der PCR-Diagnostik vollkommen unangemessen.

„B-Movie Groteske“ trifft es wohl am ehesten.

Th. Nehrenheim
7 Monate her
Antworten an  roxy

„Bis zu 70.000 Coronatests können dort täglich ausgewertet werden“
Das muss selbstverständlich weitestgehend automatisiert ablaufen. Und der Pipettierautomat ist nicht mit Überwachungskameras und automatischer Fehlererkennung ausgestattet. Fehler passieren also. Wichtig ist, wie damit umgegangen wird.
Wahrscheinlich ist „irrwitzig“ das richtige Adjektiv.