Arbeitslosigkeit ist im Mai wieder deutlich gestiegen

Die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur zeigen erneut die ganze Wucht der Rezession. Jetzt geht auch die Beschäftigung deutlich zurück. Im europäischen Vergleich steht Deutschland noch gut da.

imago images / MiS
Filiale der Agentur für Arbeit in München

Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, wie die Bundesagentur für Arbeit meldet. Mit 2.813.000 liegt sie 169.000 höher als im Vormonat. Saisonbereinigt entspricht das einem Zuwachs um 238.000. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Arbeitslosenzahl um 577.000 erhöht. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent und verzeichnet auch im Vergleich zum Mai des vorigen Jahres ein Plus von 1,2 Prozentpunkten. Die nach dem ILO-Erwerbskonzept vom Statistischen Bundesamt ermittelte Erwerbslosenquote belief sich im April auf 4,3 Prozent.

Einen solchen Anstieg im Monat Mai, in dem es normalerweise eine sogenannte Frühjahrsbelebung gibt, habe er in seinem Berufsleben noch nicht erlebt, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, heute in der monatlichen Pressekonferenz der BA in Nürnberg. Trotzdem war Scheele sichtlich bemüht, einen Rest von Zuversicht zu verbieten: „Zurzeit kommen wir ganz gut durch, finde ich.“

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, hat sich saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 170.000 erhöht. Damit wächst die Unterbeschäftigung weniger stark als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt der BA zufolge zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontaktbeschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Mai 2020 bei 3.573.000 Personen. Das waren 383.000 mehr als vor einem Jahr.

Die Zahlen der BA zur Kurzarbeit sind nicht sehr aktuell, sofern es um tatsächliche Kurzarbeit geht.

Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurden vom 1. bis einschließlich 27. Mai für 1,06 Millionen Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden.  Hier hatte das ifo-Institut eigene, aktuellere Berechnungen vorgelegt. Demnach waren im Mai mehr als sieben Millionen Beschäftigte in staatlich mitfinanzierter Kurarbeit.

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Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen der BA bis März zur Verfügung und umfassen damit zeitlich den ersten Monat der Verschärfung der Corona-Krise. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im März für 2,02 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit schon damals weit über den Werten zur Zeit der Großen Rezession 2008/2009.

Die Corona-Krise hat auch zu einem Rückgang der Erwerbstätigkeit und der Beschäftigung geführt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Erwerbstätigen (nach dem Inlandskonzept) im April saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 275.000 verringert. Mit 44,90 Millionen Personen fiel sie im Vergleich zum Vorjahr um 218.000 niedriger aus. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr noch einen Zuwachs. Insgesamt ist sie im März nach hochgerechneten Angaben der BA im Vergleich zum Vorjahr um 330.000 auf 33,62 Millionen Beschäftigte gestiegen. Von Februar auf März, bereits von den wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie beeinflusst, ergibt sich saisonbereinigt ein Rückgang um 21.000.

Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist infolge der Corona-Krise massiv zurückgegangen. Im Mai waren 584.000 Arbeitsstellen bei der BA gemeldet, 208.000 weniger als vor einem Jahr. Saisonbereinigt hat sich der Bestand der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen um 44.000 verringert. Der BA-Stellenindex (BA X) – ein Indikator für die Nachfrage nach Personal in Deutschland – sank im Mai 2020 um 3 Punkte auf 91 Punkte. Er liegt damit 38 Punkte unter dem Vorjahreswert.

Für den gesamten Euro-Raum teilte die Statistikbehörde Eurostat heute die Arbeitslosenzahl für den April mit: Sie ist um 211.000 zum März auf 11,919 Millionen gestiegen. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote (nach dem ILO-Konzept) stieg von 7,1 auf 7,3 Prozent.

Im europäischen Vergleich ist die deutsche Quote (im April noch 3,5 Prozent) ebenso wie die niederländische (3,4) noch gering, was neben der generell stabileren Wirtschaftslage auch durch die großzügigen Kurzarbeitsregelungen zu erklären ist. Die höchsten Werte verzeichneten Griechenland (16,1 Prozent im Februar) und Spanien (14,8 Prozent im März). Das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone war im ersten Quartal um 3,8 Prozent eingebrochen. Für das laufende zweite Quartal rechnen manche Ökonomen mit einem Minus im zweistelligen Prozentbereich.

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Kommentare ( 9 )

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9 Kommentare auf "Arbeitslosigkeit ist im Mai wieder deutlich gestiegen"

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Nur mal soviel zu unseren „Erwerbslosenzahlen.“ Arbeitslose sind Erwerbslose ohne eigenes Einkommen und müssen vom Staat ihren Lebensunterhalt erhalten obwohl sie arbeiten könnten, einige nicht mehr Arbeiten wollen, wegen Krankheit nicht arbeiten können oder es aber einfach keine Arbeit mehr für sie gibt. Arbeitslosengeld I Bezieher ca. 2,5 Mio. plus 1 Mio. in Schulung und Beschaffung Arbeitslosengeld II Bezieher (HartzIV) ca. 6.5 Mio. plus dann mindestens 2 Mio. in Schulung und Beschaffung Anmerkung: Die Leute in Schulung und Beschaffung gelten dann 2 Jahre nicht mehr als Arbeitslos und werden in der Statistik so lange nicht mehr erfasst. Über 58jährige, ausgemustert,… Mehr
Selbst der gezeigte Anstieg ist schon katastrophal. Denn aktuell wurde ja noch kaum jemand entlassen. Die werden aktuell alle mit Kurzarbeitergeld durchgefüttert. Da kann man sogar die mit durchziehen die auf Grund der schwächelnden Konjuktur ohnehin arbeitslos geworden wären. Die paar Firmen die bisher Konkurs angemeldet haben halten ihr Personal erst mal mit drei Monaten Insolvenzgeld über Wasser. Die große Welle an Neueinsteigern in den Arbeitsmarkt kommt erst im Herbst und die bereits angeküdigten massiven Stellenabbauprogramme der Industrie ziehen auch erst in sechs Monaten. Und das gilt auch für den größeren Teil der gesamten EU. In Frankreich hängen nun 75%… Mehr
Was macht’s noch für einen Unterschied? Deutschland sitzt auf € 2000 Mrd Target-Salden, hat gerade ein Geschenkpaket von € 750 Mrd mit Option auf Erweiterung geschnürt und betreibt immer noch unproduktive Masseneinwanderung aus aller Welt. Vier Billionen Euro (4.000.000.000.000) Schulden auf 20 Mio Sozialversicherungspflichtige außerhalb des den öffentlichen Dienstes sind eine realistische Perspektive, das macht € 200.000 pro „Erwerbender“. Das wird nur noch über vollständige Enteignung alles bislang Aufgebauten gehen, mit Beschlagnahmung von jedem Einkommen über € 500 im Monat, Bezugsscheinen für Grundnahrungsmittel, Arbeitsdienst und staatlicher Wohnraumzuweisung. Muddi, wir danken dir! Der Drops ist gelutscht, insofern kann uns die Rezession… Mehr

Die Frage ist, wer der Schuldner ist. Die Unternehmen im Süden haben die Waren und Dienstleistungen aus Deutschland bezahlt. Die kommen also als Schuldner nicht in Frage. Der nächste Kandidat wären die Notenbanken im Süden. Die könnten die fehlenden Euros einfach drucken und nach Deutschland schicken, was eine Inflation wie 1923 verursachen würde. Der wirkliche Gläubiger ist also die EZB mit ihrem massenhaften Ankauf von Schrottanleihen. Die ist aber nicht Deutschland. Fazit: Der Euro ist eine Fehlkonstruktion mit allen Schikanen.

Als während der Kanzlerschaft Gerhard Schröders hohe Arbeitslosigkeit herrschte, wie klangen CDU und CSU damals?

Hauptsache der DAX steigt und das tut er – Dank der Fantastilliarden der EZB. Es gibt hier nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter.

>Trotzdem war Scheele sichtlich bemüht, einen Rest von Zuversicht zu verbieten: „Zurzeit kommen wir ganz gut durch, finde ich.“<

Scheele ist ein obrigkeitshöriger Zwangs-Optimist. Nichts ist so schlimm, als daß man es nicht positiv darstellen könne. "Uns geht es ja so gut…bis es dann halt nicht mehr tut. Aber davor ging's uns sooo gut, da kann's uns jetzt auch mal schlechtgehen."

Und @Redaktion: Sollte das wirklich "verbieten" heißen? Ich meine, das macht ja *auch* Sinn, aber ich nehme an, es sollte "verbreiten" lauten. 🙂

D. steht in vergleich zu anderen Ländern noch gut da. …und wieviel zigtausend Nichtsschaffende, die eigentlich in der Statistik auftauchen müssten, sind in bullshit jobs im total aufgeblasenen ÖD, Wohlfühl NGOs und Kultur/Haltung und Propagandabetrieb versteckt?

Richtig! Und wie viele Zig-Tausende dazu allein staats-und damit steuerfinanziert und nur noch deshalb am Leben, obwohl in keinster weise systemrelevant?! Dieses Land ist trotz aller Posaunentöne des neufeudalen Hofstaates krank, kaputt und völlig im Eimer. Aufrecht erhalten nur durch die Feigheit, die Obrigkeitshörigkeit und das Unvermögen der Bürger, mit den Füßen abzustimmen.