AfD: Mit dem Abgang der Professoren gibt es rechts keine Grenze mehr

Mit Frauke Petry ist der Weg der AfD nach ganz Rechtsaußen frei – mit oder ohne Petry. Verliert die AfD bei den nächsten Landtagswahlen, beschleunigt und verschärft das den Weg ins Lager von Marine le Pen, Heinz Strache, Nigel Farage und Jimmie Akesson. Für die Kriegsfeuer der Extremen wirkt das Weiter-Wursteln im Ukraine-Konflikt, bei Grexit, Brexit und Flüchtlingsfrage als Brandbeschleuniger.

„Das Ende der Anti-Euro-Partei“ bewertet Markus Ackeret für die NZZ den AfD-Parteitag: „Das Experiment einer ursprünglich serösen Parteigründung rechts von der CDU ist damit weitgehend gescheitert.“ Severin Weiland macht im SPIEGEL ein Fragezeichen: „Ist die Partei unter Petry, wie andere Rechtsausleger zuvor, auf dem Weg ins sichere Aus? Zweifel sind angebracht. Bislang zeigten sich die AfD-Anhänger (nicht nur frühere CDU- und FDP-Wähler, sondern im Osten auch vormalige Anhänger von SPD und Linke) vom Streit an der Spitze unbeeindruckt … Die Wut ‚auf die da oben‘, auf die sogenannte „Lügenpresse“ und vieles mehr war bislang eine starke Triebkraft, um die AfD ins Europaparlament und in fünf Landtage zu hieven.“ Wer von den beiden Recht bekommt, hängt meiner Meinung nach weniger von der AfD ab als von den anderen Parteien.

Ebenfalls Weiland schreibt: „Angst vor Muslimen, vor der angeblichen Allmacht der USA, vor der Homo-Ehe, vor dem Aussterben der (weißen, christlichen) Deutschen. In der AfD hat sich längst eine deutsche Parallelwelt formiert. Dieser ganz eigene Kosmos, ähnlich dem von Internetforen, hat sich weitgehend immunisiert gegenüber einer sich rasant wandelnden Gesellschaft.“ Das halte ich in der Sache für einen zutreffenden Befund. Nur – diese Parallelwelt ist die Spitze des Eisbergs der deutschen Mehrheitsgesellschaft. Noch sehen erhebliche Teile der Wählerschaften aller Parteien ihre Welt wie die von Weiland beschriebene Parallelwelt, sie sprechen das nur nicht offen aus, nicht einmal bei anonymen Meinungsumfragen. Das ändert sich auf der Stelle, sobald die überwiegend heile deutsche Wirtschafts- und Sozialwelt Brüche zeigt wie in anderen europäischen Gesellschaften. Im Norden des Kontinents beobachten wir nach Großbritannien auch in den  wirtschaftlich weiter erfolgreichen skandinavischen Ländern das Wachsen extremer Parteien, auf die Weilands Befund der AfD passt.

Noch hat die deutsche Parteienlandschaft Zeit, sich so gründlich zu erneuern, dass extreme Angebote links und rechts nicht mehr Erfolg haben als bisher. Geht der Allparteien-Gleichschritt in zentralen politischen Problemen weiter, kriegt auch Deutschland seine Front National früher als seine Syriza. (Eine extreme Linke wäre etwas ganz anderes als die handzahme DIE LINKE.) Aus der AfD nach Abgang der Professoren kann sehr wohl eine extreme Rechtspartei entstehen, die mit Marine Le Pen, Heinz Strache und anderen eine Fraktion im Europaparlament bildet, die nicht den Neustart des europäischen Projekts wollen, sondern dieses durch die Wiederbelebung des alten, reaktionären Nationalismus auf lange Zeit suspendieren würden.

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