Neueste Daten der Bundespolizei für das Jahr 2025 belegen eine weitere Verschlechterung der Sicherheitslage im Bahnverkehr: Körperverletzungen, Messerangriffe, Sexualverbrechen sind in dem Dossier dokumentiert, die Zahlen zeigen eine Eskalation der Kriminalität.
picture alliance/dpa | Hendrik Schmidt
Den aktuell veröffentlichten Zahlen zufolge wurden im vergangenen Jahr in Zügen und auf Bahnhöfen 980 Messerangriffe registriert – also im Schnitt deutlich mehr als zwei Messerattacken pro Tag. Ebenso sind 2200 Sexualdelikte im Bahnbereich angezeigt worden.
Insgesamt konzentriert sich ein erheblicher Teil der Vorfälle auf zehn besonders stark frequentierte Bahnhöfe in Deutschland, berichtet dazu aktuell die BILD. Die Bundespolizei spricht von einer angespannten Lage, die eine kontinuierliche Anpassung der Sicherheitsmaßnahmen erforderlich mache.
Neben der Gesamtzahl der Straftaten sorgt vor allem die Entwicklung der Gewalt gegen Einsatzkräfte für Sorge: Nach internen Erhebungen wurden im Jahr 2025 im Bahnbereich 5660 Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 5500 Fälle gewesen. Damit setzt sich ein Trend fort, der bereits seit einigen Jahren beobachtet wird: Einsatzkräfte sehen sich häufiger aggressiven Situationen ausgesetzt, insbesondere bei Personenkontrollen, Festnahmen oder Streitigkeiten im Zugverkehr.
Die meisten Gewalttaten am Bahnhof Leipzig
Besonders viel Gewalt gab es 2025 am Hauptbahnhof in Leipzig mit 859 Delikten, sowie auf den Hauptbahnhöfen in Dortmund (735) und Berlin (654). Ebenso mit Gewaltkriminalität massiv belastet: die Hauptbahnhöfe von Köln (648), Hannover (612), Hamburg (580), München (553), Nürnberg (528), Frankfurt am Main (520) und Düsseldorf (499).
Achtmal mehr nicht-deutsche Täter bei Sexualverbrechen
Nach Angaben der Bundespolizei zeigt die Statistik eine klare Differenz in der Herkunft der Tatverdächtigen: Setzt man die jeweiligen Bevölkerungsanteile ins Verhältnis, wurden nicht-deutsche Verdächtige bei Gewaltdelikten etwa fünfmal so häufig registriert wie deutsche Staatsangehörige, bei Messerangriffen sechsmal so häufig und bei Sexualdelikten sogar achtmal so häufig.
Auch Bahnmitarbeiter sind von Gewaltattacken zunehmend betroffen: Fahrkartenkontrolleure und Sicherheitspersonal berichten von zahlreichen verbalen und körperlichen Angriffen. Besonders erschütternd: Der Tod eines Zugbegleiters, der jüngst bei einer Kontrolle von einem Fahrgast angegriffen und tödlich verletzt worden ist. Der Fall löste bundesweit Bestürzung aus und führte auch zu einem Krisentreffen der Politik in Berlin: Daran nahmen Vertreter des Verkehrsministeriums, der Deutschen Bahn, der Polizei und von Gewerkschaften teil. Ziel war es, kurzfristige Maßnahmen zu beschließen, um Beschäftigte und Reisende besser zu schützen.
Zu den vereinbarten Schritten gehört die flächendeckende Ausstattung von Zugbegleitern mit Bodycams. Diese sollen einerseits abschreckend wirken und andererseits Beweismaterial liefern, falls es zu Übergriffen kommt. Zusätzlich ist die Einführung von Notrufknöpfen in Zügen geplant, um in Gefahrensituationen schneller Hilfe anfordern zu können. Auch die Videoüberwachung an Bahnhöfen soll deutlich ausgebaut werden. Über die Finanzierung dieser Maßnahmen wird derzeit noch beraten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der personellen Ausstattung der Bundespolizei: Trotz der angespannten Sicherheitslage an Bahnhöfen plant die Behörde nach eigenen Angaben nicht, Kräfte von den Grenzkontrollen abzuziehen. Ein Sprecher betonte, dass eine Verringerung der Präsenz an den Grenzen zu neuen Problemen führen könnte, etwa durch steigende illegale Einreisen. 6000 Beamte sind bundesweit im Bahnbereich im Einsatz, der Großteil davon stammt aus regionalen Dienststellen. Ergänzt werden sie durch zusätzliche Kräfte, die in einem rotierenden System unterstützen.

Sie müssenangemeldet sein um einen Kommentar oder eine Antwort schreiben zu können
Bitte loggen Sie sich ein
Mir macht die Gewalt gegen Polizei keine Sorge. Die sind selten alleine, und die haben Waffen sowie häufig noch Panzerung. Mir machen die ungeschützten Einzelgänger eher Sorgen.
Die Waffenverbotszonen zeigen ihre Wirkung. Die Kriminellen wissen, dass sie keine Gegenwehr mehr zu erwarten haben.