Manche Männer nennt man zu Recht: Ein Mann wie eine Eiche. Einer davon ist Hans-Peter Canibol, einer der recherchestärksten Journalisten dieses Landes - und einer der kreativsten. Immer neue Ideen, immer neue Geschichten, die er in Focus erzählt und später in Telebörse und Euro.
Und dann ein Tag, der die Eiche fällt. Schlaganfall. Ein großer Mann - gelähmt. Ist das Leben zu Ende?
Rettet eine Birmakatze aus Paris Arbeitsplätze in Eisenach? Die Party-Stadt Berlin jedenfalls hat die mächtigste Katze der Welt schon in Aufregung versetzt; eine solche Neu-Wagen-Show hat lange kein Auto mehr erlebt: 350 Gäste, Filmschauspieler (Iris Berben) Fußballstars (Christoph Metzelder), Wirtschaftsgrößen (Helene von Reeder, Credit Suisse) feierten die Fotos von Choupette - der weißen Luxusmietze (2 Nannys, eigener twitter-Account) von Chanel-Designer Karl Lagerfeld. Choupette hinterm Lenkrad des neuen Opel Corsa, im Kofferraum, auf der Motorhaube: Früher lockten auf dem heißen Blech zweibeinige Miezen zum Kauf, heute echte. Das nennt man wohl Fortschritt, jedenfalls gendermäßig ist es einer.
Leipzig - Die Stadt Leipzig hat dem islamkritischen Bündnis Legida die für Montag geplante Demonstration untersagt. Es könnten nicht die nötigen Polizeikräfte zur Verfügung gestellt werden, hieß es unter Berufung auf das sächsische Innenministerium. Dieses widersprach aber sofort.
Die Stadt als Versammlungsbehörde erklärte, sie sei gezwungen, die Demonstration "aus Sicherheitsgründen" zu verbieten. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in Sachsen offenbar Polizeinotstand herrscht und es nicht möglich ist, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu gewährleisten", sagte Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).
Wer gehofft hat, mit dem Amt komme der Verstand und die Bereitschaft, sich in den europäischen Geleitzug einzuordnen, sieht sich getäuscht: Der Ton gegenüber den internationalen Geldgebern ist weiterhin angriffslustig, selbstbewusst und zu Recht: siegesgewiss. So hat der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras am Donnerstag im griechischen Parlament versprochen, der Austeritätspolitik der Europäischen Union "ein für alle Mal ein Ende zu bereiten" und harte Verhandlungen über neue Bedingungen für Griechenland zu führen." Griechenland wird keine Befehle mehr akzeptieren, erst recht keine, die per E-Mail kommen", sagte er. Nachdem jetzt faktisch die EU einknickt, wird klar: Griechenland hat sich durchgesetzt; aber der eigentliche Schaden kommt nicht vom Geld, sondern von der Zerstörung unserer Währungsordnung.
Günther Oettinger, der neue EU-Digital-Kommissar, hat seine Pläne vorgestellt, wie er die „digitale Aufholjagd“ anpacken will, um für Verbraucher und Wirtschaft in Europa die „digitale Souveränität“ zurückzugewinnen - die er von den großen US-Konzernen bedroht sieht. Natürlich geht es dabei um den flächendeckenden Ausbau der Breitbandnetze „bis ins kleinste Dorf“; da unterscheidet er sich nicht von den deutschen Politikern, die glauben, schon mit Wörtern allein werden Glasfaserkabel verlegt. Aber Kabel allein sind nicht das eigentlich Thema; und mehr hört man ja kaum von Berliner Digitalpolitikern. Da ist Oettinger ehrgeiziger als ein Sigmar Gabriel oder Alexander Dobrindt: Oettinger geht es schon um Europa - und da will er nach der europaweiten Verkaufsfreiheit für Bier und Geld und Urlaub auch den gemeinsamen „digitalen Binnenmarkt“.
Die neue griechische Regierung hat jetzt erstmal ihre Ideen präsentiert, wie sie das Land aus dem Schuldensumpf führen will.
Nun ja, so neu ist das nicht. Im Wesentlichen soll es jetzt nicht mehr „Schuldenschnitt“ heißen, sagt der neue Finanzminister Yannis Varoufakis, weil das in Deutschland irgendwie Igitt sei. Endlich jemand, der uns versteht! Auch auf die deutsche Seele Rücksicht nimmt. Allerdings: In der Sache hält er die Menschen für ziemlich dumm. Ein Schuldenschnitt ist nicht nur der Wegfall von Schulden - sondern auch das Kürzen von Zinsen und Strecken der Rückzahlungsverpflichtung ist ein Schuldenschnitt. Der schlaue Minister will jetzt eine „unendliche Laufzeit“ für die Anleihen, also die Rückzahlung zum Zeitpunkt des jüngsten Gerichts. Viel Spaß davor!
Geld ist etwas Wunderbares. Ich kann nie genug davon kriegen. Geld ist eine teuflische Angelegenheit. Für Geld wird gemordet, geheiratet, werden Rosenkriege und Kriege auf Leben und Tod geführt. Geld ist nicht nur Kaufkraft - Geld ist Gefühl, Gier, Glaube. Geld macht Dankbarkeit und Geld macht Hass. Jetzt sagt der neue griechische Vize-Kulturminister Nikos Xydakis: "Die Deutschen bekommen unser Geld, nicht aber unsere Seele“.
Man soll ja an das gute im Menschen glauben. Und das Auftreten der neuen griechischen, im eigentlichen Sinne national-sozialistischen Regierung aus Rechts- und Linksradikalen wirkte in den ersten Stunden vielleicht frech und unverschämt - aber wenn man andere erpressen will, darf man nicht schüchtern daher kommen. In der neuen Regierung sitzen Mathematiker und Ökonomen, die sich mit der komplexen Spieltheorie befasst haben. Also lag der Verdacht nahe, dass hier eine besonders raffinierte Verhandlungsführung auf Europa zukommen könnte.
1. Es sind nicht wir, es sind die anderen
Griechenland verleugnet konsequent, dass es die eigenen Schulden sind, die das Land ruinieren. Sie wurden dem Land nicht aufgezwungen, keine feindliche Besatzungsmacht hat Griechenland mit Kredit abgefüllt wie ein Wirt seinen Gast. Darin liegt der eigentliche Fehler der Hilfspolitik: Sie wirkt wie eine Besatzungsmacht. Möglicherweise macht sie das Richtige. Aber es ist einfacher, auf die Besatzer von der Troika zu schimpfen, statt die Reformen mitzumachen. Griechenland zeigt, dass man ein Land nicht technokratisch fernsteuern kann. Allerdings ist auch die Frage zu stellen: Was passiert mit einer gemeinschaftlichen Initiative wie dem Euro, wenn einer der Teilnehmer nach eigenen Regeln, nicht nach den verabredeten Regeln spielen will?
Es ist ein Erdrutsch-Sieg der Linken in Griechenland.
„Das griechische Volk hat Geschichte geschrieben”, sagte Tsipras am Sonntagabend vor tausenden jubelnden Anhängern in Athen, versprach ein Ende der „desaströsen Sparpolitik”.
Die Wähler hätten die Vorgaben der internationalen Gläubiger-Troika aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) für „beendet” erklärt.
Damit spitzt sich die Frage zu: Helfen viele Schulden bei der dringend notwendigen wirtschaftlichen Erholung Griechenlands? Das ist das Versprechen nach der Griechenland-Wahl, dass die Wahlsieger, die linksradikale Syriza-Partei gegeben hat. Denn erfolgreich hat sich der Eindruck festgesetzt, es sei diese "Sparpolitik", die Griechenland schadet. Aber erzählen wir die Geschichte einmal anders herum: Wer Griechenland mehr Geld pumpt, rettet es nicht. Das Problem ist der Euro. Die Vorstellung von Syriza, eine Art "Schuldenkonferenz", was nichts anderes ist als ein Schuldenerlaß, ist eine trügerische Vorstellung, wie wir hier dargelegt haben.
Die zweite, trügerische Hoffnung ist: man könne mit Zentralbankgeld, also durch das Drucken von Geld, Griechenland helfen und insgesamt die gesamte Euro-Zone in eine goldene Zukunft führen. Es klingt wie ein Märchen. So süß. So hoffnungsfroh. Mein alter Freund, Chef und Kollege Ralf-Dieter Brunowsky hält daran fest und diskutiert meinen Kommentar in der heutigen Bild am Sonntag. Hilft viel frisch gedrucktes Geld? Ist es richtig, wenn jetzt die Reformen in Griechenland zurückgedreht werden? Ist es das "Spardiktat", von dem sich Griechenland nur befreien muß, um der Sonne entgegen zu eilen? Und wer zahlt dafür?
Ich war mit Angela Merkel in der Sauna. OK, das ist ein paar Jahre her, nur im Ruheraum und wir trugen alle Jacken, Pullis, Thermohosen und Winterschuhe. Es war ihre Pressekonferenz in Davos, und es war kurzfristig nur noch dieser einzige Raum frei.
Na, da bin ich noch einmal davongekommen. Am Montag letzter Woche habe ich mein Hotel bezahlt, fürs Weltwirtschaftsforum kommende Woche in Davos. 2100 Euro für ein Zimmer mit Klo am Gang. Am Donnerstag hätte das Zimmer schon 2520 Euro gekostet. Warum? Die Schweizer Nationalbank hat bisher den Kurs ihres Franken an den Euro gekoppelt. Jetzt lässt sie den Euro fallen – und dessen Kurs ist um ein Fünftel gefallen, binnen Sekunden. Davos, wenn das Weltwirtschaftsforum der Reichen und Mächtigen dort tagt, ist eine Räuberhöhle, nach dem Kursverfall des Euros noch räuberischer. Aber meine persönliche Erfahrung, die ich in Bild am Sonntag so geschildert habe, ist leider nicht nur mein persönliches Schicksal. Er macht uns alle ärmer. Denn der Prozess der Abwertung geht immer weiter.
1. Hurra, die Kurse sind bereits gestiegen
Ach ja, der Dax springt ein wenig in den Minuten nach der Entscheidung. Ein neues Rekordhoch - aber hoch war er schon in der Woche davor. Das ist keine Kleinigkeit. Sondern ein Signal: Längst hat EZB-Chef Mario Draghi alles so gefingert, dass der EZB-Rat gar keine andere Wahl hatte als ihm zu folgen. Denn die Aktionäre haben gekauft wie verrückt. Hätte Draghi nicht die Geldschleusen geöffnet, wie die Banken erwartet haben - wären ihre Verluste gewaltig. Es ist eine Belohnung der Spekulation, und gleichzeitig eine Kapitulation vor den Spekulanten: Sie drohten mit Riesenverlusten.
Ist Griechenland mit einem Schuldenschnitt zu helfen? „Griechenland braucht einen Schuldenerlass!“, schreibt Ralf-Dieter Brunowsky.
Das ist gut gemeint im Sinne Europas, Griechenlands und Deutschlands. Jetzt kommt ein gewichtiges Argument dagegen vom „Centrum für Europäische Politik“ (cep). Ein Schuldenschnitt würde zwar die Staatsschulden ein weiteres Mal reduzieren - aber er würde „die zentrale Ursache für die griechische Misere, nämlich die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit nicht beseitigen. Er würde die griechischen Probleme allenfalls kurzfristig lindern.“
Das ist starker Tobak. Bisher galten Griechenlands Schulden als Haupthindernis für die wirtschaftliche Erholung. Die linke Oppositionspartei Syriza fordert eine Art „Schuldenkonferenz“, bei der die Gläubiger zusammenkommen, um dem Land die Schulden zu erlassen. Vorbild ist das Londoner Schuldenabkommen von 1953. Dafür gibt es mittlerweile viele Anhänger. Aber wäre das die Lösung des griechischen Problems? Blättern Sie um und historisch zurück, um die Folgen eines Schuldenschnitts und das historische Beispiel der Londoner Konferenz zu analysieren.
Manchmal geht es nur nach oben, etwa in Davos. Um 20 Prozent auf 600.000 Franken erhöht, hat das World Economic Forum (WEF) seine Mitgliedsbeiträge. Es muß einem was wert sein, wenn man "den Zustand der Welt verbessern" will; so das Motto. Nun kann man schon heute wetten, dass das Treffen mit 40 Staats- und Regierungschefs, 260 Ministern und 1500 Wirtschaftskapitänen die Welt nicht unbedingt sofort besser macht - Wunder sind auch für viel Geld nicht zu haben. Aber Davos ist eine Art globales Fieberthermometer. Es zeigt, was nach Ansicht der Eliten schief läuft.
Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus - und die Ereignisse der kommenden Woche sind solche mit besonders schwarzen Schatten. Es sind geradezu griechische Epen.
Am kommenden Donnerstag wird der EZB-Rat voraussichtlich ein Ankaufprogramm von 1.000 Milliarden beschliessen. Vereinfacht: die nette Summe von 1.000.000.000.000 Euros soll frisch gedruckt und in den Geldkreislauf gepumpt werden. Na, wenn das mal gut geht. (Sollte ich mich um eine Null vertan haben, bitte ich um Nachsicht und Nachricht, es sind einfach zu viele Nullen unterwegs in Europa.). Und am Sonntag wählen die Griechen. Das hat große Auswirkungen für den Euro. Denn gewinnen die Konservativen, werden die europäischen Partnerländer Griechenland belohnen, indem sie einen weiteren Teil seiner Schulden erlassen. Gewinnen die Radikalen der linken Syriza-Partei, werden die europäischen Partnerländer Griechenland im Euro halten, indem sie einen weiteren Teil seiner Schulden erlassen. Für Griechenland also eine todsichere Sache, diese Wahl; für den europäischen Steuerzahler auch.
Die Debatte über Einwanderung läuft wieder heiß. Manche fürchten sich vor den kulturellen Folgen; „Überfremdung“ hat man es noch in den 80er Jahren genannt; „Das Boot ist Voll“ war das Schlagwort in den 90ern; die Angst vor Islamisierung treibt heute die Menschen auf die Straße. Und in die hitzige Debatte werden dann Studien eingebracht, die den Wert von Zuwanderern berechnen. Ehe man sich mit Zahlen im Detail befasst, sollte man allerdings einige grundlegende Dinge auseinanderhalten - Einwanderung ist nicht gleich Einwanderung. Diese Unterschiede sollte man auch in einem Einwanderungsgesetz berücksichtigen, das jetzt endlich diskutiert wird.
Angenommen, man hat einige Tage verschlafen und sich am Sonntagabend die Sendung mit Jauch angeschaut, um wieder in den Film zu kommen: Das wäre eine schöne Überraschung geworden. Innerhalb weniger Tage ist das Land ein anderes geworden, hätte man beim Aufwachen entdeckt.
Auf einem einsamen Kreisverkehr hält eine junge Frau ein Plakat hoch: „Je suis Charlie“.
Inmitten der zerbombten Häuser von Aleppo in Syrien. Ihren Namen kennen wir nicht. Das ist gut so. Sie hält das Plakat vor die Augen. Sie weiß: Wird sie erkannt, wird sie enthauptet - von denselben, die in Paris die Zeichner von Charlie Hebdo ermordet haben. Das ist Mut. Ich habe Tränen in den Augen. Und ich habe Tränen der Wut, wenn ich alle diese Charlie sehe, die es aber nie waren.
Warum habe ICH zugelassen, dass im katholischen Kindergarten in Köln der Krippenbesuch wegen der maulenden Muslim-Eltern unterbunden wurde? Warum hat die Polizei islamistischen Judenhassern ihre Lautsprecher überlassen, damit sie brüllen können: „Juden ins Gas“? Alle beklagen sich über die Fehler der französischen Polizei. Diesen Fehler hat kaum einer beklagt. Es ist der Größte im Umgang mit Radikalen: Ihnen freien Lauf zu lassen.
Am Freitag hat die Präsidentenkammer des Verwaltungsgerichts in einer Eilentscheidung dem dortigen Oberbürgermeister Thomas Geisel untersagt, in das Demonstrationsrecht einzugreifen. Geisels Aufruf zu einer Gegendemonstration muss von der Internet-Seite der Stadt verschwinden; auch andere Maßnahmen wie das mittlerweile beliebte Stromabknipsen muss er unterlassen. Amtsinhaber seien aus gutem Grund zu Neutralität verpflichtet; und dürfe deswegen auch nicht städtische Gebäude aus politischen Gründen verdunkeln. Der Vorstoß des Düsseldorfer Oberbürgermeisters wurde erstinstanzlich gestoppt. Doch der OB will das nicht akzeptieren. Ist es wirklich eine gute Idee, wenn die Regierenden sich das Recht anmassen, Demonstrationsrecht einfach zu unterlaufen?
