Quietschenten, Töpfe und Kleiderbügel statt bisher nur Kunststoff-Verpackungen dürfen bald in die gelbe Tonne, die dann Wertstoff-Tonne heißt. Ob Tonne oder Sack entscheidet der Kommunen-Geschmack. Seit langer Zeit ist das die erste Neuigkeit in der Müll- und Entsorgungswelt. Ansonsten interessieren sich nur wenige für Themen der Müll-Zivilisation im Weltmeister-Mülltrennland wie das Geschehen bei einem der Großen der Entsorgungsbranche, der Alba Group tut, deren Mitinhaber Eric Schweitzer zugleich Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ist.
Wie man "mit neuen, leichten Übungen den Schmerz besiegen kann", erfahren FOCUS-Leser in der Titel-Geschichte "Hilfe für den Rücken". Unter "Grexit, ja bitte" nichts Neues, auch Hans-Werner Sinn sagt im Interview Vertrautes. Dass Peter Bofinger doch "kein staatliches Bargeldverbot" fordert, finden sicher viele gut. Dass auch andere Wissenschaftler "sich gern mit knalligen Wirtschaftsthesen ins Gespräch" bringen, "auch wenn alle Fakten gegen sie sprechen", bestätigt nicht nur mein Bild.
Die Titelgeschichte „DAS BEBEN Europas Scheitern“ ist an diesem Samstag perfekt plaziert. Kann es doch sogar jenes Wochenende sein, das man nach Hans-Werner Sinn für einen Grexit braucht. Dass mich immer stört, wenn Europa stillschweigend auf die EU reduziert wird, schmälert die treffende Beobachtung der Autoren nicht: „Doch heute wirkt … dieses einmalige historische Projekt, als wäre es unter die Kleinkrämer gefallen. Es wird gefeilscht und gestritten …“. Und in einem Satz steckt die ganze Quintessenz: „Es sind Phänomene, die einzeln vielleicht beherrschbar wären, die kombiniert jedoch das Potenzial haben, den idealistischen Gehalt des europäischen Projekts zu zerstören.“
Nationale Regierungen, die eine andere EU wollen, werden mit jedem Wahlergebnis in Europa mehr wahrscheinlich. Die Neuregelung der Zuwanderung war auch in Dänemark Top-Thema. Von 12 auf 21 Prozent sprang das Ergebnis der Dansk Folkeparti, der sozial- und nationalkonservativen Dänischen Volkspartei. Sie wird die nächste dänische Regierung maßgeblich bestimmen: Von ihr, der konservativ-liberalen Venstre und der neoliberalen Liberalen Allianz dürfte sie gebildet werden. David Cameron bekommt Verstärkung für seine Forderungen an die EU.
Das Ideologiepuzzle der Lebensreform ab 1890 lieferte den Stoff für Programm…
Am Kiosk ist meine erste Reaktion, am Datum zu prüfen, ob das auch wirklich die heutige Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist. Mit einer Design-Kur will sie seit heute neue Seiten aufziehen – optisch und inhaltlich, meldete MEEDIA vor einigen Tagen. Heute ist das nicht meine Wahrnehmung - die meines Mikrozensuses auch nicht.
„Mehr Konterrevolution als Revolution“ nennt Wolfgang Prabel das, was der Geschichte-Unterricht uns in schwarz-rot-goldenen Farben als demokratisches Freiheitsbild von 1848 vermittelt. Ja, einige Revolutionäre der ersten Stunde verlangten einen Nationalstaat ohne Binnenzölle und Demokratie, wenige auch das Ende des Feudalismus und die Republik. Auf die liberalen Forderungen meldeten sich ihre erbittertsten Gegner, die privilegierten Mittelschichten: „Kaum hatte die Revolution begonnen, verwüsteten an einigen Orten schon wieder Handwerker und Krämer den Juden die Häuser.“ Ihnen gab der Mob die Schuld an allem Neuen. Die schärfsten Gegner der Abschaffung der Sklaverei sind immer die privilegierten Sklaven. Der klassische Feind von Freiheit ist Sicherheit. Und niemandem laufen sie lieber nach als primitiven Botschaften: Irrlehren im Gewande der Unfehlbarkeit.
Besser, Sie schnallen sich an. Denn das Buch „Der Bausatz des Dritten Reiches“ von Wolfgang Prabel trägt Sie sonst aus der Kurve. Die Geschichtsinterpreten der Nachkriegszeit hätten uns weisgemacht, das abgrundtiefe Böse sei aus Hitlers „Mein Kampf“ und der Weltwirtschaftskrise über uns gekommen. Nein, sagt Autor Prabel: „Die Wurzeln der Unmenschlichkeit waren schon tief im Zeitgeist des Spätkaiserreichs und der sogenannten Goldenen Zwanziger Jahre verankert.“ Von den bekannten Größen der Goldenen Zwanziger, die auch viele von uns schätzen, bleibt nach der Lektüre von Prabels Buch praktisch nichts übrig.
Ob Inszenierungen wie der G7-Gipfel ihre Kosten wert sind, spaltet die Geister. Der Wirkung ihrer Bilder entziehen sich wenige. Wer diesen Gipfel in bayrischer Bilderbuch-Kulisse auf der Haben-Seite buchen kann, ist Angela Merkel. Ihr zweiter Weltwirtschaftsgipfel als deutsches Heimspiel wird von der Kür zur Klima-Kanzlerin gekrönt. Die Urkunde durfte sie aus den Händen von Greenpeace und Germanwatch höchst selbst entgegen nehmen. Das Zwei-Grad-Ziel in der Klimapolitik haben 2010 alle UNO-Staaten unterschrieben. Dass seine Elmauer Erneuerung durch die G7 als „Durchbruch“ bewertet wird, sagt, wie wenig in diesen Zeiten viel ist.
Nach Griechenland, Großbritannien, Spanien, Italien, Österreich nun das gleiche Muster in der Türkei und in Dresden: deutliche Gewinne der extremen Ränder und klare Verluste der Herrschenden. Und auf Schloss Elmau tanzt der G7- Kongress. Zunehmend viele Leute halten das wirklich für den Gipfel.
Die Emotionen schlagen beim Thema Homo-Ehe haushohe Wellen – dafür und dagegen. Mehr Klarheit in einen solchen Schlagabtausch zu bringen, ist schwer, weil beide Seiten keine Argumente hören wollen, sondern „Bekenntnisse“. Der Bekenntnis-Druck ist in unseren Tagen nicht nur beim Thema Homo-Ehe groß, aber hier im Übermaß. Wobei wenigen auffällt, dass diese Bekenntnis-Inflation zu einem drastischen Wertverlust der Währung Bekenntnis führen muss. Wo man sich zur PKW-Maut ebenso „bekennt“ wie zur europäischen Wertegemeinschaft, zur Freiheit ebenso wie zur Freizeit, werden Bekenntnisse wertlos.
Welches Stimmenergebnis jemand bei Wahlen erhält, bestimmt die Schlagzeilen nicht, sondern die Zu- und Abneigungen von Medien. Von 41 Prozent bei den Europawahlen stürzte Matteo Renzi mit seiner sozialdemokratischen Partei (PD) auf 22,6 bei den Regionalwahlen am vergangenen Sonntag ab. SPON titelt: „Renzi erhält Rückenwind“, FOCUS online: „Dämpfer für Renzi“.
Die Roten und Schwarzen in Österreich nehmen das berüchtigte Merkel-Wort nicht in den Mund: ALTERNATIVLOS. Aber ihre Politik und sich selbst als Politiker halten sie dafür. Ohne jeden Zweifel. In meiner Heimat Steiermark nennen sich ÖVP und SPÖ „Reformpartnerschaft“ und haben für deren Fortsetzung Wahlkampf geführt, als sei das der neue Name für eine fusionierte Partei. Haben die rot-schwarzen Farbenbrüder wirklich niemanden, der ihnen sagt, dass solches die Steirer in Scharen zur FPÖ treiben musste?
Nach Jihadisten suchen britische und französische Geheimdienstler unter den Migranten, die in Calais die Fähre nach Dover nehmen. Die Nachricht folgt der über die Verhaftung eines Marokkaners in Italien, der am Terroranschlag auf das Bardo-Museum in Tunis im März beteiligt gewesen sein soll. Der Mann kam auf einem Flüchtlingsboot nach Italien. Heute präsentiert die EU-Kommission als „Notfallmaßnahme“ eine Quote zur Verteilung von Flüchtlingen auf die Mitgliedsländer. Und ein Vizepräsident des Europaparlaments verlangt eine Strategie gegen die Gefahr, dass Isis Europa umzingelt. Nach BBC zwingt Libyens IS die Schleuser inzwischen, ihr 50 Prozent der Einnahmen abzuliefern und IS-Kämpfer auf den Schiffen mitzunehmen. Hier braut sich mehr und mehr ein explosives Gemisch zusammen.
„Der Wind in Griechenland, der Wind in Spanien, der Wind in Polen bläst nicht in die gleiche Richtung, aber alle diese Winde sagen, dass sich Europa ändern muss. Entweder bringt es Europa fertig, seine Wirtschaftspolitik zu ändern oder die Bewegungen gegen Brüssel und Straßburg werden immer stärker.“ Italiens Premier Matteo Renzi sagte das im toskanischen Fernsehen nach den spanischen Regionalwahlen und den polnischen Präsidentschaftswahlen, einem klaren Votum gegen die EU-konforme Warschauer Regierung. Und nun wird bekannt, dass Merkel und Hollande die EU weiter vertiefen wollen - ohne Vertragsänderungen. Aber einfach aussitzen werden sie David Cameron nicht können. Welche Strategie verbirgt sich dahinter, sich von Athen alles gefallen zu lassen und London alles zu verweigern? Ich fürchte – keine.
Perfekt gestylt wie Drag Queen Conchita Wurst ging der 60. Song Contest als eine Multimedia-Show über die Bühne, die neue Maßstäbe setzt. An ihr Gesicht und die weißen Strichmännchen werden sich noch viele erinnern, wenn der hektische Stillstand unserer Zeit längst weiterhastet. Äußerst wirksam kontrastierten die sympathischen Strichmännchen das Glitzerspektakel, die pantomimische Interaktion des schwedischen Contest-Siegers mit ihnen ist Inszenierung vom Feinsten. Wien ist bei Lichte betrachtet der wirkliche Sieger. Die Stadt bewies sich als Eventplatz der Superlative. Der Staatssender ORF kann das auf seine Habenseite buchen. „Song“ bleibt keiner. In den Zwischenräumen blitzten nationale und politische Vorlieben als Abstimmungs-Motive auf. Und technische Vorkehrungen, Unerwünschtes weg-zu-manipulieren, die beunruhigen.
Die Zahl der Flüchtlinge, die von einem Schlepperschiff geborgen werden oder mit ihm untergehen, muss inzwischen hoch sein, wenn sie den Medien noch eine Meldung wert sein soll. Das hörten wir gestern in der Münchner Runde des BR. Junge Tunesier, die keine Zukunft für sich sehen, berichtet die NZZ, entscheiden sich entweder für den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa oder ziehen nach Syrien in den Jihad, wo gutes Einkommen und der Status locken, für eine „gerechte Sache“ zu kämpfen. Wann sehen wir Stories über die Schuld der EU am IS-Nachschub?
"Da ist sie, die Großstadtpartei", stand gestern hier. Dass Friedrich Thelen, der dies analysierte, eine positive Grundhaltung zur FDP bescheinigt werden darf, ändert nichts an seiner Beobachtung von einem radikalen Generationenwechsel der FDP auf ihrem Bundesparteitag am vergangenen Wochenende in Berlin. Aber auch im neu gewählten Bundesvorstand der FDP ist ein bemerkenswerter Wechsel der Gesichter festzustellen. Was das verspricht und was es nicht garantiert, dazu ein paar Gedanken.
Auf die Paid-Content-Strategie der New York Times berufen sich gerade auch deutsche Verleger und Chefredakteure gern. Nach dem Motto, geht doch, Inhalte lassen sich sehr wohl verkaufen, wir müssen uns nur trauen und die Gratiskultur beenden. Die schlechte Nachricht: nytnow, die App der New Yorker Zeitungs-Ikone, gibt es ab sofort kostenlos, der Abo-Preis von acht Dollar im Monat für die “wichtigsten und interessantesten Geschichten” aus der NYT und anderen Quellen entfällt.
Ein roter Faden zieht sich durch die politische Landkarte Europas: Viele Establishment-Parteien sind am Abdanken. Ich bediene mich der ältesten Ressource der Welt: hinschauen und zusammenzählen. In ihrem Ursprungsland Schottland gibt es die Labour-Party nicht mehr. In Spanien bringen PP und PSOE, Konservative und Sozialdemokraten, die das Land in indirekten Koalitionen 30 Jahre regierten, zusammen keine 50 Prozent mehr auf die Waage. Wann ist das auch in Deutschland so weit?
