Tesla zieht an Audi vorbei

In der Welt-Automobilindustrie geschehen noch Zeichen und Wunder. Tesla hat im ersten Quartal des Jahres zum ersten Mal mehr Autos verkauft als ein deutscher Premiumhersteller.

IMAGO / Fotografie73
Tesla-Händler in Duisburg

Im ersten Quartal 2023 ist am globalen Automobilmarkt etwas geschehen, was selbst langjährige Kenner der Automobilindustrie nicht für möglich gehalten haben: Der amerikanische Elektroautomobil-Hersteller Tesla verkauft im ersten Quartal 2023 mit 422.875 Kundenauslieferungen erstmals mehr Automobile am Weltmarkt als der deutsche Premium-Hersteller Audi mit einem Absatz von 415.700 Stück; zudem stellte Tesla noch 18.000 neue Elektroautos auf Lager. 

Preissenkungen
Tesla eröffnet Preiskampf auf Elektro-Automarkt
Damit hat Tesla-CEO Elon Musk mit nur vier Elektromodellen innerhalb von gut einem Jahrzehnt eine deutsche Automobil-Ikone überrundet, die vor hundert Jahren in Zwickau gegründet wurde und allein am deutschen Markt mit 45 unterschiedlichen Modellen in 648 Varianten vertreten ist (Presseinformation;  MeinAuto.de). Bestseller bei Tesla war Modell 3, das auch in Grünheide (Brandenburg) gebaut wird. Teslas Verkaufserfolg ist umso bemerkenswerter, weil die Amerikaner schon seit längerem kein neues Modell mehr auf den Markt gebracht haben.

Abergläubische Gemüter würden von einem Menetekel sprechen. Für rationale Analysten ist es eher ein Zeichen, wie rasch sich gegenwärtig auch die Automobilwelt ändert. 

Bleibt die Frage offen, was die Gründe für den Tesla Absatzerfolg sind. Und ob es sich dabei nur um eine Eintagsfliege gehandelt haben könnte.

Letzteres hängt von den Rahmenbedingungen ab, vor allem davon, wie der Wettbewerb im allgemeinen und die deutschen Premiumhersteller im Besonderen auf diesen Marktgewinn Teslas reagieren werden, vor allem auf die aggressive Rabattpolitik des US-Herstellers.

Fakt ist, dass Elon Musk seit längerem unter erheblichem Absatzdruck steht. Die Überkapazitäten in seinen Fabriken in Grünheide und Austin (Texas) wachsen, neue Giga-Factories in Mexiko und Kanada sind geplant. In dieser Lage hat der Tesla-CEO seit Ende 2022 mit mehreren aggressiven Preissenkungen in allen Märkten den Absatz angekurbelt. In den USA kam hinzu, dass es ihm durch die mehrmalige Preissenkungen bis zu 10.000 Dollar gelungen ist, in die Förderkulisse des Kaufprämien-Programms der US-Regierung (IRA) für Elektroautos mit hoher amerikanischer Wertschöpfung zu gelangen.  

BMW, Daimler und Audi blieben draußen, haben aber laut Schmidt Automotive Reserach anders als Tesla die Preise stabil gehalten und dennoch gut verkauft. VW hat mit Mühen in letzter Minute die Förderschwelle noch erreicht.

Kühler Autofrühling in Sicht?
Deutscher Automarkt könnte sich aus der tiefen Krise etwas erholen
Marktexperte Schmidt hält den Vorsprung Teslas vor Audi für verschmerzbar: „Die Preise der deutschen Premiumhersteller sind zuletzt stabil geblieben und es sieht nicht so aus, als ob sie in nächster Zeit kurzfristig ähnliche Preisschnitte vornehmen, denn sie haben gut gefüllte Orderbücher und wollen ihre Restwerte stabil halten.“(Automobilwoche). BMW hat diese Absicht inzwischen bestätigt und möchte nicht „less money for same value“

Die Folgen dieser radikalen Preispolitik sind bei Tesla bereits in der Bilanz sichtbar.  Der Umsatz lag im ersten Quartal zwar bei 23,3 Milliarden Dollar, ein Anstieg von 24 Prozent. Der Nettogewinn fiel allerdings um 24 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar. Der Kurs der Tesla-Aktie ist in der Folgezeit um ein Viertel eingebrochen.

Unverkennbar ist, dass sich Tesla aufgrund seiner ehrgeizigen Wachstumsziele mit den Preissenkungen stärker in Richtung Volumenhersteller bewegt und sich damit zunehmend zu einem Wettbewerber für Marken wie Renault, Volkswagen und die meisten Stellantis-Marken mausert, ganz zu schweigen zu den zahlreichen chinesischen Marken wie BYD, Geely, Nio etc. – ohne aber für diese Massenstrategie über das notwenige Modellangebot im unteren Marktbereich zu verfügen, sondern einfach nur dadurch, dass es seine bisherigen Luxus-Autos billiger anbietet.

Ob die Premium-Kundschaft das auf die Dauer toleriert, ist zu bezweifeln.

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Kommentare ( 27 )

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Jerry
1 Jahr her

Das haben Sie sehr gut erkannt. Schauen Sie sich mal einen Werbespot von Audi, BMW, Mercedes oder sonst wem an, es geht prinzipiell über alle bekannten Marken. Fühlen Sie sich davon angesprochen? Da geht es hauptsächlich um „Diversität“, Lifestyle usw., neuerdings fast nur noch mit farbigen Models. Warum eigentlich? Vorbei die Zeit, als man Versucht hat über die technischen Vorzüge des eigenen Produkts gegenüber Wettbewerbern die Autos anzupreisen. Die Webseiten sehen genauso aus! Bei Tesla gibt es so etwas nicht, die haben meines Wissens nicht einmal eine PR Abteilung. Die Autos verkaufen sich aber trotzdem. Und wenn Sie sich die… Mehr

dienbienphu
1 Jahr her

Ich finde es ein Unding, dass mit dem von hart arbeitenden Bürgern abgepressten Steuergeld so etwas finanziert wird. Bis zu 6.750 Euro Umweltprämie beim Kauf 2023. Kfz-Steuerbefreiung, usw.

Jerry
1 Jahr her
Antworten an  dienbienphu

Ich finde es eher ein Unding, dass ich Bentleys, Ferraris etc., die in Deutschland selbstverständlich als Firmenwagen angemeldet sind, mit meinem abgepressten Steuergeld zahle. Damit scheinen die meisten hier jedoch kein Problem zu haben.

BK
1 Jahr her

Man darf aber nicht vergessen, dass Tesla keine Premiummarke ist. Es ist immer noch ein Elektropionier in Einheitsoptik, die ihr Produkt aus alten Lagerhallen ausliefern.

Brauer
1 Jahr her

Ich empfehle jedem E-Freund die Doku, Umweltsünder E-Autos. Von Arte produziert. Findet man auch au YT. Danach ist wieder der Verbrenner angesagt.

Dieter Rose
1 Jahr her

Es ist wie immer:
Zu wenig vorbereitet, zu wenig Phantasie, in welche Richtung automobile Entwicklungen gehen können. Aber das ist ein generelles Manko, deutlich auch bei Corona: Planungen gab es, Umsetzung dieser Planungen waren nicht gefragt.

fatherted
1 Jahr her

Wie letztens in einem TE Interview bemerkt wurde….Tesla muss billiger anbieten…ansonsten gehen die Akkus über die Wupper wenn sie zu lange auf Halde stehen. Fragt sich….wenn trotzdem keiner kauft….was dann?

Jerry
1 Jahr her

Das Einzige was ich der Audi Werbung entnehmen kann, dass ich als „alter weißer Mann“ offenbar gar nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Dementsprechend habe ich mein Kaufverhalten natürlich angepasst. Läuft alles wie gewünscht!

Last edited 1 Jahr her by Jerry
RMPetersen
1 Jahr her

Die Firma Tesla lebt nur dank der politischen Subventionen per CO2-Gitschriften, die von richtigen Autoherstellern von den Batterieautoherstellern zugekauft werden müssen.
Und: Ohne Subventionen und Propaganda würde doch kaum jemand ein Batterieauto kaufen, ausser für den Stadtverkehr. Aber in der Stadt soll man ja mit Fahrrad und Massenverkehr fahren.

mari
1 Jahr her

Den Elektroautos stehe ich als Privatnutzer noch stark abwartend gegenüber.
Was ist mit den Kosten, wenn der Akku dieser Autos getauscht werden muß ?
Das soll ja durch Verschleiß nach 6-8 Jahren eintreten.
Als Privatnutzer kann ich nichts abschreiben, nichts steuerlich geltend machen.
Daher muss ich stets das „Total cost of ownership“ im Auge haben.
Gab es da nicht vor Kurzem ein Video aus Finnland wo jemand seinen Tesla in die Luft gesprengt hat als er die Kosten des Akkutauschs erfuhr ?

nlmarco
1 Jahr her

Ein Tesla erfasst alle paar Sekunden die aktuellen GPS-Koordinaten und auch sämtliche anderen Daten — u.a. auch Videos — und lädt diese sonstwohin hoch. NIEMALS würde ich mir so ein Spionagegerät zulegen! Möge es auch noch so gut sein. E.T. darf nach Hause telefonieren, doch mein Auto darf das nicht! Und ja, ich habe mal irgendwo gelesen, daß die EU diese lückenlose Überwachung demnächst von jedem neuzugelassenen Auto erfordert. Aber ich bin auch schon sehr lange aus der EU ausgewandert. In meiner Wahlheimat fordert kein Gesetz die Überwachung durch mein Auto. Und falls es unbedingt ein Elektroauto für den Stadtverkehr… Mehr

Last edited 1 Jahr her by nlmarco