BIP- und Produktions-Propaganda schönt den Wirtschaftsabsturz nicht

Krampfhaft geschönte Erfolgsmeldungen können den politikergemachten Absturz der Wirtschaft im Medienbild nicht verbessern, sondern unterstreichen ihn in ihrer Hilflosigkeit.

picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Der Auftragsmangel bei Selbständigen hält an, beinahe jeder zweite Befragte (45,7 Prozent) berichtet von fehlenden Aufträgen. Das zeigt eine aktuelle Ifo-Umfrage. „Sowohl Firmen als auch Privatkunden halten sich zurück. Das trifft die Selbständigen besonders“, sagte Ifo-Forscherin Katrin Demmelhuber. „Eine spürbare Belebung des Geschäfts lässt weiter auf sich warten.“

Knapp ein Fünftel (19,5 Prozent) der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sieht darüber hinaus die eigene wirtschaftliche Existenz bedroht. Damit liegt der Wert ganz erheblich über dem Anteil in der Gesamtwirtschaft (6,7 Prozent). Diese Herausforderungen spiegeln sich auch im Geschäftsklima wider: Der „Jimdo-Ifo-Geschäftsklimaindex“ stagnierte im Oktober von -18,8 Punkten auf -18,6 Punkte.

Als Bruttoinlandsprodukt-Wachstum meldete das Statistische Bundesamt am 30. Oktober in Schnellschätzung für das 3. Quartal 2026 plus 0,2 % zum Vorquartal (preis-, saison- und kalenderbereinigt) und +1,3 % zum Vorjahresquartal (preisbereinigt; +1,2 % kalenderbereinigt) – nominal: ca. 1.188,6 Mrd. € (+4,6 % zum Vorjahresquartal).

Destatis nannte es „viertes Wachstumsquartal in Folge“ (nach +0,4 % im Q1 und +0,3 % im Q2 2026) und frisierte es als etwas bessere Entwicklung als von vielen Ökonomen und der Bundesbank erwartet nach teilweise angenommer Stagnation. Die Herbstprojektion der Bundesregierung und der IWF künden für das Gesamtjahr 2026 +1,3 % reales BIP-Wachstum und +1,1 % für 2027.

Als Produktionssteigerungen von Industrie und Produzierendem Gewerbe wurden für den August 2026 +2,0 % zum Vormonat gemeldet und am 6. November von Destatis für September auf +0,7 % zum Vormonat (saison- und kalenderbereinigt, real) und +0,4 % zum Vorjahresmonat stark nach unten revidiert – der August-Wert von +2,0 % auf +1,0 % halbiert. Im Dreimonatsvergleich lag die Produktion im dritten Quartal 0,4 % unter dem Q2.

Der Manufacturing PMI – S&P Global, Anfang November – für Oktober 2026 führt einen Anstieg auf 54,2 von 53,9 auf anhaltende Expansion der Industrieproduktion zurück, gestützt u. a. durch Exportnachfrage und staatlich verbundene Aufträge.
Der Anteil von Staatsaufträgen und höheren Staatsausgaben liegt in der vorläufigen Destatis-Schnellschätzung nicht vor. Die detaillierte Verwendungsrechnung folgt erst am 25. November.

Einschätzungen aus Berichten und Analysten gehen übereinstimmend von einem
von staatlichen Ausgaben getragenen Wachstum mit über 500 Milliarden Euro an Verteidigungsausgaben aus dem Infrastrukturfonds aus, die teilweise von der Schuldenbremse ausgenommen sind. Private Investitionen gingen zurück, Exporte schwächten sich merklich ab, der private Konsum legte nur leicht zu.

Aussagen wie „ohne diesen künstlich initiierten Impuls hätte die Wirtschaftsleistung wohl stagniert“ (Bethmann Bank) oder „der Aufschwung steht bislang nur auf einem Bein – dem Staat“ (DIW) sind typische Sprachverklemmungen. Viele Ökonomen wie bei Reuters, Bethmann Bank, DIW und Commerzbank betonen, dass die Erholung „in hohem Maße von Staatsausgaben abhängig“ bzw. „vom schuldenfinanzierten Fiskalpaket“ getragen werde und ohne diesen Impuls eher stagniert hätte. Der private Sektor bleibe „verhalten“, drechseln die Banker das. In der Herbstprojektion der Bundesregierung und beim IWF werden staatliche Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben wesentliche Treiber der höheren Prognose auf 1,3 % genannt, Staatskonsum wie Gehälter im öffentlichen Dienst, Sachaufwand etc. und öffentliche Ausgaben spielen eine zentrale Rolle.

Kurz: Das gemeldete Q3-BIP-Wachstum von +0,2 % und die Jahresprognose von +1,3 % beruhen nach Einschätzung der meisten Beobachter zu einem erheblichen –  nicht exakt bezifferten – Teil auf staatlichen Aufträgen für Infrastruktur, Verteidigung und anderem höheren Staatskonsum. Private Investitionen und industrielle Dynamik außerhalb staatlicher Nachfrage werden als „schwächer“ gehübscht.

Kürzer: Erfolgsmeldungen dieser Art können den politikergemachten Absturz der Wirtschaft nicht verbessern, sondern unterstreichen ihn in ihrer Hilflosigkeit noch.

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