Die Sparkasse Karlsruhe kündigt dem Journalisten Flavio von Witzleben das Geschäftskonto – und führt dabei auch dessen Interview mit einem EU-sanktionierten Journalisten an. Damit wird aus Sanktionsrecht Kontaktschuld: Wer mit den Falschen redet, riskiert seine wirtschaftliche Existenz.
Screenshot: Flavio von Witzleben
Die Sparkasse entfaltet für viele Bürger in Deutschland immer noch die unmittelbare Anmutung der Vertrauenswürdigkeit. Viele kennen sie noch, die Dame oder den Herrn von der Bank, die dem stolzen Grundschulkind das erste Sparbuch überreichte und so bei manchen die Grundlage für lebenslangen Wirtschaftssinn und Sparsamkeit legte. Die Gründe, der Sparkasse zu vertrauen, sind mittlerweile drastisch geschwunden. Sie nimmt bisweilen erfolgreichen Journalisten die finanziellen Mittel, wenn sie aus der geistigen Ödnis, die „unsere Demokratie“ bedeutet, ausbrechen.
Mit Wirkung zum 7. Januar wurde dem Youtuber Flavio von Witzleben von der Sparkasse Karlsruhe das Geschäftskonto gekündigt. Auf seinem Youtube-Kanal führt er wohlinformierte Gespräche mit Menschen unterschiedlichster Weltanschauung. Flavio von Witzleben klagte vor dem Amtsgericht Karlsruhe gegen die Kontokündigung. Die Klage ist nach wie vor anhängig.
Nun ging von Witzlebens Anwalt Markus Haintz die Klageerwiderung der Sparkasse zu. Nach von Witzlebens Darstellung führt die Sparkasse folgende Umstände für die Kontokündigung an: So seien erstens ungewöhnlich viele Kleinspenden eingegangen. Bei gegenwärtig 199.000 Kanal-Abonnenten sind die zahlreichen Kleinspenden der Sparkasse Karlsruhe offenbar unerklärlich. Die Sparkasse vermutet deshalb Geldwäsche.
Ihr zweiter Punkt bläst in dasselbe Horn. Die Verantwortlichen in der Sparkasse Karlsruhe zeigen sich irritiert darüber, dass von Witzleben Zahlungen über Google Ireland und PayPal erhält. Wenn Gelder auf von Witzlebens Konto eingehen, sieht die Bank nur „Google Ireland“ oder „PayPal“ als Absender und nicht die Kontoinformationen der einzelnen Spender. Die Bank kann anhand ihrer eigenen Kontoauszüge also nicht ohne Weiteres erkennen, wer hinter den einzelnen Zahlungen steht. Allerdings ist diese Zahlungsabwicklung bei YouTubern, Journalisten und anderen Selbstständigen vollkommen üblich und für sich genommen kein Hinweis auf Geldwäsche.
Ein weiteres Vergehen des Journalisten: Er hat 5.000 Euro in bar auf sein Konto eingezahlt, was er nicht bestreitet und ebenfalls nicht verboten ist. Zudem macht man von Witzleben zum Vorwurf, er habe ein neues Spendenkonto bei der Revolut Bank, das Zahlungen in Krypto-Währungen ermöglicht, eröffnet.
Ein Interview als Kontaktschuld
All diese Vorwürfe gehen offenbar dahin, von Witzlebens Geschäftsaktivitäten den Hauch des Anrüchigen zu verleihen, indem ein Geldwäsche-Verdacht konstruiert wird. Besonders brisant ist jedoch, dass die Sparkasse darüber hinaus einen unmittelbaren Bezug zu von Witzlebens journalistischen Tätigkeit herstellt. So wirft sie ihm vor, eine geschäftliche Beziehung zu dem Putin-nahen Journalisten Thomas Röper, dem Betreiber des Anti-Spiegel, zu unterhalten. Am 26. Juni 2025 hat von Witzleben unter dem Titel „Warum Russland den Westen abhängen wird“ ein Gespräch mit Röper veröffentlicht. Auch hier liegt die Absurdität auf der Hand, wie von Witzleben den Vorwurf kommentiert: Müsste man dann nicht auch dem ZDF eine „berufliche Beziehung“ zu Alice Weidel unterstellen? Schließlich hat der Sender ja ein Interview mit der AfD-Politikerin geführt.
Die Sparkasse Karlsruhe verweist in ihrer Klageerwiderung auf die EU-Sanktionen, denen Röper unterstellt ist. Mit den EU-Sanktionslisten können Personen, bei denen ein Zusammenhang zu „russischer Desinformation“ gesehen wird, der wirtschaftlichen Totalvernichtung ausgesetzt werden: Konten werden gesperrt, Zahlungsströme unterbunden, geschäftliche Kontakte abgeschnitten. Dies kann auch Journalisten und Publizisten betreffen. Einer der bekanntesten Fälle ist der des deutsch-türkischen Journalisten Hüseyin Dogru, dem die EU vorgeworfen hat, mit seiner Webseite „Red“ Putin-Propaganda in Europa zu betreiben.
Journalisten, die sich diesem Verdacht ausgesetzt sehen, müssen damit rechnen, dass ihnen sämtliche wirtschaftliche Aktivitäten untersagt werden. Personen, die ihnen wirtschaftliche Unterstützung zukommen lassen, werden mit mehrjährigen Haftstraften bedroht.
Die EU-Sanktionen werden nicht von einem Gericht, sondern vom Rat der Europäischen Union verhängt. Eine Gruppe Intellektueller, Wissenschaftler und Publizisten wandte sich wegen dieser an totalitäre Praktiken mahnenden Verhältnisse im Mai 2025 an die UN-Sonderberichterstatterin für Meinungsfreiheit.
Der aktuelle Debanking-Vorgang, dem sich Flavio von Witzleben ausgesetzt sieht, zeigt nun, dass die totalitären EU-Methoden eine regelrechte Sanktionskaskade auslösen können, und zwar auch dann, wenn sich derjenige, der mit einem Sanktionierten in Kontakt kommt, an das EU-Sanktionsrecht hält. Nach dem geltenden EU-Sanktionsrecht darf man einem Gelisteten keine Gelder oder andere wirtschaftliche Ressourcen bereitstellen. Würde also ein Journalist Röper für ein Interview bezahlen, so könnte dies als wirtschaftliche Unterstützung ausgelegt werden und somit selbst strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Der Fall von Witzleben zeigt, dass selbst diese Schwelle faktisch noch nach unten angepasst werden kann. Es wird nämlich nicht nur der Gelistete offiziell sanktioniert, sondern durch die Bank auch derjenige, der mit dem Gelisteten in Kontakt kommt oder ihm eine Bühne für seine Äußerungen bereitstellt. Die EU fungiert damit gleichsam als suprastaatlicher Kontaktschuldproduzent. Nicht nur wirtschaftlicher, sondern bereits kommunikativer Kontakt wird zum existenziellen Risiko. Darin liegt der eigentliche Skandal, und die Verantwortlichen in der Sparkasse Karlsruhe fungieren hier als ausführende Akteure einer EU-Funktionselite, die die Demokratie ausgerechnet dadurch verteidigen will, dass sie Rechtsstaat, Meinungs- und Assoziationsfreiheit mit Füßen tritt.
Der Verweis auf die Brüsseler Verhältnisse sollte uns aber nicht davon abhalten, nach den lokal Verantwortlichen zu fragen. Der Vorsitzende der Sparkasse Karlsruhe ist Dr. Alexander Endlich, der zum 1. Juli 2025 sein Amt antrat, nachdem er bereits im Juli 2024 von dem Verwaltungsrat zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Das Vorstandsressort für Firmen- und Gewerbekunden verantwortet Marc Sesemann. Der Verwaltungsratsvorsitzende ist Dr. Frank Mentrup. Der Verwaltungsrat bestimmt die Grundlinie der Geschäftspolitik und überwacht die Geschäftsführung. Interessante Überschneidung: Mentrup ist gleichzeitig der Karlsruher Oberbürgermeister und gehört der SPD an.
Von Witzlebens eigentliches Vergehen dürfte wohl sein: Er ermöglicht auf seinem Kanal offene Debatten, die „unsere Demokratie“ scheut wie der Teufel das Weihwasser; zu Corona, zur Ukraine, zur Migrationspolitik, zum Klimaschutz, und er gibt dabei, etwa mit Thomas Röper, Ulrike Guérot, Björn Höcke, Gabriele Krone-Schmalz oder Wolfgang Wodarg, jenen eine Bühne, deren Positionen in einer intakten liberalen Demokratie viel selbstverständlicher in der Breite debattiert werden müssten – ohne dass man diesen Positionen deshalb gleich zustimmt.
Der Debanking-Fall von Witzleben legt den Blick frei auf eine sich vertiefende Staats- und Demokratiekrise, zu deren ausführendem Organ sich nun auch zunehmend die Sparkassen machen. Obwohl die Sparkasse als öffentlich-rechtliche Einrichtung einer besonderen Grundrechtsbindung unterliegt, häufen sich auch bei den Sparkassen die Debanking-Fälle für politisch Unangepasste aller Couleur, wie diese Grafik zeigt:

Die Grafik basiert größtenteils auf einer KI-gestützten Zweitauswertung des Autors der von Multipolar recherchierten Debanking-Fälle. Die Jahreszahl gibt das Jahr der Kündigung wieder; sie kann von dem Wirksamwerden der Kündigung abweichen.
Die Begründung, die von Witzleben von der Karlsruher Sparkasse für seine Kontokündigung erhalten hat, ist ein weiterer Schritt in Richtung eines Systems, in dem ökonomische Infrastruktur zur Disziplinierung abweichender Stimmen eingesetzt wird. Die Botschaft, die von einem solchen Vorgehen ausgeht, lautet: Wenn du tatsächlich redest mit wem du willst, entziehen wir dir die wirtschaftliche Grundlage deines unangepassten Kommunikationsverhaltens. Die Sparkasse, sie ist keine Bank der leuchtenden Kinderaugen mehr; sie macht sich durch solche Aktionen wie diese vielmehr zu einer Bank der Schande.



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Ein Kostenlos-Interview hat auf jeden Fall gar keine Sparkasse zu interessieren. Der totalitäre Westblock muss genauso fallen wie der Ostblock 1989.