Während Deutschlands Industrie dem wirtschaftshistorischen Abgrund entgegensteuert und die Staatsschulden explodieren, halten die Forschungsinstitute Kurs. Für dieses und das kommende Jahr rechnen die Staatsökonomen mit einem Aufschwung. Doch selbst die Apologeten der Staatswirtschaft verheddern sich angesichts der desaströsen Lage in Widersprüchen.
picture alliance / ABBfoto | Frederik Kern
Gute Nachrichten für den Kanzler und den hoffnungsvollen Berliner Politikverein: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrer Herbstprognose für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,3 statt bislang 0,6 Prozent. Eine Verdopplung aus heiterem Himmel! Oder doch nur die Kanzler-Schuldenpumpe, die endlich einen statistischen Popanz aufbläst?
Auch für das kommende Jahr steht nach der Kalkulation der Staatsökonomen ein Wachstum zu Buche. Statt bislang 0,9 Prozent soll es um 1,1 Prozent mit der deutschen Ökonomie bergauf gehen. 2028 wird die Luft dann wieder dünner. Für das vierte Regierungsjahr der Koalition rechnen die Ökonomen dann nur noch mit einem mickrigen Aufschwung von 0,4 Prozent.
Im Vergleich zum stabilen Wachstum in den USA ist dieser Wert erbärmlich. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft kommt nur zustande durch die Kalkulation schuldenfinanzierter Staatsausgaben bei einer Staatsquote von über 52 Prozent. Eine Farce, wie Ökonomen wissen. Prosperität entsteht selbstverständlich nicht aus Bürokratenhand oder gar über Staatsschulden, was die dümmste Form der Ressourcenvergeudung ist. Prosperität entsteht aus einem komplexen Prozess effizienter Ressourcensteuerung, die nur über den marktwirtschaftlichen Mechanismus und freie Preisbildung möglich ist. Am grünen Tisch politischer Regulatoren und ideologischer Wirrköpfe werden lediglich die Gewinner und die Verlierer staatlicher Ressourcenvergeudung herausgesucht – jedermann, der Augen zum Sehen hat, kann diesen Prozess in Deutschland en détail studieren.
Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle sieht die Lage anders: „Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet“, schwärmt der Ökonom vom Merz-Aufschwung. Das ist Schönwetter-Prosa, die überdeckt, dass Deutschlands Wirtschaftsaufschwung lediglich in den Produktionshallen von Rheinmetall und Co. stattfindet, während im übrigen Bundesgebiet eine triste Flaute vorherrscht.
Und um der Peinlichkeit einer vertieften ökonomischen Debatte vorzubeugen, folgt auch auf die Jubelmeldung zugleich eine vorsichtige Korrektur: Der Aufschwung stünde auf einem schmalen Fundament, so Holtemöller. Denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasteten die Wirtschaft noch immer. Welch spannende Erkenntnis, auf die die neugierigen deutschen Staatsökonomen dort im Jahre 2026 nach eifriger Ausgrabungsarbeit wohl gestoßen sind.
Am Ende räumen auch die Jubel-Perser unter den Staatsökonomen ein: Das sogenannte deutsche Wirtschaftswachstum ist nichts anderes als ein schuldenfinanziertes staatliches Strohfeuer, das im Grunde bereits abgebrannt ist.
Vielleicht sollte man bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, was die eigentliche Quelle von Wohlstand ist. Ex negativo formuliert: Eine zentral geplante, schuldenfinanzierte Staatswirtschaft wird uns ganz sicher nicht reicher machen – sie ist der präzise Gegenentwurf der freien Marktwirtschaft, dem einzigen Mechanismus, der dauerhaft Ressourcen effizient zu lenken versteht und tatsächlich den Wohlstand der breiten Masse zu heben vermag.
Staatswirtschaft produziert politischen Nonsens in industriellem Stil. Sie bringt Günstlingswirtschaft hervor, die am Bedarf der Menschen vorbei wirtschaftet und darauf zielt, denjenigen die Taschen zu füllen, die mit der Politik im Verbund operieren – wie im Falle Deutschlands die neu entdeckte Kriegswirtschaft. Bundeskanzler Merz scheint sein politisches Schicksal an den deutschen Rüstungssektor geknüpft zu haben: Bis zum Ende der Legislaturperiode soll der Verteidigungshaushalt auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angestiegen sein, von ursprünglich einmal 60 Milliarden Euro auf inzwischen 120 und Ende 2029 entsprechend auf 153 Milliarden Euro.
Man steigt gemeinsam auf, finanziert vom deutschen Steuerzahler. Und man wird auch gemeinsam wieder versinken, da die allgemeine Konjunkturkrise auch vor diesem Sektor keinen Halt machen wird. Weshalb analysieren Staatsökonomen nicht mehr ordnungspolitisch, sondern kratzen mit ihren ökonometrischen Modellen an der Oberfläche der Wirtschaft, ohne auch nur ansatzweise auf qualitative Details bei ihrer Wachstumsprognose einzugehen?
Unter ihnen herrscht breiter Konsens: Bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode soll der deutsche Wehretat auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 230 Milliarden Euro anwachsen – ein breites Parteienkartell legt sich gemeinsam mit den staatsnahen Medien wie ein Cordon sanitaire argumentativ um diese wirtschaftspolitische Katastrophenentwicklung.
Zu diesen Claqueuren des Militärkeynesianismus, der schnell in einen brandgefährlichen Konflikt mit Russland emporschießen kann, zählen auch die Staatsökonomen vom DIW bis hin zum Kieler Institut. Sie alle stehen beim Staat in Lohn und Brot und stimmen gemeinsam die Melodie eines Wachstums an, das schlichtweg nicht existiert.
Die Wahrheit findet sich Schwarz auf Weiß in den Bilanzen der unterschiedlichen Sektoren. Die Industrie schrumpft derzeit mit einer Rate von 3,3 Prozent, der Gastronomiebereich real um über 5,7 Prozent, die Chemiewirtschaft um drei Prozent. Und auch der Einzelhandel gab summa summarum im ersten Halbjahr um etwa 2,5 Prozent nach – sieht so eine wachsende Ökonomie aus der Perspektive dieser selbsternannten Top-Ökonomen aus?
Wie sehr weicht doch die Perspektive der Staatsökonomen von unserer messbaren Realität ab? Jeder einzelne besitzt einen eigenen Zugang zur Welt; finanzielle Anreize bestimmen auch die individuelle Wahrnehmung. Dass der Staat seine Ökonomen-Propagandisten finanziert, lässt sich aus ihren Gutachten bereits herauslesen. Tatsächlich komisch wirkt das Gutachten, wenn es den Ursachen des vermeintlichen Wachstums nachspürt: Der Aufschwung soll Folge einer robusten Weltkonjunktur sein, eines KI-Booms und erwarteter Wertschöpfungsgewinne aus dem verarbeitenden Gewerbe. Man reibt sich verwundert die Augen: Der deutsche Aufschwung soll also genau aus jenen energieintensiven Sektoren hervorbrechen, die gerade bei uns sichtbar die Zelte abbauen oder die aus guten Gründen vom toxischen Wirtschaftsstandort Deutschland das Weite suchen.
Die Wahrheit ist: Deutschland verliert jedes Jahr Milliarden an Direktinvestitionen. Das Land wird durch internationale Investoren regelrecht filetiert – wertvolle Patente verschwinden aus der Insolvenzmasse der Bundesrepublik, um an anderen Standorten ökonomische Wertschöpfung zu erzeugen.
Über diesen Prozess erfahren wir nichts im Herbstgutachten. Ganz im Gegenteil: Die Staatsökonomen vollziehen einen Bückling vor dem neuen Korporatismus in Deutschland, der so weit in die Irre führt, dass Vertreter dieses kuriosen Seitenarms der Akademie letzten Endes ihre wissenschaftliche Lauterkeit über Bord werfen und ganz offen Partei für die zerstörerische Staatswirtschaft ergreifen. DIW-Präsident Marcel Fratzscher beispielsweise machte sich einen Namen als offensiver Proponent der grünen Staatswirtschaft, höherer Abgaben für die Bürger und einer generellen Wirtschaftssteuerung durch den Staat. Er ist der Posterboy der neuen Staatsökonomie, die den Geist der Sozialen Marktwirtschaft, der Deutschland einst aus der Verwüstung des Zweiten Weltkriegs wieder an die Spitze der Industrienationen führte, längst in alle Winde zerstreut hat.
Wer allen Ernstes glaubt, mit schuldenfinanziertem Staatskonsum ersetzen zu können, was über Jahrzehnte an Wissen und Wertschöpfung in der Privatwirtschaft geschaffen wurde, ist entweder ein politischer Träumer oder ein ökonomischer Analphabet.
Am Ende zahlt der Steuerzahler die Zeche für dieses blutleere keynesianische Experiment – entweder über höhere Abgaben oder über die Inflation, die bereits sichtbar anzieht. Beides sind Seiten derselben Medaille – ein fiskalischer Raubzug und Vermögenstransfer vom privaten Sektor in die Staatskasse.
Murray Rothbard fand für dieses jämmerliche politische Spektakel eine trockene Formel: Staatsausgaben, wie auch immer man sie bezeichnet, sind ausschließlich Konsum – kein Investment, keine Wertschöpfung, kein Wachstum. Aber diese Erfahrung werden auch unsere jüngst initiierten Etatisten und ökonomischen Träumer noch machen, da sie sich in diesem Moment auf der Gewinnerseite wähnen und ihren flüchtigen statistischen Erfolg als Ausweis erfolgreicher Politik fehlinterpretieren.


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