Bei Miosga lockt Klüssendorf Die Linke

Miosga lässt selbst den besten Elfmeter liegen. Spannender Wahlabend, interessantere Gäste als bei Markus Lanz zur selben Zeit – und trotzdem kein Treffer. Wären nicht Robin Alexander und Beatrix von Storch gewesen, bräuchten Sie den folgenden Text gar nicht zu lesen.

Screenshot ARD / Miosga

Caren Miosga hat diesmal eigentlich die perfekte Ausgangslage: Zwei Wahlen, ein spektakulärer Absturz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern (bei Redaktionsschluss sogar unter die Fünf-Prozent-Hürde), ein historisch starkes Ergebnis der SED/Die Linke in Berlin, deutliche AfD-Gewinne und ein Kanzler, der von einem „Desaster“ spricht. Miosga hat also alles auf dem Tisch, um ihren politischen Talk zum Brennen zu bringen.

Und doch entsteht über weite Strecken der Eindruck eines politischen Waschsalons: Jeder bringt seine eigene Wäsche mit, aber niemand möchte erklären, warum sie so dreckig ist.

Mathias Middelberg versucht nach Kräften, die Kanzlerkrise aus der Welt zu reden. Friedrich Merz sei nicht stärker unter Druck als andere Regierungschefs vor ihm. Helmut Kohl etwa sei mit Eiern beworfen worden. Und bei Gerhard Schröder sei dauernd „so ein Steuersong“ im Radio gespielt worden. Der CDU-Schatzmeister zählt auf, was alles gerade super läuft: Energiesteuer runter, Industriestrompreis, Pendlerpauschale. Außerdem würde jetzt schon 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum prognostiziert. Middelberg mault: „Darüber redet ja keine Socke, weil das keiner mitkriegt.“

Erste Prognose:
Berlin wird kommunistisch und wohl auch islamischer
Polit-Podcaster Robin Alexander ist das zu billig. Schon am überraschend frühen Kanzlerstatement – nur wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale – habe man den Ernst der Lage ablesen können. Merz habe sehr auffällig betont, er sei Kanzler und Parteivorsitzender – „daran erkennt man, in welcher schweren Krise dieser Kanzler ist“, so Alexander. „Er wollte sofort `nen Pflock einrammen.“

Tim Klüssendorf gibt heute den Wähler-Versteher. Merz habe mit seinem Statement bewiesen, dass er keine Ahnung davon habe, „was die Wähler uns mitgeben wollten“. Nach diesen verheerenden Ergebnissen sei doch klar, „dass wir eben nicht einfach so weitermachen können“. Wie denn dann? Das sagt der SPD-Generalsekretär allerdings auch nicht. Nur, dass die Rente mit 63 unbedingt bleiben müsse. Also: das Rentenreform-Paket am besten nochmal aufschnüren.

Alexander warnt vor den Folgen. Bärbel Bas und der Kanzler hätten nicht ohne Grund von einem Gesamtkunstwerk gesprochen. Alles greife ineinander. Wenn man jetzt einzelne Teile der Reform ändere, sei das wie ein Jengaturm, aus dem die Klötzchen rausgezogen werden. Alexander: „Da wird nicht viel übrig bleiben von der Reform, wenn Sie so arbeiten.“ Das Problem beim Kanzler der zweiten Wahl sei allerdings, „dass er seinen Leuten keine Erzählung geben kann wie es besser wird. Das Problem bei Merz ist: Wo ist die Perspektive? Warum soll es eigentlich nächsten Monat oder Weihnachten besser sein?“

Die hässlichen Bilder: Jetzt sind sie halt da
Trauerwache in Frankfurt für die Opfer der meist migratorischen Gewalt
Während Alexander versucht, die Politiker am Tisch zumindest inhaltlich zu stellen, setzt Miosga auf ihre übliche Strategie: Weichspül-Fragen für die Lieben („Welche Sorgen macht Ihnen das?“, harte Fragen für die Bösen. Beatrix von Storch, Vize-Chefin der AfD-Bundestagsfraktion, soll am besten erstmal zugeben, „dass viele Menschen die AfD gar nicht aus Überzeugung wählen, sondern aus Protest.“

Und dann immer wieder gern genommen: das alte „Der hat das gesagt, und was sagen Sie dazu“-Spiel. Zum Beispiel wolle AfD-Kollege Ulrich Siegmund ja mit Panzern und Bomben Asylanten jagen, behauptet Miosga. Von Storch winkt ab. Das sei ja wohl ganz offensichtlich ein Missverständnis. Das habe Siegmund ganz anders gemeint. Aber das glaubt ihr Miosga nicht – sie fragt nach und fragt nochmal und lehnt sich übern Tisch und hakt nochmal nach, denn sie ist sehr schlau.

Eigentlich ein apartes Bild: zwei Frauen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten, zanken miteinander und treten doch im unfreiwilligen Partnerlook auf. Miosga und von Storch haben heute beide ein Altrosa-Leibchen gewählt. Zumindest die Moderatorin dürfte sich über die putzige Parallele wohl totärgern.

Da von Miosga fast keine Fragen kommen, bringt sich von Storch gelegentlich selbst ins Spiel („Wenn ich dazu mal was sagen darf…“) und versucht es mit Drama: „Wir reiten in eine nie dagewesene Verschuldungsfalle hinein“, erklärt sie. Im Jahr 2030 würden die gesamten Staatseinnahmen nur noch für Schulden, Militär und Rente reichen. „Alles andere ist auf pump. Wir sind pleite.“

Die Parteien zerstören sich selbst
Nach dem GAU in Schwerin ist für Merz außer Weiterwursteln nichts mehr drin
Betretenes Schweigen in der Runde. Selbst Klüssendorf, der von Storch ständig unterbricht, sie bis an die Grenze des Erträglichen mit eigenem Sermon begleitet, sobald sie etwas ausführen will, selbst er ist plötzlich still. Könnte damit zu tun haben, dass es um Zahlen geht. Er hat es ja eher mit Partei-Nonsens. Sein schönster Spruch des Abends: Wir müssen in die Lage kommen, „strukturell unser Schicksal in die Hand zu nehmen“.

Von Storch versucht es weiter mit Grundsatzkritik: „Die Frage des Kanzlers ist im Grunde irrelevant. Es geht um den Kurs, der gefahren wird“, sagt sie. „Die Leute wollen, dass wir Geld sparen.“ Der Regierung fehle „die Lösungskompetenz, aus dieser Krise rauszukommen.“ Und „wir haben noch gar nicht gesprochen über die Verdreifachung der Verteidigungsausgaben“.

Klüssendorf grätscht schon wieder dazwischen. Völlig zusammenhanglos blafft er die AfD-Politikerin an. Er höre „immer nur Atomkraft, Remigration und Frieden mit Russland. Sie haben keine Lösungskompetenz. Ihre Lösungen sind keine!“ Der Zuschauer putzt sich die Ohren. Wie bitte? Hakt jetzt der SPD-Parolenautomat? Oder sind beim kleinen Timmi die Batterien alle? Von Storch nimmt es gelassen und bedankt sich artig für die Anwürfe. Sie habe zwar nicht ein einziges der Stichworte erwähnt – „würde ich aber tun“, sagt sie schmunzelnd.

Derweil nimmt sich Alexander nun den jungen Genossen zur Brust. Er verlangt von Klüssendorf ein klares Nein zu einer Koalition mit der SED/Die Linke in Berlin. Die Kommunisten hätten ein ausgemachtes Problem mit Judenhass. „Wir beide wissen, wohin der Hase läuft“, sagt Alexander. Die Linke sei sogar ehemaligen PDS-Senatoren zu antisemitisch. Josef Schuster, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, warne vor einer Koalition. Und der Remmo-Clanchef gehe zur Linken-Wahlparty, ergänzt von Storch.

Klüssendorf weiß nicht so recht wie ihm geschieht: „Das ist alles Wahnsinn“, stammelt er. „Ja, dann stoppen Sie das doch, Sie sind doch der Generalsekretär“, entgegnet Alexander. Doch der Genosse will nicht. Die SPD habe doch „harsche Kritik“ and diesen Vorfällen geübt. „Das sind keine Vorfälle, die machen damit Wahlkampf“, entgegnet von Storch trocken. Auch Alexander lässt nicht locker: „Warum sagen Sie nicht: Ich höre den Zentralrat der Juden. Stoppt das in Berlin. Was tut ihr hier. Verhandelt mit den Grünen und der CDU. Sagen Sie doch einfach im Fernsehen: Keine Koalition mit der Linken.“

Und Klüssendorf? Lässt die Katze aus dem Sack: „Nein, das tue ich nicht.“

Anzeige

Unterstützung
oder

Kommentare ( 6 )

Liebe Leser!

Wir sind dankbar für Ihre Kommentare und schätzen Ihre aktive Beteiligung sehr. Ihre Zuschriften können auch als eigene Beiträge auf der Site erscheinen oder in unserer Monatszeitschrift „Tichys Einblick“.
Bitte entwerten Sie Ihre Argumente nicht durch Unterstellungen, Verunglimpfungen oder inakzeptable Worte und Links. Solche Texte schalten wir nicht frei. Ihre Kommentare werden moderiert, da die juristische Verantwortung bei TE liegt. Bitte verstehen Sie, dass die Moderation zwischen Mitternacht und morgens Pause macht und es, je nach Aufkommen, zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Hinweis

6 Comments
neuste
älteste beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare ansehen
Lotus
1 Stunde her

Würden die Unfragen im Bund eine Mehrheit für grün-rot-dunkelrot ergeben, würde die SPD aus der Bundesregierung aussteigen und Neuwahlen anpeilen. SPD und Grüne sind keine Parteien der „Mitte“, sie sind so weit links, dass sie jederzeit zur Koalition und Kooperation mit Linksextremen bereit sind. Daher auch das Bekenntnis zur zweifellos verfassungsfeindlichen Antifa. Der Linksblock hat die Union dank Brandmauer im Schwitzkasten und arbeitet am Niedergang Deutschlands. Auf allen Ebenen.

tiptoppinguin
1 Stunde her

Aber das glaubt ihr Miosga nicht – sie fragt nach und fragt nochmal und lehnt sich übern Tisch und hakt nochmal nach, denn sie ist sehr schlau.“
Wenn man schlau ist, dann kann man sich dumm stellen – umgekehrt ist das viel schwieriger!
Frau Miosga muß sehr schlau sein, sonst würde sie keine Talkrunde leiten können. Und beim Robärt hat sie dich ja auch weit über den Tisch gelehnt, um nachzuhaken, oder?

Jerry
1 Stunde her

Ich schaue solche Sendungen ja nicht. Aber wird in den Haltungsmedien seit gestern Abend eigentlich auch von „Machtergreifung“ gesprochen, wenn eine Partei von Judenhassern an die Regierung kommt? Oder hat sich der Kanzler („Macht wird erteilt, nicht ergriffen“) dies bzgl. schon zu Wort gemeldet? Und was ist mit „Bundeszwang“ und all diesen Begriffen, die seit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt durch die Medien geistern? Ich höre irgendwie nichts!

Last edited 1 Stunde her by Jerry
Bernd Simonis
1 Stunde her

warum sollte Klüssendorf soche Zugeständnisse machen. Die Waehler wollen doch genau das, mehr Kommunismus.

Adlershofer
1 Stunde her

Als Berliner Stadtrandbewohner schämt man sich für das Wahlergebnis, das im wesentlichen in den Bezirken innherhalb des S-Bahnringes so enstanden ist. Von den unter 25-jährigen Frauen sollen 51% die Linke und 33% die Grünen gewählt haben. Nun denn, der und die Deutsche lernen nur über den Schmerz…

Haba Orwell
1 Stunde her

> Miosga lässt selbst den besten Elfmeter liegen.

Aha. Sonntags läuft ab 20:15 die Serie >>Lucifer<<, die erzählt weniger Märchen als ÖRR. Erstaunliche Hörigkeit den Staatsmedien gegenüber.